{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2017:141217BIXZB12.17.0","court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2017-12-14","aktenzeichen":"IX ZB 12/17","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 12/17\n\nvom\n\n14. Dezember 2017\n\nin dem Insolvenzverfahren\n\nECLI:DE:BGH:2017:141217BIXZB12.17.0\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Grupp, Dr. Schoppmeyer und\nMeyberg\n\nam 14. Dezember 2017\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde der weiteren Beteiligten zu 2 wird der\nBeschluss der Zivilkammer 26 des Landgerichts Hamburg vom\n9. Februar 2017 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Beschwerdegericht zurückverwiesen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 10.047,69 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die weitere Beteiligte zu 2 wurde vom Insolvenzgericht beauftragt, als\nSonderinsolvenzverwalterin eine einzelne zur Insolvenztabelle angemeldete\nForderung im Nominalbetrag von 1.500.000 € zu prüfen. Sie hat beantragt, die\nVergütung für ihre Tätigkeit einschließlich Auslagen und Umsatzsteuer auf ins-\n\ngesamt 11.053,24 € festzusetzen. Das Insolvenzgericht hat eine Vergütung in\nHöhe von insgesamt 386,75 € festgesetzt. Auf die sofortige Beschwerde der\nweiteren Beteiligten zu 2 hat das Landgericht durch die Einzelrichterin den festgesetzten Betrag auf 1.005,55 € erhöht, die weitergehende Beschwerde zurückgewiesen und die Rechtsbeschwerde zugelassen.\n\nII.\n\n2 Die Rechtsbeschwerde der weiteren Beteiligten zu 2 ist gemäß § 574\nAbs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO statthaft und auch im Übrigen zulässig. Sie führt zur\nAufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der\nSache an das Beschwerdegericht.\n\n3 Entscheidet der originäre Einzelrichter in einer Sache, der er rechtsgrundsätzliche Bedeutung beimisst, über die Beschwerde und lässt er die\nRechtsbeschwerde zu, so ist die Zulassung wirksam. Auf die Rechtsbeschwerde unterliegt die Entscheidung jedoch wegen fehlerhafter Besetzung des Beschwerdegerichts der Aufhebung von Amts wegen, weil der Einzelrichter in\nRechtssachen, denen er grundsätzliche Bedeutung beimisst, zwingend das\nVerfahren an das Kollegium zu übertragen hat. Bejaht er mit der Zulassungsentscheidung zugleich die grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache, ist seine\nEntscheidung objektiv willkürlich und verstößt gegen das Verfassungsgebot des\ngesetzlichen Richters nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG (BGH, Beschluss vom\n13. März 2003 - IX ZB 134/02, BGHZ 154, 200, 201 ff; vom 28. Juni 2012\n- IX ZB 298/11, ZInsO 2012, 1439 Rn. 3; vom 20. Juni 2013 - IX ZB 10/13,\nZInsO 2013, 1409 Rn. 3; vom 3. Juli 2014 - IX ZB 4/14, nv Rn. 3).\n\n4 So liegt der Fall hier. Zwar hat die Einzelrichterin die Rechtsbeschwerde\nnicht wegen grundsätzlicher Bedeutung, sondern zur Fortbildung des Rechts\nzugelassen. Gleichwohl hatte sie die Sache auf die Kammer zu übertragen, weil\nder Begriff der grundsätzlichen Bedeutung in § 568 Satz 2 Nr. 2 ZPO neben der\ngrundsätzlichen Bedeutung im engeren Sinn auch die in § 543 Abs. 2 Satz 1\nNr. 2 und § 574 Abs. 2 Nr. 2 ZPO genannten Fälle der Rechtsfortbildung und\nder Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung umfasst (BGH, Beschluss\nvom 13. März 2003, aaO S. 202; vom 3. Juli 2014, aaO Rn. 4).\n\n5 Die angefochtene Entscheidung ist daher aufzuheben und die Sache zur\nerneuten Entscheidung an den Einzelrichter des Beschwerdegerichts zurückzuverweisen (§ 577 Abs. 4 Satz 1 ZPO), damit er die gegebenenfalls nach § 568\nSatz 2 ZPO erforderliche Übertragungsentscheidung treffen kann.\n\nKayser Gehrlein Grupp\n\nSchoppmeyer Meyberg\n\nVorinstanzen:\nAG Hamburg, Entscheidung vom 23.06.2016 - 67e IN 155/12 -\nLG Hamburg, Entscheidung vom 09.02.2017 - 326 T 105/16 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-12-14/ix-zb-12-17","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 568","ref_norm":"568","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-12-14/ix-zb-12-17","retrieved":"2026-10-24 08:01:03.147430+00:00"},"card":{"id":"bgh/2017-12-14/ix-zb-12-17","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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