{"status":"available","doknr":"CEBGHSTR-BGH_Strafsenat-1_NA_1982-03-09_1_StR_817_81_NA_NA_NA","ecli":null,"court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"1982-03-09","aktenzeichen":"1 StR 817/81","doktyp":"Urteil","leitsatz":"Die fernschriftliche Revisionsbegründung kann der\nFormvorschrift des § 345 Abs. 2 StPO genügen.","text_plain":"Nachschlagewerk: ja\n\nBGHSt: ja (nur T)\n\nStPO 1975 § 345 Abs. 2\n\nDie fernschriftliche Revisionsbegründung kann der\nFormvorschrift des § 345 Abs. 2 StPO genügen.\n\nBGH, Urt. v. 9. März 1982 - 1 StR 817/81 - LG Karlsruhe\n\nBUNDESGERICHTSHOF\n\nIM NAMEN DES VOLKES\n\n1 StR 817/81 URTEIL\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nden Verkäufer Friedemann RB aus VD - un\ngeboren am EEEEED '957 :: amp.\n\nwegen Hehlerei u.a.\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat in der\nSitzung vom 9. März 1982, an der teilgenommen haben:\n\nRichter am Bundesgerichtshof\nHerdegen\nals Vorsitzender,\ndie Richter am Bundesgerichtshof\n\nDr. Ulsamer,\nDr. Maul,\nDr. Schikora,\nDr. Foth\n\nals beisitzende Richter,\nBundesanwalt Dr.\n\nals Vertreter der Bundesanwaltschaft,\n\nJustizhauptsekretär (u\n\nals Urkundsbeamter der Geschäftsstelle,\nfür Recht erkannt:\nDie Revision des Angeklagten gegen das Urteil\ndes Landgerichts Karlsruhe von. 25. Juni 1981\n\nwird verworfen.\n\nDer Angeklagte hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.\n\nVon Rechts wegen\n\nGründe:\n\nDas Landgericht Karlsruhe hat den Angeklagten\nwegen Hehlerei in drei Fällen, Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen, Beihilfe zur Urkundenfälschung\nund unerlaubten Besitzes einer Schußwaffe zu der Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt, eine Sperrfrist von 5 Jahren angeordnet und\nden Angeklagten im übrigen freigesprochen. Gegen diese\nVerurteilung wendet sich die Revision des Angeklagten,\ndie sein Verteidiger mit Fernschreiben vom 30. September\n1981 begründet hat. Er rügt die Verletzung des materiellen Rechts.\n\nI. Das Rechtsmittel ist zulässig. Die von § 345\nAbs. 2 StPO vorgeschriebene Form der Revisionsbegründung\nkann auch durch ein Fernschreiben erfüllt werden.\n\nZwar sind nach dieser Vorschrift die Revisionsamträge des Angeklagten und ihre Begründung - abgesehen von der hier nicht interessierenden Möglichkeit\nder Erklärung zu Protokoll der Geschäftsstelle - durch\neine \"von dem Verteidiger oder einem Rechtsanwalt unterzeichnete Schrift\" bei Gericht anzubringen. Die Unterzeichnung setzt in der Regel den eigenhändigen und handschriftlichen Vollzug der Unterschrift voraus. Durch\ndieses Erfordernis unterscheidet sich die Begründung von\nder Einlegung des Rechtsmittels, bei der die Erklärung\nlediglich \"schriftlich\" abzugeben ist (vgl. § 341 Abs. 1\nStPO; RGSt 9, 38; 63, 246, 248; 69, 137, 138; BGHSt 12,\n317; BGHZ 75, 340, 348).\n\nVon diesem Grundsatz hat die Rechtsprechung jedoch\n- nach Überwindung anfänglicher Bedenken - eine Ausnahme dann zugelassen, wenn die Begründung in einem\n\nTelegramm enthalten war (RGSt 10, 166; 57, 280, 282;\nBGHSt 8, 174; BayObL&G NöW 1981, 2591). Diese Ausnahme\n\nhat sich auf allen Rechtsgebieten durchgesetzt (vgl.\n\nfür den Zivilprozeß: RGZ 139,45; 151, 82, 86; RG Warrfispr.\n1937 Nr. 122; BGH LM Nr. 3 zu § 518 Abus. 1 ZPO = JR 7955,\n266; BGHZ 24, 297, 299; BGH NIW 1962, 1505, 1507; 30H\nVersR 1965, 852; BGH LM Nr. 63 zu § 519 ZPO = MDR 971,\n576; BGH NJW 1976, 966, 967; BGH VersR 1977, 1101; GHZ 75,\n3L0, 349; BGH NJW 1980, 291; BGH VersR 1980, 331; für cas\narbeitsgerichtliche Verfahren: RAGE 3, 252, BAGE 3, 55;\n13, 121, 123; 22, 156, 158; BAG NJW 1971, 2190, BAG DE\n1973, 2148; BAG DB 1974, 12445; BAG NJW 1976, 1285; BAG\nNJW 1979, 233, 234; für das verwaltungsgerichtliche Verfahren: BVerwGE 1, 103; 2, 190, 192; 3, 56; BVerwG NJW\n1962, 555; BVerwG NJW 1964, 831, 832; BVerwG NJW 1978,\n2110; OVG Münster MDR 1970, 1042; BayVGH BB 1977, 568;\n\nfür das sozialgerichtliche Verfahren: BSGE 1, 243, 245;\n\n5, 3, 4; 7, 16, 17; für das finanzgerichtliche Verfahren:\nBFH BStBl. 1954 III S. 27; BFH BB 1973, 1517; jetzt ausdrücklich § 357 Abs. 1 Satz 3 AO; für die freiwillige Gerichtsbarkeit: BGH LM Nr. 1 zu § 31 LVO; BGH LM Nr. 1 zu\n§ 5 Abs. 1 LVR = JZ 1953, 179; OLG Neustadt NJW 1952, 27;\nfür den gewerblichen Rechtsschutz: BGH LM Nr. 4 zu § 42 PatG\n= GRUR 1955, 29; BGH NJW 1965, 1862, 1863; BGH NJW 1966,\n1077; BGH NJUW 1967, 2114; BGHZ 79, 314, 316; BPatGE 17,\n2u,, 250; für die Verfassungsbeschwerde: BVerfGE 4, 7,\n\n12; BayVerfGHE 17, 104). Danach wird das Telegramm heute\nallgemein als formgültige Rechtsmittelschrift (bzw. als\nrechtswirksamer bestimmender Schriftsatz) anerkannt, auch\nwenn es aus technischen Gründen vom Erklärenden nicht -\neigenhändig und handschriftlich - unterzeichnet werden\nkann. Diese Übung ist nach der Rechtsprechung zum Gewohnheitsrecht erstarkt (RGZ 139, 45, 48; BSGE 1, 243,\n245; BAG NJW 1971, 2190, 2191; BGHZ 79, 314, 316; BayVGii\nBB 1977, 568). Maßgeblich ist allein die am Empfangsort\n\nhergestellte, für den Adressaten bestimmte Telegrammurkunde, so daß es nicht darauf ankommt, ob diese auf\neiner \"Urschrift\" beruht, die am Absendeort aufgenommen\nund vom Erklärenden unterzeichnet worden ist (RAGE 3,\n\n252, 254; RGZ 139, 45, 48; BGHSt 8, 174, 176; 14,233, 235;\nBGHZ 79, 314, 316).\n\nDieselben Grundsätze müssen gelten, wenn die Revision nicht durch Telegramm, sondern mittels Fernschreiben begründet worden ist (für die Gleichbehandlung\nauch BGH IM Nr. 4 zu § 42 PatG = GRUR 1955, 29; BGH NJW\n1965, 1862, 1863; BGH NJW 1966, 1077; BGH NJW 1967, 21143;\nBGH NJW 1974, 1090; BGHZ 65, 10; BGH VersR 1980, 331;\n\nBGHZ 79, 314, 316; OLG Stuttgart MDR 1960, 930; OLG Hamm\nNJW 1961, 2225; BayObLGSt 1967, 60 = NJW 1967, 1816; OLG\nStuttgart Justiz 1972, 42; BayObLG NJW 1981, 2591; BPatGE 17,\n2ulh, 250; BayVGH BB 1977, 568; Dahs/Dahs, Die Revision im\nStrafprozeß, 2. Aufl. Rdn. 333; a.A. grundsätzlich Sax in\nKMR StPO, 7. Aufl. Einl. X Rdn. 51; Meyer in LR StPO, 23.\nAufl. § 345 Rdn. 23; kritisch auch Sarstedt, Die Revision\nin Strafsachen 4. Aufl. S. 97). In beiden Fällen veranlaßt\nder Beschwerdeführer im Wege der elektrotechnischen\nNachrichtenübermittlung, daß die maßgebliche Erklärung\nerst andernorts und nur maschinenschriftlich niedergelegt wird. Der fermschriftliche Verkehr ist einfacher\n\nund schneller als der telegrafische, weil die an das\nöffentliche Fernschreibnetz angeschlossenen Teilnehmer\n\nin der Regel jederzeit direkt in Verbindung treten können.\nEs besteht kein Anlaß, dem Bürger die Vorteile dieses\nmodernen Kommunikationssystems vorzuenthalten, das ihm\ndie bestmögliche Ausschöpfung einer gegen ihn laufenden\nRechtsmittelfrist ermöglicht. Auch ist die Gefahr des\nMißbrauchs geringer als die der Täuschung des Rechtsver-\n\n. kehrs durch ein Telegramn.\n\nVorausgesetzt wird dabei, daß das Fernschreiben\nunnitteibar von der Fernschreibstelle des Gerichts oder\nder ihm zugeordneten Staatsanwaltschaft aufgeromnen\nwird (vgl. BGHZ 79, 314, 318; BayObLC Nuw 1981, 2591),\ndaß es seinem Inhalt nach den Anforderungen entspricht,\ndie die Sträfprozeßordnung an eine ordnunssgexä3e Hech.smittelbegründung stellt (vgl. § 344 StPO; EGHSt 8, 176, 177)\nund daß es abschließend - als Ersatz der an sich &rforde_ic\ntechnisch aber nicht möglichen Unterschrift - der \\anen\ndes Erklärenden anführt (BGHSt 8, 174, 177; EGH NW 1965,\n1077; BGH NJW 1967, 2114; BayObLGSt 1967, 60 = NJW 1967,\n1816; BFH BB 1973, 1517; BVerwGE 3, 56; OVG Münster MDR\n1970, 1042). Diese Voraussetzungen sind im vorliegenden\nFall sämtlich erfüllt.\n\nII. Das Rechtsmittel ist jedoch nicht begründet.\nDie Überprüfung des angefochtenen Urteils auf Grund\nder Revisionsrechtfertigung hat keinen Rechtsfehler\naufgedeckt. Insbesondere sind die Grundsätze der\nGesamtstrafenbildung (§ 54 StGB) nicht verletzt. Das\nLandgericht hat aus sechs Einzelstrafen von zusammen\n6 Jahren und 1 Monat unter Erhöhung der verwirkten\nhöchsten Strafe von 1 Jahr und 8 Monaten eine Gesamt-\n\nfreiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten gebildet\nund hierbei erkennbar alle maßgebenden Umstände\nberücksichtigt (vgl. UA S. 83-88).\n\nHerdegen Ulsamer Maul\nSchikora Foth","source":"ce-bgh-str","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1982-03-09/1-str-817-81","cited_norms":[{"jurabk":"PatG","ref":"§ 42","ref_norm":"42","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 345","ref_norm":"345","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 344","ref_norm":"344","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 54","ref_norm":"54","n":1},{"jurabk":"AO 1977","ref":"§ 357","ref_norm":"357","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 519","ref_norm":"519","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 341","ref_norm":"341","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Datensatz »Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen aus dem 20. Jahrhundert« von Seán Fobbe und Tilko Swalve, https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0). Der Text wurde per Texterkennung (OCR) aus Scans des Gerichts gewonnen; die Erkennungsqualität schwankt."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1982-03-09/1-str-817-81","upstream":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","retrieved":"2026-08-21 23:19:40.800865+00:00"}}