{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-02_NA_2015-07-07_II_ZR_104_13_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"2. Zivilsenat","decided":"2015-07-07","aktenzeichen":"II ZR 104/13","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nII ZR 104/13\n\nvom\n\n7. Juli 2015\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 7. Juli 2015 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Bergmann und die Richterin Caliebe sowie die\nRichter Dr. Drescher, Born und Sunder\n\neinstimmig beschlossen:\n\nDie Revision der Beklagten zu 2 gegen das Urteil des\n9. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom\n14. Februar 2013 wird nach § 552a ZPO i.V.m. § 522 Abs. 2\nSatz 2 und 3 ZPO zurückgewiesen.\n\nDie Kosten des Revisionsverfahrens werden wie folgt verteilt:\nVon den Gerichtskosten und den außergerichtlichen Kosten\nder Klägerin tragen die Beklagte zu 1 25% und die Beklagte\nzu 2 75%. Ihre außergerichtlichen Kosten tragen die Beklagten jeweils selbst.\n\nGründe:\n\n1 Zur Begründung wird auf den Hinweisbeschluss des Senats vom\n24. Februar 2015 Bezug genommen. Die Stellungnahme der Beklagten zu 2\nvom 22. Juni 2015 gibt zu einer abweichenden Beurteilung in der Sache keinen\nAnlass.\n\n2 1. Der Prospekt muss die wesentlichen kapitalmäßigen und personellen\nVerflechtungen zwischen einerseits der Fondsgesellschaft, ihren Geschäftsführern und beherrschenden Gesellschaftern und andererseits den Unternehmen\n\nsowie deren Geschäftsführern und beherrschenden Gesellschaftern, in deren\nHand die Beteiligungsgesellschaft die nach dem Prospekt durchzuführenden\nVorhaben ganz oder wesentlich gelegt hat, und der diesem Personenkreis gewährten Sonderzuwendungen oder Sondervorteile darstellen (BGH, Urteil vom\n15. Juli 2010 - III ZR 321/08, ZIP 2010, 1801 Rn. 25; Beschluss vom 15. Januar\n2013 - II ZR 43/12, juris Rn. 7; Beschluss vom 23. September 2014\n- II ZR 320/13, juris Rn. 23). Dazu gehört eine umfassende Aufklärung über\nSonderzuwendungen, die den Gründungsgesellschaftern einer Fondsgesellschaft außerhalb des Gesellschaftsvertrags eingeräumt werden (BGH, Urteil\nvom 24. April 2007 - XI ZR 340/05, ZIP 2007, 1255 Rn. 16; Beschluss vom\n15. Januar 2013 - II ZR 43/12, juris Rn. 7). Zu einem richtigen Bild über die Beteiligung gehört das Wissen darüber, dass dem Gründungsgesellschafter die\nkonkrete Chance eröffnet wird, zu Lasten des Vermögens der Beteiligungsgesellschaft erhebliche finanzielle Sondervorteile zu erlangen (BGH, Beschluss\nvom 15. Januar 2013 - II ZR 43/12, juris Rn. 9).\n\n3 Einem Gründungsgesellschafter bereits gewährte Sondervorteile müssen\nim Emissionsprospekt eines geschlossenen Immobilienfonds auch dann offengelegt werden, wenn sie bereits vor dem Beitritt eines Anlegers erfolgt sind,\naber im Zusammenhang mit dem Anlageprojekt stehen (BGH, Urteil vom\n7. April 2003 - II ZR 160/02, ZIP 2003, 996, 997). In gleicher Weise muss der\nAnleger - entgegen der Auffassung der Revision der Beklagten zu 2 - darüber\naufgeklärt werden, dass dem Gründungsgesellschafter vor dem Beitritt des Anlegers die konkrete Chance eröffnet worden war, zu Lasten des Vermögens der\nBeteiligungsgesellschaft erhebliche finanzielle Sondervorteile zu erlangen. Die\nBeteiligung des Gründungskommanditisten W. S. an der Verkäuferin der Fondsimmobilien und den beiden von der Beklagten zu 1 erworbenen\nBeteiligungsfonds hat diesem die Chance eröffnet, durch eine über dem Ver-\n\nkehrswert liegende Veräußerung einen erheblichen finanziellen Sondervorteil\nzu erlangen, der sich zu Lasten des Fondsvermögens auswirkt. Hierbei handelt\nes sich um einen Umstand, der den Vertragszweck vereiteln könnte und daher\naufklärungspflichtig ist (vgl. BGH, Urteil vom 7. April 2003 - II ZR 160/02, ZIP\n2003, 996, 997; Urteil vom 23. April 2012 - II ZR 75/10, ZIP 2012, 1342 Rn. 13;\nUrteil vom 23. April 2012 - II ZR 211/09, ZIP 2012, 1231 Rn. 13; Beschluss vom\n29. Juli 2014 - II ZB 1/12, ZIP 2014, 2121 Rn. 31).\n\n4 2. Die Revision der Beklagten zu 2 wendet sich erneut gegen die Feststellung des Berufungsgerichts, dass der Ehemann der Beklagten zu 2 als\nGründungskommanditist bei der Veröffentlichung des Prospekts schuldhaft ge-\n\nhandelt hat. Sie nimmt lediglich Bezug auf die Revisionsbegründung. Die darin\nenthaltenen Rügen hat der Senat im Hinweisbeschluss beschieden.\n\nBergmann Caliebe Drescher\n\nBorn Sunder\n\nVorinstanzen:\nLG Konstanz, Entscheidung vom 17.01.2012 - 4 O 15/10 M -\nOLG Karlsruhe in Freiburg, Entscheidung vom 14.02.2013 - 9 U 33/12 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-07-07/ii-zr-104-13","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 552a","ref_norm":"552a","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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