{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-5_NA_2016-03-02_5_StR_61_16_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2016:020316B5STR61.16.0","court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2016-03-02","aktenzeichen":"5 StR 61/16","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n5 StR 61/16\n\nvom\n2. März 2016\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen schweren Raubes\n\nECLI:DE:BGH:2016:020316B5STR61.16.0\n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 2. März 2016 beschlossen:\n\nAuf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Chemnitz vom 26. Oktober 2015 im Strafausspruch aufgehoben (§ 349 Abs. 4 StPO).\n\nIm Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.\n\nDie weitergehende Revision wird nach § 349 Abs. 2 StPO als\nunbegründet verworfen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen schweren Raubes zu einer\nFreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt und eine Einziehungsentscheidung\ngetroffen. Die auf Sachbeanstandungen gestützte Revision des Angeklagten\nhat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist sie unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.\n\n2 Der Strafausspruch hält revisionsrechtlicher Prüfung nicht stand. Das\nLandgericht hat das Vorliegen eines minder schweren Falles unzureichend geprüft.\n\n3 Das Landgericht ist vom Regelstrafrahmen des § 250 Abs. 2 StGB ausgegangen; die Anwendung des Sonderstrafrahmens gemäß § 250 Abs. 3 StGB\nhat es nach Würdigung der allgemeinen Strafzumessungskriterien nicht für angemessen erachtet. Sodann hat es eine Strafmilderung nach §§ 21, 49 StGB\ngeprüft und abgelehnt, schließlich aber das Vorliegen der Voraussetzungen des\nvertypten Milderungsgrundes des § 46b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB bejaht, weil\nder Angeklagte vor Eröffnung des Hauptverfahrens seinen bis dahin nicht ermittelten Mittäter benannt hatte. Das Landgericht hat den Regelstrafrahmen deswegen nach § 49 Abs. 1 StGB gemildert.\n\n4 Das Landgericht hätte bei der Strafrahmenwahl jedoch zunächst prüfen\nmüssen, ob ein minder schwerer Fall nach § 250 Abs. 3 StGB auch unter Heranziehung des für den Angeklagten angenommenen vertypten Milderungsgrundes des § 46b StGB neben den allgemeinen Strafzumessungsgesichtspunkten\nhätte angenommen werden können. Erst wenn es auch nach dieser Abwägung\nkeinen minder schweren Fall für gerechtfertigt gehalten hätte, hätte es seiner\nStrafzumessung den wegen des gegebenen gesetzlich vertypten Milderungsgrundes gemilderten Regelstrafrahmen zugrunde legen dürfen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 26. Oktober 2011 – 2 StR 218/11, NStZ 2012, 271, 272; vom\n23. Mai 2012 – 5 StR 185/12; vom 5. Juli 2012 – 5 StR 252/12 und vom\n28. Oktober 2015 – 5 StR 422/15; Urteil vom 28. Februar 2013 – 4 StR 430/12,\nNStZ-RR 2013, 168; Schäfer/Sander/van Gemmeren, Strafzumessung, 5. Aufl.,\nRn. 930). Dass das Landgericht in der Reihe der aufgeführten allgemeinen\nStrafmilderungsgründe auch die „Aufklärungshilfe“ genannt hat, ist unzureichend. Denn auch die Behandlung des Strafmilderungsgrundes des § 21\nStGB legt nahe, dass sich das Landgericht der Bedeutung der vertypten Strafmilderungsgründe bei der Prüfung des minder schweren Falles nicht bewusst\nwar.\n\n5 Der Rechtsfehler führt zur Aufhebung des Strafausspruchs. Der Senat\nkann trotz der überaus milden Strafe nicht ausschließen, dass das Urteil auf\ndiesem Rechtsfehler beruht, da der vom Landgericht zur Anwendung gebrachte\nStrafrahmen sowohl im angedrohten Mindest- als auch im Höchstmaß über der\nStrafdrohung des Ausnahmestrafrahmens nach § 250 Abs. 3 StGB liegt.\n\n6 Da lediglich Wertungsfehler vorliegen, können die Feststellungen bestehen bleiben; weitergehende Feststellungen können getroffen werden, falls sie\nnicht den bisherigen widersprechen.\n\nSander Schneider Dölp\n\nKönig Feilcke","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2016-03-02/5-str-61-16","cited_norms":[{"jurabk":"StGB","ref":"§ 250","ref_norm":"250","n":4},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":3},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 46b","ref_norm":"46b","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 49","ref_norm":"49","n":2}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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