nu:legal · recht.nulegal.eu

# Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 06.02.1998 – 16 Wx 333/97

ECLI:DE:OLGK:1998:0206.16WX333.97.01

## Tenor

## GRÜNDE

**Rn. 2**

Die Beteiligten sind die Eigentümer der vorgenannten Wohnan-

**Rn. 3**

lage, die gemäß § 1 der maßgeblichen Teilungserklärung vom

**Rn. 4**

4.11.63 in drei Miteigentumsanteile aufgeteilt ist (Bl. 19

**Rn. 5**

ff GA). Den Beteiligten zu 1) gehört seit 1989 die im 1.

**Rn. 6**

Obergeschoß gelegene Eigentumswohnung (367/1ooo-stel Mitei-

**Rn. 7**

gentumsanteil), den Beteiligten zu 2) seit 1993 die im Erd-

**Rn. 8**

geschoß gelegene Eigentumswohnung (47o/1ooo-stel Miteigen-

**Rn. 9**

tumsanteil) sowie das im Souterrain/Untergeschoß gelegene

**Rn. 10**

Teileigentum (163/ 1ooo-stel Miteigentumsanteil) mit einer

**Rn. 11**

Fläche von 48,28 qm, "bestehend aus drei Räumen, Vorraum,

**Rn. 12**

Kellerraum, Trockenraum und einer Trafostation" - im Auftei-

**Rn. 13**

lungsplan mit Nr. 3 bezeichnet (Bl. 21, 347 GA). Im Kaufver-

**Rn. 14**

trag der Beteiligten zu 1) vom 23.8.89 - Bl. 858 ff GA -

**Rn. 15**

heißt es auf S.4 zu der Ziffer 3, daß Frau M. - die

**Rn. 16**

Beteiligte zu 3) - Eigentümerin der "beiden übrigen Woh-

**Rn. 17**

nungseigentumsrechte" sei (Bl.861 GA). Die Beteiligten zu

**Rn. 18**

2) hatten die beiden Miteigentumsanteile mit dem

**Rn. 19**

Kaufvertrag vom 9.3.93 erworben, in dem die Beteiligte zu

**Rn. 20**

3) diesen ausdrücklich zugesichert hatte, "daß das

**Rn. 21**

vorgenannte Teileigentum Nr.3 dreißig Jahre als Wohnung

**Rn. 22**

genutzt wurde" (Bl. 2o2 GA). Ausweislich ihrer gesonderten

**Rn. 23**

schriftlichen Erklärung vom 21.4. 93 hatten die Beteiligten

**Rn. 24**

zu 1) "vom Inhalt des Kaufvertrages vom 9.3.93" Kenntnis

**Rn. 25**

erlangt und der Veräußerung der in diesem Kaufvertrag aufgeführten Wohnungs-/Teileigentumseinheit zugestimmt (Bl. 195 GA).

**Rn. 26**

Die Beteiligten streiten um die der Teilungserklärung wider-

**Rn. 27**

sprechende Nutzung des im Kellergeschoß gelegenen Teileigen-

**Rn. 28**

tums zu Wohnzwecken und insbesondere darum, ob und wie

**Rn. 29**

lange die Räume in der Vergangenheit tatsächlich zu Wohn-

**Rn. 30**

zwecken genutzt wurden und die Beteiligten zu 1) bzw. deren

**Rn. 31**

Rechtsvorgänger Kenntnis davon hatten.

**Rn. 32**

Im Dezember 1993 hatten die Beteiligten zu 1) beim Amtsge-

**Rn. 33**

richt u.a. beantragt, den Beteiligten zu 2) aufzugeben, die

**Rn. 34**

Wohnnutzung des im Kellergeschoß gelegenen Teileigentums so-

**Rn. 35**

wie jegliche zur Verwirklichung einer Wohnungsnutzung erfor-

**Rn. 36**

derliche baulichen und bauordnungsrechtlichen Maßnahmen

**Rn. 37**

(Baugenehmigung) zu unterlassen. Im Schluß-Beschluß vom

**Rn. 38**

21.6.95 wies das Amtsgericht den Antrag ab mit der Begrün-

**Rn. 39**

dung, erwiesenermaßen hätten die Beteiligten zu 1) von der

**Rn. 40**

Existenz der Kellerwohnung und deren Nutzung bereits bei der

**Rn. 41**

Kaufbesichtigung Kenntnis gehabt und gleichwohl gekauft

**Rn. 42**

(Bl.389 GA). Die sofortige Beschwerde blieb erfolglos. Auf

**Rn. 43**

die weitere sofortige Beschwerde hob der Senat die landge-

**Rn. 44**

richtliche Entscheidung auf und verwies die Sache zur erneu-

**Rn. 45**

ten Verhandlung und Entscheidung zurück. Zur Begründung ist

**Rn. 46**

im wesentlichen ausgeführt: Von einer Verwirkung eines Un-

**Rn. 47**

terlassungsanpruchs durch die Beteiligten zu 1) könne nicht

**Rn. 48**

ausgegangen werden, weil, wenn das Zeitmoment überhaupt be-

**Rn. 49**

jaht werden könne, jedenfalls keine Umstände ersichtlich

**Rn. 50**

seien, die die verzögerte Geltendmachung als gegen Treu und

**Rn. 51**

Glauben verstoßend erscheinen lassen. Den Unterlassungsan-

**Rn. 52**

spruch habe aber der Voreigentümer der Beteiligten zu 1)

**Rn. 53**

verwirkt, weil dieser seit dem Erwerb des Wohnungseigentums

**Rn. 54**

im Jahre 1971 bis zum Jahre 198o die Vermietung der Souter-

**Rn. 55**

rainräume zu Wohnzwecken bewußt geduldet habe, woran die

**Rn. 56**

Beteiligten zu 1) als Rechtsnachfolger gebunden seien.

**Rn. 57**

Etwas anderes hiervon könne nur gelten, wenn nach der

**Rn. 58**

Veräußerung des Teileigentums an die Beteiligte zu 3) im

**Rn. 59**

Jahre 198o und bis zur Weiterveräußerung an die Beteiligten

**Rn. 60**

zu 2) im Jahre 1993 eine Wohnnutzung nicht mehr stattgefunden

**Rn. 61**

hat und damit der Verwirkungstatbestand entfallen war, was

**Rn. 62**

das Landgericht noch aufklären müsse. Das Landgericht hat

**Rn. 63**

nach Durchführung der weiteren Beweisaufnahme durch den

**Rn. 64**

angefochtenen Beschluß die Beschwerde wiederum zurückgewie-

**Rn. 65**

sen, weil sich feststellen lasse, daß eine ausreichende

**Rn. 66**

Wohnnutzung auch in den Jahren 1984 bis 1993 stattgefunden

**Rn. 67**

habe mit der Folge, daß der Verwirkungstatbestand nicht weg-

**Rn. 68**

gefallen sei. Hiergegen wenden sich die Beteiligten zu 1)

**Rn. 69**

mit ihrer weiteren Beschwerde, mit der sie ihren Antrag wei-

**Rn. 70**

terverfolgen.

**Rn. 71**

Die form- und fristgerecht eingelegte weitere sofortige Be-

**Rn. 72**

schwerde ist zulässig (§§ 43 Abs.1 Nr.1, 45 Abs.1 WEG, 2o,

**Rn. 73**

22 Abs.1, 27, 29 FGG), in der Sache hat sie aber keinen Er-

**Rn. 74**

folg. Die Entscheidung des Landgerichts läßt keine Gesetzes-

**Rn. 75**

verletzung erkennen ( § 27 FGG).

**Rn. 76**

1) Die Feststellung des Landgerichts, daß bereits die

**Rn. 77**

Rechtsvorgänger der Beteiligten zu 1) den Unterlassungsan-

**Rn. 78**

spruch aus §§ 1oo4 Abs.1 BGB i.V.m. 14 Nr. 1, 15 Abs. 3 WEG

**Rn. 79**

verwirkt hatten, ist entgegen der Ansicht der Beteiligten

**Rn. 80**

zu 1) aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden.

**Rn. 81**

Der Senat hatte bereits in dem vorangegangenen Beschluß vom

**Rn. 82**

4.4.97 - 16 Wx 35/97 - die rechtlichen Grundlagen für die

**Rn. 83**

Verwirkung des Anspruchs aufgezeigt und für den Streitfall

**Rn. 84**

aufgrund der jahrelangen bewußten Duldung der Wohnnutzung

**Rn. 85**

durch die Voreigentümer der Beteiligten zu 2) die Verwir-

**Rn. 86**

kung des Anspruchs bejaht. Hierauf wird Bezug genommen. Die

**Rn. 87**

dazu in der weiteren Beschwerde erhobenen Einwände recht-

**Rn. 88**

fertigen keine andere Beurteilung.

**Rn. 89**

Richtig ist zwar der Einwand, daß in Wohnungseigentumsver-

**Rn. 90**

fahren Vereinbarungen der Wohnungseigentümer für oder gegen

**Rn. 91**

den Sondernachfolger eines Wohnungseigentümers gemäß § 1o

**Rn. 92**

Abs. 2 WEG nur wirken, wenn sie als Inhalt des Sondereigen

**Rn. 93**

tums im Grundbuch eingetragen sind. Auch läßt sich hier

**Rn. 94**

eine solche - allenfalls konkludent zustandegekommene -

**Rn. 95**

dinglich wirkende Abänderungsvereinbarung der

**Rn. 96**

Wohnungseigentümer über die Nutzung der zum Teileigentum

**Rn. 97**

gehörenden Souterrainräume nunmehr zu Wohnzwecken nicht

**Rn. 98**

feststellen. Zwar hatte das Verhalten der Rechtsvorgänger

**Rn. 99**

der Beteiligten zu 1) bei der Rechtsvorgängerin der

**Rn. 100**

Beteiligten zu 2) das Vertrauen auf eine auch zukünftige

**Rn. 101**

Duldung der Nutzung der Räume zu Wohnzwecken und einer

**Rn. 102**

Fortdauer der tatsächlichen Verhältnisse begründet. Allein

**Rn. 103**

aufgrund dieses Vertrauens in eine faktische

**Rn. 104**

Nutzungsbefugnis hatte die letztere indes nicht auch eine

**Rn. 105**

entsprechende ins Grundbuch eintragungsfähige Rechts-

**Rn. 106**

position erwerben können (so schon der Senat im Beschluß

**Rn. 107**

vom 25.1o.93 - 16 Wx 6o/91 - = NJW 95,2o2; ebenso OLG

**Rn. 108**

Düsseldorf ZMR 97, 374). Darüberhinaus würde eine

**Rn. 109**

Vereinbarung über die Änderung einer in der

**Rn. 110**

Teilungserklärung geregelten Zweckbestimmung mit

**Rn. 111**

Vereinbarungscharakter - ihr Zustandekommen einmal

**Rn. 112**

unterstellt - aber auch erst mit der Eintragung im

**Rn. 113**

Grundbuch gemäß § 5 Abs.4 WEG zum Inhalt des

**Rn. 114**

Sondereigentums aller Wohnungseigentümer gehören und erst

**Rn. 115**

dann auch gegen die Sonderrechtsnachfolger wirken können

**Rn. 116**

(Senat im Beschluß vom 5.3.97 - 16 Wx 279/97 - = NJW-RR

**Rn. 117**

97,1442 mwN). Auch daran fehlt es hier unstreitig.

**Rn. 118**

Entgegen der Ansicht der Beteiligten zu 1) steht indes das

**Rn. 119**

Fehlen einer entsprechenden dinglichen Rechtsposition der

**Rn. 120**

Beteiligten zu 2) dem Verwirkungseinwand nicht entgegen.

**Rn. 121**

Von der dinglichen Rechtsposition zu unterscheiden ist die

**Rn. 122**

Frage, ob die Beteiligten zu 1) gleichwohl schuldrechtlich

**Rn. 123**

verpflichtet sind, die von ihren Rechtsvorgängern

**Rn. 124**

jahrelang bewußt geduldete Nutzung der Räume zu Wohnzwecken

**Rn. 125**

hinzunehmen. Das ist - wie im vorgenannten Beschluß des

**Rn. 126**

Senats ebenfalls bereits ausgeführt ist - zu bejahen. Die

**Rn. 127**

Beteiligten zu 1) sind nämlich an die entstandene

**Rn. 128**

Rechtslage gebunden, auch wenn die Verwirkung aus dem

**Rn. 129**

Wohnungsgrundbuch nicht ersichtlich ist. Denn sie haben mit

**Rn. 130**

dem Erwerb des Wohnungseigentums als Rechtsnachfolger von dem

**Rn. 131**

Voreigentümer mangels besonderer gesetzlicher Bestimmungen

**Rn. 132**

keine weitergehenden Rechte erhalten können, als dem

**Rn. 133**

Voreigentümer zuletzt zustanden (vgl. auch BayObLG NJW-RR 91,

**Rn. 134**

1o41 mwN; KG NJW-RR 89, 976 = OLGZ 89, 3o5 und WuM 93, 38).

**Rn. 135**

2) Ebensowenig ist aus Rechtsgründen die Feststellung des

**Rn. 136**

Landgerichts zu beanstanden, daß die ungebrochene Fortdauer

**Rn. 137**

der Nutzung des Teileigentums zu Wohnzwecken bewiesen ist,

**Rn. 138**

die den Einwand der Verwirkung des Unterlassungsanspruchs

**Rn. 139**

nach wie vor rechtfertigen.

**Rn. 140**

Das Landgericht ist aufgrund der Aussagen der erneut vernom-

**Rn. 141**

menen Zeugen I. und M. in Verbindung mit den Dar-

**Rn. 142**

stellungen der Beteiligten zu 2) bei ihrer persönlichen An-

**Rn. 143**

hörung zu der Überzeugung gelangt, daß eine ausreichende

**Rn. 144**

Wohnnutzung der im Teileigentum der Beteiligten zu 2) ste-

**Rn. 145**

henden, im Souterrain gelegenen Räume auch in den Jahren

**Rn. 146**

1984 bis 1993 stattgefunden hat. Dabei hat das Landgericht

**Rn. 147**

entgegen der Ansicht der Beteiligten zu 1) auch den der Wür-

**Rn. 148**

digung entgegenstehenden Sachvortrag der Beteiligten zu 2)

**Rn. 149**

im Parallelverfahren 2 O 2o5/94 LG Köln = 12 U 212/95 OLG

**Rn. 150**

Köln berücksichtigt, was sich hinreichend deutlich dem zwei-

**Rn. 151**

ten Absatz des angefochtenen Beschlusses entnehmen läßt. An

**Rn. 152**

diese Tatsachenwürdigung des Landgerichts ist das Rechtsbe-

**Rn. 153**

schwerdegericht gebunden, weil sie rechtsfehlerfrei zustan-

**Rn. 154**

degekommen ist. Etwaige Verfahrens- oder Rechtsfehler haben

**Rn. 155**

die Beteiligten zu 1) auch nicht gerügt. Eine weitergehende

**Rn. 156**

Prüfung ist dem Senat daher verwehrt (§§ 27 Abs.1 S.2 FGG;

**Rn. 157**

561 Abs.2 ZPO). Insbesondere kann die Glaubwürdigkeit von

**Rn. 158**

Zeugen vom Rechtsbeschwerdegericht nicht nachgeprüft werden

**Rn. 159**

(vgl. beispielsweise Keidel/Kuntze/ Winkler FG § 27 Rdnr.

**Rn. 160**

47 mwN).

**Rn. 161**

Die Kostenentscheidung beruht auf § 47 WEG. Es entspricht

**Rn. 162**

billigem Ermessen, daß die Beteiligten zu 1) die gericht-

**Rn. 163**

lichen Kosten des Verfahrens der weiteren Beschwerde tragen

**Rn. 164**

und auch den Beteiligten zu 2) und 3) die ihnen im

**Rn. 165**

Rechtsbeschwerdeverfahren entstandenen außergerichtlichen

**Rn. 166**

Kosten erstatten. Angesichts der Vorentscheidung des Senats

**Rn. 167**

und der überzeugend begründeten Entscheidung des Landgerichts

**Rn. 168**

mußte für die Beteiligten zu 1) ohne weiteres einsichtig

**Rn. 169**

sein, daß ihre weitere Beschwerde keine Aussicht auf Erfolg

**Rn. 170**

haben würde.

**Rn. 171**

Die Festsetzung des Gegenstandswerts für das Rechtsbeschwer-

**Rn. 172**

deverfahren folgt aus § 48 Abs.3 WEG und entspricht den von

**Rn. 173**

den Beteiligten nicht beanstandeten Wertfestsetzungen der

**Rn. 174**

Vorinstanzen.

**Rn. 175**

Das Prozeßkostenhilfegesuch der Beteiligten zu 3) hat mangels

**Rn. 176**

Bedürftigkeit keinen Erfolg.

---

Zitiervorschlag: Oberlandesgericht Köln, Beschluss vom 06.02.1998 – 16 Wx 333/97, ECLI:DE:OLGK:1998:0206.16WX333.97.01

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/olg-koeln/1998-02-06/16-wx-333-97

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
