{"status":"available","doknr":"OLD448500","ecli":"ECLI:DE:AGKASSE:2013:0128.785XVI.L526.05.0A","court":"Amtsgericht Kassel","senate":null,"decided":"2013-01-28","aktenzeichen":"785 XVI L 526/05","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nIn der Betreuungssache\n\nbetreffend\n\n Frau \"X\"\n \n\n - Betroffene -\n \n\n Verfahrenspflegerin:\n \n\n Frau \"Y\"\n \n\n Betreuerin:\n \n\n Frau \"Z\"l\n \n\nhat die Betroffene einen einmaligen Betrag von 14.432,87 € an die Staatskasse zu leisten.\n\nGründe\n\n1\n\n \n Nachdem die Betreuerin aufgrund der Tatsache, dass die Betroffene selbst vor Bestehen des Aufgabenkreises der Vermögenssorge unvollständige Angaben zu Ihren Vermögensverhältnissen gemacht hat, Leistungen aus der Staatskasse erhalten hat, sind von der Betroffenen Zahlungen an die Staatskasse.zu leisten (§§ 1908i, 1836c, 1836e BGB).\n \n\n2\n\n \n Es handelt sich um die Rückerstattungen folgender aus der Staatskasse geleisteter Zahlungen:\n \n\n3\n\n \n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2012 - 16.10.2012)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.04.2012 - 16.07.2012)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.01.2012 - 16.04.2012)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.10.2011 -16.01.2012)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2011 - 16.10.2011)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.04.2011 -16.07.2011)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.01.2011 - 16.04.2011)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.10.2010 -16.01.2011)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2010 - 16.10.2010)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.04.2010 - 16.07.2010)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.01.2010 - 16.04.2010)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17;10.2009 - 16.01.2010)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2009 -16.10.2009)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.04.2009 - 16.07.2009)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.01.2009 - 16.04.2009)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.10.2008 - 16.01.2009)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2008 - 16.10.2008)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.04.2008 - 16.07.2008)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.01.2008 - 16.04.2008)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.10.2007 -16.01.2008)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2007 - 16.10.2007)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.04.2007 - 16.07.2007)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.01.2007 - 16.04.2007)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.10.2006 - 16.01.2007)\n \n\n 462,00 € Betreuervergütung (17.07.2006 - 16.10.2006)\n \n\n 580,80 € Betreuervergütung (01.04.2006 - 16.07.2006)\n \n\n 880,00 € Betreuervergütung (01.12.2005 - 31.03.2006)\n \n\n 1.214,40 € Betreuervergütung (01.07.2005 - 30.11.2005)\n \n\n 207,67 € Betreuervergütung (16;04.2005 - 30.06.2005)\n \n\n insgesamt 14.432,87 Euro\n \n\n4\n\n \n Nach den vorliegenden Unterlagen und Nachweisen über die Vermögensverhältnisse der Betroffenen ist sie zur Zahlung des oben festgesetzten Betrages in der Lage.\n \n\n5\n\n \n Die Verfahrenspflegerin ist vor der Entscheidung gehört worden.\n \n\n6\n\n \n Einwendungen (Einrede der Verjährung) wurden mit der Stellungnahme der Verfahrenspflegerin vom 16.1.2013 erhoben und konnten aus folgenden Gründen nicht berücksichtigt werden:\n \n\n7\n\n \n Die Verfahrenspflegerin kann für den Betreuten die Einrede der Verjährung nicht erheben (vgl. BGH 12. Zivilsenat, Beschluss vom 22.08.2012; XII ZB 474/11).\n \n\n8\n\n \n Gemäß § 276\n Abs.\n 1\n Satz\n 1\n FamFG hat das Gericht dem Betreuten einen Verfahrenspfleger zu bestellen, wenn dies zur Wahrnehmung der Interessen des Betreuten erforderlich ist. Die vorrangige Aufgabe des Verfahrenspflegers besteht darin, gegenüber dem Gericht den Willen des Betreuten kundzutun und dessen aus Art. 103 Abs.\n 1 GG\n folgenden Anspruch auf rechtliches Gehör zu verwirklichen (BT-Drucks.\n 15/2494 S. 41).\n Aus dieser AufgabensteIlung folgt, dass ein Verfahrenspfleger vor allem dann zu bestellen ist, wenn der Betreute nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen kundzutun bzw. einen freien Willen überhaupt noch zu bilden (XII\n ZB 199/11 -\n FamRZ 2011,\n 1577\n Rn.\n 7\n f. mwN).\n \n\n9\n\n \n Wie seine Bezeichnung in § 276\n FamFG zu erkennen gibt, hat der Verfahrenspfleger die rechtlichen Interessen des Betreuten im Verfahren wahrzunehmen bzw. zur Geltung zu bringen. Anders als der Betreuer in den jeweiligen Aufgabenkreisen gemäß\n §\n 1902 BGB ist er jedoch nicht (gesetzlicher) Vertreter des Betreuten (Keidel/Budde FamFG\n 17.\n Aufl.\n § 276\n Rn. 27; MünchKommZPO/Schmidt-Recla\n 3.\n Aufl.\n § 276\n FamFG Rn.\n 3;\n Haußleiter/Heidebach FamFG § 276, Rn. 1; Hahne/Munzig/Bohnert BeckOK FamFG § 276 Rn. 8).\n \n\n10\n\n \n Bei der Einrede der Verjährung handelt es sich um eine Einrede im materiellen Sinne (Wernecke JA 2004,\n 331;\n MünchKommBGB/Grothe\n 6.\n Aufl. § 214 Rn. 4). Sie ändert die materielle Rechtslage und weist damit einen rechtsgeschäftsähnlichen Charakter auf (BGHZ\n 184, 128 =FamRZ\n 2010,\n 887\n Rn\n 29\n mwN; s. auch MünchKommBGB/Grothe\n 6. Aufl. § 214\n Rn.\n 4;\n Peters/Jacoby in Staudinger BGB [\n 2009] § 214\n Rn.\n 6).\n Deshalb kann die Einrede grundsätzlich nur der Schuldner bzw; sein gesetzlicher Vertreter erheben (vgl. BGHZ\n 131, 376 = NJW 1996,\n 1060, 1061).\n \n\n11\n\n \n Zum letzten Absatz der Stellungnahme der Verfahrenspflegerin ist nicht festzustellen, dass sich die Betroffene gemäß Auskunft der Betreuerin vom 25.1.2013 gegenüber dem Gericht zu jeder Zeit über die Konsequenzen Ihres Handeins im Klaren war.\n \n\n12\n\n \n Seitens der Betreuerin wurde die Einrede der Verjährung nicht erhoben.\n \n\n13\n\n \n Die Betroffene selbst ist gemäß § 34 Abs. 2 FamFG nicht angehört worden.\n \n\n14\n\n \n Darüber hinaus ist nach Auffassung des Gerichts die Einrede der Verjährung nicht zulässig, da die Betroffene wissentlich falsche Angaben zu ihren Vermögensverhältnissen gemacht hat und die somit sowohl das Gericht als auch der Vertreter der Staatskasse nicht dazu in der Lage waren, das Bestehen eines Anspruchs nach §§ 1908i, 1836e BGB zu erkennen.","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/448500","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-kassel/2013-01-28/785-xvi-l-526-05","cited_norms":[{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 276","ref_norm":"276","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/448500","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/448500","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-kassel/2013-01-28/785-xvi-l-526-05","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/448500","retrieved":"2026-07-09 07:29:56.749111+00:00"}}