{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:270416B1STR281.15.0","court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"2016-04-27","aktenzeichen":"1 StR 281/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n1 StR 281/15\n\nvom\n27. April 2016\nin der Strafsache\ngegen\n\nalias:\nalias:\n\nwegen vorsätzlichen Inverkehrbringens gefälschter Arzneimittel u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2016:270416B1STR281.15.0\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. April 2016 gemäß § 154a\nAbs. 2, § 349 Abs. 2 und 4 StPO beschlossen:\n\nAuf die Revision des Angeklagten W. wird das Urteil\ndes Landgerichts Potsdam vom 10. Oktober 2014, soweit es ihn\nbetrifft, unter entsprechender Beschränkung der Strafverfolgung\ndes Angeklagten nach § 154a Abs. 2 StPO im Schuldspruch dahin abgeändert, dass die tateinheitliche Verurteilung wegen Beihilfe zum Bannbruch entfällt.\n\nDie weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen vorsätzlichen Inverkehrbringens gefälschter Arzneimittel in Tateinheit mit vorsätzlichem Inverkehrbringen\nbedenklicher Arzneimittel in Tateinheit mit vorsätzlichem Handeltreiben mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln außerhalb von Apotheken in Tateinheit mit\nversuchtem Betrug in Tateinheit mit Beihilfe zum Bannbruch in Tateinheit mit\nvorsätzlicher Benutzung einer Marke und eines Zeichens ohne Zustimmung des\nInhabers zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.\n\n2 Gegen die Verurteilung des Angeklagten wegen tateinheitlich begangener\n„Beihilfe zum Bannbruch nach §§ 372 Abs. 1 und 2, 373 Abs. 1 und Abs. 2 Ziff. 3\nAbgabenordnung, § 27 StGB“ (UA S. 35) bestehen erhebliche rechtliche Beden-\n\nken. Gewerbsmäßiger Schmuggel gemäß § 373 Abs. 1, § 372 AO mit Bannbruch als Grunddelikt kommt schon deshalb nicht in Betracht, weil – anders als\nes § 373 Abs. 1 AO voraussetzt – hier der Bannbruch nicht unter Verstoß gegen\nMonopolvorschriften begangen worden ist. Hinsichtlich der Beihilfe zum bandenmäßigen Bannbruch gemäß § 373 Abs. 2 Nr. 3 AO hat das Landgericht darüber hinaus die Vorschrift des § 28 Abs. 2 StGB nicht in den Blick genommen\n(vgl. dazu Jäger in Joecks/Jäger/Randt, Steuerstrafrecht, 8. Aufl., § 373 AO\nRn. 83). Zudem ist für die hier vorliegende Sachverhaltskonstellation auch fraglich, ob die einschlägigen Strafvorschriften des Arzneimittelgesetzes gegenüber\ndem Bannbruch eine abschließende Regelung enthalten (zur umstrittenen\nReichweite der Subsidiaritätsklausel des § 372 Abs. 2 AO allgemein vgl. auch\nBGH, Urteil vom 4. Juli 1973 – 3 StR 15/73, BGHSt 25, 215, 216 betr. die Vorgängervorschrift des § 396 RAO sowie die Hinweise zum Meinungsstand bei\nJäger aaO, § 372 AO Rn. 86 und Beckemper, HRRS 2013, 443, 444 f.).\n\n3 Der Senat nimmt deshalb mit Zustimmung des Generalbundesanwalts\ngemäß § 154a Abs. 2 StPO den Vorwurf der Beihilfe zum Bannbruch von der\nStrafverfolgung aus und beschränkt insoweit das Verfahren. Dies führt zu der\naus der Beschlussformel ersichtlichen Änderung des Schuldspruchs. Im Hinblick\nauf die in den Urteilsgründen angeführten Strafzumessungserwägungen schließt\nder Senat es hier aus, dass das Landgericht auf eine niedrigere Strafe erkannt\nhätte, wenn es den Angeklagten nicht auch wegen in Tateinheit verwirklichter\nBeihilfe zum Bannbruch verurteilt hätte. Es hat weder den Strafrahmen aus diesem Straftatbestand zur Anwendung gebracht, noch hat es die tateinheitliche\nBegehung einer Beihilfe zum Bannbruch ausdrücklich strafschärfend gewürdigt.\n\n4 Soweit das Landgericht durchgängig im Urteil hinsichtlich des vorsätzlichen Inverkehrbringens gefälschter Arzneimittel § 95 Abs. 1 Nr. 3 AMG statt zu-\n\ntreffend § 95 Abs. 1 Nr. 3a AMG nennt, handelt es sich ersichtlich um einen unbeachtlichen Schreibfehler (vgl. dazu BGH, Beschlüsse vom 12. Januar 2016\n– 1 StR 406/15 Rn. 5 und vom 25. September 2013 – 4 StR 351/13 Rn. 4). Die\nohne Rechtsfehler getroffenen Feststellungen belegen eindeutig die Voraussetzungen der Strafbarkeit aus § 95 Abs. 1 Nr. 3a AMG. Dies gilt für sämtliche im\nTatzeitraum maßgebliche Fassungen des § 95 Abs. 1 Nr. 3a AMG.\n\n5 Die weitergehende Revision des Angeklagten ist aus den in der Antragsschrift des Generalbundesanwalts genannten Gründen unbegründet im Sinne\nvon § 349 Abs. 2 StPO.\n\n6 Die Kostenentscheidung folgt aus § 473 Abs. 1 Satz 1 StPO.\n\nRaum Graf Jäger\n\nRadtke Fischer","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-04-27/1-str-281-15","cited_norms":[{"jurabk":"AMG 1976","ref":"§ 95","ref_norm":"95","n":4},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 372","ref_norm":"372","n":3},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 373","ref_norm":"373","n":3},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 154a","ref_norm":"154a","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 27","ref_norm":"27","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 28","ref_norm":"28","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 473","ref_norm":"473","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-04-27/1-str-281-15","retrieved":"2026-10-24 07:52:12.800080+00:00"},"card":{"id":"bgh/2016-04-27/1-str-281-15","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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