{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2017:130717BIZR106.15.0","court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2017-07-13","aktenzeichen":"I ZR 106/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nI ZR 106/15\nvom\n13. Juli 2017\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2017:130717BIZR106.15.0\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 13. Juli 2017 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Büscher, die Richter Prof. Dr. Schaffert, Prof.\nDr. Koch, die Richterin Dr. Schwonke und den Richter Feddersen\n\nbeschlossen:\n\nDie Anhörungsrüge gegen das Senatsurteil vom 16. März 2017\nwird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\n1 I. Die gemäß § 321a ZPO statthafte und auch im Übrigen zulässige Anhörungsrüge ist nicht begründet.\n\nDie Beklagte rügt ohne Erfolg, der Senat habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil er ihr Vorbringen nicht zur Kenntnis genommen und\nnicht in Erwägung gezogen habe, dass nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union eine Inanspruchnahme der Hersteller, Importeure und Händler auf Zahlung des gerechten Ausgleichs nicht mit Art. 5\nAbs. 2 Buchst. b der Richtlinie 2001/29/EG vereinbar sei, wenn die Möglichkeit,\ndie tatsächliche Belastung auf die privaten Nutzer abzuwälzen, nicht mehr bestehe.\n\nDer Senat hat sich mit dem Vorbringen der Beklagten auseinandergesetzt, sie habe darauf vertrauen dürfen, nicht rückwirkend und jedenfalls nicht in\nder aus dem Tarif ersichtlichen Höhe in Anspruch genommen zu werden, weil\n\nes ihr bis zur Veröffentlichung des Tarifs am 27. April 2010 nicht möglich gewesen sei, die Vergütung für 2008 und 2009 einzupreisen und weiterzugeben oder\ndafür Rückstellungen zu bilden (BGH, Urteil vom 16. März 2017 - I ZR 106/15,\njuris Rn. 28). Er hat berücksichtigt, dass nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union die Hersteller, Importeure und Händler nicht\nanstelle der Nutzer als eigentlichen Schuldnern des gerechten Ausgleichs mit\neiner Abgabe zugunsten der Rechtsinhaber belastet werden dürfen und daher\ndie Möglichkeit haben müssen, eine von ihnen für die Privatkopie zu entrichtende Abgabe in den Preis für die Überlassung der vergütungspflichtigen Anlagen,\nGeräte und Medien zur digitalen Vervielfältigung einfließen zu lassen (BGH,\nUrteil vom 16. März 2017 - I ZR 106/15, juris Rn. 29, unter Hinweis auf EuGH,\nUrteil vom 21. Oktober 2010 - C-467/08, Slg. 2010, I-10055 = GRUR 2011, 50\nRn. 48 - Padawan/SGAE; Urteil vom 16. Juni 2011 - C-462/09, Slg. 2011,\nI-5331 = GRUR 2011, 909 Rn. 23 und 29 - Stichting/Opus; Urteil vom 11. Juli\n2013 - C-521/11, GRUR 2013, 1025 Rn. 23 bis 25 = WRP 2013, 1169\n- Amazon/Austro-Mechana I; Urteil vom 10. April 2014 - C-435/12, GRUR 2014,\n546 Rn. 52 = WRP 2014, 682 - ACI Adam/Thuiskopie).\n\nDer Senat hat zwar für den Fall, dass die Hersteller, Importeure oder\n4\nHändler damit rechnen mussten, dass die Geräte oder Speichermedien vergütungspflichtig sind, angenommen, eine rückwirkende Geltendmachung und\nDurchsetzung des Vergütungsanspruchs sei auch dann nicht ausgeschlossen,\nwenn eine nachträgliche Weiterbelastung der Gerätevergütung durch Hersteller, Importeure oder Händler an den eigentlichen Vergütungsschuldner nicht\nmehr möglich sei (BGH, Urteil vom 16. März 2017 - I ZR 106/15, juris Rn. 30).\nDiese Annahme steht jedoch mit der vorgenannten Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union in Einklang. Mussten die Hersteller, Import-\n\neure oder Händler damit rechnen, dass die Geräte oder Speichermedien vergütungspflichtig sind, hatten sie die Möglichkeit, eine von ihnen für die Privatkopie\nzu entrichtende Vergütung in den Preis der Geräte oder Speichermedien einfließen zu lassen. Sie können sich dann im Falle ihrer späteren Inanspruchnahme nicht mit Erfolg darauf berufen, jetzt sei es ihnen nicht mehr möglich, die\nBelastung durch die von ihnen zu entrichtende Vergütung auf die Nutzer der\nGeräte oder Speichermeiden abzuwälzen.\n\n5 II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.\n\nBüscher Schaffert Koch\n\nSchwonke Feddersen\n\nVorinstanz:\nOLG München, Entscheidung vom 07.05.2015 - 6 Sch 12/13 WG -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-07-13/i-zr-106-15","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 321a","ref_norm":"321a","n":1},{"jurabk":"InfoSoc-RL","ref":"Art 5","ref_norm":"5","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-07-13/i-zr-106-15","retrieved":"2026-10-24 07:57:12.607279+00:00"},"card":{"id":"bgh/2017-07-13/i-zr-106-15","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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