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# Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 10.08.2023 – 17 W 118/23

ECLI:DE:OLGK:2023:0810.17W118.23.00

## Tenor

1. Die Beschwerde des Klägers vom 27. Juli 2023 gegen den Beschluss

des Landgerichts Köln vom 26. Juli 2023 (84 O 35/23) wird zurückge-

wiesen.

2. Das Beschwerdeverfahren ist gerichtsgebührenfrei. Kosten werden

nicht erstattet.

**Rn. 1**

G r ü n d e

**Rn. 2**

I.

**Rn. 3**

Der Kläger hat die Beklagte auf Unterlassung nach dem UWG in Anspruch genommen.

**Rn. 4**

Nachdem er zum Termin zur mündlichen Verhandlung am 00.00.0000 nicht erschie-

**Rn. 5**

nen ist, ist gegen ihn antragsgemäß Versäumnisurteil erlassen worden. In der auf sei-

**Rn. 6**

nen Einspruch hin anberaumten mündlichen Verhandlung am 00.00.0000 hat der

**Rn. 7**

Kläger die Klage zurückgenommen.

**Rn. 8**

Auf der Grundlage der Kostenrechnung vom 00.00.0000(Bl. II eA LG) sind gegen

**Rn. 9**

den Kläger sodann ausgehend von einem Gebührenstreitwert von EUR 40.000,00 ge-

**Rn. 10**

mäß Nr. 1210 des Kostenverzeichnisses zum Gerichtskostengesetz (KV GKG) Ge-

**Rn. 11**

richtskosten in Höhe von EUR 1.575,00 angesetzt und mit Gerichtskostenrechnung

**Rn. 12**

vom 00.00.0000(Kassenzeichen N01) abgerechnet worden.

**Rn. 13**

Die hiergegen eingelegte und auf den Ansatz der ermäßigten Gebühr nach Nr. 1211

**Rn. 14**

KV GKG gerichtete Erinnerung hat das Landgericht mit Beschluss vom 00.00.0000

**Rn. 15**

zurückgewiesen, weil eine Ermäßigung aufgrund des vorangegangenen Versäumni-

**Rn. 16**

surteils nicht in Betracht komme.

**Rn. 18**

Hiergegen richtet sich der Kläger mit der sofortigen Beschwerde. Er ist der Auffassung,

**Rn. 19**

dass das vorangegangene Versäumnisurteil gegen ihn der Gebührenermäßigung

**Rn. 20**

nicht entgegenstehe.

**Rn. 21**

II.

**Rn. 22**

Die gemäß § 66 Abs. 2 GKG statthafte und auch im Übrigen zulässige Beschwerde

**Rn. 23**

des Klägers, bleibt in der Sache ohne Erfolg. Das Landgericht hat die Erinnerung des

**Rn. 24**

Klägers gegen die Nichtberücksichtigung der Gebührenermäßigung gemäß Nr. 1211

**Rn. 25**

Ziffer 1) lit a) KV GKG mit Recht zurückgewiesen. Die tatbestandlichen Voraussetzun-

**Rn. 26**

gen, unter denen die Gebührenermäßigung zur Anwendung kommt, liegen im Streitfall

**Rn. 27**

nicht vor, so dass der in der Kostenrechnung erfolgte Ansatz einer 3,0 Gebühr gemäß

**Rn. 28**

Nr. 1210 KV GKG nicht zu beanstanden ist.

**Rn. 29**

a) Mit der Einreichung der Klage entsteht regelmäßig die Gebühr gemäß Nr. 1210 KV

**Rn. 30**

GKG für das Verfahren im Allgemeinen mit einem Satz von 3,0. Diese Gebühr reduziert

**Rn. 31**

sich in den in Nr. 1211 KV GKG aufgeführten Fällen auf 1,0. Dazu gehört auch die im

**Rn. 32**

Streitfall gegebene Beendigung des gesamten Verfahrens durch Zurücknahme der

**Rn. 33**

Klage vor Schluss der letzten mündlichen Verhandlung (Nr. 1211 Ziff 1) lit a) KV GKG).

**Rn. 34**

Allerdings tritt die Ermäßigungswirkung in diesen Fällen gemäß Nr. 1211 S. 1 a.E. KV

**Rn. 35**

GKG dann nicht ein, wenn bereits ein anderes Urteil als ein Anerkenntnisurteil, Ver-

**Rn. 36**

zichtsurteil oder ein Urteil, das gemäß § 313a ZPO keinen Tatbestand und keine

**Rn. 37**

Gründe enthält, vorausgegangen ist. So liegt der Streitfall. Das gegen den Kläger er-

**Rn. 38**

gangene Versäumnisurteil vom 00.00.0000 ist ein anderes Urteil im Sinne der Vor-

**Rn. 39**

schrift, welches der Anwendung der Gebührenermäßigung entgegensteht.

**Rn. 40**

b) Die in Rechtsprechung und Literatur vertretene Auffassung, dass Sinn und Zweck

**Rn. 41**

der Ermäßigungsvorschrift gleichwohl eine entsprechende Anwendung auch auf diese

**Rn. 42**

Fallgestaltung gebieten (so LG Koblenz, Beschluss vom 17. Oktober 2003, 12 T 70/03,

**Rn. 43**

MDR 2004, 237; LG Köln, Beschluss vom 24. August 2000 – 10 T 179/00, JurBüro

**Rn. 44**

2001, 260; Schneider, AGS 2006, 187), teilt der Senat nicht (so auch: KG Berlin, Be-

**Rn. 45**

schluss vom 29. November 2005 – 1 W 348/04, MDR 2006, 596, zitiert juris; Zöller/Her-

**Rn. 46**

get, ZPO, 34. Aufl., § 330 Rn. 10).

**Rn. 47**

aa) Der Wortlaut der Vorschrift ist eindeutig und einer erweiternden Auslegung nicht

**Rn. 48**

zugänglich. Danach stehen lediglich die in Nr. 1211 Ziffer 2 KV GKG genannten Urteile,

**Rn. 49**

namentlich Anerkenntnis- und Verzichtsurteil sowie ein Urteil, das nach § 313a Abs. 2

**Rn. 50**

ZPO keinen Tatbestand und keine Entscheidungsgründe enthält, der Gebührenermä-

**Rn. 51**

ßigung nicht entgegen. Das im Streitfall ergangene Versäumnisurteil gegen den Kläger

**Rn. 52**

gemäß § 330 ZPO ist dort nicht erwähnt.

**Rn. 53**

bb) Auch für eine entsprechende Anwendung der Ausnahmevorschrift auf das Ver-

**Rn. 54**

säumnisurteil gegen den Kläger besteht kein Raum. Es fehlt an der erforderlichen plan-

**Rn. 55**

widrigen Regelungslücke.

**Rn. 56**

aaa) Der Gesetzgeber hat ein mehrstufiges System geschaffen, in dem grundsätzlich

**Rn. 57**

die Gebühr nach Nr. 1210 KV GKG anzusetzen ist. Diese ermäßigt sich in Ausnahme-

**Rn. 58**

fällen gemäß Nr. 1211 KV GKG, u.a. bei Klagerücknahme. Dies gilt in Rückausnahme

**Rn. 59**

jedoch dann nicht, wenn zuvor ein Urteil ergangen ist, es sei denn, es handelt sich

**Rn. 60**

dabei in weiterer Rückausnahme um ein Urteil der vorbezeichneten Art. Für das Ver-

**Rn. 61**

säumnisurteil gegen den Kläger trifft dies nicht zu.

**Rn. 62**

bbb) Dass der Gesetzgeber in dieser Systematik den Fall des Versäumnisurteils gegen

**Rn. 63**

den Kläger übersehen hat und insoweit ein planwidrige, durch analoge Anwendung zu

**Rn. 64**

schließende Regelungslücke besteht, ist nicht ersichtlich. Dagegen spricht bereits,

**Rn. 65**

dass der Gesetzgeber den Fall des § 313a ZPO ausdrücklich genannt hat, den Fall

**Rn. 66**

des § 313b ZPO, nach dem für Versäumnisurteile Tatbestand und Entscheidungs-

**Rn. 67**

gründe ebenfalls entbehrlich sind, indes – obwohl sich dies aufgedrängt hätte – nicht

**Rn. 68**

einbezogen hat. Im Gegenteil hat er die auch von § 313b ZPO erfassten Anerkenntnis-

**Rn. 69**

und Verzichtsurteile ausdrücklich als Ausnahmen in Nr. 1211 a.E. KV GKG erwähnt.

**Rn. 70**

Hätte er auch Versäumnisurteile erfassen wollen, hätte insgesamt der Verweis auf §§

**Rn. 71**

313a Abs. 2, 313 b ZPO genügt. Indem er dies unterlassen und stattdessen aus dem

**Rn. 72**

auch Versäumnisurteile umfassenden Anwendungsbereich des § 313b ZPO nur Aner-

**Rn. 73**

kenntnis- und Verzichtsurteile zum Gegenstand der Ausnahmeregelung in Nr. 1211

**Rn. 74**

KV GKG gemacht hat, hat er im Umkehrschluss zu erkennen gegeben, dass vorherige

**Rn. 75**

Versäumnisurteile – gleich ob gegen Kläger oder Beklagten – nicht privilegiert sein

**Rn. 76**

sollen.

**Rn. 77**

ccc) Auch die Gesetzeshistorie spricht gegen das Vorhandensein einer planwidrigen

**Rn. 78**

Regelungslücke. Der Gesetzgeber hat trotz Kenntnis von dem seit langem bekannten

**Rn. 79**

Streit und zwischenzeitlicher mehrfacher Änderung des Kostenrechts keine Veranlas-

**Rn. 80**

sung gesehen, das Versäumnisurteil gegen den Kläger als der Anwendung der Ge-

**Rn. 81**

bührenermäßigung nach Nr. 1211 KV GKG nicht entgegenstehende Rückausnahme

**Rn. 82**

in der Kostenvorschrift zu verankern.

**Rn. 83**

ddd) Eine planwidrige Regelungslücke ergibt sich schließlich auch nicht aus dem Re-

**Rn. 84**

gelungszweck. Mit der Differenzierung des Gebührensatzes in Nr. 1210 und

**Rn. 85**

Nr. 1211 KV GKG verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, im Interesse der Kostengerech-

**Rn. 86**

tigkeit die Gebührenhöhe, wenn auch grob typisierend, an dem jeweils entstandenen

**Rn. 87**

richterlichen Arbeitsaufwand auszurichten (vgl. BT-Drucks 12/6962, 69 f.). Zugleich

**Rn. 88**

werden mit Nr. 1211 KV GKG Anreize für eine unstreitige Verfahrensbeendigung ge-

**Rn. 89**

schaffen, was der Entlastung der Justiz dienen soll (BVerwG, Beschluss vom 22. Ja-

**Rn. 90**

nuar 2010 – 9 KSt 18/09, JurBüro 2010, 335, zitiert juris Rn. 3). Die Vorschrift dient

**Rn. 91**

damit der Prozesswirtschaftlichkeit und privilegiert Prozessbeendigungen durch Kla-

**Rn. 92**

gerücknahmen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen und keine Entscheidung

**Rn. 93**

nach § 269 Abs. 3 S. 3 ZPO erfordern, Anerkenntnis, Verzicht, Vergleich sowie über-

**Rn. 94**

einstimmende Erledigungen, in deren Folge keine Entscheidung über die Kosten er-

**Rn. 95**

geht oder die Kostenentscheidung einer zuvor mitgeteilten Einigung der Parteien über

**Rn. 96**

die Kostentragung oder der Kostenübernahmeerklärung einer Partei folgt.

**Rn. 97**

Diesen Fallgestaltungen ist zwar gemeinsam, dass sie durch Handlungen der Parteien

**Rn. 98**

den Prozess beenden, ohne dass es zu einer materiellen Bescheidung der Klagefor-

**Rn. 99**

derung - und sei es inzident im Rahmen der Kostenentscheidung – kommt. Dem ent-

**Rn. 100**

spricht die Situation im Streitfall. Die Klagerücknahme beendet den Prozess vollstän-

**Rn. 101**

dig und anders als bei einem Versäumnisurteil gegen den Beklagten (§ 331 ZPO) fin-

**Rn. 102**

det bei einem echten Versäumnisurteil gegen den Kläger (§ 330 ZPO) keine Schlüs-

**Rn. 103**

sigkeitsprüfung statt. Die Klageabweisung erfolgt vielmehr ohne Prüfung in der Sache

**Rn. 104**

allein aufgrund der Säumnis.

**Rn. 105**

Dies begründet indes keine durch analoge Anwendung zu schließende Regelungslü-

**Rn. 106**

cke. Vielmehr hat der Gesetzgeber eine typisierende Regelung unter Bezeichnung von

**Rn. 107**

Einzelfällen getroffen, in denen die gerichtliche Verfahrensgebühr ermäßigt wird. Da-

**Rn. 108**

bei hat er den Fall der Klagerücknahme nach Versäumnisurteil gegen den Kläger ge-

**Rn. 109**

rade nicht privilegiert. Dafür bestehen auch sachliche Gründe, die das Versäumnisur-

**Rn. 110**

teil gegen den Kläger von den privilegierten Fallgestaltungen unterscheiden. Bei der

**Rn. 111**

Ermäßigung der pauschalen Verfahrensgebühr hat der Gesetzgeber nicht nur auf den

**Rn. 112**

mit dem jeweiligen Beendigungstatbestand verbundenen gerichtlichen Arbeitsaufwand

**Rn. 113**

abgestellt, sondern in zulässiger Weise auch eine begrenzte Verhaltenssteuerung der

**Rn. 114**

Parteien erreichen wollen (vgl. BVerfG, Beschluss vom 27. August 1999 – 1 BvL 7/96,

**Rn. 115**

NJW 1999, 3550). Dabei stand der Aspekt einer von den Parteien herbeigeführten

**Rn. 116**

abschließenden Verfahrensbeendigung im Vordergrund (BT-Drucks. 12/6962 S. 70).

**Rn. 117**

Diese erfolgt durch Versäumnisurteil gerade nicht. Vielmehr haben die Parteien die

**Rn. 118**

Möglichkeit, den Rechtsstreit nach Einlegung des Einspruchs weiterzuführen, wodurch

**Rn. 119**

für das Gericht Mehraufwand begründet wird, dem der Anreiz der Gebührenermäßi-

**Rn. 120**

gung entgegenwirken soll (KG Berlin, Beschluss vom 29. November 2005 – 1 W

**Rn. 121**

348/04, MDR 2006, 596, zitiert juris Rn. 8). Hinzu kommt, dass auch das Versäumni-

**Rn. 122**

surteil gegen den Kläger eine - im Einzelfall durchaus schwierige - Zulässigkeitsprü-

**Rn. 123**

fung voraussetzt, die bei negativem Ausgang zu einem Prozessurteil führen kann.

**Rn. 124**

2. Die Kostenentscheidung folgt aus § 66 Abs. 8 GKG.

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Zitiervorschlag: Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 10.08.2023 – 17 W 118/23, ECLI:DE:OLGK:2023:0810.17W118.23.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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