{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-05_NA_2016-10-27_V_ZB_50_16_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:271016BVZB50.16.0","court":"BGH","senate":"5. Zivilsenat","decided":"2016-10-27","aktenzeichen":"V ZB 50/16","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nV ZB 50/16\nvom\n\n27. Oktober 2016\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2016:271016BVZB50.16.0\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. Oktober 2016 durch die\nVorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richterin Dr. Brückner, den Richter\nDr. Kazele, die Richterin Haberkamp und den Richter Dr. Hamdorf\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 7. Zivilkammer\ndes Landgerichts Flensburg vom 1. Februar 2016 wird auf Kosten\nder Beklagten als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt 2.500 €.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Beklagte ist durch Urteil des Amtsgerichts vom 23. Oktober 2015,\ndas unter Anwendung von § 495a ZPO ergangen ist, verurteilt worden, an den\nKläger die Eigentumsurkunden zu zwei Pferden herauszugeben. Das Amtsgericht hat den Streitwert auf 500 € festgesetzt. Die Beklagte hat gegen dieses,\nihrem erstinstanzlichen Prozessbevollmächtigten am 27. Oktober 2015 zugestellte Urteil Berufung eingelegt. Die Berufungsbegründung ist bei Gericht am\n21. Januar 2016 eingegangen. Das Landgericht hat den Streitwert auf 2.500 €\nfestgesetzt und die Berufung der Beklagten mit Beschluss vom 1. Februar 2016\nals unzulässig verworfen. Hiergegen wendet sich die Beklagte mit der Rechtsbeschwerde. Der Kläger beantragt, die Rechtsbeschwerde zurückzuweisen.\n\nII.\n\n2 Das Berufungsgericht meint, die Berufung der Beklagten sei nicht innerhalb der am 28. Dezember 2015 abgelaufenen zweimonatigen Berufungsbegründungsfrist begründet worden.\n\nIII.\n\n3 Die Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 522\nAbs. 1 Satz 4 ZPO statthaft; sie ist aber unzulässig, da die besonderen Zulässigkeitsvoraussetzungen nach § 574 Abs. 2 ZPO, die auch bei einer Rechtsbeschwerde gegen einen die Berufung als unzulässig verwerfenden Beschluss\ngewahrt sein müssen (vgl. BGH, Beschluss vom 9. November 2004\n- XI ZB 6/04, BGHZ 161, 86, 87), nicht vorliegen.\n\n4 1. Eine Entscheidung über die Rechtsbeschwerde ist nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung oder zur Fortbildung des Rechts erforderlich.\n\n5 Entgegen der Ansicht der Beklagten wirft der Fall nicht die Frage auf, ob\ndie irrtümliche Anwendung der Grundsätze des § 495a ZPO und die deshalb\nunterbliebene Verkündung des Urteils dessen wirksamer Verlautbarung entgegensteht. Diese Frage ist bereits geklärt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stehen Verkündungsmängel dem wirksamen Erlass eines Urteils nur entgegen, wenn gegen elementare, zum Wesen der Verlautbarung gehörende Formerfordernisse verstoßen wurde, so dass von einer Verlautbarung\nim Rechtssinne nicht mehr gesprochen werden kann. Sind deren Mindestanforderungen hingegen gewahrt, hindern auch Verstöße gegen zwingende Former-\n\nfordernisse das Entstehen eines wirksamen Urteils nicht (vgl. BGH Großer\nSenat für Zivilsachen, Beschluss vom 14. Juni 1954 - GSZ 3/54, BGHZ 14, 39,\n44 ff.; BGH, Urteil vom 16. Oktober 1984 - VI ZR 205/83, NJW 1985, 1782,\n1783; Beschluss vom 8. Februar 2012 - XII ZB 165/11, NJW 2012, 1591 Rn. 11\nff.; Senat, Urteil vom 12. März 2004 - V ZR 37/03, NJW 2004, 2019, 2020). Zu\nden Mindestanforderungen gehört, dass die Verlautbarung von dem Gericht\nbeabsichtigt war oder von den Parteien derart verstanden werden durfte und die\nParteien von Erlass und Inhalt der Entscheidung förmlich unterrichtet wurden.\nMit dem Wesen der Verlautbarung nicht unvereinbar ist eine Bekanntgabe des\nUrteils durch Zustellung statt durch Verkündung in öffentlicher Sitzung, da dies\neine gesetzlich vorgesehene, wenn auch den in § 310 Abs. 3 ZPO aufgeführten\nUrteilen vorbehaltene Verlautbarungsform erfüllt. Wird ein § 310 Abs. 1 ZPO\nunterfallendes Urteil den Parteien - wie hier - an Verkündungs Statt förmlich\nzugestellt, liegt deshalb kein Verstoß gegen unverzichtbare Formerfordernisse,\nsondern ein auf die Wahl der Verlautbarungsart beschränkter Verfahrensfehler\nvor (Senat, Urteil vom 12. März 2004 - V ZR 37/03, NJW 2004, 2019, 2020;\nBGH, Urteil vom 2. April 1955 - IV ZR 261/54, BGHZ 17, 118, 122; BAG, Urteil\nvom 2. September 1965 - 5 AZR 24/65, BAGE 17, 286, 288). Nichts anderes\nergibt sich aus dem von der Beklagten angeführten Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 16. Oktober 1984 (VI ZB 25/83, VersR 1984, 1192, juris Rn. 10).\n\n6 2. Eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts ist auch nicht zur\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich. Das Berufungsgericht hat durch die Verwerfung der Berufung weder gegen den Anspruch der\nBeklagten auf Gewährung rechtlichen Gehörs verstoßen noch den Zugang zu\ndem von der Zivilprozessordnung eingeräumten Instanzenzug in einer unzumutbaren, aus Sachgründen nicht mehr zu rechtfertigenden Weise erschwert.\nEntgegen der Auffassung der Beklagten ist es zu Recht davon ausgegangen,\n\ndass sie die Berufung nicht bereits mit Schriftsatz vom 28. Oktober 2015 und\ndamit noch innerhalb der Berufungsbegründungsfrist begründet hat. Das Vorbringen aus diesem Schriftsatz genügt ersichtlich nicht den Mindestanforderungen des § 520 Abs. 3 Satz 2 ZPO an den Inhalt einer Berufungsbegründung.\n\n7 Von einer weiteren Begründung der Entscheidung wird nach § 577\nAbs. 6 Satz 2 i.V.m. § 564 Satz 1 und § 577 Abs. 6 Satz 3 abgesehen.\n\nStresemann Brückner Kazele\n\nHaberkamp Hamdorf\n\nVorinstanzen:\nAG Niebüll, Entscheidung vom 23.10.2015 - 10 C 137/15 -\nLG Flensburg, Entscheidung vom 01.02.2016 - 7 S 56/15 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-10-27/v-zb-50-16","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 310","ref_norm":"310","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 495a","ref_norm":"495a","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 520","ref_norm":"520","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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