{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-2_NA_2016-06-14_2_ARs_211_16_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:140616B2ARS211.16.0","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2016-06-14","aktenzeichen":"2 ARs 211/16","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 ARs 211/16\n2 AR 103/16\n\nvom\n14. Juni 2016\nin der Strafvollstreckungssache\ngegen\n\nwegen Betrugs\n\nAz.: 20 StVK 3/15 Landgericht Potsdam\nAz.: 720 VRs 91 Js 13476/10 Staatsanwaltschaft Karlsruhe\n\nECLI:DE:BGH:2016:140616B2ARS211.16.0\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts am 14. Juni 2016 beschlossen:\n\n1. Der Antrag des Landgerichts Potsdam, das zuständige Gericht\nzu bestimmen, wird zurückgewiesen.\n\n2. Die Sache wird zur weiteren Veranlassung an das Landgericht\nPotsdam zurückgegeben.\n\nGründe:\n\n1 1. Der Verurteilte befindet sich seit dem 13. September 2011 in Haft. Am\n7. März 2013 wurde er in die Justizvollzugsanstalt Ulm in den offenen Vollzug\nverlegt. Nachdem er von einem Hafturlaub nicht zurückgekehrt war, wurde er\nam 8. Dezember 2014 in Potsdam festgenommen und zum Zwecke des Rücktransports in die Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel eingeliefert.\nDer Rücktransport in die Justizvollzugsanstalt Ulm erfolgte am 13. Januar 2015.\nAm 26. Januar 2015 wurde er in die Justizvollzugsanstalt Offenburg verlegt.\nWährend seines Zwischenaufenthalts in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg\nan der Havel richtete der Verurteilte mit Schreiben vom 18. Dezember 2014\neinen Antrag auf bedingte Entlassung zum Halbstrafenzeitpunkt an die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Potsdam.\n\n2 Die Strafvollstreckungskammern des Landgerichts Potsdam und des\nLandgerichts Offenburg haben ihre örtliche Zuständigkeit für die nach § 454\nAbs. 1 StPO i.V.m. § 57 StGB zu treffende Entscheidung verneint. Das Landgericht Potsdam hat mit Beschluss vom 15. März 2016 beantragt, das zuständige\nGericht zu bestimmen.\n\n3 2. Der Antrag auf Bestimmung des zuständigen Gerichts ist zurückzuweisen.\n\n4 In einem Streit gemäß § 14 StPO kann der Bundesgerichtshof nur eines\nder streitenden Gerichte als zuständiges Gericht bestimmen. Die Bestimmung\nmuss unterbleiben, wenn keines der bislang am Streit beteiligten Gerichte zuständig ist (Senat, Beschluss vom 27. September 2000 - 2 ARs 69/00, NStZ\n2010, 110; Beschluss vom 19. September 1986 - 2 ARs 206/86, BGHR StPO\n§ 462a Abs. 1, Befasstsein 2 mwN). Beteiligt sind am Streit bislang nur die\nStrafvollstreckungskammern des Landgerichts Potsdam und des Landgerichts\nOffenburg.\n\n5 Zuständig für die Entscheidung über die Aussetzung der Reststrafe zur\nBewährung ist indes die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Ulm,\ndenn der Verurteilte war zum Zeitpunkt, in dem er seinen Antrag auf Aussetzung der Reststrafe auf Bewährung anbrachte, in einer zum Bezirk des Landgerichts Ulm gehörenden Justizvollzugsanstalt aufgenommen (§ 462a Abs. 1\nSatz 1 StPO):\n\n6 „Aufgenommen“ im Sinne des § 462a Abs. 1 Satz 1 StPO ist ein Verurteilter, wenn er sich in der betreffenden Vollzugseinrichtung tatsächlich und\nnicht nur vorübergehend, wie etwa im Rahmen einer Verschubung, zum Zwecke einer medizinischen Untersuchung oder zum Zwecke einer vorübergehenden medizinischen Behandlung aufhält (KK-StPO/Appl, 7. Aufl. § 462a Rn. 15\nmwN). Da der Verurteilte nach seiner Flucht nur vorübergehend in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel zum Zwecke des Rücktransports\n\nuntergebracht war, war er auch in der Zeit seines dortigen Aufenthalts weiterhin\nin der Justizvollzugsanstalt Ulm aufgenommen.\n\n7 Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Ulm war mit Eingang\ndes Antrags des Verurteilten am 18. Dezember 2014 auch mit der Sache „befasst“ im Sinne des § 462a Abs. 1 Satz 1 StPO. Dabei ist unschädlich, dass der\nAntrag an das Landgericht Potsdam gerichtet und zunächst dort eingegangen\nwar. Es genügt, dass der Antrag bei einem Gericht eingegangen ist, das für die\nSache zuständig sein kann (vgl. KK-StPO/Appl aaO Rn. 19).\n\n8 Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Ulm blieb auch nach\nder am 26. Januar 2015 erfolgten Verlegung des Verurteilten in die Justizvollzugsanstalt Offenburg für die Entscheidung über die Aussetzung der Reststrafe\nzur Bewährung zuständig, da sie zu diesem Zeitpunkt bereits mit dieser Sache\n„befasst“ im Sinne des § 462a Abs. 1 Satz 1 StPO war (KK-StPO/Appl aaO\nRn. 21).\n\nFischer Appl Eschelbach\n\nOtt Bartel","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-06-14/2-ars-211-16","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 462a","ref_norm":"462a","n":4},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 57","ref_norm":"57","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 454","ref_norm":"454","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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