{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-01_NA_2015-07-30_I_ZB_61_13_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2015-07-30","aktenzeichen":"I ZB 61/13","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nI ZB 61/13\nvom\n\n30. Juli 2015\n\nin der Rechtsbeschwerdesache\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. Juli 2015 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Büscher, die Richter Prof. Dr. Schaffert,\nDr. Kirchhoff, die Richterin Dr. Schwonke und den Richter Feddersen\n\nbeschlossen:\n\nDie Gegenvorstellung der Antragstellerin gegen den Streitwertbeschluss des Senats vom 23. Oktober 2014 wird zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\n1 I. Der Senat hat mit am 23. Oktober 2014 verkündetem Beschluss die\nRechtsbeschwerde auf Kosten der Antragstellerin zurückgewiesen und den\nStreitwert für das Rechtsbeschwerdeverfahren auf 500.000 € festgesetzt. Mit\nihrer am 22. April 2015 eingegangenen Gegenvorstellung beantragt die Antragstellerin eine Abänderung der Streitwertfestsetzung und eine Festsetzung des\nGegenstandswerts auf nicht mehr als 200.000 €.\n\n2 II. Die Gegenvorstellung der Antragstellerin gegen die Festsetzung des\nStreitwerts ist zulässig, hat aber in der Sache keinen Erfolg.\n\n3 1. Gemäß § 68 Abs. 1 Satz 5, § 66 Abs. 3 Satz 3 GKG ist eine Beschwerde gegen die Streitwertfestsetzung des Senats nicht statthaft. Allerdings\nsteht der Antragstellerin in diesem Fall die Gegenvorstellung offen, soweit diese\n\n- wie vorliegend - binnen der in § 63 Abs. 3 Satz 2 GKG bestimmten Frist eingelegt wird (BGH, Beschluss vom 29. Juni 2011 - XII ZB 113/11, juris Rn. 3).\n\n4 2. Die Festsetzung des Gegenstandwerts für das Verfahren der Rechtsbeschwerde nach § 83 MarkenG ist seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur\nÄnderung des patentrechtlichen Einspruchsverfahrens und des Patentkostengesetzes vom 21. Juni 2006 (BGBl. I, S. 1318) am 1. Juli 2006 nicht mehr nach\n§ 63 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 GKG veranlasst, weil sich die Gerichtsgebühren für das Rechtsbeschwerdeverfahren nicht nach dem Streitwert richten,\nsondern seitdem eine Festgebühr für die Gerichtskosten erhoben wird, die nach\nNr. 1255 des Kostenverzeichnisses (Anlage 1 zum GKG) 750 € beträgt und die\nsich im Fall der Zurücknahme der Rechtsbeschwerde vor Eingang der Rechtsbeschwerdebegründung auf 100 € ermäßigt (Nr. 1256 des Kostenverzeichnisses [Anlage 1 zum GKG]). Eine Wertfestsetzung für das Rechtsbeschwerdeverfahren hat deshalb allein für die Höhe der Anwaltsgebühren Bedeutung. In\neinem derartigen Fall erfolgt eine Wertfestsetzung nach § 33 Abs. 1 RVG nur\nauf Antrag (vgl. Büscher in Büscher/Dittmer/Schiwy, Gewerblicher Rechtsschutz\nUrheberrecht Medienrecht, 3. Aufl., § 90 MarkenG Rn. 12). Einen solchen Antrag hat die Antragstellerin mit der Gegenvorstellung vom 22. April 2015 gestellt.\n\n5 3. Die Gegenvorstellung gibt keine Veranlassung, die Streitwertfestsetzung im Senatsbeschluss vom 23. Oktober 2014 abzuändern.\n\n6 a) Der für die Rechtsanwaltsgebühren im vorliegenden Rechtsbeschwerdeverfahren maßgebliche Gegenstandswert bestimmt sich nach der Vorschrift\ndes § 23 Abs. 2 Satz 1 RVG, die auf § 23 Abs. 3 Satz 2 RVG verweist. Diese\nRegelungen gelten für Beschwerdeverfahren, in denen Gerichtsgebühren unabhängig vom Ausgang des Verfahrens nicht erhoben werden oder sich nicht\n\nnach dem Wert richten. Sie sind auf Rechtsbeschwerdeverfahren als besondere\nBeschwerdeverfahren anzuwenden, soweit dort Gerichtsgebühren nicht erhoben werden oder sich - wie im Streitfall - nicht nach dem Wert richten (BGH,\nBeschluss vom 30. Juli 2012 - IX ZB 165/10, NJW-RR 2012, 1257). Sie gehen\nder das jeweilige Ausgangsverfahren betreffenden allgemeinen Regelung des\n§ 23 Abs. 1 Satz 2 RVG vor, die auf die Wertvorschriften der §§ 39 bis 60 GKG\nin den Unterabschnitten 1 und 2 im Abschnitt 7 des Gerichtskostengesetzes\nund dort auf § 51 Abs. 1 GKG verweist (aA Knoll in Ströbele/Hacker, MarkenG,\n11. Aufl., § 90 Rn. 20). Nach der maßgeblichen Vorschrift des § 23 Abs. 3\nSatz 2 RVG ist der Gegenstandswert nach billigem Ermessen zu bestimmen\n(im Ergebnis ebenso BGH, Beschluss vom 16. März 2006 - I ZB 48/05, juris Rn.\n2).\n\n7 b) Maßgeblich für die Festsetzung des Gegenstandswerts des Rechtsbeschwerdeverfahrens im Markenlöschungsstreit ist das wirtschaftliche Interesse des Markeninhabers an der Aufrechterhaltung seiner Marke (vgl. BGH, Beschluss vom 16. März 2006 - I ZB 48/05, juris Rn. 2). Nach der Rechtsprechung\ndes Senats entspricht die Festsetzung des Gegenstandswertes für das Rechtsbeschwerdeverfahren in einem Markenlöschungsstreit auf 50.000 € im Regelfall\nbilligem Ermessen (BGH, Beschluss vom 16. März 2006 - I ZB 48/05, juris\nRn. 2; Büscher in Büscher/Dittmer/Schiwy aaO § 90 MarkenG Rn. 13). Im Einzelfall kann der Wert angesichts des Interesses des Markeninhabers an der\nAufrechterhaltung seiner umfänglich benutzten Marke auch deutlich darüber\nliegen (BGH, Beschluss vom 25. Oktober 2007 - I ZB 22/04, GRUR 2008, 510 =\nWRP 2008, 791 - Milchschnitte: 100.000 €; Beschluss vom 13. März 2008\n- I ZB 53/05, GRUR 2008, 900 = WRP 2008, 1338 - SPA II: 100.000 €; Beschluss vom 23. Oktober 2008 - I ZB 48/07, GRUR 2009, 669 = WRP 2009, 815\n- POST II: 200.000 €; Beschluss vom 2. April 2009 - I ZB 94/06, GRUR 2009,\n954 = WRP 2009, 1250 - Kinder III: 500.000 €; Beschluss vom 6. November\n\n2013 - I ZB 59/12, GRUR 2014, 565 = WRP 2014, 576 - smartbook: 250.000 €;\nBeschluss vom 17. Oktober 2013 - I ZB 65/12, GRUR 2014, 483 Rn. 8 = WRP\n2014, 438 - test: 500.000 €). So liegt auch der Streitfall.\n\n8 c) Der Senat hat mit dem angegriffenen Streitwertbeschluss das Interesse der Markeninhaberin an der Aufrechterhaltung ihrer gelben Farbmarke nicht\nzu hoch bemessen. Im parallelen Verletzungsverfahren (Az.: I ZR 228/12), mit\ndem sich die Markeninhaberin gegen die Verwendung einer gelben Farbe durch\ndie Antragstellerin gewendet hat, hat der Senat den Streitwert auf 260.000 €\nfestgesetzt. Das Interesse der Markeninhaberin am Bestand ihrer Farbmarke ist\n\nhöher zu bemessen als ihr Interesse, ihre Marke vor Verletzungen zu schützen.\nDer Senat hat es deshalb für angemessen erachtet, das Bestandsinteresse der\nMarkeninhaberin mit etwa dem Doppelten des Wertes des Verletzungsverfahrens zu bewerten.\n\nBüscher Schaffert Kirchhoff\n\nSchwonke Feddersen\n\nVorinstanz:\nBundespatentgericht, Entscheidung vom 05.08.2013 - 29 W(pat) 90/12 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2015-07-30/i-zb-61-13","cited_norms":[{"jurabk":"RVG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":4},{"jurabk":"MarkenG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":2},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 39","ref_norm":"39","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 63","ref_norm":"63","n":1},{"jurabk":"MarkenG","ref":"§ 83","ref_norm":"83","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 51","ref_norm":"51","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 66","ref_norm":"66","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 33","ref_norm":"33","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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