{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-04_NA_2017-10-25_IV_ZR_472_15_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2017:251017BIVZR472.15.0","court":"BGH","senate":"4. Zivilsenat","decided":"2017-10-25","aktenzeichen":"IV ZR 472/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIV ZR 472/15\nvom\n25. Oktober 2017\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2017:251017BIVZR472.15.0\n\nDer IV. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch die Vorsitzende\nRichterin Mayen, den Richter Felsch, die Richterin Harsdorf-Gebhardt,\nden Richter Lehmann und die Richterin Dr. Bußmann\n\nam 25. Oktober 2017\n\nbeschlossen:\n\nDer Senat beabsichtigt, die Revision der Klägerin gegen\ndas Urteil des Oberlandesgerichts München - 25. Zivilsenat - vom 17. September 2015 gemäß § 552a Satz 1\nZPO auf ihre Kosten zurückzuweisen.\n\nDie Parteien erhalten Gelegenheit, hierzu binnen\n\neines Monats\n\nStellung zu nehmen.\n\nGründe:\n\n1 I. Die Revision ist unbeschränkt zulässig. Das Berufungsgericht\nhat sie in den Entscheidungsgründen zugelassen, soweit die Feststellung\ngetroffen worden ist, dass die von der Beklagten gemäß ihrer Satzung\nüberprüfte Startgutschrift den Wert der von der Klägerin erlangten A nwartschaft auf die zu leistende Betriebsrente nicht verbindlich festlegt,\nda die Rechtssache insoweit grundsätzliche Bedeutung habe. Im Übrigen\n\nhat es die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision verneint.\nDamit ist die Nachprüfung des angefochtenen Urteils nicht wirksam b eschränkt.\n\n2 Grundsätzlich ist die Zulassungsbeschränkung auf einen von me hreren prozessual selbständigen Klageansprüchen möglich, sofern nicht\ndie Entscheidung über diesen Anspruch von der über den anderen ebe nfalls vom Berufungsgericht entschiedenen Anspruch abhängt und sich\nbei abgetrennter Entscheidung nicht die Gefahr ergibt, dass sich die\nrestliche Entscheidung dazu in Widerspruch setzt (Senatsbeschluss vom\n9. November 2011 - IV ZR 239/09, VersR 2012, 720 Rn. 13; Senatsurteil\nvom 8. März 2006 - IV ZR 263/04, ZEV 2006, 265 Rn. 14; BGH, Urteile\nvom 15. März 2017 - VIII ZR 295/15, NJW 2017, 2679 Rn. 14; vom\n26. April 2016 - XI ZR 108/15, WM 2016, 1031 Rn. 12). Das Gebot der\nWiderspruchsfreiheit gilt auch dann, wenn die als zulassungserheblich\nangesehene Rechtsfrage nicht zum Nachteil derjenigen Partei entschi eden worden ist, die das Urteil angreift (BGH, Urteile vom 8. Februar 2011\n- II ZR 206/08, NJW-RR 2011, 618 Rn. 10 ff.; vom 3. März 2005 - IX ZR\n45/04, NJW-RR 2005, 715 unter I 2 b und c; vom 25. Januar 1995 - XII\nZR 195/93, NJW-RR 1995, 449 unter I; vgl. auch Senatsbeschluss vom\n26. September 2012 - IV ZR 108/12, VersR 2013, 120 Rn. 7). Im Streitfall besteht die Gefahr widersprüchlicher Entscheidungen, weil die Frage\nder Verbindlichkeit der berechneten Startgutschrift von der Wirksamkeit\ndes Systemwechsels in der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes\nabhängt, die ihrerseits für die Entscheidung über den nicht der b eschränkten Revisionszulassung unterliegenden Anspruch auf Zahlung\neiner Versorgungsrente nach dem vor der Systemumstellung geltenden\nSatzungsrecht erheblich ist.\n\n3 II. Mittlerweile liegen indessen die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision der Klägerin im Sinne von § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO\nnicht mehr vor, und das Rechtsmittel hat auch keine Aussicht auf Erfolg\n(§ 552a Satz 1 ZPO).\n\n4 1. Die von der Revision der Klägerin aufgeworfenen Rechtsfragen\nhat der Senat überwiegend bereits vor Erlass des Berufungsurteils geklärt (vgl. die Nachweise in den Senatsurteilen vom 25. Januar 2017\n- IV ZR 229/15, BetrAV 2017, 181 und IV ZR 409/15, juris), im Übrigen\n- nach Zulassung der Revision im vorliegenden Verfahren - in den Senatsurteilen vom 25. Januar 2017 im Sinne des Berufungsgerichts en tschieden und die dortigen, auf vergleichbare rechtliche Erwägungen wie\nim Streitfall gestützten Revisionen der dortigen Versicherten zurückgewiesen. Ergänzend wird auf die Entscheidungsgründe der vorgenannten\nSenatsurteile Bezug genommen. Sie lassen sich auf den Streitfall übe rtragen. Damit sind auch die im Zeitpunkt der Entscheidung des Berufungsgerichts gegebenen Zulassungsgründe entfallen. Die grundsätzliche Klärung entscheidungserheblicher Rechtsfragen erst nach Einlegung\nder vom Berufungsgericht zugelassenen Revision steht einer Revision szurückweisung durch Beschluss nach § 552a ZPO nicht im Wege (S enatsbeschluss vom 19. Oktober 2016 - IV ZR 71/16, juris Rn. 3 m.w.N.).\n\n5 Das gilt auch für den von der Revision der Klägerin vorgebrachten\nGesichtspunkt, die Beklagte habe angesichts des Verbots geltungserhaltender Reduktion unwirksamer allgemeiner Geschäftsbedingungen und\nder gesetzlichen Wertungen des § 315 Abs. 3 BGB und des § 164 Abs. 1\nVVG keinen Anspruch auf weitere Nachbesserung mehr und der Senat\nmüsse die Neuregelung der Startgutschriften selbst treffen. Ein Rückgriff\nauf AGB-rechtliche Vorschriften scheidet im Streitfall bereits deswegen\n\naus, weil - wie der Senat betreffend die Satzung der Versorgungsanstalt\ndes Bundes und der Länder (Senatsurteil vom 14. November 2007 - IV\nZR 74/06, BGHZ 174, 127 Rn. 32 m.w.N.) bereits entschieden hat - die\nRegelung der Startgutschriften auch in der Satzung der Beklagten auf\neiner maßgeblichen Grundentscheidung der Tarifpartner beruht und deshalb der AGB-rechtlichen Inhaltskontrolle entzogen ist. Es bleibt danach\ndabei, dass die gebotene Neuregelung nicht der Beklagten allein im Sa tzungsänderungsverfahren, sondern mit Blick auf die Tarifautonomie nach\nArt. 9 Abs. 3 GG den Tarifvertragsparteien vorbehalten ist (vgl. Senatsurteile vom 14. November 2007 - IV ZR 74/06 aaO Rn. 150; vom 25. Januar 2017 - IV ZR 229/15, BetrAV 2017, 181 Rn. 29). Dementsprechend ist\nfür einen Rückgriff auf die Wertungen der § 315 Abs. 3 BGB und § 164\nAbs. 1 VVG, die jeweils eine Vertragsanpassung durch die Vertragspartei\nbetreffen, kein Raum.\n\n6 2. Aus den vorstehenden und in den vorgenannten Senatsentscheidungen im Einzelnen dargelegten Erwägungen hat die Revision der\nKlägerin auch in der Sache keine Aussicht auf Erfolg.\n\nMayen Felsch Harsdorf -Gebhardt\n\nLehmann Dr. Bußmann\n\nVorinstanzen:\nLG München I, Entscheidung vom 13.11.2014 - 12 O 28879/13 -\nOLG München, Entscheidung vom 17.09.2015 - 25 U 4601/14 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-10-25/iv-zr-472-15","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 552a","ref_norm":"552a","n":3},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 315","ref_norm":"315","n":2},{"jurabk":"VVG 2008","ref":"§ 164","ref_norm":"164","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 9","ref_norm":"9","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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