{"status":"available","doknr":"OLD381232","ecli":"ECLI:DE:AGBN:2023:0503.22M518.23.00","court":"Amtsgericht Bonn","senate":null,"decided":"2023-05-03","aktenzeichen":"22 M 518/23","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nDie Erinnerung des Gläubigers gegen die Kostenrechnung des Herrn Obergerichtsvollzieher D S wird kostenpflichtig zurückgewiesen.\n\nDie Beschwerde wird zugelassen.\n\n1\n\nMit Schriftsatz vom 20.04.2023 hat der Gläubiger mitgeteilt, dass er sich nunmehr nur noch gegen die Kostenrechnung des Gerichtsvollziehers wende.\n\n2\n\nDie ursprünglich eingelegte Vollstreckungserinnerung werde nicht weiter verfolgt.\n\n3\n\nSomit musste nunmehr über die Kostenerinnerung entschieden werden.\n\n4\n\nDer Gläubiger wendet sich gegen die seitens des Gerichtsvollziehers gestellte Kostenrechnung für den abgelehnten Vollstreckungsauftrag. Dazu trägt er vor, der Gerichtsvollzieher habe den Vollstreckungsauftrag nicht ablehnen dürfen, da er formwirksam gestellt worden sei. Insbesondere sei der Auftrag mit einer qualifizierten Signatur versehen auf einem sicheren Übermittlungsweg eingereicht worden. In § 130a Abs.4 S.1 Nr.2 ZPO sei das besondere elektronische Anwaltspostfach als sicherer Übermittlungsweg genannt worden.\n\n5\n\nAuch wenn der Auftrag aus seinem besonderen Anwaltspostfach durch eine Mitarbeiterin versandt worden sein sollte, handele es sich um eine Versendung auf einem sicheren Übermittlungsweg. Die Übermittlung auf einem sicheren Übermittlungsweg aus einem besonderen elektronischen Anwaltspostfach setze nicht voraus, dass das Schriftstück vom Rechtsanwalt persönlich versendet werde.\n\n6\n\nDie Erinnerung gegen die Kostenrechnung des Gerichtsvollziehers ist unbegründet. Der Gerichtsvollzieher hat den Auftrag richtigerweise abgelehnt und in Rechnung gestellt.\n\n7\n\nFür den seitens des Gläubigers gestellten Vollstreckungsauftrag ist  § 193 ZPO maßgeblich, der in der aktuellen, seit dem 01.01.2022 gültigen, Fassung die Einreichung des Antrags entweder in Papierform oder auf einem sicheren Übermittlungsweg verlangt. Anders als § 130a ZPO ist die Einreichung eines elektronischen Dokuments mit qualifizierter Signatur ausdrücklich nicht genannt.\n\n8\n\nAus der die Änderung der Norm betreffenden Bundestagsdrucksache ergibt sich keine Begründung dafür, weshalb die Übermittlung mit einer qualifizierten Signatur nicht mit aufgenommen wurde. Obwohl eine Begründung in der Sache auch nicht ohne Weiteres nachvollziehbar erscheint, insbesondere die Übermittlung auf einem sicheren Übermittlungsweg gegenüber der Übermittlung mit einer qualifizierten Signatur keine höhere Sicherheit hinsichtlich Authentizität und Integrität des Dokuments zu gewährleisten scheint, ist jedenfalls nach dem eindeutigen Wortlaut die Übermittlung des Auftrags zur Zustellung nach § 193 ZPO auf einem sicheren Übermittlungsweg zwingend erforderlich.\n\n9\n\nDiese Voraussetzung ist hier vorliegend nicht erfüllt, wie sich aus den Ausführungen der gerichtlichen Verfügung vom 18.04.2023, auf die zur Vermeidung von Wiederholungen Bezug genommen wird, ergibt. Aus dem Prüfvermerk wird deutlich, dass das Dokument nicht von dem unterzeichnenden Rechtsanwalt persönlich, sondern von einer Mitarbeiterin bzw. einem Mitarbeiter versandt wurde, weshalb der unterzeichnende Rechtsanwalt bei Versendung nicht persönlich im Postfach angemeldet war, so dass das Dokument nicht aus seinem persönlichen Anwaltspostfach versandt wurde. In diesen Fällen lautet der Prüfvermerk: \"Diese Nachricht wurde per EGVP versandt\". Eine Übermittlung auf einem sicheren Übermittlungsweg liegt daher in diesen Fällen nicht vor.\n\n10\n\nDie Voraussetzungen des § 130a Abs.3 Nr.2 ZPO sind erfüllt, wenn die erforderliche eigenhändige Versendung aus dem besonderen elektronischen Anwaltspostfach durch den vertrauenswürdigen Herkunftsnachweis dokumentiert wird. Fehlt dieser Eintrag, lässt dies darauf schließen, dass das Dokument ohne persönliche Anmeldung des Postfachinhabers oder durch eine andere Person aus dessen Postfach versandt wurde. In diesem Fall sind die Anforderungen an einen sicheren Übermittlungsweg nicht erfüllt, vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2022, IX ZR 118/22, zitiert nach juris.\n\n11\n\nDie Rechtsbeschwerde wird zugelassen.\n\n12","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/381232","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-bonn/2023-05-03/22-m-518-23","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 130a","ref_norm":"130a","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 193","ref_norm":"193","n":2}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/381232","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/381232","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-bonn/2023-05-03/22-m-518-23","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/381232","retrieved":"2026-07-09 05:31:26.131624+00:00"}}