{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-08_NA_2016-04-26_VIII_ZR_76_13_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:260416BVIIIZR76.13.0","court":"BGH","senate":"8. Zivilsenat","decided":"2016-04-26","aktenzeichen":"VIII ZR 76/13","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nVIII ZR 76/13\n\nvom\n\n26. April 2016\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2016:260416BVIIIZR76.13.0\n\nDer VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 26. April 2016 durch die\nVorsitzende Richterin Dr. Milger, die Richterin Dr. Hessel sowie die Richter\nDr. Achilles, Dr. Schneider und Kosziol\n\nbeschlossen:\n\nDie Revision der Kläger gegen das Urteil der 9. Zivilkammer des\nLandgerichts Oldenburg vom 14. Februar 2013 wird gemäß\n§ 552a ZPO zurückgewiesen.\n\nDie Kläger haben die Kosten des Revisionsverfahrens zu tragen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Senat nimmt zur Begründung seiner Entscheidung zunächst auf seinen Hinweisbeschluss vom 15. Dezember 2015 in dieser Sache Bezug. Ergänzend ist auf die von der Revision in den Schriftsätzen vom 21. Dezember 2015\nund vom 9. Januar 2016 erhobenen Einwendungen auszuführen:\n\n2 1. Entgegen der Auffassung der Revision besteht keine Veranlassung,\nden Rechtsstreit nach Art. 267 Abs. 1 bis 3 AEUV dem Gerichtshof der\nEuropäischen Union (im Folgenden: Gerichtshof) erneut zur Auslegung des\nArt. 3 Abs. 3 in Verbindung mit Anhang A der Gas-Richtlinie 2003/55/EG im\nHinblick darauf vorzulegen, ob die darin enthaltenen Transparenzanforderungen dahingehend auszulegen sind, dass die vom Senat im Anschluss an das\nUrteil des Gerichtshofs vom 23. Oktober 2014 (C-359/11 und C-400/11, NJW\n2015, 849 - Schulz und Egbringhoff) in den Urteilen vom 28. Oktober 2015\n\n(VIII ZR 158/11, ZIP 2015, 2226 Rn. 66 ff., 83, zur Veröffentlichung in BGHZ\nbestimmt, und VIII ZR 13/12, juris Rn. 68 ff., 85) vorgenommene ergänzende\nVertragsauslegung den Anforderungen an das erforderliche Maß an Transparenz genügt. Die gegenteilige Auffassung der Revision geht - wie der Senat im\nUrteil vom 6. April 2016 (VIII ZR 71/10, juris Rn. 37 ff.) ausgeführt hat, aus mehreren Gründen fehl.\n\n3 a) Die Auslegung des Art. 3 Abs. 3 in Verbindung mit Anhang A der Gas-Richtlinie 2003/55/EG ist, soweit für die Beurteilung des Streitfalles von Bedeutung, durch das genannte, im Verfahren VIII ZR 71/10 ergangene Urteil des Gerichtshofs sowie durch das ebenfalls auf Vorlage des Senats ergangene Urteil\ndes Gerichtshofs vom 21. März 2013 (C-92/11, NJW 2013, 2253 - RWE Vertrieb AG) im Sinne eines acte éclairé geklärt und hier - wie bereits in den beiden\nvorbezeichneten sowie in den im Anschluss hieran ergangenen weiteren Urteilen des Senats - lediglich auf den Einzelfall anzuwenden (vgl. hierzu etwa\nEuGH, Urteil vom 15. September 2005 - C-495/03, Slg. 2005 I-8151 Rn. 33\n- Intermodal Transports; BVerfG, GmbHR 2013, 598, 600; Senatsurteil vom\n16. September 2015 - VIII ZR 17/15, WM 2015, 2058 Rn. 33).\n\n4 Der Gerichtshof hat im Urteil vom 23. Oktober 2014 (C-359/11 und\nC-400/11, aaO Rn. 44 - Schulz und Egbringhoff) hervorgehoben, dass zum einen die Interessen der Kunden und das aus Art. 3 Abs. 3 der Gas-Richtlinie\n2003/55/EG in Bezug auf die Transparenz folgende Erfordernis eines hohen\nVerbraucherschutzes, zum anderen aber auch die besondere Situation und die\nwirtschaftlichen Interessen der als Versorger letzter Instanz im Sinne der vorgenannten Richtlinie handelnden Gasgrundversorger insoweit zu berücksichtigen seien, als sie sich die andere Vertragspartei nicht aussuchen und den Vertrag nicht beliebig beenden könnten (vgl. hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober\n2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 72 f., und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 74 f.). Dem-\n\nentsprechend hatte der Gerichtshof bereits im Urteil vom 21. März 2013\n(C-92/11, aaO Rn. 46 - RWE Vertrieb AG) ausgeführt, sowohl aus Nr. 2\nBuchst. b Abs. 2 und d des Anhangs der Richtlinie 93/13/EWG [Klausel-Richtlinie] als auch aus Anhang A Buchst. b der Gas-Richtlinie 2003/55/EG ergebe sich, dass der Unionsgesetzgeber im Rahmen von unbefristeten Verträgen wie Gaslieferungsverträgen das Bestehen eines berechtigten Interesses\ndes Versorgungsunternehmens an der Möglichkeit einer Änderung der Entgelte\nfür seine Leistung anerkannt habe (vgl. hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober\n2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 76, 79, und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 78, 81).\n\n5 Die vorbezeichneten rechtlich geschützten Interessen in einen angemessenen Ausgleich zu bringen, ist - wovon ersichtlich auch der Gerichtshof ausgeht - Aufgabe des nationalen Rechts. Die vom Senat auf dieser Grundlage in\nden Urteilen vom 28. Oktober 2015 vorgenommene ergänzende Vertragsauslegung nimmt diesen Ausgleich vor und trägt zugleich dem Ziel sowohl des nationalen als auch des europäischen Energiewirtschaftsrechts Rechnung, eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten (siehe hierzu Senatsurteile vom\n28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO Rn. 76 ff., und VIII ZR 13/12, aaO Rn.\n78 ff.; jeweils mwN). Sowohl das Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung bei den unbefristeten Gaslieferungsverträgen der Grundversorgung als\nauch die Sicherheit der Energieversorgung, bei der es sich um ein Gemeinschaftsinteresse höchsten Ranges handelt (BVerfGE 30, 292, 323 f. mwN;\nBusche in Säcker, Berliner Kommentar zum Energierecht, 3. Aufl., § 36 EnWG\nRn. 1), wären gefährdet, wenn der Grundversorger nicht berechtigt wäre, Steigerungen der eigenen (Bezugs-)Kosten während der Vertragslaufzeit an den\nKunden weiterzugeben (siehe hierzu Senatsurteile vom 28. Oktober 2015\n- VIII ZR 158/11, aaO Rn. 72 ff., 79, 82, und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 74 ff., 81,\n84; jeweils mwN).\n\n6 b) Einer erneuten Vorlage an den Gerichtshof bedarf es zudem auch\ndeshalb nicht, weil nach den vom Senat in den Urteilen vom 28. Oktober 2015\n(VIII ZR 158/11, aaO Rn. 34 ff., und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 36 ff.) aufgezeigten\nGrundsätzen eine richtlinienkonforme Auslegung des § 4 Abs. 1 und 2\nAVBGasV nicht in Betracht kommt.\n\n7 Aufgrund dieses - ausschließlich der Beurteilung des nationalen Gerichts\nunterliegenden (vgl. nur EuGH, Urteil vom 27. Februar 2014 - C-351/12, GRUR\n2014, 473 Rn. 45 mwN - OSA, sowie die Schlussanträge der Generalanwältin\nim Vorabentscheidungsverfahren C-135/10, juris Rn. 153 - SCF Consorzio\nFonografici) - Umstands ist der Senat angesichts der durch das nationale Recht\ngezogenen Grenzen schon mangels Entscheidungserheblichkeit der (weiteren)\nAuslegung des Unionsrechts nicht zu einer (erneuten) Vorlage an den Gerichtshof nach Art. 267 Abs. 1 bis 3 AEUV gehalten (vgl. EuGH, Urteil vom\n16. Juni 2011 - C-65/09 und C-87/09, Slg. 2011, I-5257 Rn. 35 bis 38 - Gebr.\nWeber und Putz; BVerfG, GmbHR 2013, 598, 601; BGH, Urteil vom 6. Oktober\n2015 - KZR 17/14, GRUR 2016, 304 Rn. 68; Schlussanträge der Generalanwältin in den Vorabentscheidungsverfahren C-510/10, juris Rn. 26 - DR und TV2\nDanmark, und C-135/10, aaO - SCF Consorzio Fonografici), zumal - wie der\nSenat ebenfalls entschieden hat - auch eine unmittelbare Anwendung der\nTransparenzanforderungen des Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Verbindung mit Anhang A der Gas-Richtlinie 2003/55/EG auf den vorliegenden Fall nicht in Betracht kommt (vgl. Senatsurteile vom 28. Oktober 2015 - VIII ZR 158/11, aaO\nRn. 62 ff., und VIII ZR 13/12, aaO Rn. 64 ff.).\n\n2. Soweit die Revision erneut und vertieft die Feststellungen des Berufungsgerichts zur Weitergabe von Bezugskosten angreift, hat der Senat dieses\nim Wege der Verfahrensrüge vorgebrachte Vorbringen geprüft, aber nicht für\ndurchgreifend erachtet (§ 564 ZPO).\n\nDr. Milger Dr. Hessel Dr. Achilles\n\nDr. Schneider Kosziol\n\nVorinstanzen:\nAG Delmenhorst, Entscheidung vom 04.08.2006 - 4A C 4063/06 (IV) -\nLG Oldenburg, Entscheidung vom 14.02.2013 - 9 S 574/06 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-04-26/viii-zr-76-13","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 552a","ref_norm":"552a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 564","ref_norm":"564","n":1},{"jurabk":"EnWG 2005","ref":"§ 36","ref_norm":"36","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-04-26/viii-zr-76-13","retrieved":"2026-10-24 08:00:14.366572+00:00"},"card":{"id":"bgh/2016-04-26/viii-zr-76-13","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"8. 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