{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-02_NA_2011-07-19_II_ZR_88_10_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"2. Zivilsenat","decided":"2011-07-19","aktenzeichen":"II ZR 88/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nII ZR 88/10\n\nvom\n\n19. Juli 2011\n\nin dem Rechtsstreit\n\nDer II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 19. Juli 2011 durch den\nVorsitzenden Richter Dr. Bergmann, den Richter Dr. Strohn, die Richterin\nDr. Reichart und die Richter Dr. Drescher und Born\n\neinstimmig beschlossen:\n\nDie Klägerin wird darauf hingewiesen, dass der Senat beabsichtigt, die Revision gemäß § 552a ZPO durch Beschluss zurückzuweisen.\n\nDer Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf\n1.867.093,92 € festgesetzt (davon 10.000 € für die Feststellungsanträge).\n\nGründe:\n\n1 Die Revision ist zurückzuweisen, weil die Voraussetzungen für ihre Zulassung nicht (mehr) vorliegen und die Revision auch keine Aussicht auf Erfolg\nhat.\n\n2 1. Eine grundsätzliche Bedeutung oder ein Bedürfnis nach einer Entscheidung des Revisionsgerichts zur Fortbildung des Rechts besteht jedenfalls\ndeshalb nicht mehr, weil der Senat mit Urteil vom 12. April 2011 (II ZR 197/09,\nZIP 2011, 1202) entschieden hat, dass die Ermächtigung zur Einziehung von\nForderungen der Gesellschafter einer Anlagegesellschaft gegen ihre Mitgesellschafter durch eine dazu gegründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die keine Erlaubnis nach dem Rechtsberatungsgesetz hat, nach § 134 BGB in Verbindung mit dem mittlerweile außer Kraft getretenen Art. 1 § 1 RBerG nichtig ist.\n\nEs geht dabei um eine „geschäftsmäßige“ Tätigkeit. Das gilt auch dann, wenn\n- wie hier - Zahlungsansprüche aus einer Beteiligung an einem Fonds gegen\ndie Verantwortlichen des Fonds geltend gemacht werden sollen und diese Ansprüche in eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts eingebracht werden.\n\n3 2. Die Revision hat in der Sache keine Aussicht auf Erfolg.\n\n4 Die Klage ist unzulässig. Die Klägerin ist nicht parteifähig im Sinne des\n§ 50 Abs. 1 ZPO, weil ihr Gesellschaftsvertrag unwirksam ist.\n\n5 Die von der Klägerin geplante Forderungseinziehung ist nach Art. 1 § 1\nRBerG erlaubnispflichtig. Es handelt sich dabei, wie das Berufungsgericht\nrechtsfehlerfrei festgestellt hat, um eine Einziehung fremder Forderungen im\neigenen Namen, mithin um eine in den Anwendungsbereich des Art. 1 § 1\nRBerG fallende Inkassotätigkeit. Ob die Forderungen nur zu Einziehungszwecken auf die Gesellschaft übertragen werden oder ob eine wirtschaftliche Vollübertragung stattfindet, ob also die Geltendmachung der Forderungen für die\nGesellschaft ein fremdes oder ein eigenes Geschäft ist, richtet sich nach der\nAusgestaltung des Gesellschaftsverhältnisses und insbesondere danach, wer\ndie Gewinne und Verluste der einzelnen Prozesse tragen soll. Dazu hat der\nProzessbevollmächtigte der Klägerin in der mündlichen Verhandlung vor dem\nBerufungsgericht auf die Frage des Gerichts keine Erklärung abgegeben, obwohl der Vertrag in diesem Punkt unklar ist. Das geht zu Lasten der Klägerin.\n\n6 Die Forderungseinziehung soll auch geschäftsmäßig erfolgen (vgl. BGH,\nUrteil vom 12. April 2011 - II ZR 197/09, ZIP 2011, 1202 Rn. 16 ff.).\n\n7 Die Klägerin verfügt nicht über die somit erforderliche Erlaubnis. Da ihr\nGesellschaftszweck ausschließlich auf die ihr verbotene Forderungseinziehung\ngerichtet ist, führt der Verstoß gegen das Rechtsberatungsgesetz gemäß § 134\n\nBGB zur Nichtigkeit des Gesellschaftsvertrages (vgl. BGH, Urteil vom 25. März\n1974 - II ZR 63/72, BGHZ 62, 234, 240).\n\n8 Dem steht die Lehre von der fehlerhaften Gesellschaft nicht entgegen.\nDanach wird zwar eine Gesellschaft, deren Gründungsakt an einem Fehler leidet, die aber in Vollzug gesetzt worden ist, grundsätzlich als wirksam behandelt.\nDas gilt aber dann nicht, wenn die Gründung gegen ein gesetzliches Verbot\nverstößt, wie etwa gegen Art. 1 § 1 RBerG (BGH, Urteil vom 25. März 1974\n- II ZR 63/72, BGHZ 62, 234, 240 f.; im Grundsatz ebenso BGH, Urteil vom\n16. Dezember 2002 - II ZR 109/01, BGHZ 153, 214, 222).\n\nBergmann Strohn Reichart\n\nDrescher Born\n\nHinweis: Das Revisionsverfahren ist durch Zurückweisungsbeschluss vom\n3. November 2011 erledigt worden.\n\nVorinstanzen:\nLG Düsseldorf, Entscheidung vom 01.09.2008 - 1 O 365/07 -\nOLG Düsseldorf, Entscheidung vom 14.04.2010 - I-15 U 162/08 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-07-19/ii-zr-88-10","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 134","ref_norm":"134","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 552a","ref_norm":"552a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 50","ref_norm":"50","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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