{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2017:111217BIXZB76.17.0","court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2017-12-11","aktenzeichen":"IX ZB 76/17","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIX ZB 76/17\nvom\n\n11. Dezember 2017\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2017:111217BIXZB76.17.0\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richter Prof. Dr. Gehrlein, Grupp, Dr. Schoppmeyer und\nMeyberg\n\nam 11. Dezember 2017\nbeschlossen:\n\nDer Antrag der Klägerin auf Beiordnung eines Notanwalts für das\nRechtsbeschwerdeverfahren wird abgelehnt.\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 1. Zivilkammer\ndes Landesgerichts Ulm vom 28. August 2017 wird auf Kosten der\nKlägerin als unzulässig verworfen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 4.493,05 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 1. Der Antrag auf Beiordnung eines Notanwalts für das Rechtsbeschwerdeverfahren ist unbegründet, weil die Klägerin nicht dargelegt hat, sich erfolglos\num die Vertretung durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt bemüht zu haben.\n\n2 Die Beiordnung eines Notanwalts nach der Vorschrift des § 78b Abs. 1\nZPO setzt voraus, dass eine Partei die ihr zumutbaren Anstrengungen unter-\n\nnommen hat, einen zu ihrer Vertretung bereiten Rechtsanwalt zu finden. Im\nRechtsmittelverfahren vor dem Bundesgerichtshof muss eine Partei hierzu darlegen, sich ohne Erfolg zumindest an mehr als vier beim Bundesgerichtshof\nzugelassene Rechtsanwälte gewandt zu haben (BGH, Beschluss vom 28. Juni\n2010 - IX ZA 26/10, WuM 2010, 649 Rn. 1; vom 19. Januar 2011 - IX ZA 2/11,\nWuM 2011, 323 Rn. 2 mwN). Demgegenüber hat die Klägerin nicht dargelegt,\nsich überhaupt um die Vertretung durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt bemüht zu haben.\n\n3 2. Die Rechtsbeschwerde ist, soweit sie sich gegen die Ablehnung der\nBeiordnung eines Notanwalts durch das Berufungsgericht richtet, nicht statthaft.\nWeder sieht das Gesetz gegen die Ablehnung eines Antrages auf Beiordnung\neines Notanwalts die Möglichkeit einer Rechtsbeschwerde ausdrücklich vor\n(§ 78b Abs. 2, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO) noch hat das Landgericht in seinem Beschluss die Rechtsbeschwerde zugelassen (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2\nZPO). Überdies hat das Landgericht den Antrag mit zutreffender Begründung\nabgelehnt. Trotz eines entsprechenden Hinweises hat die Klägerin nicht hinreichend dargetan, für die Durchführung der Berufung keinen zu ihrer Vertretung\nbereiten Rechtsanwalt gefunden zu haben (§ 78b Abs. 1 ZPO).\n\n4 3. Soweit sie sich gegen die Verwerfung der Berufung gegen das Urteil\ndes Amtsgerichts Ulm vom 2. Juni 2017 richtet, ist die Rechtsbeschwerde gemäß § 522 Abs. 1 Satz 4, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthaft. Sie ist jedoch\nunzulässig, weil sie nicht binnen einer Notfrist von einem Monat nach Zustellung des angefochtenen Beschlusses durch einen bei dem Bundesgerichtshof\nzugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist (§ 575 Abs. 1 Satz 1 ZPO iVm\n§ 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO).\n\n5 Die Klägerin selbst ist nicht postulationsfähig. Entgegen ihrer Ansicht\nverstößt der § 78 Abs. 1 ZPO zu entnehmende Anwaltszwang nicht gegen höherrangiges Recht. Er dient der Qualität und dem Funktionieren des Rechtsschutzes und damit der verfassungsmäßigen Ordnung. Die Mitwirkung von\nRechtsanwälten am Verfahren trägt wesentlich zur Ausschöpfung des tatsächlichen und rechtlichen Prozessstoffes bei. Sie führt außerdem zu einer Versachlichung des Rechtsstreits, die dem raschen und reibungslosen Prozessverlauf\nzugutekommt. Durch diese Zwecke ist die mit dem Anwaltszwang einhergehende Beschränkung der Parteirechte hinreichend sachlich gerechtfertigt und wegen der Möglichkeit der Bewilligung von Prozesskostenhilfe sowie der Beiordnung eines Anwalts gemäß den §§ 78b, 78c ZPO auch zumutbar (BGH, Beschluss vom 12. November 2014 - IX ZB 61/14, nv mwN).\n\nKayser Gehrlein Grupp\n\nSchoppmeyer Meyberg\n\nVorinstanzen:\nAG Ulm, Entscheidung vom 02.06.2017 - 7 C 975/15 -\nLG Ulm, Entscheidung vom 28.08.2017 - 1 S 99/17 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-12-11/ix-zb-76-17","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78b","ref_norm":"78b","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78c","ref_norm":"78c","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-12-11/ix-zb-76-17","retrieved":"2026-10-24 08:01:02.998813+00:00"},"card":{"id":"bgh/2017-12-11/ix-zb-76-17","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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