{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-09_NA_2013-10-10_IX_ZB_87_11_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2013-10-10","aktenzeichen":"IX ZB 87/11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIX ZB 87/11\nvom\n\n10. Oktober 2013\n\nin dem Verfahren auf Vollstreckbarerklärung\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Richter Vill, die\nRichterin Lohmann, die Richter Dr. Fischer, Dr. Pape und die Richterin Möhring\n\nam 10. Oktober 2013\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 5. Zivilsenats\ndes Saarländischen Oberlandesgerichts vom 12. Januar 2011 wird\nauf Kosten des Rechtsbeschwerdeführers als unzulässig verworfen.\n\nDer Wert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf 24.418.180 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Die Rechtsbeschwerde ist gemäß Art. 44 EuGVVO in Verbindung mit\n§ 15 Abs. 1 AVAG, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO statthaft. Sie ist jedoch nach\n§ 15 Abs. 1 AVAG, § 574 Abs. 2 ZPO unzulässig, weil die Rechtssache weder\ngrundsätzliche Bedeutung hat, noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordert.\n\n2 1. Die Prüfung eines Zulässigkeitsgrundes im Sinne von § 574 Abs. 2\nZPO war nicht entbehrlich, weil das Beschwerdegericht in seiner Entscheidung\ndie Rechtsbeschwerde zugelassen hat. Nach Art. 44 EuGVVO in Verbindung\n\nmit § 15 Abs. 1 AVAG ist die Rechtsbeschwerde kraft Gesetzes statthaft. Die\nZulassung einer ohnehin kraft Gesetzes statthaften Rechtsbeschwerde entfaltet\nkeine Bindungswirkung für das Rechtsbeschwerdegericht, welches vielmehr\nunabhängig von der Zulassungsentscheidung des Beschwerdegerichts die Voraussetzungen nach § 574 Abs. 2 ZPO zu prüfen hat (BGH, Beschluss vom\n20. Februar 2003 - V ZB 59/02, NJW-RR 2003, 784, 785; vom 7. April 2004\n- XII ZB 51/02, MDR 2004, 1074, 1075).\n\n3 2. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Art. 45 EuGVVO\ndahin auszulegen ist, dass er der Versagung oder Aufhebung einer Vollstreckbarerklärung einer Entscheidung durch ein Gericht, das über einen Rechtsbehelf gemäß Art. 43 oder 44 EuGVVO entschieden hat, aus einem anderen als\neinem in den Art. 34 und 35 EuGVVO genannten Grund, wie etwa dem, dass\nder Entscheidung im Ursprungsmitgliedstaat nachgekommen wurde, entgegensteht (Urteil vom 13. Oktober 2011 - Rs. C-139/10, Prism Investments BV/van\nder Meer, NJW 2011, 3506 Rn. 43). In seinen Ausführungen unterscheidet der\nEuropäische Gerichtshof nicht zwischen liquiden und illiquiden Einwendungen.\nDeshalb ist davon auszugehen, dass der Europäische Gerichtshof alle nicht von\nArt. 34 und 35 EuGVVO genannten Einwendungen im Exequaturverfahren als\nnicht berücksichtigungsfähig ansieht (Musielak/Lackmann, ZPO, 9. Aufl., Art. 45\nEuGVVO Rn. 2; Wagner, IPRax 2012, 326, 331; Meller-Hannich, GPR 2012,\n90, 94; Sujecki, EWS 2012, 110, 111; vgl. auch Hk-ZPO/Dörner, 5. Aufl., Art. 45\nEuGVVO Rn. 5; Prütting/Gehrlein/Schinkels, ZPO, 4. Aufl., Art. 45 Rn. 1; Meller-Hannich in Kindl/Meller-Hannich/Wolf, Gesamtes Recht der Zwangsvollstreckung, 2. Aufl., § 12 AVAG Rn. 3 f; aA Gerald Mäsch in Kindl/Meller-Hannich/Wolf, aaO Art. 45 EuGVVO Rn. 4 ausdrücklich gegen EuGH). Bei liquiden Einwendungen drohen zwar keine Verzögerungen im Vollstreckbarerklärungsverfahren. Es greift aber das vom Europäischen Gerichtshof angeführte\n\nArgument, dass zwischen dem Exequaturverfahren, welches die Wirkungen der\nausländischen Entscheidung in die Rechtsordnung des Zweitstaates \"integriert\",\nund der anschließenden Zwangsvollstreckung strikt zu trennen ist (EuGH, aaO\nRn. 40). Der Erfüllungseinwand wird ausschließlich dem späteren Zwangsvollstreckungsverfahren zugeordnet, so dass entsprechende Einwendungen erst in\ndiesem Verfahrensstadium geprüft werden können. Somit gilt, dass nicht nur\nilliquide (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Juli 2012 - IX ZB 267/11, WM 2012,\n1555 Rn. 13 ff), sondern auch liquide Einwendungen vom Exequaturverfahren\nausgeschlossen sind. Ob die Würdigung des Beschwerdegerichts zutrifft, die\nvom Antragsgegner vorgetragenen Einwendungen seien teilweise streitig und\ndamit illiquide, ist somit nicht entscheidungserheblich.\n\n4 Eine Vorlage an den Großen Senat für Zivilsachen wegen der früher abweichenden Rechtsprechung des XII. Zivilsenats (vgl. insbesondere BGH, Beschluss vom 14. März 2007 - XII ZB 174/04, BGHZ 171, 310) ist nicht erforderlich, weil sich der Senat lediglich bezüglich der hier maßgeblichen Auslegung\ndes vorrangigen Art. 45 EuGVVO der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs anschließt (vgl. BSG, NJW 1974, 1063, 1064).\n\n5 3. Die behauptete Verletzung von Verfahrensgrundrechten im Zusammenhang mit der Prüfung des ordre public-Einwandes nach Art. 34 Nr. 1\nEuGVVO durch das Beschwerdegericht hat der Senat im Einzelnen geprüft,\naber für nicht durchgreifend erachtet.\n\n6 4. Von einer weitergehenden Begründung wird gemäß § 17 Abs. 2\nAVAG, § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO abgesehen.\n\nVill Lohmann Fischer\n\nPape Möhring\n\nVorinstanzen:\nLG Saarbrücken, Entscheidung vom 02.01.2009 - 13 O 66/08 -\nOLG Saarbrücken, Entscheidung vom 12.01.2011 - 5 W 132/09-48- -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-10-10/ix-zb-87-11","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":4},{"jurabk":"AVAG 2001","ref":"§ 15","ref_norm":"15","n":3},{"jurabk":"AVAG 2001","ref":"§ 12","ref_norm":"12","n":1},{"jurabk":"AVAG 2001","ref":"§ 17","ref_norm":"17","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-10-10/ix-zb-87-11","retrieved":"2026-10-24 08:00:52.479625+00:00"},"card":{"id":"bgh/2013-10-10/ix-zb-87-11","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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