{"status":"available","doknr":"CEBGHSTR-BGH_Strafsenat-4_NA_1962-06-25_4_StR_182_66_NA_NA_NA","ecli":null,"court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"1966-04-22","aktenzeichen":"4 StR 182/66","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"2125 069\nBUNDESGERICHTSHOF\n\n4_StR_182/66 BESCHLUSS\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nden Kaufmann Hans L EEE aus CET EB: :eboren an ED 1905 ir. GE.\n\nwegen ungenehmigten Bauens (§ 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB).\n\nN\n\n[CO\nu\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach\nAnhörung des Generalbundesanwalts in der Sitzung von\n7. Juli 1966 beschlossen:\n\nDie Sache wird an das Oberlandesgericht Düsseldorf\nzurückgegeben.\n\ngründe:\n\nDas Amtsgericht Mönchengladbach hat den Angeklagten\nwegen Übertretung nach § 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB zu einer\nGeldstrafe verurteilt, weil er ohne baupolizeiliche Genehmigung eine Garage an das Wochenendhaus seiner Ehefrau angebaut hatte.\n\nDie Staatsanwaltschaft hat gegen dieses Urteil Revision eingelegt mit der Begründung, § 367 Nr. 15 StGB\nsei durch die Bauordnung des Landes Nordrhein-Westfalen\nvom 25. Juni 1962 (GVBl. S. 373) gegenstandslos geworden;\nVerstöße gegen die Bauordnung könnten nur noch als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden (§ 101 Abs. 1 Nr. 3\ni. V. m. § 88 Abs. 8 LBO).\n\nDas Oberlandesgericht Düsseldorf hält die Revision\nfür unbegründet, weil nach seiner Auffassung die Vorschrift des § 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB als Bundesrecht\nfortgilt (Art. 125 Nr. 1, 74 Nr. 1 GG), mithin durch\nLandesrecht nicht außer Kraft gesetzt werden kann und daher gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 OWiG anzuwenden ist. An der\nBestätigung des angefochtenen Urteils sieht es sich aber\ndurch den Beschluß des Oberlandesgerichts Köln vom\n12. Mai 1965 (NJW 1965, 1496 Nr. 18) gehindert, wonach\n§ 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB seine Geltung jedenfalls in den\n\nLändern verloren habe, deren Baurecht Verstöße mit\nBußgelä ahnde.\n\nDie Vorlegung ist nicht zulässig. Wie der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshof in seinem Beschluß vom\n22. April 1966 - 1 StR 443/65 - ausgesprochen hat, ist zur\nEntscheidung der aufgeworfenen Rechtsfrage allein das\nBundesverfassungsgericht berufen, bei dem bereits ein Verfahren zur verfassungsrechtlichen Prüfung der Fortgeltung\ndes § 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB als Bundesrecht anhängig ist.\nDas Oberlandesgericht Hamm hat nämlich mit seinen Beschlüssen vom 9. November 1965 und 6. Dezember 1965\n(NJW 1966, 128 Nr. 32) die streitige Frage gemäß Art. 26%\ndem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung unterbreitet,\nweil es als zweifelhaft ansieht, ob die Strafvorschrift\nals Bundes- oder Landesrecht fortgelte. Damit ist der\nBundesgerichtshof gehindert, die vom Oberlandesgericht\nDüsseldorf aufgeworfene Rechtsfrage seinerseits zu entscheiden. Der mit der Vorschrift des § 121 Abs. 2 GVG verfolgte Zweck der Herbeiführung einer einheitlichen Rechtssprechung wird auch im gegebenen Fall durch die Vorlage\nan das Bundesverfassungsgericht gewahrt.\n\nBei dieser Rechtslage kann dahinstehen, ob die Vorlegung nicht auch aus anderen Gründen unzulässig ist, etwa\ndeshalb, weil auch das Oberlandesgericht Köln von der\n\"formellen\" Weitergeltung des § 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB\nals Bundesrecht ausgeht, oder deshalb, weil jener Beschluß in einem Verfahren der Zuständigkeitsüberprüfung\ngemäß §§ 58 ff OWiG ergangen ist, für das - anders als\nbei sonstigen Entscheidungen (§§ 55, 56 OWiG) - die in\n§ 56 Abs. 5 OWiG angeoränete Vorlegungspflicht nicht\nbesteht (§ 60 Abs. 2 OWiG).\n\nJ3\n\nDa der Bundesgerichtshof nicht in der Sache selbst\nentscheidet, ist er auch nicht zur Vorlegung an das Bundesverfassungsgericht befugt (vgl. BVerfGE 6, 222, 240).\n\nDie Sache ist deshalb entsprechend dem Antrag des\nGeneralbundesanwalts an das Oberlandesgericht zurückzu-\n\ngohen.\n\nScharpenseel Mayr Sanders\nSpiegel Hürxthal","source":"ce-bgh-str","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1966-04-22/4-str-182-66","cited_norms":[{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 56","ref_norm":"56","n":2},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 55","ref_norm":"55","n":1},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 121","ref_norm":"121","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 60","ref_norm":"60","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Datensatz »Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen aus dem 20. Jahrhundert« von Seán Fobbe und Tilko Swalve, https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0). Der Text wurde per Texterkennung (OCR) aus Scans des Gerichts gewonnen; die Erkennungsqualität schwankt."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1966-04-22/4-str-182-66","upstream":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","retrieved":"2026-08-21 23:15:25.991442+00:00"}}