{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-09_NA_2013-02-14_IX_ZB_13_11_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2013-02-14","aktenzeichen":"IX ZB 13/11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 13/11\n\nvom\n\n14. Februar 2013\n\nin dem Restschuldbefreiungsverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, den Richter Raebel, die Richterin Lohmann, den Richter\nDr. Pape und die Richterin Möhring\n\nam 14. Februar 2013\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 6. Zivilkammer\ndes Landgerichts Aachen vom 17. November 2010 wird auf Kosten des Schuldners als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens wird auf\n5.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Die gemäß §§ 6, 7 aF, 4d Abs. 1 InsO, Art. 103 f EGInsO, § 574 Abs. 1\nSatz 1 Nr. 1 ZPO statthafte Rechtsbeschwerde ist nach § 574 Abs. 2 ZPO unzulässig. Bei der kraft Gesetzes statthaften Rechtsbeschwerde prüft der Bundesgerichtshof ebenso wie bei der Nichtzulassungsbeschwerde nur die Zulassungsgründe, welche die Rechtsmittelbegründung nach § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO\nschlüssig und substantiiert dargelegt hat (vgl. BGH, Beschluss vom 29. September 2005 - IX ZB 430/02, ZInsO 2005, 1162; vom 18. Mai 2006 - IX ZB\n103/05, ZInsO 2006, 647; vom 18. Dezember 2008 - IX ZB 46/08, ZInsO 2009,\n495 Rn. 4). Die in der Rechtsbeschwerdebegründung geltend gemachten Zulässigkeitsgründe liegen nicht vor.\n\n2 Das Insolvenzgericht kann im Rahmen von § 4b Abs. 2 Satz 3 InsO in\nVerbindung mit § 120 Abs. 4 Satz 2 ZPO, § 4c Nr. 1 Fall 2 InsO Fragen an den\nSchuldner stellen, die vom Insolvenzverwalter oder Treuhänder angeregt werden. Ebenso kann es dem Schuldner aufgeben, die Antworten direkt an den\nTreuhänder oder Insolvenzverwalter weiterzuleiten. Davon ist der Senat bereits\nin seiner Entscheidung vom 5. November 2009 (IX ZB 91/09, ZInsO 2009,\n2405) ausgegangen. Die diesbezüglich aufgeworfene Grundsatzfrage ist nicht\nklärungsbedürftig, weil ihre Antwort sich unmittelbar aus dem Gesetz ergibt und\nletztlich, wenn auch nur inzident, bereits entschieden ist.\n\n3 Auch hat der Bundesgerichtshof bereits entschieden, dass unvollständige Angaben, das heißt solche Angaben, die im Rahmen einer den Schein der\nVollständigkeit erweckenden Erklärung zwar richtig sind, durch Weglassen wesentlicher Umstände aber ein falsches Gesamtbild vermitteln, als unrichtige Angaben nach § 4c Nr. 1 Fall 1 InsO zu qualifizieren sind (BGH, Beschluss vom\n8. Januar 2009 - IX ZB 167/08, ZInsO 2009, 297 Rn. 6, 7). Umgekehrt folgt daraus, dass erkennbar unvollständige Angaben nicht unter diese Alternative fallen, sondern unter § 4c Nr. 1 Fall 2 InsO. Dass diese Alternative nicht einschlägig ist, wenn der Schuldner erkennbar unvollständig antwortet, wird bisher nicht\nvertreten und von der Rechtsbeschwerdebegründung auch nicht ausgeführt.\nEine solche Auslegung liegt fern und begründet daher die Grundsatzbedeutung\nnicht.\n\n4 Die geltend gemachten Grundrechtsverstöße (Art. 103 Abs. 1, Art. 3\nAbs. 1 GG) liegen nicht vor. Das Beschwerdegericht setzt sich mit dem Vortrag\ndes Schuldners, er sei mehrfach vom Treuhänder zur Vorlage einer Bilanz aufgefordert worden, auseinander. Es zieht nur nicht die vom Schuldner daraus\ngezogenen rechtlichen Schlüsse. Dies aber begründet den geltend gemachten\n\nGrundrechtsverstoß gerade nicht (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Juli 2011 - I ZR\n68/10, GRUR 2012, 314 Rn. 12). Auch die beiden ärztlichen Atteste hat das\nBeschwerdegericht zur Kenntnis genommen, nur keinen für den Schuldner\ngünstigen Schluss für die subjektive Seite des Verschuldensvorwurfes aus den\nAttesten gezogen.\n\n5 Ebenso wenig besteht der behauptete Willkürverstoß. Willkür liegt nur\nvor, wenn die Rechtsanwendung unter Berücksichtigung der das Grundgesetz\nbeherrschenden Gedanken nicht mehr verständlich ist und sich der Schluss\naufdrängt, dass sie auf sachfremden Erwägungen beruht. Dies ist bei einer fehlerhaften Rechtsanwendung der Fall, die schlechthin unhaltbar ist, weil sie unter\nkeinem denkbaren Aspekt rechtlich vertretbar erscheint. Von Willkür kann dagegen nicht gesprochen werden, wenn sich das Gericht mit der Rechtslage eingehend auseinandersetzt und seine Auffassung nicht jeden sachlichen Grundes\nentbehrt (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Juli 2012 - IX ZR 171/11, nv, Rn. 7\nmwN).\n\n6 Der von der Rechtsbeschwerdebegründung in diesem Zusammenhang\nunter Hinweis auf den Beschluss des Senats vom 8. Januar 2009 (IX ZB\n167/08, NZI 2009, 188 Rn. 10) gerügte Rechtsfehler liegt nicht vor. Diese Entscheidung erging nämlich zu § 4c Nr. 1 Fall 1 InsO, wo nach dem Wortlaut des\nGesetzes die unrichtigen Angaben für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens\nund die Stundung \"maßgebend\", mithin ursächlich gewesen sein müssen. Eine\nentsprechende gesetzliche Anordnung fehlt für die Alternative dieser Regelung.\nSie ist auch nicht erforderlich für den Fall, dass der Schuldner gerichtliche Anfragen nach den maßgebenden persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen\ntrotz Belehrung und Fristsetzung nicht beantwortet (vgl. BT-Drucks. 14/5680\nS. 23).\n\n7 Auch unter Berücksichtigung der Begründung der angefochtenen Entscheidung und des in der Rechtsbeschwerdebegründung angesprochenen Vortrags des Schuldners ist ein Willkürverstoß nicht ersichtlich.\n\n8 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 577 Abs. 6 Satz 3 ZPO\nabgesehen.\n\nKayser Raebel Lohmann\n\nPape Möhring\n\nVorinstanzen:\nAG Aachen, Entscheidung vom 03.08.2010 - 95 IN 152/05 -\nLG Aachen, Entscheidung vom 17.11.2010 - 6 T 108/10 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-02-14/ix-zb-13-11","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"EGInsO","ref":"Art 103f","ref_norm":"103f","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4b","ref_norm":"4b","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 120","ref_norm":"120","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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