{"status":"available","doknr":"OLD97374","ecli":"ECLI:DE:AGZEITZ:2014:1119.13OWI737JS207285.0A","court":"Amtsgericht Zeitz","senate":null,"decided":"2014-11-19","aktenzeichen":"13 OWi 737 Js 207285/14","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDer Betroffene wird wegen fahrlässiger Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu einer Geldbuße von € 70,- verurteilt.\n\nDer Betroffene hat die Kosten des Verfahrens sowie seine notwendigen Auslagen zu tragen.\n\nAngewandte Vorschriften: §§ 24 StVG, 3 Abs.3, 49 StVO, 46 OWiG, 465 StPO, BKat Nr. 11.3.4\n\nGründe\n\nI.\n\n1\n\nAusweislich der Auskunft aus dem Fahreignungsregister vom 06.08.2014 liegt gegen den Betroffenen keine Eintragung vor.\n\nII.\n\n2\n\nMit dem Bußgeldbescheid wird der Betroffene beschuldigt, am 06.03.2014 um 15:13 Uhr außerorts auf der B 2 Z OT T Richtung G als Führer des PKW mit dem Kennzeichen G- die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h um 21 km/h überschritten zu haben.\n\n3\n\nDieser Vorwurf trifft zu.\n\n4\n\nAm 06.03.2014 fuhr der Betroffene um 15:13 Uhr außerorts auf der B 2 Z OT T Richtung G als Führer des PKW mit dem Kennzeichen G-. Dabei überschritt der Betroffene die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Statt 100 km/h, die der Betroffene hätte höchstens fahren dürfen, fuhr der Betroffene mindestens 121 km/h schnell.\n\n5\n\nDie Feststellung des vorstehenden Sachverhalts beruht auf der teilweise geständigen Einlassung des Betroffenen, der die Fahrereigenschaft zugestanden hat und deshalb von der Pflicht zum persönlichen Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war.\n\n6\n\nIm Übrigen beruht die Feststellung auf der durchgeführten Beweisaufnahme.\n\n7\n\nDer Verteidiger hat Kenntnis genommen vom Wortlaut der Schriftstücke Blatt 5-6R, 27-28, 47-48, der Datenfelder in den Lichtbildern Bl. 1, 2, 29, 49-50 d.A, der Bedienungsanleitung des Messgeräts und der Auskunft aus dem Fahreignungsregister. Die Lichtbilder Bl. 1-4, 21, 29-30, 49-50 und die Beschilderungspläne Bl. 31-34, 43-46 d.A. wurden in Augenschein genommen; auf sie wird gemäß § 267 Abs. 1 Satz 3 StPO i.V.m. § 71 Abs. 1 OWiG wegen der Einzelheiten verwiesen.\n\n8\n\nDer Zeuge PHM D H wurde vernommen. Die Geschwindigkeit des von dem Betroffenen gefahrenen Pkw wurde mittels einer durch den als Messbeamten bedienberechtigten Zeugen PHM D H ordnungsgemäß vorgenommenen Messung mit dem ausweislich des Instandhaltungsnachweises (Bl. 27 d.A.) ordnungsgemäß gewarteten und ausweislich des Eichscheins 8-1123-23 vom 27.11.2013 (Bl. 6 d.A.) bis Ende.2014 geeichten Geschwindigkeitsüberwachungsgerät PoliScan speed M1 Fabrik-Nr.629258 ermittelt. Dass die Messung an der Messstelle, an der die für Personenkraftwagen sowie für andere Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bis 3,5 t außerhalb geschlossener Ortschaften zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h galt, entsprechend der Gebrauchsanweisung erfolgte, hat der Zeuge in seiner Vernehmung glaubhaft bekundet. Insbesondere hat er angegeben, dass Besonderheiten nicht aufgetreten sind.\n\n9\n\nAusweislich der Messbildgebung wurden 125 km/h gemessen; auf die in den Akten (Bl. 1-4, 21, 29-30, 49-50 d.A.) befindlichen Fotos wird gemäß § 267 Abs. 1 Satz 3 StPO i.V.m. § 71 Abs. 1 OWiG wegen der Einzelheiten verwiesen. Der Toleranzabzug betrug 3 % = 3,75 km/h, aufgerundet 4 km/h.\n\n10\n\nSoweit d. Betroffene geltend macht, es müsse sich bei der gemessenen Überschreitung um (nach Toleranzabzug) 21 km/h um eine Fehlmessung gehandelt haben, weil er den Tempomat seines PKW auf 100 km/h eingestellt habe, handelt es sich lediglich um eine Schutzbehauptung, die durch das dokumentierte Ergebnis der ordnungsgemäß erfolgten Messung mittels standardisierten Messverfahrens widerlegt wird.\n\n11\n\nAnlass zu der beantragten Einholung eines Sachverständigengutachtens bestand nicht. Diese war zur Erforschung der Wahrheit nicht erforderlich, denn eine weitere Beweiserhebung drängte sich weder auf, noch lag sie nahe. Es lagen keinerlei Anhaltspunkte für eine Störung oder Fehlfunktion vor.\n\n12\n\nBei dem Messverfahren PoliScan speed handelt es sich, wie höchstrichterlich bereits geklärt ist, um ein standardisiertes Messverfahren (vgl. OLG Karlsruhe, Beschluss vom 24. Oktober 2014 - 2 (7) SsBs 454/14, 2 (7) SsBs 454/14 - AK 138/14 -, juris ; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Beschluss vom 31. Oktober 2013 - 1 Ss OWi 141/13 (172/13), 1 SsOWi 141/13 (172/13) -, juris; OLG Bamberg, Beschluss vom 26. April 2013 - 2 Ss OWi 349/13 -, juris; OLG Köln, Beschluss vom 30. Oktober 2012 - III-1 RBs 277/12 -, juris; OLG Frankfurt, Beschluss vom 21. April 2010 - 2 Ss-OWi 236/10, 2 Ss OWi 236/10 -, juris; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 20. Januar 2010 - IV-5 Ss (OWi) 206/09 - (OWi) 178/09 I, 5 Ss (OWi) 206/09 - (OWi) 178/09 I -, juris; KG Berlin, Beschluss vom 26. Februar 2010 - 3 Ws (B) 94/10, 3 Ws (B) 94/10 - 2 Ss 349/09 -, juris).\n\n13\n\nDurch die amtliche Zulassung eines Messgerätes bestätigt die Bundesanstalt, dass sie die Ermittlung des Messwertes auf der Grundlage der in der Gebrauchsanweisung festgelegten Vorgehensweise einer sachverständigen Prüfung unterzogen und die Messergebnisse als innerhalb einer zulässigen Toleranz liegend eingestuft hat. Damit steht die generelle Zuverlässigkeit und Geeignetheit des Geräts fest und macht Informationen zu dessen genauer Funktionsweise entbehrlich. Die genaue Funktionsweise von Messgeräten ist den Gerichten auch in den Bereichen der Kriminaltechnik und der Rechtsmedizin nicht bekannt, ohne dass insoweit jeweils Zweifel an der Verwertbarkeit der Gutachten aufgekommen wären, die auf den von diesen Geräten gelieferten Messergebnissen beruhen. Nach welchem Prinzip das Geschwindigkeitsmessgerät funktioniert, ist bekannt (OLG Köln, Beschluss vom 06. März 2013 - III-1 RBs 63/13 -, juris).\n\n14\n\nZweifel an der Zuverlässigkeit der Messung können nur - hier nicht gegebene - konkrete Anhaltspunkte für eine Fehlmessung begründen. Ohne derartige Anhaltspunkte würde der Tatrichter die an seine Überzeugungsbildung zu stellenden Anforderungen überspannen, wenn er dennoch an der Zuverlässigkeit der Messung zweifelt (vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 29. Januar 2013 - III-1 RBs 2/13 -, juris).\n\n15\n\nKonkrete Anhaltspunkte für eine Fehlmessung gibt es hier nicht. Dass der Betroffene geltend macht, es müsse sich um eine solche handeln, ist als Schutzbehauptung zu bewerten, die keinen konkreten Anhaltspunkt für eine Fehlmessung gibt. Auch wenn die Korrektheit des Geschwindigkeitsmeßverfahrens von einzelnen Sachverständigen bezweifelt werden mag, ist das kein konkreter Anhaltspunkt für eine Fehlmessung, sondern stellt lediglich ein Bezweifeln der -höchstrichterlich geklärten- Tatsache dar, dass es sich bei PoliScan speed um ein standardisiertes Messverfahren handelt.\n\n16\n\nBei Anwendung der im Verkehr erforderlichen Aufmerksamkeit hätte der Betroffene die Geschwindigkeitsüberschreitung erkennen und vermeiden können.\n\n17\n\nDamit hat der Betroffene fahrlässig gegen § 3 Abs. 3 StVO verstoßen.\n\n18\n\nDie Geldbuße entspricht dem Regelsatz. Es bestand keine Veranlassung, im vorliegenden Falle vom BKat abzuweichen.\n\n19\n\nDie Kostenentscheidung folgt aus § 46 OWiG i.V. mit § 465 Abs. 1 StPO.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/97374","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-zeitz/2014-11-19/13-owi-737-js-207285-14","cited_norms":[{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 71","ref_norm":"71","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 267","ref_norm":"267","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 465","ref_norm":"465","n":1},{"jurabk":"StVO 2013","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 46","ref_norm":"46","n":1},{"jurabk":"StVG","ref":"§ 24","ref_norm":"24","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/97374","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/97374","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-zeitz/2014-11-19/13-owi-737-js-207285-14","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/97374","retrieved":"2026-07-08 23:54:47.820880+00:00"}}