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# Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 04.07.2023 – 2 Wx 82/23, 2 Wx 93/23, 2 Wx 94/23

ECLI:DE:OLGK:2023:0704.2WX82.23.2WX93.23.00

## Tenor

Auf die Beschwerde der Beteiligten zu 1. und 2. vom 25.04.2023 wird der

am 12.04.2023 erlassene Beschluss der Rechtspflegerin des

Amtsgerichts – Grundbuchamts – Siegburg vom 06.04.2023, NK-N09-

1, aufgehoben.

Das Grundbuchamt wird angewiesen, über den Antrag vom 11.10.2022

erneut unter Berücksichtigung der Rechtsauffassung des Senats zu

entscheiden.

## Gründe

**Rn. 2**

I.

**Rn. 3**

Mit Teilungserklärung vom 18.03.2002 (URNr. N01 des verfahrensbevollmächtigten Notars,

**Rn. 4**

Bl. 3 ff. in Grundakte N02) begründeten Frau U. A.-J. und Herr M. J., an dem zuvor

**Rn. 5**

gekauften im Grundbuch von S., Blatt N03, verzeichneten Grundbesitz Gemarkung S., Flur X,

**Rn. 6**

Flurstück N04, als werdende Eigentümer zwei Wohnungseigentumseinheiten mit

**Rn. 7**

Miteigentumsanteilen von 58,08/100 bzw. 41,92/100 Anteil. Der entsprechende

**Rn. 8**

Miteigentumsanteil der Frau A.-J. wurde in Blatt N02 und der entsprechende Miteigentumsanteil

**Rn. 9**

des Herrn J. wurde in Blatt N08 eingetragen.

**Rn. 10**

Mit Vertrag vom selben Tage (UR Nr. N12, Bl. 82 ff. in Grundakte N03)

**Rn. 11**

verkauften sie der Beteiligten zu 2. unter Bezugnahme auf einen Lageplan eine noch zu

**Rn. 12**

vermessende Teilfläche aus dem vorgenannten Flurstück. Zu Gunsten der Beteiligten

**Rn. 13**

Eigentumsübertragungsvormerkung in Bezug auf die Teilfläche eingetragen.

**Rn. 14**

Nach dem Tod der Frau A.-J. schloss der Beteiligte zu 1. am

**Rn. 15**

2.12.2011 mit seinen beiden Schwestern einen Teil-Erbauseinandersetzungsvertrag,

**Rn. 16**

zu 2. wurde im Grundbuch gemäß Bewilligung eine in welchem der in Blatt N02 verzeichnete

**Rn. 17**

Miteigentumsanteil dem Beteiligten zu 1. zugewiesen wurde und entsprechende Auflassungen

**Rn. 18**

erklärt wurden (Bl. 32 ff. in Grundakte Blatt N02). Am 21.03.2012 wurde der Beteiligte zu 1. in

**Rn. 19**

Blatt N02 im Wege der Berichtigung „auf Grund Erbfolge (Amtsgericht Siegburg, 46 IV 468/94) und

**Rn. 20**

Auflassung vom 22.12.2011“ als Eigentümer eingetragen.

**Rn. 21**

Durch Vertrag vom 02.04.2012 (Bl. 4 in Grundakte Blatt N08) verkaufte Herr J.

**Rn. 22**

seinen in Blatt N08 verzeichneten Miteigentumsanteil an den Beteiligten zu 1., der am

**Rn. 23**

08.05.2012 aufgrund der im vorgenannten Vertrag erklärten Auflassung als

**Rn. 24**

Eigentümer eingetragen wurde.

**Rn. 25**

Im Jahre 2016 wurde nach Vermessung das genannte Flurstück N04 in die Flurstücke

**Rn. 26**

N05 (Verkehrsfläche, 28 qm) und N06 (Gebäude- und Freifläche, 1646 qm)

**Rn. 27**

fortgeschrieben. Durch Erklärung vom 04.04.2017 (UR Nr. N07, Bl. 54 ff. in

**Rn. 28**

Grundakte Blatt N02) änderte der Beteiligte zu 1. die Verbindung von

**Rn. 29**

Miteigentumsanteil und Sondereigentum an dem vorbenannten Grundbesitz und

**Rn. 30**

bildete drei Miteigentumsanteile, die unter Schließung der Grundbuchblätter N02 und

**Rn. 31**

N08 in den Wohnungsgrundbuchblättern N09, N10 und N11 eingetragen

**Rn. 32**

wurden.

**Rn. 33**

Mit Schriftsatz vom 11.10.2022 hat der Notar zum „Grundbuch von S. Blatt

**Rn. 34**

N02 und N08 bzw. Folgestellen“ unter Bezugnahme auf seine Urkunde N12

**Rn. 35**

vom 18.03.2002 die Freigabe des Flurstücks N06 aus der Eigentumsvormerkung II/1

**Rn. 36**

nebst Löschung und die Eintragung des Eigentumswechsels auf den in der Urkunde

**Rn. 37**

bezeichneten Käufer (die Beteiligte zu 2.) bewilligt und beantragt (Bl. 1). Mit Schriftsatz

**Rn. 38**

vom 27.02.2023 hat er – da laut einem Gutachten des Deutschen Notarinstituts eine

**Rn. 39**

Genehmigung des Beteiligten zu 1. nur wegen der Rechtsnachfolge durch Auflassung

**Rn. 40**

erforderlich sei – eine mit beglaubigter Unterschrift versehene Genehmigung des

**Rn. 41**

Beteiligten zu 1. vom 23.02.2023 zu der Urkunde Nr. N12 vom 18.03.2002

**Rn. 42**

nachgereicht (Bl. 12 f.).

**Rn. 43**

Mit Zwischenverfügung vom 07.03.2023 hat die Grundbuchrechtspflegerin die

**Rn. 44**

Auffassung vertreten, es sei die Aufhebung des Wohnungseigentums an der

**Rn. 45**

vermessenen und katasteramtlich fortgeschriebenen Teilfläche erforderlich. Zum

**Rn. 46**

Zeitpunkt der Auflassung am 18.03.2002 sei das Wohnungseigentum noch nicht im

**Rn. 47**

Grundbuch eingetragen gewesen; in der Auflassung der Teilfläche könne daher nicht

**Rn. 48**

die konkludente Erklärung über die Aufhebung des Wohnungseigentums enthalten

**Rn. 49**

gewesen sein. Der Notar hat die Ansicht vertreten, eine Teilaufhebung der WEG-

**Rn. 50**

Aufteilung an der veräußerten Teilfläche sei nicht notwendig, sodass sich die Frage,

**Rn. 51**

ob die Auflassung eine solche Aufhebung enthalte, gar nicht erst stelle. Zudem sei es

**Rn. 52**

für eine konkludente Aufhebung des Wohnungseigentums unerheblich, ob das

**Rn. 53**

Wohnungseigentum bereits eingetragen war. Daraus, dass die Teilungserklärung

**Rn. 54**

zuvor am selben Tag beurkundet worden sei, ergebe sich die entsprechende

**Rn. 55**

Auslegung zwanglos.

**Rn. 56**

Nachdem der Notar dieser Auffassung entgegengetreten war, hat die

**Rn. 57**

Grundbuchrechtspflegerin durch am 12.04.2023 erlassenen Beschluss vom

**Rn. 58**

06.04.2023, auf dessen Inhalt Bezug genommen wird, den Antrag vom 11.10.2022

**Rn. 59**

zurückgewiesen (Bl. 30 ff.).

**Rn. 60**

Hiergegen richtet sich die mit Schriftsatz des Notars vom 25.04.2023 namens der

**Rn. 61**

Beteiligten eingelegte Beschwerde, mit welcher der bereits zuvor dargelegte

**Rn. 62**

Standpunkt unter Vertiefung weitervertreten wird (Bl. 56 ff.). Das Grundbuchamt hat

**Rn. 63**

der Beschwerde nicht abgeholfen und die Sache dem Oberlandesgericht Köln zur

**Rn. 64**

Entscheidung vorgelegt (Bl. 107 f.).

**Rn. 65**

II.

**Rn. 66**

Die nach § 71 GBO zulässige Grundbuchbeschwerde hat in der Sache insoweit

**Rn. 67**

Erfolg, als sie zur Aufhebung der Zurückweisung des Antrages führt. Denn das vom

**Rn. 68**

Grundbuchamt angenommene Eintragungshindernis besteht nicht.

**Rn. 69**

Die Eigentumsumschreibung an der verkauften Teilfläche (jetzt Flurstück N05) aus dem

**Rn. 70**

ursprünglichen Flurstück N04 setzt nicht voraus, dass eine Aufhebung des

**Rn. 71**

Wohnungseigentums erklärt wird.

**Rn. 72**

Nach – soweit ersichtlich – heute nicht mehr bestrittener Auffassung setzt eine

**Rn. 73**

Realteilung unter Berücksichtigung des § 1 Abs. 4 WEG ohnehin nicht voraus, dass

**Rn. 74**

das Wohnungseigentum insgesamt (vorliegend also in Bezug auf beide Flurstücke

**Rn. 75**

N05 und N06 als die Bestandteile des früheren Flurstücks N04) aufgehoben wird,

**Rn. 76**

sondern ist die Abschreibung eines realen Grundstückteils ohne Aufhebung sämtlicher

**Rn. 77**

Sondereigentumsrechte möglich, wenn sich die abzuschreibende Grundstücksfläche

**Rn. 78**

nicht im räumlichen Bereich von Sondereigentum befindet (KG NJOZ 2012, 604 f.).

**Rn. 79**

Befindet sich die Teilfläche nicht im Bereich des Sondereigentums, bedarf es keiner

**Rn. 80**

Aufhebung eines Sondereigentums, sondern als Verfügung über Gemeinschaftseigentum

**Rn. 81**

nur der Zustimmung aller Eigentümer (Keller/Munzig, Grundbuchrecht, 8. Aufl. 2019,

**Rn. 82**

§ 7 GBO Rn. 6; Zimmer in Jennißen, WEG, 7. Aufl. 2022, § 1 Rn. 31).

**Rn. 83**

Soweit in der vom Grundbuchamt herangezogenen Fundstelle

**Rn. 84**

(Abramenko in Jennißen, WEG, 7. Aufl. 2022, § 6 Rn. 6) von einer Aufhebung des

**Rn. 85**

„Wohnungseigentums“ die Rede ist, kann darunter nichts Anderes als "Sondereigentum“ verstanden werden.

**Rn. 86**

Dass im vorliegenden Fall das vermessene Flurstück N05 („Verkehrsfläche“) nicht in

**Rn. 87**

den räumlichen Bereich eines Sondereigentums fällt, lässt sich auf der Grundlage des

**Rn. 88**

der Verkaufsurkunde vom 18.03.2022 beigefügten Lageplanes (A-B-C-D) in

**Rn. 89**

Verbindung mit dem Kartenauszug aus TIM-online (Bl. 17) hier mit hinreichender

**Rn. 90**

Gewissheit feststellen; hierbei handelt es sich um eine am Rand des ursprünglichen

**Rn. 91**

Flurstücks N04 gelegene streifenförmige Teilfläche, welcher der kaufenden Beteiligten

**Rn. 92**

zu 2. als Verkehrsfläche dienen sollte. Soweit das Grundbuchamt im

**Rn. 93**

Nichtabhilfebeschluss einen Nachweis vermisst, dass „Nebenbestimmungen zum

**Rn. 94**

Inhalt des Sondereigentums (z.B. Sondernutzungsrechte) unberührt sind“, bedarf es

**Rn. 95**

eines solchen Nachweises nicht. Denn etwaige Regelungen über die Nutzung von

**Rn. 96**

Gemeinschaftseigentum, wie etwa Sondernutzungsrechte, hindern nicht eine

**Rn. 97**

Veräußerung unter Beteiligung aller Eigentümer.

**Rn. 98**

Auch wenn entgegen den vorstehenden Ausführungen eine Aufhebung des

**Rn. 99**

Wohnungseigentums in Bezug auf die verkaufte Teilfläche erforderlich wäre, ist hier

**Rn. 100**

eine solche erfolgt: Diese ist von den Verkäufern konkludent durch die in der

**Rn. 101**

Verkaufsurkunde vom 18.03.2002 enthaltene Auflassung der im Plan dargestellten

**Rn. 102**

und noch nicht vermessenen Teilfläche erklärt worden, indes aufschiebend bedingt

**Rn. 103**

auf die Buchung der Teilfläche als eigenes Flurstück. Auch sachenrechtliche

**Rn. 104**

Willenserklärungen sind der Auslegung zugänglich (zur Auslegung der Veräußerung

**Rn. 105**

einer Teilfläche als konkludente Aufhebung vgl. Keller/Munzig a.a.O. sowie Weber in:

**Rn. 106**

Kölner Formularbuch Wohnungseigentumsrecht, 2. Aufl. 2023, Rn. 371). Es ist davon

**Rn. 107**

auszugehen, dass die verkaufenden Eigentümer einen Vollzug des Verkaufs nach

**Rn. 108**

Buchung der Teilfläche nicht durch die am selben Tage wie der Verkauf erfolgte

**Rn. 109**

Bildung von Wohnungseigentum vereiteln wollten. Einer solchen Auslegung steht,

**Rn. 110**

anders als das Grundbuchamt meint, nicht entgegen, dass das Wohnungseigentum

**Rn. 111**

bei Erklärung der Auflassung der Teilfläche noch nicht eingetragen war. Denn es

**Rn. 112**

genügt, dass das Wohnungseigentum im Zeitpunkt des Wirksamwerdens der

**Rn. 113**

Aufhebungserklärung entstanden war: Die Aufhebungserklärung in Bezug auf die

**Rn. 114**

Teilfläche muss nicht wirksam werden, bevor die Teilfläche durch Buchung als eigenes

**Rn. 115**

Flurstück umschreibungsfähig wird; aufgrund dessen kann der Auflassungserklärung

**Rn. 116**

eine entsprechend aufschiebend bedingte Aufhebungserklärung entnommen werden.

**Rn. 117**

Eine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst.

**Rn. 118**

Die Voraussetzungen für eine Zulassung der Rechtsbeschwerde liegen nicht vor.

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Zitiervorschlag: Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 04.07.2023 – 2 Wx 82/23, 2 Wx 93/23, 2 Wx 94/23, ECLI:DE:OLGK:2023:0704.2WX82.23.2WX93.23.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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