{"status":"available","doknr":"OLD237629","ecli":"ECLI:DE:AGAC1:2009:0914.117C222.09.00","court":"Amtsgericht Aachen","senate":null,"decided":"2009-09-14","aktenzeichen":"117 C 222/09","doktyp":"Urteil","leitsatz":null,"text_plain":"Tenor\n\nhat das Amtsgericht Aachen\n\nim vereinfachten Verfahren gemäß § 495a ZPO ohne mündliche Verhandlung am 14.09.2009\n\ndurch den Richter am Amtsgericht Foerst\n\nfür Recht er¬kannt:\n\nEs wird festgestellt, dass das Telekommunikationsverhältnis zwischen den Parteien unter der Kundennummer K 4971 in der Form des Tarifwechsels vom 20.02.07 durch die Kündigung der Klägerin vom 21.02.09 zum 31.03.09 beendet worden ist.\n\nDie Beklagte wird verurteilt, den Telefon- und Internetanschluss der Klägerin freizugeben und gegenüber dem nachfolgenden Anbieter alle Informationen, Erklärungen und Mitwirkungshandlungen vorzunehmen, die zur Aufnahme der Versorgung durch den neuen Anbieter erforderlich sind sowie die Klägerin von vorgerichtlichen Anwaltskosten von 83,54 Euro freizustellen.\n\nDie Kosten des Rechtsstreits werden der Beklagten auferlegt.\n\nDas Urteil ist vorläufig vollstreckbar.\n\n1\n\nEntscheidungsgründe:\n\n 2\n\nDie Klage ist begründet.\n\n 3\n\nZunächst kann die Klägerin zulässigerweise die Feststellung verlangen, dass das Vertragsverhältnis mit der Beklagten zum 31.03.09 beendet worden ist, weil die Beklagte zu Unrecht auf dem Standpunkt steht, die Klägerin unterliege einer Mindestlaufzeit des Vertrages bis  März 2010. Ausweislich der von der Klägerin vorgelegten Vertragsurkunde vom 20.02.07 war für sie nach der Tarifumstellung in den \"Treuetarif 50 Free\" der Vertrag jederzeit zum Ende des Folgemonats schriftlich kündbar, d.h. aufgrund der am 21.02.09 eingegangenen Kündigung zum 31.03.09.\n\n 4\n\nDie Beklagte kann sich nicht darauf berufen, die Klägerin habe in der Geschäftsstelle möglicherweise das falsche Formular erhalten, das auf den 19,90 Euro-Tarif zugeschnitten sei. Insoweit hat sie bereits keine Anfechtung wegen Irrtums erklärt und wäre im Übrigen trotzdem an die insoweit eindeutige o.g. Erklärung zum Kündigungsrecht gebunden, weil sie bei der Klägerin einen entsprechenden Vertrauenstatbestand geschaffen hat. \n\n 5\n\nDabei kann die Beklagte nicht geltend machen, die Klägerin habe aufgrund des günstigeren in Anspruch genommenen Monatspreises von 15,99 Euro wissen müssen, dass damit eine Mindestlaufzeit des Vertrages bis März 2010 verknüpft war. Obwohl die Beklagte bestritten hat, dass ihr die Anlage 1 mit der Bestimmung Nr. 6 zur Mindestlaufzeit mitgeteilt worden ist, hat die darlegungs- und beweispflichtige Beklagte dazu nichts vorgetragen, so dass bereits nicht von einer wirksamen Einbeziehung dieser AGB in den Vertrag gemäß § 305 Abs. 2 BGB ausgegangen werden kann. \n\n 6\n\nWegen der ausdrücklich bestimmten vorgenannten Kündigungsmöglichkeit wäre nach der Regelung des § 305 Abs. 2 BGB, wonach Zweifel bei der Auslegung von AGB zu Lasten des Verwenders gehen, jedoch auch bei einer Einbeziehung von einer Wirksamkeit der eingeräumten Kündigungsmöglichkeit auszugehen, zumal in der Urkunde vom 20.02.07 sogar unverständlicherweise von einer Mindestlaufzeit von 24 Monaten die Rede ist.\n\n 7\n\nDass die Klägerin keinen konkreten Abschalttermin genannt und darum gebeten hat, mit dem Abschalten bis zum Anbieterwechsel zu warten, lässt die Wirksamkeit der Kündigung zum 31.03.09 unberührt und betrifft lediglich die technische Abwicklung derselben. Insoweit ist auch unerheblich, ob und ggf. in welchen Umfang die Klägerin der Anschluss anschließend noch genutzt und inwieweit sie dafür evtl. nach Bereicherungsrecht Zahlungen leisten muss, denn dies lässt die Wirksamkeit der Kündigung und damit die Beendigung des Vertragsverhältnisses zum 31.03.09 unberührt.\n\n 8\n\nAufgrund des Endes des Vertragsverhältnisses ist die Beklagte auch verpflichtet, den Anschluss freizugeben und durch die oben tenorierten Mitwirkungshandlungen gegenüber dem nachfolgenden Anbieter der Klägerin den von ihr beabsichtigten Anbieterwechsel zu ermöglichen.\n\n 9\n\nAufgrund ihres unberechtigten Versuchs, die Klägerin bis zum März 2010 an einer Kündigung zu hindern, hat die Klägerin gemäß § 280 Abs. 1 BGB Schadenersatz zu leisten und die vorgerichtlichen Anwaltskosten von 83,54 Euro zu erstatten.\n\n 10\n\nDie prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91 Abs. 1, 708 Nr. 11, 713 ZPO. \n\n 11\n\nStreitwert: bis 600,- Euro\n\n 12\n\nFoerst","source":"openlegaldata","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/237629","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-aachen/2009-09-14/117-c-222-09","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 305","ref_norm":"305","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 280","ref_norm":"280","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 708","ref_norm":"708","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 713","ref_norm":"713","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 495a","ref_norm":"495a","n":1}],"authoritative_source":"https://de.openlegaldata.io/case/237629","attribution":{"source":"Open Legal Data","source_url":"https://de.openlegaldata.io/case/237629","license":"Open Database License (ODbL) v1.0","license_url":"https://opendatacommons.org/licenses/odbl/1-0/","notice":"Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/ag-aachen/2009-09-14/117-c-222-09","upstream":"https://de.openlegaldata.io/case/237629","retrieved":"2026-07-09 02:00:02.593930+00:00"}}