{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2017:110517BVZA10.17.0","court":"BGH","senate":"5. Zivilsenat","decided":"2017-05-11","aktenzeichen":"V ZA 10/17","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nV ZA 10/17\nvom\n\n11. Mai 2017\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2017:110517BVZA10.17.0\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 11. Mai 2017 durch die\nVorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richterinnen Dr. Brückner und\nWeinland und die Richter Dr. Kazele und Dr. Hamdorf\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag der Kläger auf Beiordnung eines Notanwalts wird\nzurückgewiesen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Parteien sind Mitglieder einer Wohnungseigentümergemeinschaft.\nDie Kläger verlangen von den Beklagten die Beseitigung einer Terrassenüberdachung, weil diese ohne Zustimmung sämtlicher Wohnungseigentümer errichtet worden sei. Das Amtsgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung der\nKläger hat das Landgericht zurückgewiesen und die Revision nicht zugelassen.\nDas Urteil des Landgerichts ist dem Prozessbevollmächtigten der Kläger am\n23. Dezember 2016 zugestellt worden. Am 23. Januar 2017 haben die Kläger\npersönlich per Telefax beim Bundesgerichtshof einen Antrag auf Bestellung\neines Notanwalts zum Zwecke der Einlegung einer Nichtzulassungsbeschwerde\ngestellt. Anlagen waren dem Antrag nicht beigefügt. Diese gingen mit dem Original des Antrages am 25. Januar 2017 ein.\n\nII.\n\n2 Nach § 78b Abs. 1 ZPO hat das Prozessgericht einer Partei auf ihren\nAntrag einen Rechtsanwalt beizuordnen, wenn die Partei einen zu ihrer Vertretung bereiten Rechtsanwalt nicht findet und die Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung nicht mutwillig oder aussichtslos erscheint. Diese Voraussetzungen liegen hier nicht vor.\n\n3 1. Die Beiordnung eines Notanwalts setzt voraus, dass eine Partei alle\nihr zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, einen zu ihrer Vertretung\nbereiten Rechtsanwalt zu finden. Im Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesgerichtshof muss eine Partei insoweit - innerhalb der Rechtsmittelfrist (vgl. nur\nSenat, Beschluss vom 24. August 2011 - V ZA 14/11, WuM 2011, 699 Rn. 3;\nBGH, Beschluss vom 24. November 2016 - III ZA 22/16 juris Rn. 1; Beschluss\nvom 27. November 2014 - III ZR 211/14, MDR 2015, 540 Rn. 3; Beschluss vom\n18. Dezember 2012 - VIII ZR 239/12, NJW 2013, 1011 Rn. 3 jeweils mwN) -\nsubstantiiert darlegen und nachweisen, sich ohne Erfolg zumindest an mehr als\nvier Rechtsanwälte gewandt zu haben (vgl. nur Senat, Beschluss vom\n22. Oktober 2010 - V ZA 27/10, juris Rn. 1; BGH, Beschluss vom 30. April 2015\n- III ZR 63/15, juris Rn. 4; Beschluss vom 19. Januar 2011 - IX ZA 2/11, WuM\n2011, 323 Rn. 2; Beschluss vom 25. Januar 2007 - IX ZB 186/06,\nFamRZ 2007, 635 Rn. 2, Beschluss vom 16. Februar 2004 - IV ZR 290/03,\nNJW-RR 2004, 864).\n\n4 Diesen Anforderungen genügt der Antrag der Kläger nicht. Sie haben\nzwar in ihrer Antragsbegründung, die per Telefax am 23. Januar 2017 ohne Anlagen eingegangen ist, ausgeführt, dass sieben beim Bundesgerichtshof zugelassene Rechtsanwälte nicht zur Übernahme der Vertretung bereit gewesen\nseien. Offen bleiben aber die Gründe für die Weigerung, das Mandat zu über-\n\nnehmen. Die bloße Erklärung, die Rechtsanwälte hätten eine Vertretung abgelehnt, genügt den Anforderungen an eine substantiierte Darlegung und einen\nNachweis nicht (vgl. Senat, Beschluss vom 24. August 2011 - V ZA 14/11, WuM\n2011, 699 Rn. 3). Die dem Original der Antragsschrift als Anlagen beigefügten\nAblehnungsschreiben sind erst am 25. Januar 2017 und damit nach Ablauf der\nRechtsmittelfrist eingegangen.\n\n5 2. Darüber hinaus ist die beabsichtigte Rechtsverfolgung aussichtslos.\nInsoweit ist bereits zweifelhaft, ob die Beschwer der Kläger 20.000 € (§ 26 Nr. 8\nSatz 1 EGZPO) übersteigt. Diese bemisst sich bei der Abweisung einer Klage\ndes Wohnungseigentümers auf Beseitigung einer baulichen Veränderung am\ngemeinschaftlichen Eigentum grundsätzlich nach dem Wertverlust, den sein\nWohnungseigentum durch die bauliche Veränderung erleidet (Senat, Beschluss\nvom 6. April 2017 - V ZR 254/16, zur Veröffentlichung bestimmt). Ausgehend\nvon den Feststellungen des Berufungsgerichts zu den mit der baulichen Veränderung der Beklagten verbundenen Beeinträchtigungen dürfte die Wertgrenze\ndes § 26 Nr. 8 Satz 1 EGZPO nicht überschritten sein. Letztlich kann dies je-\n\ndoch offenbleiben, da zulassungsrelevante Rechtsfehler im Zusammenhang mit\nder Auslegung der Gemeinschaftsordnung und der Tatsachenwürdigung des\nBerufungsgerichts nicht vorliegen.\n\nStresemann Brückner Weinland\n\nKazele Hamdorf\n\nVorinstanzen:\n\nAG Wiesbaden, Entscheidung vom 24.03.2015 - 92 C 3737/14 (78) -\nLG Frankfurt am Main, Entscheidung vom 16.12.2016 - 2-13 S 61/15 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-05-11/v-za-10-17","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78b","ref_norm":"78b","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-05-11/v-za-10-17","retrieved":"2026-10-24 07:59:19.765014+00:00"},"card":{"id":"bgh/2017-05-11/v-za-10-17","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"5. 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