{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-12_NA_2010-09-15_XII_ZB_134_10_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"12. Zivilsenat","decided":"2010-09-15","aktenzeichen":"XII ZB 134/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXII ZB 134/10\n\nvom\n\n15. September 2010\n\nin der Familiensache\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 15. September 2010 durch\ndie Vorsitzende Richterin Dr. Hahne und die Richter Dose, Dr. Klinkhammer,\nSchilling und Dr. Günter\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 1. Familiensenats des Oberlandesgerichts Rostock vom 22. März 2010 wird zurückgewiesen.\n\nDie Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens werden der Rechtsbeschwerdeführerin auferlegt (§ 81 FamFG).\n\nVerfahrenswert: 34,20 €.\n\nGründe:\n\nA.\n\n1 Das Familiengericht hat in einer Kindschaftssache dem minderjährigen\nKind die Rechtsbeschwerdeführerin als berufsmäßigen Verfahrensbeistand mit\nerweitertem Aufgabenkreis gemäß § 158 Abs. 4 Satz 3 FamFG bestellt.\n\n2 Auf ihren Vergütungsantrag, mit dem sie die Pauschalvergütung in Höhe\nvon 550 € nebst Fahrtkosten von 34,20 €, insgesamt also 584,20 € geltend gemacht hat, hat die Rechtspflegerin die Fahrtkosten abgesetzt und einen Betrag\nvon 550 € angewiesen. Die hiergegen von der Rechtsbeschwerdeführerin eingelegte Beschwerde blieb erfolglos. Zur Begründung hat das Beschwerdege-\n\nricht ausgeführt, zu den Aufwendungen, die gemäß § 158 Abs. 7 Satz 4 FamFG\nin der Fallpauschale enthalten seien, gehörten auch die Fahrtkosten.\n\n3 Hiergegen wendet sich die Rechtsbeschwerdeführerin mit ihrer Rechtsbeschwerde.\n\nB.\n\n4 Die Rechtsbeschwerde ist zulässig, aber unbegründet.\n\nI.\n\n5 Die vom Beschwerdegericht zugelassene und damit gemäß § 70 Abs. 1\nFamFG statthafte Rechtsbeschwerde ist auch im Übrigen zulässig.\n\n6 Die Rechtsbeschwerdeführerin ist durch die angegriffene Entscheidung\nbeschwert (vgl. zum Erfordernis der Beschwer Prütting/Helms/Abramenko\nFamFG § 70 Rdn. 6), da sie durch die Absetzung der Fahrtkosten in ihrer\nRechtssphäre beeinträchtigt wird.\n\nII.\n\n7 Die Rechtsbeschwerde ist jedoch unbegründet.\n\n8 Das Beschwerdegericht hat gemäß § 158 Abs. 7 Satz 4 FamFG zu\nRecht die Fahrtkosten abgesetzt.\n\n9 1. Gemäß § 158 Abs. 7 Satz 2 FamFG erhält der Verfahrensbeistand für\ndie Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Abs. 4 in jedem Rechtszug jeweils\neine einmalige Vergütung in Höhe von 350 €, wenn die Verfahrensbeistandschaft berufsmäßig geführt wird. Im Falle der Übertragung von Aufgaben nach\nAbs. 4 Satz 3 FamFG erhöht sich die Vergütung auf 550 €. § 158 Abs. 7 Satz 4\nFamFG regelt schließlich, dass die Vergütung auch Ansprüche auf Ersatz anlässlich der Verfahrensbeistandschaft entstandener Aufwendungen sowie auf\ndie Vergütung anfallender Umsatzsteuer abgilt.\n\n10 Der Verfahrensbeistand hat danach neben der in § 158 Abs. 7 Satz 2\nund 3 FamFG geregelten Vergütungspauschale keinen weiteren Anspruch auf\nFahrtkosten.\n\n11 Entgegen der Auffassung der Rechtsbeschwerde umfasst das Tatbestandsmerkmal \"Aufwendungen\" auch Fahrtkosten (ebenso Prütting/\nHelms/Stößer aaO § 158 Rdn. 32). Das ergibt ein Vergleich mit der Vorschrift\ndes § 277 FamFG, der die Vergütung und den Aufwendungsersatz des Verfahrenspflegers (in Betreuungssachen) regelt. Dieser verweist für den Ersatz der\nAufwendungen auf § 1835 Abs. 1 bis 2 BGB. In § 1835 Abs. 1 Satz 1 BGB sind\nunter anderem als Aufwendung auch die Fahrtkosten aufgeführt. Da der Gesetzgeber mit seinem ursprünglichen Entwurf auch für die Vergütung des Verfahrensbeistands auf § 277 FamFG verweisen wollte (vgl. BT-Drucks. 16/9733\nS. 75), sich dann aber ausdrücklich gegen eine aufwandsbezogene Vergütung\nentschieden hat, erscheint es widersinnig, die Intention des Gesetzgebers\ndurch einen Verweis auf andere Kostenregelungen, die die Fahrtkosten als\nAuslagen verstünden, zu umgehen. Schließlich wollte der Gesetzgeber mit der\nÄnderung der Abrechnungsmodalitäten sowohl dem Verfahrensbeistand wie\nauch der Justiz einen erheblichen Abrechnungs- und Kontrollaufwand ersparen\n(vgl. BT-Drucks. 16/9733 S. 294).\n\n12 2. Der Senat verkennt nicht, dass die Regelung des § 158 Abs. 7 Satz 4\nFamFG in Einzelfällen zu unbilligen Ergebnissen führen kann, nämlich dann,\nwenn - etwa im ländlichen Bereich - erhebliche Fahrtkosten für den Verfahrensbeistand anfallen (vgl. dazu auch Menne ZKJ 2009, 68, 73). In der vorliegenden\nRechtsbeschwerde geht es indes lediglich um Fahrtkosten in Höhe von 34,20 €;\ndem Vortrag der Rechtsbeschwerdeführerin lässt sich auch nicht entnehmen,\ndass sie bei Nichtzahlung dieses Betrags in ihrer angemessenen Berufsausübung beeinträchtigt wäre.\n\nHahne Dose Klinkhammer\n\nSchilling Günter\n\nVorinstanzen:\nAG Schwerin, Entscheidung vom 24.11.2009 - 22 F 231/09 -\nOLG Rostock, Entscheidung vom 22.03.2010 - 10 WF 1/10 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2010-09-15/xii-zb-134-10","cited_norms":[{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 158","ref_norm":"158","n":6},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 277","ref_norm":"277","n":2},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 81","ref_norm":"81","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 70","ref_norm":"70","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1835","ref_norm":"1835","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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