{"status":"available","doknr":"CEBGHSTR-BGH_Strafsenat-2_NA_1998-09-02_2_StR_369_98_NA_NA_NA","ecli":null,"court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"1998-09-02","aktenzeichen":"2 StR 369/98","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\n\n2 StR 369/98\n\nvom\n\n2. September 1998\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nwegen Totschlags u.a.\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung\ndes Beschwerdeführers und des Generalbundesanwalts am\n2. September 1998 gemäß $S 349 Abs. 2 und 4 StPO beschlos-\n\nsen:\n\n1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil\ndes Landgerichts Mainz vom 28. Januar 1998\nwird mit der Maßgabe verworfen, daß der\nSchuldspruch wegen in zwei Fällen tateinheitlich begangenen (besonders schweren Falles\n\ndes) Landfriedensbruchs entfällt.\n\n2. Der Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen\n\nzu tragen.\n\nGründe:\n\nDas Landgericht hat den Angeklagten wegen Totschlags\nin Tateinheit mit Landfriedensbruch (im besonders schweren\nFall), wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit Landfriedensbruch (im besonders schweren Fall) sowie wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe\n\nvon dreizehn Jahren und sechs Monaten verurteilt.\n\nSeine auf die Verletzung sachlichen Rechts gestützte\n\nRevision hat nur in geringem Umfang Erfolg.\n\nDie Verurteilung wegen tateinheitlich begangenen Landfriedensbruchs in zwei Fällen (Tatkomplex Ingelheim - Taten\nzum Nachteil K. und Ka.) kann aus Rechtsgründen keinen Bestand haben. Entgegen der Ansicht des Landgerichts greift\ndie Subsidiaritätsklausel des § 125 StGB auch dann ein,\nwenn ein besonders schwerer Fall des Landfriedensbruchs\nnach § 125 a StGB vorliegt. Diese Vorschrift ist kein den\nLandfriedensbruch qualifizierender Tatbestand, sondern eine\nStrafzumessungsregel (BGHR StGB § 125 a Waffe 1; BGHR StPO\n§ 256 Abs. 1 Körperverletzung 2; zur Urteilsformel vgl.\nBGH, Beschlüsse vom 7. Mai 1998 - 4 StR 88/98 und vom 11.\nMärz 1998 - 3 StR 591/97 - vgl. auch BGHSt 23, 254, 256;\n27, 287, 289). Deshalb findet § 125 StGB im Rahmen von § 125 a StGB Anwendung mit der Folge, daß auch die Subsidiaritätsklausel gilt (BGH, Urteil vom 31. Mai 1994 - 5 StR\n154/94; v. Bubnoff in LK 11. Aufl. Rdn. 73 jew. zu § 125;\nLenckner in Schönke/Schröder, StGB 24. Aufl. Rdn. 24 zu § 125 a; aA Tröndle StGB 48. Aufl. Rdn. 9 zu $S 125 a; vgl.\nauch BGHSt 43, 237, 240). Dieses Ergebnis wird auch durch\nden Wortlaut von $S 125 a StGB bestätigt (”in besonders\nschweren Fällen des § 125 Abs. 1 StGB”).\n\nDie Verurteilungen wegen Totschlags und versuchten\nTotschlags verdrängen deshalb eine Bestrafung nach §§ 125,\n125 a StGB. Der Senat hat dementsprechend den Schuldspruch\ndes angegriffenen Urteils geändert. 8§ 265 StPO steht dem\n\nnicht entgegen. Im übrigen weist das Urteil keinen Rechts-\n\nfehler zum Nachteil des Angeklagten auf (S 349 Abs. 2\nStPO). Der Strafausspruch hat trotz der Änderung des\nSchuldspruchs Bestand. Der Senat kann, da Unrechts- und\nSchuldgehalt der Taten gleich geblieben sind, ausschließen,\ndaß die Strafkammer ohne den Schuldspruch wegen tateinheitlich begangenen Landfriedensbruchs geringere Strafen ver-\n\nhängt hätte.\n\nNiemöller Theune Detter\n\nOtten Rothfuß","source":"ce-bgh-str","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1998-09-02/2-str-369-98","cited_norms":[{"jurabk":"StGB","ref":"§ 125","ref_norm":"125","n":3},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 125a","ref_norm":"125a","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 265","ref_norm":"265","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Datensatz »Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen aus dem 20. Jahrhundert« von Seán Fobbe und Tilko Swalve, https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0). Der Text wurde per Texterkennung (OCR) aus Scans des Gerichts gewonnen; die Erkennungsqualität schwankt."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1998-09-02/2-str-369-98","upstream":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","retrieved":"2026-08-21 23:23:46.214482+00:00"}}