{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-03_NA_2015-10-28_III_ZR_33_15_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"3. Zivilsenat","decided":"2015-10-28","aktenzeichen":"III ZR 33/15","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIII ZR 33/15\nvom\n\n28. Oktober 2015\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 28. Oktober 2015 durch den\nVorsitzenden Richter Dr. Herrmann, die Richter Wöstmann, Seiters und Reiter\nsowie die Richterin Dr. Liebert\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 9a. Zivilsenats des Oberlandesgerichts\nKarlsruhe vom 30. Dezember 2014 - 9a U 12/14 - wird zurückgewiesen.\n\nDer Kläger hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen.\n\nStreitwert: 21.985,55 €\n\nGründe:\n\n1 Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in\ndem angefochtenen Urteil ist unbegründet, weil die Zulassungsvoraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO nicht vorliegen.\n\n2 Die Klageforderung ist wegen Ablaufs der kenntnisunabhängigen Verjährungsfrist nach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB insgesamt (F. Fonds 31\nund 34) verjährt (§ 214 Abs. 1 BGB), weil der Güteantrag des Klägers vom\n21. Dezember 2011, was die Beklagte mit ihrer Revision zu Recht geltend\nmacht und der Senat für weitestgehend gleichlautende Güteanträge inzwischen\nmehrfach entschieden hat (Urteile vom 18. Juni 2015 - III ZR 198/14, NJW\n\n2015, 2407, 2408 ff Rn. 16 ff sowie III ZR 189/14, juris Rn. 20 ff; III ZR 191/14,\njuris Rn. 21 ff und III ZR 227/14, juris Rn. 21 ff; vom 3. September 2015,\nBeckRS 2015, 16019 Rn. 15 ff und vom 15. Oktober 2015 - III ZR 170/14; Beschlüsse vom 16. Juli 2015 - III ZR 302/14, BeckRS 2015, 13231 Rn. 4 ff und\nIII ZR 164/14, BeckRS 2015, 13230 Rn. 2 ff und vom 13. August 2015 - III ZR\n380/14, BeckRS 2015, 15051 Rn. 13 ff), nicht den Anforderungen an die nötige\nIndividualisierung des geltend gemachten prozessualen Anspruchs nach § 204\nAbs. 1 Nr. 4 BGB entspricht.\n\n3 1. Der Güteantrag hat in Anlageberatungsfällen regelmäßig die konkrete\nKapitalanlage zu bezeichnen, die Zeichnungssumme sowie den (ungefähren)\nBeratungszeitraum anzugeben und den Hergang der Beratung mindestens im\nGroben zu umreißen. Ferner ist das angestrebte Verfahrensziel zumindest soweit zu umschreiben, dass dem Gegner und der Gütestelle ein Rückschluss auf\nArt und Umfang der verfolgten Forderung möglich ist; eine genaue Bezifferung\nder Forderung muss der Güteantrag seiner Funktion gemäß demgegenüber\ngrundsätzlich nicht enthalten (Senatsurteile vom 18. Juni 2015 - III ZR 198/14\naaO S. 2409 Rn. 25 mwN; vom 20. August 2015 - III ZR 373/14, WM 2015,\n1807, 1809 Rn. 18; vom 3. September 2015 aaO Rn. 17 und vom 15. Oktober\n2015 aaO; Senatsbeschlüsse vom 16. Juli 2015 - III ZR 302/14 aaO Rn. 5 und\nIII ZR 164/14 aaO Rn. 3 sowie vom 13. August 2015 - III ZR 380/14 aaO Rn. 14\nund III ZR 358/14, BeckRS 2015, 15050 Rn. 3).\n\n4 2. Diesen Erfordernissen genügt der Güteantrag des Klägers nicht. Er weist\nkeinen Bezug zum konkreten Beratungshergang in dem der Gütestelle vorgelegten Einzelfall auf. Er enthält als individuelle Angaben lediglich den Namen\nund die Anschrift des Klägers (als \"Antragstellerpartei\") sowie die Bezeichnung\nder Anlagefonds (hier: F. Fonds 31 und 34) und nennt weder die Zeich-\n\nnungssummen noch den (ungefähren) Beratungszeitraum noch andere die getätigten Anlagen individualisierende Tatsachen. Auch das angestrebte Verfahrensziel wird in dem Güteantrag nicht ausreichend beschrieben. Zwar ist von\n\"Schadensersatz aus fehlerhafter Anlageberatung\" sowie davon die Rede, dass\nein Anspruch geltend gemacht werde, \"so gestellt zu werden, als habe sie [die\nAntragstellerpartei] die Beteiligung nie getätigt\". Damit bleibt jedoch offen, ob\nder vollständige Zeichnungsschaden oder nur ein Differenzschaden (etwa nach\nzwischenzeitlicher Veräußerung der Beteiligung oder unter Geltendmachung\neiner günstigeren Alternativbeteiligung) begehrt wird. Zudem ist dem Güteantrag nicht zu entnehmen, ob das eingebrachte Beteiligungskapital fremdfinanziert war, so dass ein etwaiger Schaden auch oder gar in erster Linie in den\naufgebrachten Zins- und Tilgungsleistungen bestand. Die Art und die Größenordnung des geltend gemachten Anspruchs waren für die Beklagte (als Antragsgegnerin und Schuldnerin) hieraus nicht im Ansatz zu erkennen, und unter\ndiesen Umständen war es auch für die Gütestelle nicht möglich, den Gegenstand des Güteverfahrens zu erfassen.\n\n5 3. Über die unzureichende Individualisierung des geltend gemachten Anspruchs im Güteantrag hilft der vorgängige Schriftwechsel der Parteien vom\n8. September 2011 und 14. November 2011 nicht hinweg. Dabei kann es offen\nbleiben, ob das Schreiben der Rechtsanwälte des Klägers vom 8. September\n2011 den Anforderungen an die Anspruchsindividualisierung in jeder Hinsicht\n- auch in Bezug auf die Angabe der (zumindest: ungefähren) Größenordnung\nder Schadensersatzforderung - genügt. Denn dieses Schreiben wurde im Güteantrag des Klägers nicht erwähnt und war dem Antrag auch nicht beigefügt, so\ndass es - entgegen der Ansicht des Klägers - zur Individualisierung des verfolgten Anspruchs im Güteantrag nicht herangezogen werden kann.\n\n6 Bei Güteanträgen kann auf Schriftstücke, die der Individualisierung des\nverfolgten Anspruchs dienen, nur dann zurückgegriffen werden, wenn diese im\nGüteantrag genannt und diesem Antrag beigefügt worden sind (Senatsurteil\nvom 15. Oktober 2015 aaO; s. auch Senatsurteil vom 18. Juni 2015 - III ZR\n198/14 aaO S. 2410 Rn. 28; Senatsbeschlüsse vom 16. Juli 2015 - III ZR\n302/14 aaO Rn. 6 und III ZR 164/14 aaO Rn. 4 sowie vom 13. August 2015\n- III ZR 380/14 aaO Rn. 15). Der Güteantrag richtet sich in erster Linie an die\nGütestelle, nämlich mit dem Ziel, dass diese als neutraler Schlichter und Vermittler im Sinne einer gütlichen Einigung zwischen den Anspruchsparteien tätig\nwird. Dies setzt voraus, dass sie ausreichend über den Gegenstand des Verfahrens informiert wird (Senatsurteile vom 18. Juni 2015 - III ZR 198/14 aaO\nS. 2409 Rn. 24 mwN; vom 20. August 2015 III ZR 373/14, WM 2015, 1807,\n1808 f Rn. 17 und vom 3. September 2014 - III ZR 347/14, BeckRS 2015,\n16019 Rn. 16). Unterlagen, die der Gütestelle nicht vorgelegt werden, finden in\ndas Güteverfahren keinen Eingang und können daher auch bei der Beurteilung,\nob der geltend gemachte (prozessuale) Anspruch im Güteantrag hinreichend\nindividualisiert worden ist, keine Berücksichtigung finden (Senatsurteile vom\n3. September 2015 aaO Rn. 19 und vom 15. Oktober 2015 aaO).\n\n7 Nach alledem erweist sich die Verjährungseinrede der Beklagten hinsichtlich beider Fondsbeteiligungen als durchgreifend und die Klageforderung\nsomit insgesamt als unbegründet (auch soweit das Berufungsgericht zum Nachteil der Beklagten entschieden hat, was diese mit der Revision angreift). Mangels wirksamer vorheriger Hemmung ist die kenntnisunabhängige zehnjährige\nVerjährungsfrist nach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB, die gemäß Art. 229 § 6\nAbs. 4 Satz 1 EGBGB am 1. Januar 2002 begonnen hat, am Ende des 2. Januar 2012 (Montag) und somit vor Einreichung der Klage im Januar 2013 abgelau-\n\nfen. Auf die von der Beschwerde erhobenen Rügen kommt es demnach nicht\nmehr an.\n\n8 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen.\n\nHerrmann Wöstmann Seiters\n\nReiter Liebert\n\nVorinstanzen:\nLG Konstanz, Entscheidung vom 15.11.2013 - 5 O 9/13 M -\nOLG Karlsruhe in Freiburg, Entscheidung vom 30.12.2014 - 9a U 12/14 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-10-28/iii-zr-33-15","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 199","ref_norm":"199","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 214","ref_norm":"214","n":1},{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 229 § 6","ref_norm":"229-6","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 204","ref_norm":"204","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-10-28/iii-zr-33-15","retrieved":"2026-10-24 07:58:04.732911+00:00"},"card":{"id":"bgh/2015-10-28/iii-zr-33-15","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"3. 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