{"status":"available","doknr":"CEBGHSTR-BGH_Strafsenat-1_NA_1986-01-28_1_StR_611_85_NA_NA_NA","ecli":null,"court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"1986-01-28","aktenzeichen":"1 StR 611/85","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"HF\nBUNDESGERICHTSHOF\n\n1 StR 611/85 BESCHLUSS\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nden Kaufmann Wolfgeng HB zu: Hi.\ngeboren am az» 1913 in BB,\n\nwegen Betrugs u.2.\n\nZ\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag\ndes Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 28. Januar 1986 einstimmig beschlossen:\n\nDie Revision des Angeklagten gegen das\nUrteil des Landgerichts Stuttgart vom\n\n2L, Mai 1985 wird als unbegründet verworfen; jedoch wird der Schuldspruch\ndahin geändert, daß der Angeklagte im\nFall B II der Urteilsgründe des Betrugs\n(an Stelle von Steuerhinterziehung) in\nTateinheit mit Urkundenfälschung (§ 283\nAbs. 1, Abs. 3, § 267 Abs. 1, § 52 Abs. 1\nStGB) schuldig ist.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten seines\nRechtsmittels zu tragen.\n\nGründe:\n\nIm Fall B II der Urteilsgründe (Vortäuschen von\nUmsatzsteuer-Erstattungsansprüchen unter der Schein-Firmierung \"Rolf voii ' ) war der Schuldspruch,\nwie vom Generalbundesanwalt beantragt, zu ändern. Ist -\nwie hier - der gesamte Steuervorgang erfunden, kann\nmithin an einen wirklichen Steuervorgang nicht angeknünft werden, ist für die Annahme einer Steuerhinterziehung (§ 370 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 AO 1977) kein Raum,\ngreift vielmehr der allgemeine Tatbestand des Betrugs\n\nein. An dieser Beurteilung Ändert es nichts, daß § 370\nAbs. & Satz 2 Halbs. 1 AO 1977 auch Steuervergütungen\n\nzu Steuervorteilen erklärt; dafür spricht auch der\nWortlaut des § 385 Abs. 2 AO 1977 (vgl. BGH MDR 1972,\n\n§ 20 = NJW 1972, 1287/1288; BGH, Beschl. vom 17. Juli 1970 .\n2 Str 277/70; Lackner in LK 10. Aufl. 8 263 Ran. 332;\nHübner in Hübschmann/Hepp/Spitaler, AO 8. Aufl. § 370\n\nRan. 27; a. A. Müller NJW 1977, 746/747 sowie Semson\n\nin Franzen/Gast/Samson, Steuerstrafrecht 3. Aufl. 8 370\nRan. 62; vgl. auch BGH MDR 1975, 947 sowie BGH, Beschl.\n“vom 9. Oktober 1979 - 5 StR 586/79 - bei Holtz MDR 1980,\n107). Der Änderung des Schuldspruchs steht die Vorschrift\ndes § 265 Abs. 1 StPO nicht entgegen, da angesichts der\nweitgehenden Gleichheit der beiden Tatbestände und mit\nRücksicht auf das Leugnen seiner Täterschaft auszuschließen\nist, daß der Angeklagte: sich anders als geschehen hätte\nverteidigen können (vgl. UA S. 98, ferner 5. 179).\n\nTrotz Änderung des Schuldspruchs kann der Strafausspruch bestehen bleiben (vgl. BGH MDR 1972, 620 = NW\n1972, 1287, 1288). Das Landgericht hat den allgemeinen\nTatbestand des Betrugs als erfüllt angesehen und lediglich irrig angenommen, er trete hinter § 370 AO zurück\n(VA S. 179); nach seiner Darlegung (VA S. 187/188) wäre\nes bei entsprechender Würdigung auch von einem besonders\nschweren Fall des Betrugs ausgegangen, SO daß sich an der\nangedrohten Höchststrafe nichts geändert hätte.\n\nIm übrigen hat die Nachprüfung des Urteils auf Grund\nder Revisionsrechtfertigung unter Berücksichtigung der\nGegenerklärungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben (vgl. § 349 Abs. 2, Abs. 3 StPO). Auf die\n\n72\n\n-h-Ausfihrungen des Generalbundesanwalts im Schriftsatz\nvom 29. November 1985 nimmt der Senat Bezug.\n\nSchauenburg Maul Schikora\nFoth Granderath","source":"ce-bgh-str","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1986-01-28/1-str-611-85","cited_norms":[{"jurabk":"StGB","ref":"§ 52","ref_norm":"52","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 265","ref_norm":"265","n":1},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 370","ref_norm":"370","n":1},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 385","ref_norm":"385","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Datensatz »Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen aus dem 20. Jahrhundert« von Seán Fobbe und Tilko Swalve, https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0). Der Text wurde per Texterkennung (OCR) aus Scans des Gerichts gewonnen; die Erkennungsqualität schwankt."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1986-01-28/1-str-611-85","upstream":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","retrieved":"2026-08-21 23:20:45.596461+00:00"}}