{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-03_NA_2015-07-16_III_ZR_302_14_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"3. Zivilsenat","decided":"2015-07-16","aktenzeichen":"III ZR 302/14","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIII ZR 302/14\nvom\n\n16. Juli 2015\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 16. Juli 2015 durch den\nVizepräsidenten Schlick und die Richter Dr. Herrmann, Hucke, Tombrink und\nDr. Remmert\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Beschluss des 11. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Celle vom 14. August 2014 - 11 U 274/13 - wird zurückgewiesen.\n\nDie Kläger haben die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu\ntragen.\n\nStreitwert: bis 35.000 €\n\nGründe:\n\n1 Die Beschwerde der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision in\ndem angefochtenen Beschluss ist unbegründet, weil die Zulassungsvoraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO nicht vorliegen.\n\n2 1. Die mit der Beschwerde aufgeworfene Grundsatzfrage, ob entsprechend\nder Auffassung der Vorinstanzen die Veranlassung der Bekanntgabe des Güteantrags die Verjährung eines Schadensersatzanspruchs wegen fehlerhafter\nAnlageberatung nur insoweit hemmt, als die Pflichtverletzungen im Antrag kon-\n\nkret bezeichnet werden (§ 204 Abs. 1 Nr. 4, § 209 BGB), ist inzwischen höchstrichterlich - im Sinne der von den Klägern vertretenen Rechtsauffassung - geklärt.\n\n3 Danach erfasst die Hemmungswirkung eines Güteantrags, einer Klage\noder eines Mahnbescheids den Streitgegenstand insgesamt und somit auch\nalle materiell-rechtlichen Ansprüche, die zum Streitgegenstand gehören; demgemäß erstreckt sich, wenn der Streitgegenstand der Schadensersatzklage eines Anlegers hinreichend individualisiert ist, die Hemmung der Verjährung auf\nalle im Rahmen der Anlageberatung unterlaufenen Beratungsfehler und nicht\nnur auf solche Pflichtverletzungen, die der Anleger zur Begründung seines\nSchadensersatzbegehrens im Güteantrag, in der Klageschrift oder im Mahnantrag aufgeführt hat (BGH, Beschluss vom 21. Oktober 2014 - XI ZB 12/12,\nBGHZ 203, 1, 59 ff Rn. 142 ff; Senat, Beschluss vom 26. Februar 2015 - III ZR\n53/14, BKR 2015, 216 Rn. 1; vgl. auch bereits BGH, Urteile vom 22. Oktober\n2013 - XI ZR 42/12, BGHZ 198, 294, 298 ff Rn. 15 ff und XI ZR 57/12, BeckRS\n2013, 20081 Rn. 15 ff).\n\n4 2. Wird die aufgeworfene Frage der Grundsatzbedeutung beziehungsweise\nder Rechtsfortbildung während des Beschwerdeverfahrens durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs in anderer Sache geklärt, so ist die Revision\nzuzulassen, wenn dem Rechtsmittel weiterhin Erfolgsaussichten beizumessen\nsind (Senatsbeschluss vom 26. Februar 2015 aaO Rn. 2; BGH, Beschluss vom\n29. Juni 2010 - X ZR 51/09, NJW 2010, 2812 Rn. 10 ff). Daran jedoch fehlt es\nhier. Denn der Güteantrag der Kläger vom 19. Dezember 2011 entspricht, wie\ndie Beschwerdeerwiderung mit Recht rügt und der Senat in seinen Urteilen vom\n\n18. Juni 2015 (III ZR 198/14, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen, sowie\nIII ZR 189/14, III ZR 191/14 und III ZR 227/14) für gleichlautende Güteanträge\nentschieden hat, nicht den Anforderungen an die erforderliche Individualisierung\ndes geltend gemachten prozessualen Anspruchs nach § 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB.\n\n5 a) Der Güteantrag hat in Anlageberatungsfällen regelmäßig die konkrete\nKapitalanlage zu bezeichnen, die Zeichnungssumme sowie den (ungefähren)\nBeratungszeitraum anzugeben und den Hergang der Beratung mindestens im\nGroben zu umreißen; ferner ist das angestrebte Verfahrensziel zumindest soweit zu umschreiben, dass dem Gegner (und der Gütestelle) ein Rückschluss\nauf Art und Umfang der verfolgten Forderung möglich ist.\n\n6 b) Bei dem Güteantrag der Kläger handelt es sich um einen von den vorinstanzlichen Prozessbevollmächtigten der Kläger im Internet zur Verfügung\ngestellten \"Musterantrag\", der senatsbekannt in sehr großer Zahl verwendet\nwurde und keinen Bezug zum konkreten Beratungshergang in dem der Gütestelle vorgelegten Einzelfall aufweist. Er enthält als individuelle Angaben lediglich die Namen der Kläger (als Anleger, Gläubiger und Antragsteller) sowie die\nBezeichnung des Anlagefonds (hier: F. -Fonds 66) und nennt weder die\nZeichnungssumme noch den (ungefähren) Beratungszeitraum noch andere die\ngetätigte Anlage individualisierende Tatsachen. Auch das angestrebte Verfahrensziel wird in dem Güteantrag nicht ausreichend beschrieben. Zwar ist von\n\"Schadensersatz aus fehlerhafter Anlageberatung\" sowie davon die Rede, dass\nein Anspruch geltend gemacht werde, \"so gestellt zu werden, als hätte/n ich/wir\ndie Beteiligung nie getätigt\". Damit bleibt jedoch offen, ob der vollständige\n\nZeichnungsschaden (und zwar: mit oder ohne Darlehenskosten?) oder nur ein\nDifferenzschaden (etwa nach zwischenzeitlicher Veräußerung der Beteiligung\noder unter Geltendmachung einer günstigeren Alternativbeteiligung) begehrt\nwird. Die Größenordnung des geltend gemachten Anspruchs ist für die Beklagte\n(als Antragsgegnerin und Schuldnerin) nicht im Ansatz zu erkennen gewesen.\nEin vorgängiges Anspruchsschreiben der Kläger, auf dessen Inhalt hätte Bezug\ngenommen und das als Anlage dem Güteantrag hätte beigefügt werden können, hat es nicht gegeben. Unter diesen Umständen war es auch für die Gütestelle nicht möglich, im Wege eines Schlichtungsversuchs einen Vergleichsvorschlag zu unterbreiten.\n\n7 c) Mithin war der Güteantrag nicht geeignet, die Verjährung zu hemmen.\nDemzufolge erweist sich die Verjährungseinrede der Beklagten als gerechtfertigt und die Klageforderung insgesamt als unbegründet. Mangels wirksamer\nvorheriger Hemmung ist die kenntnisunabhängige zehnjährige Verjährungsfrist\nnach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB, die gemäß Art. 229 § 6 Abs. 4 Satz 1\nEGBGB am 1. Januar 2002 begonnen hat, am Ende des 2. Januar 2012 und\nsomit vor Einreichung der Klage im Februar 2013 abgelaufen.\n\n8 3. Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen.\n\nSchlick Herrmann Hucke\n\nTombrink Remmert\n\nVorinstanzen:\nLG Hannover, Entscheidung vom 23.10.2013 - 7 O 26/13 -\nOLG Celle, Entscheidung vom 14.08.2014 - 11 U 274/13 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-07-16/iii-zr-302-14","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 199","ref_norm":"199","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 209","ref_norm":"209","n":1},{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 229 § 6","ref_norm":"229-6","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 204","ref_norm":"204","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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