{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-09_NA_2013-01-10_IX_ZB_293_11_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2013-01-10","aktenzeichen":"IX ZB 293/11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZB 293/11\n\nvom\n\n10. Januar 2013\n\nin dem Insolvenzverfahren\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, den Richter Vill, die Richterin Lohmann, den Richter Dr. Pape\nund die Richterin Möhring\n\nam 10. Januar 2013\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss 1. Zivilkammer des\nLandgerichts Köln vom 17. Oktober 2011 wird auf Kosten des\nGläubigers als unzulässig verworfen.\n\nDer Wert des Verfahrens der Rechtsbeschwerde wird auf 5.200 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 In dem am 24. Juni 2005 eröffneten Insolvenzverfahren meldete der\nGläubiger am 11. März 2008 eine durch Vollstreckungsbescheid titulierte Forderung an, welche der Insolvenzverwalter der Schuldnerin bestritten hat, weil es\nsich um eine nachrangige Insolvenzforderung gemäß § 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO aF\nhandelt. Nachdem der Insolvenzverwalter diese Forderung nicht in das dem\nInsolvenzgericht am 28. Februar 2011 übergebene Schlussverzeichnis aufgenommen hatte, erhob der Gläubiger im Schlusstermin am 21. Juli 2011 Ein-\n\nwendungen gegen das Schlussverzeichnis wegen der Nichtberücksichtigung\nder Forderungen lfd. Nr. 47 und 48 der Insolvenztabelle.\n\n2 Mit Beschluss vom 22. September 2011 hat das Insolvenzgericht die\nEinwendungen des Gläubigers gegen das Schlussverzeichnis zurückgewiesen.\nDie dagegen gerichtete sofortige Beschwerde hat das Beschwerdegericht mit\nBeschluss vom 17. Oktober 2011, der laut Vermerk der Geschäftsstelle am 28.\nOktober 2011 zur Zustellung herausgegeben worden ist, zurückgewiesen. Den\nVerfahrensbevollmächtigten des Gläubigers ist der Beschluss am 31. Oktober\n2011 zugestellt worden. Mit der Rechtsbeschwerde begehrt der Gläubiger die\nAufhebung des die sofortige Beschwerde zurückweisenden Beschlusses und\ndie Berichtigung des Schlussverzeichnisses dahingehend, dass ihre Forderungen in das Verzeichnis aufgenommen werden.\n\nII.\n\n3 Die Rechtsbeschwerde ist nicht statthaft und daher als unzulässig zu\nverwerfen (§ 4 InsO, § 577 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Entgegen der vom Gläubiger\nvertretenen Auffassung ist auf die Rechtsbeschwerde die Regelung des § 7\nInsO aF nicht mehr anzuwenden.\n\n4 1. Durch das am 27. Oktober 2011 in Kraft getretene Gesetz zur Änderung des § 522 der Zivilprozessordnung vom 21. Oktober 2011 (BGBl. I\nS. 2082) ist die Vorschrift des § 7 InsO aufgehoben worden. Während gemäß\n§§ 4, 6 Abs. 1, § 7 InsO aF in Verbindung mit § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO\ngegen die Entscheidung des Beschwerdegerichts im Verfahren nach der Insolvenzordnung die Rechtsbeschwerde stets stattfand, wenn die sofortige Be-\n\nschwerde statthaft gewesen war (vgl. BGH, Beschluss vom 4. März 2004\n- IX ZB 133/03, BGHZ 158, 212, 214; vom 25. Juni 2009 - IX ZB 161/08, WM\n2009, 1582 Rn. 5), setzt die Statthaftigkeit der Rechtsbeschwerde nach neuem\nRecht gemäß § 4 InsO, § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO deren Zulassung durch\ndas Beschwerdegericht voraus. In Insolvenzsachen findet die Rechtsbeschwerde seither nur noch gegen solche Beschwerdeentscheidungen zulassungsfrei\nstatt, die vor dem Inkrafttreten des neuen Rechts am 27. Oktober 2011 erlassen\nworden sind (BGH, Beschluss vom 10. Mai 2012 - IX ZB 295/11, ZInsO 2012,\n1085 Rn. 9; vom 20. Dezember 2011 - IX ZB 294/11, ZInsO 2012, 218 Rn. 5).\n\n5 2. Bei Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung des § 522 der Zivilprozessordnung am 27. Oktober 2011 war der Beschluss des Beschwerdegerichts\nvom 17. Oktober 2011 noch nicht erlassen.\n\n6 Ein nach § 329 Abs. 2 ZPO mitzuteilender Beschluss ist erst dann erlassen, wenn er mit dem Willen des Gerichts aus dem inneren Geschäftsbetrieb\nherausgetreten ist. Bis dahin bleibt er ein Entwurf. Der Übergang vom inneren\nGeschäftsbetrieb zum äußeren Geschäftsgang ist dadurch gekennzeichnet,\ndass das Gericht sich der Entscheidung entäußert hat. In diesem Sinn entäußert war der angefochtene Beschluss jedenfalls nicht, bevor ein Mitarbeiter der\nGeschäftsstelle ihn am 28. Oktober 2011 auf den Abtrag gelegt hat (vgl. BGH,\nUrteil vom 1. April 2004 - IX ZR 117/03, NJW-RR 2004, 1575; Beschluss vom\n12. Juli 2012 - IX ZB 270/11, NZI 2012, 721 Rn. 8).\n\n7 Nach diesen Grundsätzen ist der Beschluss des Beschwerdegerichts\nvom 17. Oktober 2011 ungeachtet seiner Zustellung an die Verfahrensbevollmächtigten des Gläubigers am 31. Oktober 2012 erst nach Inkrafttreten des\nneuen Rechts am 27. Oktober 2011 erlassen. Damit hätte es der Zulassung der\n\nRechtsbeschwerde durch das Beschwerdegericht bedurft, welche nicht erfolgt\nist.\n\nKayser Vill Lohmann\n\nPape Möhring\n\nVorinstanzen:\nAG Köln, Entscheidung vom 22.09.2011 - 72 IN 363/04 -\nLG Köln, Entscheidung vom 17.10.2011 - 1 T 385/11 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2013-01-10/ix-zb-293-11","cited_norms":[{"jurabk":"InsO","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 4","ref_norm":"4","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 329","ref_norm":"329","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 39","ref_norm":"39","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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