{"status":"available","doknr":"CEBGHSTR-BGH_Strafsenat-1_NA_1966-04-22_1_StR_443_65_NA_NA_NA","ecli":null,"court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"1966-04-22","aktenzeichen":"1 StR 443/65","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF 2064 053\n\n1_StR_443/65 BESCHLUSS\n\neo\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nden Fuhrunternehmer Manfred S EEE aus N\nED: ., äort geboren an EEE 935;\n\nwegen ungenchmigten Bauens. (§ 367 Abs. 1.Nr. 15 StGB).\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts in der Sitzung vom 22. April\n1966 beschlossen;\n\nDie Sache wird an das Oberlandesgericht Stuttgart\nzurückgeleitet.\n\nGründe:\n\nnn\n\n1. Das Amtsgericht Esslingen hat den Angeklagten wegen ungenehmigten Bauens - er hatte auf seinem Grundstück\neine Lkw-Garage an einer anderen als der genehmigten Stelle errichtet - gemäß § 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB zu einer\nGeldstrafe verurteilt.\n\nDer Angeklagte hat gegen dieses Urteil Revision eingelegt und zur Begründung vorgebracht: Ungenchnigtes Bauen\nsei in Baden-Württemberg nicht mehr als Übertretung des\n8 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB strafbar, sondern nach den §§ 112\nAbs. 1 Nr. 5, 87 Abs. 1 der Iandesbauordnung für Baden-Württemberg vom 6. April 1964 (GBl. S. 151) seit dem 1. Januar 1965 nur noch ordnungswidrig; das Amtsgericht habe\ndaher das Strafverfahren einstellen müssen.\n\nDas Oberlandesgericht Stuttgart hält die Revision für\nunbegründet. Es ist der Auffassung, der § 367 Abs. 1 Nr. 15\nStGB gelte als Bundesrecht fort (Art. 125 Nr. 1, 74 Nr.1 GG),\nkönne mithin durch Iandesrecht nicht außer Kraft gesetzt\n-werden und sei daher gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 OWiG allein\nauf den Fall anzuwenden. Es sieht sich aber an der Bestätigung des angefochtenen Urteils gehindert, weil das Ober-\n\nlandesgericht Köln in seinem Beschluß vom 12. Mai 1965\n(NJW 1965, 1496 Nr. 18) die Auffassung vertrete, § 367\nAbs. 1 Nr, 15 StGB habe seine Geltung jedenfalls in denjenigen Ländern verloren, deren Baurecht Verstöße mit\nBußgeld ahnde.\n\n2. Die Vorlegung ist nicht zulässig. Zur Entscheidung über die aufgeworfene Rechtsfrage ist allein das Bundesverfassungsgericht berufen. Bei ihm ist ein Verfahren\nzur verfassungsrechtlichen Prüfung der Fortgeltung des\n8 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB als Bundesrecht schon anhängig.\nDenn mit seinen Beschlüssen vom 9. November 1965 und\n6. Dezember 1965 (NJW 1966, 128 Nr. 32) hat das Oberlandesgericht Hamm die streitige Frage gemäß Art. 126 GG\ndem Bundesverfassungsgericht vorgelegt, da ernstlich zweifelhaft sei, ob die Strafvorschrift als Bundesrecht oder\nLandesrecht fortgelte. Damit ist der Bundesgerichtshof\ngehindert, die ihm vom Oberlandesgericht Stuttgart vorgclegte Rechtsfrage seinerscits zu entscheiden.\n\n3. Bei dieser Rechtslage kann dahinstehen, ob die\nVorlegung auch aus anderen Gründen unzulässig ist: etwa\ndeshalb, weil auch das Oberlandesgericht Köln von der\n\"formellen\" Weitergeltung des § 367 Abs. 1 Nr. 15 StGB —\nals Bundesrecht ausgeht, oder deshalb, weil jener Beschluß in einem Verfahren der Zuständigkeitsüberprüfung\ngemäß §§ 58 ff OWiG ergangen ist, für das anders als im\nRechtsbeschwerdeverfahren die in § 56 Abs. 5 OWiG angeordnete Vorlegungspflicht nicht gilt (vgl. § 60 Abs.2 OWiG)»\n\n4. Da der Bundesgerichtshof nicht in der Sache selbst\nentscheidet, ist er auch nicht zur Vorlegung an das Bundcsverfassungsgericht befugt (vgl. BVerfGE 6, 222, 240).\n\nDie Sache war deshalb entsprechend dem Antrag des\nGeneralbundesanwalts an das vorlegende Oberlandesgericht\nzurückzuleiten.\n\nHübner Loesdau Mai\n\nPikart Dr. Pfeiffer","source":"ce-bgh-str","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1966-04-22/1-str-443-65","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 126","ref_norm":"126","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 56","ref_norm":"56","n":1},{"jurabk":"OWiG 1968","ref":"§ 60","ref_norm":"60","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Datensatz »Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Strafsachen aus dem 20. Jahrhundert« von Seán Fobbe und Tilko Swalve, https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0). Der Text wurde per Texterkennung (OCR) aus Scans des Gerichts gewonnen; die Erkennungsqualität schwankt."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/1966-04-22/1-str-443-65","upstream":"https://doi.org/10.5281/zenodo.4540377","retrieved":"2026-08-21 23:16:22.002902+00:00"}}