{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:040216BIIIZR356.14.0","court":"BGH","senate":"3. Zivilsenat","decided":"2016-02-04","aktenzeichen":"III ZR 356/14","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIII ZR 356/14\nvom\n\n4. Februar 2016\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2016:040216BIIIZR356.14.0\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. Februar 2016 durch den\nVorsitzenden Richter Dr. Herrmann, die Richter Tombrink, Dr. Remmert und\nReiter sowie die Richterin Dr. Liebert\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Naumburg vom 15. Oktober 2014 - 5 U 115/14 - wird zurückgewiesen.\n\nDie Kläger haben die Kosten des Beschwerdeverfahrens je zur\nHälfte zu tragen.\n\nStreitwert: bis 80.000 €\n\nGründe:\n\n1 Die Beschwerde der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision in\ndem angefochtenen Urteil ist unbegründet, weil die Zulassungsvoraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO nicht vorliegen.\n\n2 Die Klageforderung ist wegen Ablaufs der kenntnisunabhängigen Verjährungsfrist nach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB insgesamt verjährt (§ 214 Abs. 1\nBGB), weil der Güteantrag der Kläger vom 29. Dezember 2011, was die Beklagte in der Beschwerdeerwiderung zu Recht geltend macht und der Senat für\nweitestgehend gleichlautende Güteanträge inzwischen mehrfach entschieden\nhat (vgl. nur Beschlüsse vom 28. Januar 2016 - III ZB 88/15 und III ZR 116/15),\n\nnicht den Anforderungen an die nötige Individualisierung des geltend gemachten prozessualen Anspruchs nach § 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB entspricht.\n\n3 1. Der Güteantrag hat in Anlageberatungsfällen regelmäßig die konkrete\nKapitalanlage zu bezeichnen, die Zeichnungssumme sowie den (ungefähren)\nBeratungszeitraum anzugeben und den Hergang der Beratung mindestens im\nGroben zu umreißen. Ferner ist das angestrebte Verfahrensziel zumindest soweit zu umschreiben, dass dem Gegner und der Gütestelle ein Rückschluss auf\nArt und Umfang der verfolgten Forderung möglich ist; eine genaue Bezifferung\nder Forderung muss der Güteantrag seiner Funktion gemäß demgegenüber\ngrundsätzlich nicht enthalten (Senatsurteile vom 18. Juni 2015 - III ZR 198/14,\nNJW 2015, 2407, 2409 Rn. 25 mwN, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen;\nvom 20. August 2015 - III ZR 373/14, NJW 2015, 3297, 3298 Rn. 18; vom\n3. September 2015 - III ZR 347/14, BeckRS 2015, 16019 Rn. 17 und vom\n15. Oktober 2015 - III ZR 170/14, WM 2015, 2181, 2182 Rn. 17; Senatsbeschlüsse vom 13. August 2015 - III ZR 380/14, BeckRS 2015, 15051 Rn. 14\nund III ZR 358/14, BKR 2015, 527 Rn. 3 sowie vom 28. Januar 2016 - III ZB\n88/15, zur Veröffentlichung vorgesehen; jew. mwN). Auch bedarf es für die Individualisierung nicht der Angabe von Einzelheiten, wie sie für die Substantiierung des anspruchsbegründenden Vorbringens erforderlich sind (Senatsurteil\nvom 15. Oktober 2015 aaO a.E.).\n\n4 2. Der Güteantrag vom 29. Dezember 2011 genügt diesen Anforderungen\nnicht. Er nennt zwar den Namen und die Anschrift der Kläger (als \"antragstellende Partei\"), die Fondsgesellschaft, die Vertragsnummer und die Summe der\nEinlagen (zuzüglich 5 % Agio) sowie eine Reihe angeblicher Beratungs- beziehungsweise Prospektmängel. Der Name des Beraters sowie der Zeitraum der\nBeratung und Zeichnung werden jedoch nicht erwähnt. Der Fondsbezeichnung\n\n\"D. “ lässt sich ebenfalls keine nähere zeitliche Einordnung entnehmen.\nVor allem aber bleibt das angestrebte Verfahrensziel (Art und Umfang der Forderung) im Dunkeln. Im Güteantrag ist davon die Rede, dass die antragstellende Partei so zu stellen sei, als ob keine Beteiligung zustande gekommen wäre.\nDer geforderte Schadensersatz umfasse \"sämtliche aufgebrachten Kapitalbeträge sowie entgangenen Gewinn und ggf. vorhandene sonstige Schäden (z.B.\naus Darlehensfinanzierung oder Steuerrückzahlungen)\" sowie Rechtsanwaltskosten und \"künftig noch aus der Beteiligung entstehende Schäden\". Dabei\nbleibt offen (\"ggf.\"), ob und inwieweit das eingebrachte Beteiligungskapital im\nvorliegenden Fall fremdfinanziert war, so dass ein etwaiger Schaden auch oder\ngar - wie hier - zu einem großen Teil in den aufgebrachten Zins- und Tilgungsleistungen bestanden hätte (vgl. dazu auch Senatsurteile vom 20. August 2015\naaO S. 3299 Rn. 22 und vom 3. September 2015 aaO Rn. 18). Auch die weiteren Schäden (entgangener Gewinn und sonstige Schäden) bleiben vollends\nunbestimmbar. Die Größenordnung des geltend gemachten Anspruchs ist für\ndie Beklagte (als Antragsgegnerin und Schuldnerin) und für die Gütestelle hiernach aus dem Güteantrag nicht zu erkennen und auch nicht wenigstens im\nGroben einzuschätzen gewesen.\n\n5 Nach alledem erweist sich die Verjährungseinrede der Beklagten als\ndurchgreifend und die Klageforderung somit insgesamt als unbegründet. Mangels wirksamer vorheriger Hemmung ist die kenntnisunabhängige zehnjährige\nVerjährungsfrist nach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB, die gemäß Art. 229 § 6\nAbs. 4 Satz 1 EGBGB am 1. Januar 2002 begonnen hat, am Ende des 2. Januar 2012 (Montag) und somit vor Einreichung der Klage im Juni 2013 abgelaufen.\n\n6 Auf die von der Beschwerde erhobenen Rügen zum Prospektinhalt sowie\ndie Gegenrüge der Beklagten im Hinblick auf den Vorlagebeschluss des Landgerichts B. vom 29. Januar 2015 (3 OH 50/14 KapMuG) kommt es demnach\nnicht mehr an.\n\n7 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen.\n\nHerrmann Tombrink Remmert\n\nReiter Liebert\n\nVorinstanzen:\nLG Stendal, Entscheidung vom 13.05.2014 - 23 O 218/13 -\nOLG Naumburg, Entscheidung vom 15.10.2014 - 5 U 115/14 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-02-04/iii-zr-356-14","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 199","ref_norm":"199","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 214","ref_norm":"214","n":1},{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 229 § 6","ref_norm":"229-6","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 204","ref_norm":"204","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-02-04/iii-zr-356-14","retrieved":"2026-10-24 07:58:05.644642+00:00"},"card":{"id":"bgh/2016-02-04/iii-zr-356-14","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"3. 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