{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-09_NA_2010-07-01_IX_ZR_200_09_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2010-07-01","aktenzeichen":"IX ZR 200/09","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIX ZR 200/09\n\nvom\n\n1. Juli 2010\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nDr. Ganter, die Richter Raebel, Prof. Dr. Kayser, Dr. Pape und Grupp\n\nam 1. Juli 2010\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem\nUrteil des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Frankfurt am\nMain vom 7. Oktober 2009 in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 23. November 2009 wird auf Kosten der Klägerinnen zurückgewiesen.\n\nWert des Verfahrens der Nichtzulassungsbeschwerde:\n45.590,88 €.\n\nGründe:\n\n1 Die Nichtzulassungsbeschwerde ist statthaft (§ 544 Abs. 1 Satz 1 ZPO)\nund zulässig (§ 544 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 ZPO). Sie hat jedoch keinen Erfolg.\n\n2 1. Auf die von der Nichtzulassungsbeschwerde für rechtsgrundsätzlich\ngehaltene Frage, ob die Verwertung eines gesetzlichen Pfandrechts an einem\nZahlungsanspruch gegenüber dem Insolvenzverwalter betrieben werden muss,\nwenn der Zahlungsanspruch nach Begründung des Pfandrechts an einen Dritten abgetreten ist, kommt es nicht an. Die Klägerinnen selbst gehen von der\n\nAbtretung des Rückgabeanspruchs der Beklagten an den Zessionar M. aus.\nDiese hat die Schuldnerin vor Verfahrenseröffnung der Hinterlegungsstelle angezeigt. Die Schuldnerin ist damit aus dem Kreis der am Hinterlegungsverfahren Beteiligten ausgeschieden (vgl. OLG Hamm, Beschl. v. 10. Dezember 2009\n- I-15 VA 11/09, 15 VA 11/09, zitiert nach JURIS; Bülow/Schmidt, Hinterlegungsordnung 4. Aufl. § 13 Rn. 13). Eine Anfechtung der Abtretung durch die\nInsolvenzverwalterin ändert daran nichts, weil sie keine dingliche Wirkung hat.\nBeizubringen ist somit die Zustimmung des neuen Beteiligten, nicht die der Beklagten.\n\n3 2. Ein Zulassungsgrund läge auch dann nicht vor, wenn man die Schuldnerin weiter als Beteiligte des Hinterlegungsverfahrens ansähe. Auch in diesem\nFall wäre die Zulassung zur Sicherung der Einheitlichkeit der Rechtsprechung\nnicht geboten. Das Berufungsgericht hat zutreffend angenommen, dass mit Ü-\nbergang der Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis auf die Insolvenzverwalterin\nauch das Recht, über die Zustimmung zur Auszahlung zu entscheiden, auf die\nVerwalterin übergegangen ist. Bei einer Hinterlegung zum Zweck der Sicherheitsleistung (§ 232 BGB) erwirbt der Berechtigte ein Pfandrecht an dem hinterlegten Geld und - wenn das Geld in das Eigentum des Fiskus oder der Hinterlegungsstelle übergeht - ein Pfandrecht an der Forderung auf Rückerstattung\n(MünchKomm-InsO/Ganter, 2. Aufl. § 50 Rn. 107; Uhlenbruck/Brinkmann, InsO\n13. Aufl. § 50 Rn. 35). Ein Streit um die Rückgabe des hinterlegten Betrages ist\nnach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Hinterlegers\nzwischen dem begünstigten Gläubiger und dem Insolvenzverwalter auszutragen. Insoweit ist ein Aussonderungsrechtsstreit zu führen (MünchKomm-InsO/Ganter, aaO § 47 Rn. 13). Soweit dem Gläubiger ein Pfandrecht nicht zusteht, gebührt der hinterlegte Betrag der Insolvenzmasse. Er stellt kein insolvenzfreies Vermögen des Schuldners dar. Dies gilt ungeachtet der Frage, ob\n\nder Gläubiger selbst nach § 173 InsO zur Verwertung des Pfandes berechtigt\nist, oder ob die Einziehung nach § 166 Abs. 2 InsO dem Insolvenzverwalter obliegt.\n\n4 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2\nHalbs. 2 ZPO abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen ist.\n\nGanter Raebel Kayser\n\nPape Grupp\n\nVorinstanzen:\nLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 26.05.2009 - 2/24 O 23/09 -\nOLG Frankfurt/Main, Entscheidung vom 07.10.2009 - 2 U 106/09 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2010-07-01/ix-zr-200-09","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 232","ref_norm":"232","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 166","ref_norm":"166","n":1},{"jurabk":"InsO","ref":"§ 173","ref_norm":"173","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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