{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Anwaltsenat_NA_2011-03-22_NA_AnwZBrfg_7_11_NA_NA_0","ecli":null,"court":"BGH","senate":"Senat für Anwaltssachen","decided":"2011-03-22","aktenzeichen":"AnwZ (Brfg) 7/11","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nAnwZ (Brfg) 7/11\nvom\n\n22. März 2011\n\nin dem Verfahren\n\nwegen Widerrufs der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft\n\nDer Bundesgerichtshof, Senat für Anwaltssachen, hat durch die Vorsitzende\nRichterin am Bundesgerichtshof Dr. Kessal-Wulf, die Richterin Lohmann,\nden Richter Seiters, die Rechtsanwältin Kappelhoff sowie den Rechtsanwalt\nProf. Dr. Stüer am 22. März 2011\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das\nUrteil des 1. Senats des Anwaltsgerichtshofs des Landes Nordrhein-Westfalen vom 24. September 2010 wird zurückgewiesen.\n\nDer Kläger hat die Kosten des Zulassungsverfahrens zu tragen.\n\nDer Streitwert für das Zulassungsverfahren wird auf 50.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Beklagte hat mit Bescheid vom 4. Juni 2010 die Zulassung des Klägers zur Rechtsanwaltschaft wegen Vermögensverfalls (§ 14 Abs. 2 Nr. 7\nBRAO) widerrufen, nachdem der Kläger am 16. Februar 2010 im Verfahren\nAmtsgericht V. für mehrere Gläubiger die eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte. Der Bescheid wurde dem Kläger am Samstag, den\n5. Juni 2010, im Wege der Ersatzzustellung durch Einlegen in den Briefkasten\n\nzugestellt. Mit Fax vom 6. Juli 2010 hat der Kläger gegen den Bescheid Klage\nerhoben und mit Schriftsatz vom 20. September 2010 Wiedereinsetzung in den\nvorigen Stand beantragt. Mit Urteil vom 24. September 2010 hat der Anwaltsgerichtshof die Klage - unter Zurückweisung des Wiedereinsetzungsantrags wegen Fristversäumung (§ 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 60 Abs. 2 Satz 1 VwGO) -\nals unzulässig abgewiesen. Hiergegen richtet sich der Antrag des Klägers auf\nZulassung der Berufung.\n\nII.\n\n2 Der Antrag ist zulässig, aber unbegründet. Die vom Kläger geltend gemachten Zulassungsgründe - ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils\n(§ 112 c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) sowie besondere\ntatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten der Rechtssache (§ 112c Abs. 1\nSatz 1 BRAO, § 124 Abs. 2 Nr. 2 VwGO) - liegen nicht vor.\n\n3 1. Die Auffassung des Klägers, seine Klage sei rechtzeitig erhoben worden, weil nach § 193 BGB für den Fristbeginn nicht auf den Tag der Zustellung\ndes Widerrufsbescheids, sondern auf den nächsten Werktag und damit auf\nMontag, der 7. Juni 2010 hätte abgestellt werden müssen, trifft nicht zu. Nach\n§ 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO, § 74 Abs. 1 Satz 2 VwGO betrug die Klagefrist\neinen Monat ab Bekanntgabe. Hierauf ist in der dem Bescheid nach § 58 VwGO\nbeigefügten Rechtsmittelbelehrung zutreffend hingewiesen worden. Die Bekanntgabe an den Kläger ist im Wege der Ersatzzustellung nach § 2 Abs. 1, § 3\nAbs. 2 Satz 1 LZG NRW, § 180 ZPO am 5. Juni 2010 erfolgt. Nach § 112c Abs.\n1 Satz 1 BRAO, § 57 Abs. 2 VwGO, § 222 Abs. 1 ZPO, § 188 Abs. 2 BGB endete die Klagefrist somit am 5. Juli 2010, einem Montag. Dass die Zustellung\n\ndes Widerrufsbescheids an einem Samstag erfolgte, ist für diese Fristberechnung ohne Belang. Das Gesetz bestimmt in § 222 Abs. 2 ZPO lediglich, dass\neine prozessuale Frist nicht an einem Samstag, Sonntag oder allgemeinen\nFeiertag endet. Für den Fristbeginn verbleibt es demgegenüber bei der Regelung des § 187 BGB, sodass auch eine an einem Samstag bewirkte Zustellung\nden Fristbeginn auslöst (vgl. nur MünchKommZPO/Gehrlein, 3. Aufl., § 222\nRn. 5a mwN). Aus der vom Kläger herangezogenen Vorschrift des § 193 BGB\nergibt sich nichts anderes. Abgesehen davon, dass diese Vorschrift im Hinblick\nauf die Berechnung prozessualer Fristen durch § 222 Abs. 2 ZPO ersetzt wird\n(MünchKommZPO/Gehrlein, aaO Rn. 2), trifft auch sie nur eine Regelung für\nden Fall, dass das Fristende auf einen Samstag fällt. Den hier vorliegenden\nFall, dass die für den Fristbeginn maßgebliche Zustellung auf einen Samstag\nfällt, erfasst sie nach ihrem klaren Wortlaut nicht. Der Kläger hat die Klagfrist,\nsoweit er behauptet, Gegenteiliges angenommen zu haben, somit auch schuldhaft versäumt.\n\n4 2. Die Annahme des Klägers, der Anwaltsgerichtshof sei ungeachtet der\nVerfristung der Klage verpflichtet gewesen, sich mit der Frage zu befassen, ob\ntatsächlich ein Vermögensverfall vorliege, ist unzutreffend. Eine solche Sachprüfung setzt eine zulässige Klage voraus.\n\nIII.\n\n5 Die Kostenentscheidung beruht auf § 112c Abs. 1 Satz 1 BRAO i.V.m.\n§ 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf § 194 Abs. 2 Satz 1 BRAO.\n\nKessal-Wulf Lohmann Seiters\n\nKappelhoff Stüer\n\nVorinstanz:\nAGH Hamm, Entscheidung vom 24.09.2010 - 1 AGH 63/10 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2011-03-22/anwz-brfg-7-11","cited_norms":[{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 112c","ref_norm":"112c","n":6},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 222","ref_norm":"222","n":3},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 193","ref_norm":"193","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 124","ref_norm":"124","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 187","ref_norm":"187","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 188","ref_norm":"188","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 194","ref_norm":"194","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 57","ref_norm":"57","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 58","ref_norm":"58","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 60","ref_norm":"60","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 74","ref_norm":"74","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 180","ref_norm":"180","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 154","ref_norm":"154","n":1},{"jurabk":"LZG NRW","ref":"§ 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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