{"status":"available","doknr":"CEBGHSTR-BGH_Strafsenat-1_NA_1982-11-09_1_StR_687_81_NA_NA_NA","ecli":null,"court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"1982-11-09","aktenzeichen":"1 StR 687/81","doktyp":"Beschluss","leitsatz":"Zu den verfahrensrechtlichen Wirkungen des Todes\ndes Angeklagten nach der Verkündung des tatrichterlichen Urteils.","text_plain":"Gl\n\n144\n\nNachschlagewerk: ja\nBGHSt: nein\n\nStPO 1975 §§ 206 a, 296, 465 Abs. 3\n\nZu den verfahrensrechtlichen Wirkungen des Todes\ndes Angeklagten nach der Verkündung des tatrichterlichen Urteils.\n\nBGH, Beschl.v. 9, November 1982 - 1 StR 687/81 - SchwG\nRegensburg\n\n£0\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\nin der Strafsache\ngegen\n\nden.Kaufmann Heinrich DB EB su: “EEE\ngeboren am (EEE 1950 in PB, verstorben\non GEEEE 1951 1n RE.\n\nwegen versuchter Vergiftung\n\nhier : Revision von Frau Ida B Cu au:\n\nKOEEEB. vertreten durch die Rechtsanwälte\nHerwig und Jutta I EB aus KB\n\n00\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf\nAntrag des Generalbundesanwalts am 9. November 1982\ngemäß § 349 Abs. 1 StPO beschlossen:\n\nDie Revision der Beschwerdeführerin\ngegen das Urteil des Landgerichts\nRegensburg vom 31. Juli 1981 wird\nals unzulässig verworfen.\n\nDie Beschwerdeführerin hat die Kosten\ndes Rechtsmittels zu tragen.\n\nGründe:\n\n4. Das Landgericht Regensburg hatte den Angeklagten\nam 31. Juli 1981 wegen zwei Verbrechen der versuchten\nVergiftung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt.\nDer Angeklagte verstarb am gleichen Tage. Sein Verteidiger legte \"namens und im Auftrag des Verstorbenen\"\nRevision ein, nahm das Rechtsmittel jedoch nach Antragstellung des Generalbundesanwalts rechtswirksam zurück.\nDas Urteil wurde nicht mehr schriftlich abgesetzt. Mit\nSchriftsatz vom 5. Juli 1982 an den Bundesgerichtshof\nhat nunmehr die Ehefrau des Angeklagten Revision eingelegt; sie will mit dem Rechtsmittel erreichen, daß\ndas Urteil vom 31. Juli 1981 beseitigt und die Unschuld -\ndes Angeklagten festgestellt wird.\n\n2, Die Revision ist nicht zulässig. Selbst wenn\nman die Rechtsmittelbefugnis der Beschwerdeführerin\nunterstellt, wäre sie an die Vorschriften gebunden,\ndie das Gesetz für die Form und Frist des Rechts-\n\nmittels vorgesehen hat (vgl. § 298 StPO). Nach\n\n§ 341 Abs. 1 StPO muß die Revision bei dem Gericht\neingelegt werden, dessen Urteil angefochten wird,\nund zwar binnen einer Woche nach Verkündung des\nUrteils. Beide Voraussetzungen sind nicht erfüllt.\n\nDavon abgesehen steht der Beschwerdeführerin\ndas Rechtsmittel auch nicht zu. Stirbt der Angeklagte vor dem rechtskräftigen Abschluß des Strafverfahrens, so endet das Verfahren ohne weiteres\nvon selbst; der staatliche Strafanspruch, der sich\nnur gegen eine lebende Person richten kann, hat\nseine Erledigung gefunden. Der ausdrücklichen und\nförmlichen Einstellung des Verfahrens bedarf es\nnicht; sie hätte nur deklaratorische Bedeutung\n(OLG Jena bei Alsberg Entsch. 3, 154; BayObLGSt\n1902, 320; OLG Darmstadt DStRZ 1915, 174; OLG\nKönigsberg JW 1924, 1789; OLG Stuttgart ZStW 45,\n406, 408; OLG Jena JW 1929, 1080; KG HRR 1930\nNr. 859; KG JW 1930, 1524; BayObLGSt 1960, 141,\n143; 1961, 291; OLG Hamm MDR 1970, 1030; OLG Celle\nNJW 1971, 2182; OLG Stuttgart AnwBl. 1972, 330;\nOLG München NJW 1973, 1515; KG GA 1974, 79; OLG\nOldenburg NdsRpfl. 1975, 23; OLG Hamm OLGSt § 467\nS. 141; OLG München JurBüro 1976, 788; OLG Schleswig\nNJW 1978, 1016; OLG Düsseldorf JMBINW 1978, 240;\n\nLG Stade MDR 1971, 68; LG Aurich NdsRpfl. 1979, 20;\nLG Darmstadt KostRspr. § 464 Nr. 195; LG Kleve MDR\n1981, 606; Karlsruher Kommentar § 465 Rdn. 6; Eb.\nSchmidt, Lehrkomm. StPO 2. Aufl. Teil I Nr. 149;\n\nPaulus in KMR 7. Aufl. § 206 a Rdn. 38; Kleinknecht\n35. Aufl. § 206 a Rdn. 8; a.A, RG HRR 1926 Nr. 993;\n\nI\n\nOLG Dresden GA 46, 365; OLG Frankfurt NJW 1982,\n\n1891; Meyer-Goßner in Löwe-Rosenberg, 23. Aufl.\n\n§§ 206 a Rdn. 28 ff.; Schmidt in Festschrift für\n\nKarl Schäfer S. 231, 239; Lampe NJW 1974, 1856).\n\nEin bis dahin ergangenes Urteil kann nicht mehr\n\nin Rechtskraft erwachsen und wird gegenstandslos;\ndie Vollstreckung in den Nachlaß des Verurteilten\nist unzulässig (vgl. § 465 Abs. 3 StPO). Weitere\nSachentscheidungen dürfen nicht getroffen werden\n(OLG Celle NIW 1971, 2182; OLG München NJW 1975,\n1515; KG GA 1974, 79; Karlsruher Kommentar aa0;\nPaulus aa0; Kleinknecht aa0). Wegen der höchstpersönlichen Natur des Streitgegenstands ist eine\nRechtsnachfolge in der Sache ausgeschlossen; die\nErben oder Angehörigen des Verstorbenen treten\n\nnicht in seine Rechtsstellung als Beschuldigter\n\nein und können daher das Verfahren auch nicht fortsetzen (RGSt 18, 14, 21; KG JR 1968, 432; OLG\nStuttgart AnwBl. 1972, 330; OLG München MDR 1973,\n336; KG GA 1974, 79; OLG München JurBüro 1976, 788;\nGCollwitzer in Löwe-Rosenberg, 23. Aufl. § 296 Rdn. 3).\n§ 393 Abs. 2 StPO, wonach die Privatklage nach dem\nTode des Klägers unter gewissen Voraussetzungen\nfortgeführt werden kann, beruht auf einer anderen\nInteressenlage und gestattet deshalb keine ausdehnende Auslegung. Weil die Entscheidung keinerlei\nRechtswirkungen entfaltet, der Angeklagte also als\nnicht verurteilt gilt, besteht für seine Angehörigen -\nanders als im Fall der Wiederaufnahme eines durch\nrechtskräftiges Urteil abgeschlossenen Verfahrens\ngemäß § 361 StPO - kein Bedürfnis, das Urteil förmlich\nzu beseitigen und den Verstorbenen zu rehabilitieren.\n\nOb in Abweichung von den dargelegten Grundsätzen\nwenigstens über die Kosten und Auslagen des bisherigen\nVerfahrens entschieden werden darf (bejahend: BGH\nKostRspr. § 464 Nr. 75; OLG Dresden GA 46, 365; OLG\nHamm NJW 1971, 209; OLG Hamm MDR 1970, 1030; OLG\nHamburg NJW 1971, 2183; OLG Stuttgart AnwBl. 1972, 330;\nOLG Bamberg JurBüro 1973, 662; OLG Hamm NJW 1978, 177;\nOLG Frankfurt NJW 1982, 1891; LG Köln KostRspr. § 464\nNr. 198; Müller in KMR 7. Aufl. § 465 Rdn. 18; Kleinknecht aa0 § 467 Rdn. 19; Schmidt in Festschrift für\nKarl Schäfer S. 231, 239; ders., Die Vergütung des\nStrafverteidigers, 2. Aufl. S. 97 ff ; Lampe NJW 1974,\n1856; Kühl NJW 1978, 977; verneinend: OLG Darmstadt\nDStRZ 1915, 174; OLG Königsberg JW 1924, 1789; OLG\nStuttgart ZStW 45, 406, 408; OLG Jena JW 1929, 1080; KG\nHRR 1930 Nr. 859; KG JW 1930, 1524; BayObLGSt 1961,\n2915; OLG Celle NJW 1971, 2182; OLG München NJW 1973,\n1515; KG GA 1974, 79; OLG Koblenz JurBüro 1974, 1556;\nOLG Oldenburg NdsRpfl. 1975, 23; OLG München JurBüro\n1976, 788; OLG Karlsruhe Justiz 1977, 243; OLG Schleswig\nNJW 1978, 1016; OLG Koblenz GA 1979, 192; OLG Düsseldorf\nJMBINW 1978, 240; LG Waldshut AnwBl. 1971, 56; LG Stade\nMDR 1971, 68; LG Tübingen AnwBl. 1974, 190; LG Aurich\nNasRpfl. 1979, 20; LG Darmstadt KostRspr. § 464 Nr.\n195; LG Kleve MDR 1981, 606; Schäfer in Löwe-Rosenberg\n23. Aufl. § 467 Rän. 12 £f „ 18 m.w.N.; Karlsruher\nKommentar § 465 Rdn. 6), kann dahingestellt bleiben.\n\n0\n\nEine solche Entscheidung wird von der Beschwerdeführerin nicht begehrt; sie könnte auch nur vom\nLandgericht getroffen werden, weil dieses Gericht\nim Zeitpunkt des Todes des Angeklagten mit der\nSache befaßt gewesen ist,\n\nHerdegen Ulsanmer Maul\nSchikora Schimansky","source":"ce-bgh-str","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1982-11-09/1-str-687-81","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 298","ref_norm":"298","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 341","ref_norm":"341","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 361","ref_norm":"361","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 393","ref_norm":"393","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 465","ref_norm":"465","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Datensatz »Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen aus dem 20. Jahrhundert« von Seán Fobbe und Tilko Swalve, https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0). Der Text wurde per Texterkennung (OCR) aus Scans des Gerichts gewonnen; die Erkennungsqualität schwankt."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1982-11-09/1-str-687-81","upstream":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","retrieved":"2026-08-21 23:19:51.944924+00:00"}}