{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-09_NA_2015-12-17_IX_ZA_37_15_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2015:171215BIXZA37.15.0","court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2015-12-17","aktenzeichen":"IX ZA 37/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZA 37/15\nvom\n\n17. Dezember 2015\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2015:171215BIXZA37.15.0\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, den Richter Vill, die Richterin Lohmann, den Richter Dr. Pape\nund die Richterin Möhring\n\nam 17. Dezember 2015\nbeschlossen:\n\nDer Antrag der Klägerin, ihr für die beabsichtigten Nichtigkeitsklagen gegen die Beschlüsse des XII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 3. November 1993 und vom 9. April 1997 Prozesskostenhilfe zu bewilligen, wird abgelehnt.\n\nGründe:\n\n1 1. Zu Gunsten der Antragstellerin und Klägerin der Ausgangsverfahren\nwerden ihre auf ihre Bitte an den Bundesgerichtshof weitergeleiteten Schreiben\nvom 6. Oktober 2015 und 10. November 2015 an das Kammergericht als Antrag ausgelegt, ihr für geplante Nichtigkeitsklagen gegen die Beschlüsse des\nXII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 3. November 1993 (XII ZR 78/92)\nund vom 9. April 1997 (XII ZR 135/95) Prozesskostenhilfe zu bewilligen, auch\nwenn sie bislang nicht zu den Voraussetzungen des § 116 Satz 1 Nr. 2 ZPO\nvorgetragen hat, die vorliegen müssen, damit sie als juristische Person Prozesskostenhilfe erhalten kann. Denn sie spricht in ihren Schreiben von einem\nEntwurf der Klageschrift. Zudem hat sie die Klagen trotz ausdrücklichen Hinweises durch das Kammergericht entgegen § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO nicht durch\neinen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt erheben lassen.\n\n2 Der IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs ist zuständig. Nach dem Geschäftsverteilungsplan des Bundesgerichtshofs ist für Nichtigkeitsklagen gegen\ndie Entscheidung eines Senats dessen Vertretersenat zuständig. Der\nIX. Zivilsenat ist Vertretersenat des XII. Zivilsenats.\n\n3 Der Antrag war jedoch nach § 116 Satz 2 ZPO in Verbindung mit § 114\nAbs. 1 Satz 1 letzter Halbsatz 2 ZPO abzulehnen, weil die beabsichtigte\nRechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat. Die Klägerin der\nAusgangsverfahren und Antragstellerin beabsichtigt, die Nichtigkeitsklagen zu\nerheben, weil die Beklagten des Ausgangsverfahrens und Antragsgegner im\nAusgangsverfahren nicht richtig vertreten gewesen seien (§ 579 Abs. 1 Nr. 4\nZPO). Auf diesen Nichtigkeitsgrund kann sie sich jedoch nicht berufen. Nach\nder Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann die hierauf gestützte Nichtigkeitsklage nur von der Partei erhoben werden, die in dem Ausgangsverfahren\nnicht nach den Vorschriften des Gesetzes vertreten war (BGH, Urteil vom\n20. September 1974 - IV ZR 55/73, BGHZ 63, 78, 79 f; Beschluss vom 11. Mai\n1988 - IVb ZB 191/87, nv).\n\n4 Sollte die Antragstellerin die Nichtigkeitsklagen aus anderen Gründen\nbetreiben wollen, wären sie bereits nach § 586 Abs. 2 Satz 2 ZPO unstatthaft,\nweil sie nicht innerhalb von fünf Jahren, nachdem die angegriffenen Entscheidungen rechtskräftig geworden sind, erhoben worden wären. Der Beschluss\ndes XII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 3. November 1993, durch den\ndie Revision der Antragstellerin und Klägerin der Ausgangsverfahren gegen das\nTeilurteil des Kammergerichts vom 6. April 1992 nicht angenommen worden ist,\nist durch Zustellung an ihre damaligen Prozessbevollmächtigten am 10. Dezember 1993 rechtskräftig geworden, der Beschluss des XII. Zivilsenats des\n\nBundesgerichtshofs vom 9. April 1997, durch den ihre Revision gegen das\nSchlussurteil des Kammergerichts vom 24. April 1995 nicht angenommen worden ist, ist durch Zustellung an ihre Prozessbevollmächtigten am 23. April 1997\nrechtskräftig geworden. Die fünfjährige Ausschlussfrist des § 586 Abs. 2 Satz 2\nZPO ist deswegen schon lange abgelaufen.\n\n5 2. Sollte die Antragstellerin und Klägerin der Ausgangsverfahren die\nNichtigkeitsklagen bereits erheben wollen, wird die Zustellung der Klagen an die\nBeklagten der Ausgangsverfahren abgelehnt. Das Gericht darf und muss prüfen, ob ein nach § 12 Abs. 1 GKG erforderlicher Vorschuss erbracht und ob eine zustellungsfähige Anschrift der Beklagten angegeben ist (BeckOK-ZPO/\nBacher, 2015, § 271 Rn. 4 f). Die Zustellung hat ferner zu unterbleiben, wenn\nim Anwendungsbereich des § 78 ZPO die Klagschrift nicht von einem Rechtsanwalt unterschrieben ist (BGH, Beschluss vom 17. Dezember 1986 - IVb ZB\n144/84, FamRZ 1987, 365, 366). Diesen Anforderungen genügen die Schreiben\nder Antragstellerin nicht. Weder hat sie die gegebenenfalls aktuellen Anschriften der 79 Beklagten der Ausgangsverfahren und ihrer damaligen Prozessbevollmächtigten mitgeteilt noch wurden die Klagen gemäß § 78 Abs. 1 Satz 3\nZPO durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt noch hat sie den nach § 12 Abs. 1 Satz 1 GKG erforderlichen Gerichtskostenvorschuss aus Streitwerten in Höhe von 22.825.807 DM (= 11.670.649,80 €)\nund 5.000.000 DM (= 2.556.459,41 €) eingezahlt (Nr. 1230 KV-GKG: 219.280 €\nbzw. 55.480 €).\n\n6 Nach Nr. 1230 KV-GKG fallen Gebühren für das Verfahren vor dem\nBundesgerichtshof in Höhe von 5,0 der Wertgebühren nach § 34 GKG an. Diese Gebühren sind zwar für das Revisionsverfahren selbst vorgesehen. Sie sind\naber auch für die mit den Nichtigkeitsklagen eingeleiteten Verfahren zu erhe-\n\nben. Die Nichtigkeitsklagen (§ 579 ZPO) führen gebührenrechtlich zu einem\n(neuen) Rechtszug, auch wenn sie ebenfalls vor dem Revisionsgericht durchgeführt werden. §§ 35, 37 GKG sind nicht anwendbar (vgl. BGH, Beschluss vom\n18. Mai 1995 - X ZR 52/93, nv).\n\nKayser Vill Lohmann\n\nPape Möhring\n\nVorinstanzen:\nLG Berlin, Entscheidung vom 20.12.1990 - 12 O 351/90 -\nKG Berlin, Entscheidung vom 24.04.1995 - 20 U 988/91 -\nBGH, Entscheidung vom 03.11.1993 - XII ZR 78/92 -\nBGH, Entscheidung vom 09.04.1997 - XII ZR 135/95 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-12-17/ix-za-37-15","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 116","ref_norm":"116","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 579","ref_norm":"579","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 586","ref_norm":"586","n":2},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 12","ref_norm":"12","n":2},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 35","ref_norm":"35","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 37","ref_norm":"37","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-12-17/ix-za-37-15","retrieved":"2026-10-24 08:00:58.045975+00:00"},"card":{"id":"bgh/2015-12-17/ix-za-37-15","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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