{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-12_NA_2011-06-29_XII_ZB_653_10_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"12. Zivilsenat","decided":"2011-06-29","aktenzeichen":"XII ZB 653/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXII ZB 653/10\n\nvom\n\n29. Juni 2011\n\nin der Familiensache\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 29. Juni 2011 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne, die Richterin Weber-Monecke und die Richter\nDr. Klinkhammer, Schilling und Dr. Nedden-Boeger\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde des Beteiligten zu 2 wird der Beschluss des Oberlandesgerichts München - 33. Zivilsenat - zugleich Familiensenat - vom 10. November 2010 (33 UF 1540/10)\naufgehoben.\n\nDie Beschwerde des Beteiligten zu 1 gegen den Beschluss des\nAmtsgerichts München vom 5. August 2010 wird zurückgewiesen.\n\nVon der Erhebung der Gerichtskosten wird abgesehen. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.\n\nGründe:\n\nA.\n\n1 Der Beteiligte zu 1 begehrt für seine Tätigkeit als Vormund von der\nStaatskasse eine Vergütung und Ersatz seiner Aufwendungen.\n\n2 Mit Beschluss vom 17. Dezember 2008 bestellte das Amtsgericht den\nBeteiligten zu 1, den V. K. und M. e.V., zum Vormund\nfür ein minderjähriges Kind.\n\n3 Das Amtsgericht hat den Antrag des Beteiligten zu 1 auf Festsetzung einer Vergütung und von Auslagenersatz für das Jahr 2009 mit Beschluss vom\n\n5. August 2010 zurückgewiesen. Auf die hiergegen von dem Beteiligten zu 1\neingelegte Beschwerde hat das Oberlandesgericht den Beschluss aufgehoben\nund eine Vergütung in Höhe von 2.269,52 € festgesetzt.\n\n4 Hiergegen wendet sich der Beteiligte zu 2 (Vertreter der Staatskasse) mit\nseiner vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde.\n\nB.\n\n5 Die Rechtsbeschwerde ist zulässig und begründet. Sie führt zur Aufhebung der Beschwerdeentscheidung und zur Zurückweisung der Beschwerde\ndes Beteiligten zu 1.\n\n6 Vorliegend findet das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und\nin Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) Anwendung, weil\nder Vergütungsantrag vom 19. Januar 2010 datiert. Zutreffend hat das Beschwerdegericht darauf hingewiesen, dass ein Antrag, der im Rahmen eines\nDauerverfahrens, wie etwa einer Vormundschaft, gestellt wird und zu einer Endentscheidung im Sinne des § 38 FamFG führt, ein selbständiges Verfahren im\nSinne des Art. 111 Abs. 2 FGG-RG einleitet (Senatsbeschlüsse vom 25. Mai\n2011 - XII ZB 625/10, XII ZB 626/10 und XII ZB 627/10 - zur Veröffentlichung\nbestimmt).\n\nI.\n\n7 Die Rechtsbeschwerde ist zulässig.\n\n8 Die Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerde ergibt sich aus § 70 Abs. 1\nFamFG, da das Beschwerdegericht sie zugelassen hat. Die Rechtsbeschwerde\nist auch im Übrigen zulässig. Der Vizepräsident des Amtsgerichts, der die\nRechtsbeschwerde für den Beteiligten zu 2 eingelegt hat, ist gemäß § 114\nAbs. 3 Satz 2 FamFG postulationsfähig (vgl. Senatsbeschluss vom 7. Juli 2010\n- XII ZB 149/10 - FamRZ 2010, 1544).\n\nII.\n\n9 Die Rechtsbeschwerde ist begründet.\n\n10 Nach § 1836 Abs. 3 BGB kann ein zum Vormund bestellter Verein keine\nVergütung beanspruchen. Ebenso wenig kann er von der Staatskasse gemäß\n§ 1835 Abs. 5 Satz 1 BGB Ersatz seiner Aufwendungen verlangen (Palandt/\nDiederichsen BGB 70. Aufl. § 1835 Rn. 21) bzw. nach § 1835 a Abs. 5 BGB\neine Aufwandsentschädigung beanspruchen. Insoweit hält der Senat an seiner\nfrüheren Rechtsprechung (Senatsbeschluss vom 14. März 2007\n- XII ZB 148/03 - FamRZ 2007, 900, 901) nicht fest.\n\n11 Der Wortlaut des § 1836 Abs. 3 BGB und der hierzu ausdrücklich erklärte\nWille des Gesetzgebers lassen eine Vergütung des zum Vormund bestellten\nVereins nicht zu. Nach der Gesetzesbegründung kann \"nach geltendem Recht\n(…) ein Verein als Vormund weder Vorschuss für Aufwendungen noch eine\nVergütung für seine Tätigkeit verlangen\" (BT-Drucks. 11/4528 S. 157). Der Gesetzgeber hat sich zu dieser Regelung bekannt und sie für die Betreuungsvereine fortgeschrieben (vgl. BT-Drucks. 11/4528 S. 157).\n\n12 Die Einräumung eines Vergütungs- bzw. Aufwendungsersatzanspruchs\ndes zum Vormund bestellten Vereins ist auch verfassungsrechtlich nicht gebo-\n\nten (anders noch Senatsbeschluss vom 14. März 2007 - XII ZB 148/03 - FamRZ\n2007, 900, 901). Es ist aus verfassungsrechtlicher Sicht hinreichend, wenn die\nBestellung eines Vereinsmitarbeiters möglich ist und diese einen Vergütungsanspruch nach sich zieht, wobei die zugunsten eines Betreuungsvereins bestehenden Vergütungsvorschriften der §§ 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB, 7 VBVG auf\neinen Vormundschaftsverein analog anzuwenden sind.\n\n13 Wegen der weiteren Begründung nimmt der Senat auf seine Beschlüsse\nvom 25. Mai 2011 Bezug (XII ZB 625/10, XII ZB 626/10 und XII ZB 627/10 - zur\nVeröffentlichung bestimmt).\n\nHahne Weber-Monecke RiBGH Dr. Klinkhammer ist urlaubsbedingt\nverhindert zu unterschreiben\nHahne\n\nSchilling Nedden-Boeger\n\nVorinstanzen:\nAG München, Entscheidung vom 05.08.2010 - 532 F 8531/09 RE -\nOLG München, Entscheidung vom 10.11.2010 - 33 UF 1540/10 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-06-29/xii-zb-653-10","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1836","ref_norm":"1836","n":2},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 38","ref_norm":"38","n":1},{"jurabk":"FGG-RG","ref":"Art 111","ref_norm":"111","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 70","ref_norm":"70","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1835","ref_norm":"1835","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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