{"status":"available","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Notarsachen","decided":"2011-02-21","aktenzeichen":"NotZ (Brfg) 2/10","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nNotZ(Brfg) 2/10\nvom\n\n21. Februar 2011\n\nin dem Verfahren\n\nwegen Bestellung zum Notar\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Notarsachen, hat durch den Vorsitzenden Richter Galke, die Richterin Diederichsen, den Richter Dr. Appl, die\nNotarin Dr. Doyé und den Notar Dr. Ebner\n\nam 21. Februar 2011\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil\ndes 1. Senats für Notarsachen des Oberlandesgerichts\nStuttgart vom 30. April 2010 wird zurückgewiesen.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.\n\nDer Streitwert wird auf\n\n50.000 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 Ein Zulassungsgrund (§ 111d BNotO, § 124 Abs. 2 VwGO) ist nicht gegeben:\n\n2 1. Ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils gemäß\n§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO bestehen nicht.\n\n3 a) § 6 BNotO konkretisierende Verwaltungsvorschriften der Länder begegnen grundsätzlich keinen verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl. BVerfG\nNJW 2004, 1935, 1936; 2005, 50). Dabei liegt es im Beurteilungsspielraum des\nErlassgebers, bei der Bewertung der Urkundsgeschäfte Niederschriften nach\n§ 38 BeurkG und Vermerke nach § 39 BeurkG unberücksichtigt zu lassen (vgl.\nSenatsbeschluss vom 20. April 2009 - NotZ 21/08, ZNotP 2009, 364 Rn. 9).\n\n4 Notarvertretungen durch den Kläger hat der Beklagte zu Recht nicht anerkannt, da die eingereichten - den inhaltlichen Voraussetzungen des § 2a\nAbs. 3 Nr. 4 VwV BNotO BW nicht genügenden - Nachweise nicht überprüfbar\nund bewertbar waren (vgl. Senatsbeschluss vom 11. August 2009 - NotZ 5/09\nRn. 9). Da der Beklagte - was aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden ist -\nsämtliche Bewerbungsunterlagen erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist gesichtet hat, konnte er den Kläger auf eventuelle Fehler in seiner Bewerbung nicht\ninnerhalb der Frist hinweisen; ein Verstoß gegen § 25 VwVfG und Art. 41 der\nGrundrechtscharta der EU scheidet damit von vornherein aus.\n\n5 Eine Wiedereinsetzung gemäß § 6b Abs. 3 Satz 1 BNotO kam nicht in\nBetracht, da der Kläger nicht ohne sein Verschulden verhindert war, die Frist\neinzuhalten. Bei ordnungsgemäßer Prüfung hätte der sich um eine Notarstelle\nbewerbende Kläger - ebenso wie seine Mitbewerber - den inhaltlichen Vorgaben des § 2a Abs. 3 Nr. 4 VwV BNotO BW genügende Bescheinigungen einrei-\n\nchen können (vgl. Senatsbeschluss vom 17. November 2008 - NotZ 18/08\nRn. 7).\n\n6 b) Was die begehrte Anrechnung von Wehrdienst auf die Zeit der hauptberuflichen Anwaltstätigkeit anbelangt, hat das Land Baden-Württemberg von\nder Ermächtigungsgrundlage des § 6 Abs. 3 Satz 4 BNotO keinen Gebrauch\ngemacht.\n\n7 c) Ob der Kläger zu Recht beanstandet, dass dem Beigeladenen zehn\nSonderpunkte für besondere notarspezifische Qualifikationen wegen dessen\nAusbildung zum Steuerberater und als Fachanwalt für Steuerrecht zuerkannt\nworden sind (vgl. Senatsbeschluss vom 3. November 2003 - NotZ 8/03,\nZNotP 2004, 71 f.; demgegenüber Senatsbeschluss vom 24. Juli 2006\n- NotZ 11/06, ZNotP 2006, 435 Rn. 15 ff.), kann hier dahinstehen; dies beeinflusst die Auswahlentscheidung zu Gunsten des Beigeladenen im Ergebnis\nnicht, da diesem auch bei Aberkennung der Sonderpunkte noch ein Vorsprung\nvon über 50 Punkten gegenüber dem Kläger verbliebe.\n\n8 d) Soweit der Kläger einen Wissensvorsprung des Beigeladenen betreffend den Zeitpunkt des Ausschreibungsverfahrens deshalb vermutet, weil dieser mit dem vorherigen Amtsinhaber in einer Sozietät verbunden ist, kann er\nzwingende Gründe der Gerechtigkeit, die eine Besetzung der Stelle mit ihm erforderlich machen, daraus nicht ableiten. Ungeachtet eines vom Kläger behaupteten Startvorteils gilt das Prinzip der Bestenauslese, mit dem es unvereinbar\nwäre, dem Beigeladenen Punkte für tatsächlich absolvierte Fortbildungen abzuerkennen.\n\n9 2. Die Sache weist weder besondere tatsächliche noch rechtliche\nSchwierigkeiten auf. Alle entscheidungserheblichen Fragen sind höchstrichterlich geklärt.\n\n10 3. Eine Divergenz zu den in einem PKH-Verfahren nach summarischer\nPrüfung der Erfolgsaussichten ergangenen, einen grundlegend anderen Lebenssachverhalt betreffenden Beschluss des Oberverwaltungsgerichts für das\nLand Mecklenburg-Vorpommern vom 28. Mai 2008 - 1 O 51/08, besteht nicht.\n\n11 4. Das Oberlandesgericht Stuttgart war bei seiner Entscheidung in dieser\nSache richtig besetzt. Es hat die Selbstablehnung des zur Mitwirkung eigentlich\nberufenen Notars Dr. S. rechtsfehlerfrei für begründet erklärt.\n\n12 5. Die dem Kläger und einem Mitbewerber mit Schreiben vom 24. Juni\n2009 gegebene Zusicherung des Beklagten, zwei neue Notarstellen in H.\nauszuschreiben, \"sofern … <die> Rechtsmittel … gegen unsere Auswahlentscheidung vom 29. April 2009 binnen einer Frist bis 03. Juli 2009 gegenüber dem Oberlandesgericht Stuttgart …\" zurückgenommen werden, könnte\nzwar - folgt man dem Wortlaut - mit der Verpflichtung zu bedarfsgerechter Ausschreibung nach § 4 BNotO nicht in Einklang zu bringen sein (vgl. Senatsbeschluss vom 22. März 2010 - NotZ 11/09, ZNotP 2010, 316 Rn. 8). Dieser Umstand berührte aber die hier streitige, in einem neuen Auswahlverfahren ergangene Entscheidung vom 22. Dezember 2009 nicht.\n\n13 Die Kostenentscheidung beruht auf § 111d Satz 2 BNotO, § 154 Abs. 2\nVwGO, die Wertfestsetzung ergibt sich aus § 111g Abs. 2 BNotO.\n\nGalke Diederichsen Appl\n\nDoyé Ebner\n\nVorinstanz:\n\nOLG Stuttgart, Urteil vom 30. 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