{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-12_NA_2011-06-29_XII_ZB_630_10_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"12. Zivilsenat","decided":"2011-06-29","aktenzeichen":"XII ZB 630/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXII ZB 630/10\n\nvom\n\n29. Juni 2011\n\nin der Familiensache\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 29. Juni 2011 durch die Vorsitzende Richterin Dr. Hahne, die Richterin Weber-Monecke und die Richter\nDr. Klinkhammer, Schilling und Dr. Nedden-Boeger\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde des Beteiligten zu 2 wird der Beschluss des Oberlandesgerichts München - 33. Zivilsenat - zugleich Familiensenat - vom 4. November 2010 (33 UF 1543/10)\naufgehoben.\n\nAuf die Beschwerde des Beteiligten zu 2 wird der Beschluss des\nAmtsgerichts Landshut vom 30. Juni 2010 (59 F 772/10) abgeändert.\n\nDer Antrag des Beteiligten zu 1 vom 31. Dezember 2009, ihm für\ndie Tätigkeit als Vormund aus der Staatskasse eine Vergütung\nnebst Auslagenersatz zu zahlen, wird zurückgewiesen.\n\nVon der Erhebung der Gerichtskosten wird abgesehen. Außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.\n\nGründe:\n\nA.\n\n1 Der Beteiligte zu 1 begehrt für seine Tätigkeit als Vormund von der\nStaatskasse eine Vergütung und Ersatz seiner Aufwendungen.\n\n2 Mit Beschluss vom 28. September 2009 bestellte das Amtsgericht den\nBeteiligten zu 1, das K. J. M. e.V., zum Vor\nmund für ein minderjähriges Kind.\n\n3 Das Amtsgericht hat auf Antrag des Beteiligten zu 1 dessen Vergütung\nfür das Jahr 2009 samt Auslagenersatz auf 431,10 € festgesetzt und den Antrag im Übrigen zurückgewiesen. Die hiergegen vom Vertreter der Staatskasse\n(im Folgenden Beteiligter zu 2) eingelegte Beschwerde hat das Oberlandesgericht mit dem angefochtenen Beschluss zurückgewiesen.\n\n4 Hiergegen wendet sich der Beteiligte zu 2 mit seiner vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde.\n\nB.\n\n5 Die Rechtsbeschwerde ist zulässig und begründet. Sie führt zur Aufhebung der Beschwerdeentscheidung und zur Zurückweisung des vom Beteiligten\nzu 1 gestellten Antrages.\n\n6 Vorliegend findet das Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und\nin Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) Anwendung, weil\nder Vergütungsantrag vom 31. Dezember 2009 datiert. Zutreffend hat das Beschwerdegericht darauf hingewiesen, dass ein Antrag, der im Rahmen eines\nDauerverfahrens, wie etwa einer Vormundschaft, gestellt wird und zu einer Endentscheidung im Sinne des § 38 FamFG führt, ein selbständiges Verfahren im\nSinne des Art. 111 Abs. 2 FGG-RG einleitet (Senatsbeschlüsse vom 25. Mai\n2011 - XII ZB 625/10, XII ZB 626/10 und XII ZB 627/10 - zur Veröffentlichung\nbestimmt).\n\nI.\n\n7 Die Rechtsbeschwerde ist zulässig.\n\n8 Die Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerde ergibt sich aus § 70 Abs. 1\nFamFG, da das Beschwerdegericht sie zugelassen hat. Die Rechtsbeschwerde\nist auch im Übrigen zulässig. Der Präsident des Landgerichts, der die Rechtsbeschwerde für den Beteiligten zu 2 eingelegt hat, ist gemäß § 114 Abs. 3\nSatz 2 FamFG postulationsfähig (vgl. Senatsbeschluss vom 7. Juli 2010\n- XII ZB 149/10 - FamRZ 2010, 1544).\n\nII.\n\n9 Die Rechtsbeschwerde ist begründet.\n\n10 Nach § 1836 Abs. 3 BGB kann ein zum Vormund bestellter Verein keine\nVergütung beanspruchen. Ebenso wenig kann er von der Staatskasse gemäß\n§ 1835 Abs. 5 Satz 1 BGB Ersatz seiner Aufwendungen verlangen (Palandt/\nDiederichsen BGB 70. Aufl. § 1835 Rn. 21) bzw. nach § 1835 a Abs. 5 BGB\neine Aufwandsentschädigung beanspruchen. Insoweit hält der Senat an seiner\nfrüheren Rechtsprechung (Senatsbeschluss vom 14. März 2007\n- XII ZB 148/03 - FamRZ 2007, 900, 901) nicht fest.\n\n11 Der Wortlaut des § 1836 Abs. 3 BGB und der hierzu ausdrücklich erklärte\nWille des Gesetzgebers lassen eine Vergütung des zum Vormund bestellten\nVereins nicht zu. Nach der Gesetzesbegründung kann \"nach geltendem Recht\n(…) ein Verein als Vormund weder Vorschuss für Aufwendungen noch eine\nVergütung für seine Tätigkeit verlangen\" (BT-Drucks. 11/4528 S. 157). Der Ge-\n\nsetzgeber hat sich zu dieser Regelung bekannt und sie für die Betreuungsvereine fortgeschrieben (vgl. BT-Drucks. 11/4528 S. 157).\n\n12 Die Einräumung eines Vergütungs- bzw. Aufwendungsersatzanspruchs\ndes zum Vormund bestellten Vereins ist auch verfassungsrechtlich nicht geboten (anders noch Senatsbeschluss vom 14. März 2007 - XII ZB 148/03 - FamRZ\n2007, 900, 901). Es ist aus verfassungsrechtlicher Sicht hinreichend, wenn die\nBestellung eines Vereinsmitarbeiters möglich ist und diese einen Vergütungsanspruch nach sich zieht, wobei die zugunsten eines Betreuungsvereins bestehenden Vergütungsvorschriften der §§ 1897 Abs. 2 Satz 1 BGB, 7 VBVG auf\neinen Vormundschaftsverein analog anzuwenden sind.\n\n13 Wegen der weiteren Begründung nimmt der Senat auf seine Beschlüsse\nvom 25. Mai 2011 Bezug (XII ZB 625/10, XII ZB 626/10 und XII ZB 627/10 - zur\nVeröffentlichung bestimmt).\n\nHahne Weber-Monecke RiBGH Dr. Klinkhammer\nist urlaubsbedingt verhindert zu unterschreiben\nHahne\n\nSchilling Nedden-Boeger\n\nVorinstanzen:\nAG Landshut, Entscheidung vom 30.06.2010 - 59 F 772/10 -\nOLG München, Entscheidung vom 04.11.2010 - 33 UF 1543/10 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-06-29/xii-zb-630-10","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1836","ref_norm":"1836","n":2},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 38","ref_norm":"38","n":1},{"jurabk":"FGG-RG","ref":"Art 111","ref_norm":"111","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 70","ref_norm":"70","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1835","ref_norm":"1835","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-06-29/xii-zb-630-10","retrieved":"2026-10-24 08:02:35.498620+00:00"},"card":{"id":"bgh/2011-06-29/xii-zb-630-10","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"12. 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