{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Anwaltsenat_NA_2014-04-09_NA_AnwZBrfg_1_14_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Anwaltssachen","decided":"2014-04-09","aktenzeichen":"AnwZ (Brfg) 1/14","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nAnwZ (Brfg) 1/14\n\nvom\n\n9. April 2014\n\nin der verwaltungsrechtlichen Anwaltssache\n\nwegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch den Vorsitzenden\nRichter Prof. Dr. Kayser, die Richterin Lohmann, den Richter Seiters sowie den\nRechtsanwalt Dr. Braeuer und die Rechtsanwältin Schäfer\n\nam 9. April 2014\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nihm am 6. November 2013 zugestellte Urteil des I. Senats des\nAnwaltsgerichtshofs Baden-Württemberg wird abgelehnt.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Zulassungsverfahrens.\n\nDer Wert des Zulassungsverfahrens wird auf 50.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Kläger ist seit 1989 im Bezirk der Beklagten zur Rechtsanwaltschaft\nzugelassen. Mit Bescheid vom 14. Juli 2009 widerrief die Beklagte die Zulassung wegen Vermögensverfalls, nachdem am 8. Juni 2009 das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Klägers eröffnet worden war. Der Kläger stellte\nAntrag auf gerichtliche Entscheidung (AGH Baden-Württemberg ).\nAm 1. Dezember 2009 wurde im Insolvenzverfahren ein Insolvenzplan angenommen und bestätigt. Nach Rechtskraft des bestätigenden Beschlusses nahm\n\ndie Beklagte den Widerrufsbescheid zurück. Beide Parteien erklärten das gerichtliche Verfahren für erledigt. Mit Beschluss vom 12. Juni 2010 wurden dem\nKläger die Kosten des Verfahrens auferlegt.\n\n2 Am 4. März 2013 gab der Kläger beim Amtsgericht B. (Az.: 47 M\n) die eidesstattliche Versicherung ab. Mit Bescheid vom 23. April\n2013 widerrief die Beklagte erneut die Zulassung des Klägers wegen Vermögensverfalls. Widerspruch und Klage des Klägers gegen diesen Bescheid sind\nerfolglos geblieben. Nunmehr beantragt der Kläger die Zulassung der Berufung\ngegen das Urteil des Anwaltsgerichtshofs.\n\nII.\n\n3 Der Antrag des Klägers ist nach § 112e Satz 2 BRAO, § 124a Abs. 4\nVwGO statthaft. Er bleibt jedoch ohne Erfolg.\n\n4 1. Ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des angefochtenen Urteils bestehen nicht (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO).\n\n5 a) Im maßgeblichen Zeitpunkt des Widerrufsbescheides (vgl. BGH, Beschluss vom 29. Juni 2011 - AnwZ (Brfg) 11/10, BGHZ 190, 187 Rn. 14 ff.; vom\n28. Oktober 2011 - AnwZ (Brfg) 20/11, NZI 2012, 106 Rn. 7) befand sich der\nKläger in Vermögensverfall (§ 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO). Der Vermögensverfall\nwurde vermutet, weil der Kläger nach Abgabe der eidesstattlichen Versicherung\nim Schuldnerverzeichnis (§ 882b ZPO) eingetragen war. Tatsachen, welche\ngeeignet sind, die gesetzliche Vermutung des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO zu widerlegen, hat der Kläger nicht dargetan.\n\n6 b) Wie dem Wortlaut des § 14 Abs. 2 Nr. 7 Halbsatz 1 BRAO hinreichend\ndeutlich zu entnehmen ist, geht die Bundesrechtsanwaltsordnung im Grundsatz\nvon einer Gefährdung der Interessen der Rechtsuchenden aus, wenn sich der\nRechtsanwalt in Vermögensverfall befindet. Diese Annahme ist regelmäßig\nschon im Hinblick auf den Umgang des Rechtsanwalts mit Fremdgeldern und\nden darauf möglichen Zugriff von Gläubigern gerechtfertigt (BGH, Beschluss\nvom 25. Juni 2007 - AnwZ (B) 101/05, ZVI 2007, 618 Rn. 8; vom 29. Juni 2011,\naaO Rn. 8). Tragfähige Anhaltspunkte dafür, dass eine solche Gefährdung im\nFall des Klägers ausnahmsweise nicht bestand, sind weder vorgetragen noch\nersichtlich. Selbst auferlegte Beschränkungen des in Vermögensverfall geratenen Rechtsanwalts sind, wie der Senat in ständiger Rechtsprechung annimmt\n(BGH, Beschluss vom 31. Mai 2010 - AnwZ (B) 55/09, Rn. 12; vom 15. März\n2012 - AnwZ (Brfg) 55/11, Rn. 10), nicht geeignet, eine Gefährdung der Rechtsuchenden auszuschließen.\n\n7 2. Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung (§ 112e Satz 2\nBRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO). Dieser Zulassungsgrund ist gegeben, wenn\nder Rechtsstreit eine entscheidungserhebliche, klärungsbedürftige und klärungsfähige Rechtsfrage aufwirft, die sich in einer unbestimmte Vielzahl von\nFällen stellen kann und deshalb das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an\neiner einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt (BGH,\nBeschluss vom 27. März 2003 - V ZR 291/02, BGHZ 154, 288, 291; BVerfG,\nNVwZ 2009, 515, 518; BVerwG, NVwZ 2005, 709). Der Kläger verweist auf die\nAusführungen von Römermann, AnwBl. 2005, 178 ff., 181, der die Senatsrechtsprechung zu § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO in Zweifel zieht; eine Gefährdung der\nInteressen der Rechtsuchenden soll danach nur bei Vorliegen konkreter Indizien anzunehmen sein. Eine klärungsbedürftige Rechtsfrage wird damit nicht\n\naufgezeigt; der Senat legt die Vorschrift des § 14 Abs. 2 Nr. 7 BRAO in Kenntnis der gelegentlich von Römermann und anderen geäußerten Kritik in ständiger Rechtsprechung so wie oben dargestellt aus.\n\n8 3. Der Kläger hat keinen Verfahrensfehler dargelegt, auf dem die Entscheidung des Anwaltsgerichtshofs beruhen kann (§ 112e Satz 2 BRAO, § 124\nAbs. 2 Nr. 5 VwGO). Er beanstandet, dass der Anwaltsgerichtshof in der Besetzung mit zwei Berufsrichtern und drei Rechtsanwälten entschieden hat. Seiner\nAnsicht nach liegt hierin ein Verstoß gegen Art. 101 GG; denn ein Rechtsanwalt\nkönne nicht Richter sein. Diese Ansicht trifft nicht zu. Nach § 101 Abs. 1 BRAO\nwird der Anwaltsgerichtshof mit einem Präsidenten, der erforderlichen Anzahl\nvon weiteren Vorsitzenden, bei denen es sich um Rechtsanwälte handeln muss\n(§ 101 Abs. 3 BRAO), sowie mit Rechtsanwälten und Berufsrichtern als weiteren Mitgliedern besetzt. Er entscheidet in der Besetzung von fünf Mitgliedern\neinschließlich des Vorsitzenden, wobei als Beisitzer zwei anwaltliche Mitglieder\nund zwei Berufsrichter mitwirken (§ 104 BRAO).\n\nIII.\n\n9 Die Kostenentscheidung beruht auf § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 154\nAbs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 194 Abs. 2 Satz 1 BRAO.\n\nKayser Lohmann Seiters\n\nBraeuer Schäfer\n\nVorinstanz:\nAGH Stuttgart, Entscheidung vom 06.11.2013 - AGH 16/13 (I) -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2014-04-09/anwz-brfg-1-14","cited_norms":[{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":5},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112e","ref_norm":"112e","n":4},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":3},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 101","ref_norm":"101","n":2},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 104","ref_norm":"104","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112c","ref_norm":"112c","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 194","ref_norm":"194","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124a","ref_norm":"124a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 882b","ref_norm":"882b","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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