{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-1_NA_2016-04-27_1_StR_448_15_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:270416B1STR448.15.0","court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"2016-04-27","aktenzeichen":"1 StR 448/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n1 StR 448/15\n\nvom\n27. April 2016\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen versuchten bandenmäßigen Betruges u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2016:270416B1STR448.15.0\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. April 2016 gemäß § 154a\nAbs. 2, § 349 Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:\n\nAuf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Potsdam vom 14. Januar 2015, soweit es ihn betrifft, unter\nentsprechender Beschränkung der Strafverfolgung des Angeklagten nach § 154a Abs. 2 StPO im Schuldspruch dahin abgeändert, dass die tateinheitliche Verurteilung wegen Bannbruchs\nentfällt.\n\nDie weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen vorsätzlichen Inverkehrbringens gefälschter Arzneimittel in Tateinheit mit vorsätzlichem Inverkehrbringen bedenklicher Arzneimittel in Tateinheit mit vorsätzlichem Handeltreiben mit\nverschreibungspflichtigen Arzneimitteln außerhalb von Apotheken in Tateinheit\nmit versuchtem bandenmäßigen Betrug in Tateinheit mit Bannbruch (in der\nQualifikation als Schmuggel nach §§ 372, 373 AO) in Tateinheit mit vorsätzlicher Benutzung einer Marke und eines Zeichens ohne Zustimmung des Inhabers zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.\n\n2 Gegen die Verurteilung des Angeklagten wegen tateinheitlich begangenen „gewerbsmäßigen Bannbruchs nach §§ 372 Abs. 1 und 2, 373 Abs. 1 und\n\n2 Ziffer 3 Abgabenordnung“ (UA S. 65) bestehen erhebliche rechtliche Bedenken. Gewerbsmäßiger Schmuggel gemäß § 373 Abs. 1, § 372 AO mit Bannbruch als Grunddelikt kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil – anders als\nes § 373 Abs. 1 AO voraussetzt – hier der Bannbruch nicht unter Verstoß gegen Monopolvorschriften begangen worden ist. Zudem ist für die hier vorliegende Sachverhaltskonstellation auch fraglich, ob die einschlägigen Strafvorschriften des Arzneimittelgesetzes gegenüber dem Bannbruch eine abschließende Regelung enthalten (zur umstrittenen Reichweite der Subsidiaritätsklausel des § 372 Abs. 2 AO allgemein vgl. auch BGH, Urteil vom 4. Juli 1973\n– 3 StR 15/73, BGHSt 25, 215, 216 betr. die Vorgängervorschrift des § 396\nRAO sowie die Hinweise zum Meinungsstand bei Jäger in Joecks/Jäger/Randt,\nSteuerstrafrecht, 8. Aufl., § 372 AO Rn. 86 und Beckemper, HRRS 2013, 443,\n444 f.).\n\n3 Der Senat nimmt deshalb mit Zustimmung des Generalbundesanwalts\ngemäß § 154a Abs. 2 StPO den Vorwurf des Bannbruchs gemäß §§ 372, 373\nAO von der Strafverfolgung aus und beschränkt insoweit das Verfahren. Dies\nführt zu der aus der Beschlussformel ersichtlichen Änderung des Schuldspruchs. Im Hinblick auf die in den Urteilsgründen angeführten Strafzumessungserwägungen schließt der Senat es hier aus, dass das Landgericht auf\neine niedrigere Strafe erkannt hätte, wenn es den Angeklagten nicht auch wegen in Tateinheit verwirklichtem Bannbruch verurteilt hätte. Es hat weder den\nStrafrahmen aus diesem Straftatbestand zur Anwendung gebracht, noch hat es\ndie tateinheitliche Begehung eines Bannbruchs ausdrücklich strafschärfend\ngewürdigt.\n\n4 Soweit das Landgericht durchgängig im Urteil hinsichtlich des vorsätzlichen Inverkehrbringens gefälschter Arzneimittel § 95 Abs. 1 Nr. 3 AMG statt zu-\n\ntreffend § 95 Abs. 1 Nr. 3a AMG nennt, handelt es sich ersichtlich um einen unbeachtlichen Schreibfehler (vgl. dazu BGH, Beschlüsse vom 12. Januar 2016\n– 1 StR 406/15 Rn. 5 und vom 25. September 2013 – 4 StR 351/13 Rn. 4). Die\nohne Rechtsfehler getroffenen Feststellungen belegen eindeutig die Voraussetzungen der Strafbarkeit aus § 95 Abs. 1 Nr. 3a AMG. Dies gilt für sämtliche im\nTatzeitraum maßgebliche Fassungen des § 95 Abs. 1 Nr. 3a AMG.\n\n5 Die weitergehende Revision des Angeklagten ist aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts genannten Gründen unbegründet im Sinne\nvon § 349 Abs. 2 StPO.\n\n6 Die Kostenentscheidung folgt aus § 473 Abs. 1 Satz 1 StPO.\n\nRaum Graf Jäger\n\nRadtke Fischer","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-04-27/1-str-448-15","cited_norms":[{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 372","ref_norm":"372","n":5},{"jurabk":"AMG 1976","ref":"§ 95","ref_norm":"95","n":4},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 373","ref_norm":"373","n":3},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 154a","ref_norm":"154a","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 473","ref_norm":"473","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-04-27/1-str-448-15","retrieved":"2026-10-24 07:52:12.834662+00:00"},"card":{"id":"bgh/2016-04-27/1-str-448-15","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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