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# Oberlandesgericht Düsseldorf, Beschluss vom 01.07.2025 – IV-4 ORBs 50/25

ECLI:DE:OLGD:2025:0701.IV4ORBS50.25.00

## Tenor

Die Rechtsbeschwerde wird auf Kosten des Betroffenen als

unbegründet verworfen, weil die Nachprüfung des Urteils auf Grund

der Beschwerderechtfertigung keinen Rechtsfehler zu seinem

Nachteil ergeben hat (§ 79 Abs. 3 OWiG, § 349 Abs. 2 und 3 StPO

entsprechend).

## Gründe

**Rn. 2**

I.

**Rn. 3**

Das Amtsgericht Oberhausen hat gegen den Betroffenen mit Urteil vom 4. März 2025

**Rn. 4**

wegen fahrlässiger Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit außerhalb

**Rn. 5**

geschlossener Ortschaften eine Geldbuße von 190,00 EUR und ein Fahrverbot von

**Rn. 6**

einem Monat festgesetzt. Hiergegen wendet sich der Betroffene mit seiner

**Rn. 7**

Rechtsbeschwerde, die er auf die allgemeine Sachrüge und u.a. eine Verletzung

**Rn. 8**

seines Rechts auf ein faires Verfahren und auf rechtliches Gehör stützt.

**Rn. 9**

II.

**Rn. 10**

1. Die gemäß §§ 79 Abs. 3 OWiG, 341 Abs. 1, 344 Abs. 1, 345 StPO gegen das

**Rn. 11**

Urteil form- und fristgerecht eingelegte Rechtsbeschwerde ist zulässig. Sie ist

**Rn. 12**

insbesondere statthaft, da gegen den Betroffenen neben der Geldbuße von 190,00

**Rn. 13**

Euro in Gestalt des einmonatigen Fahrverbotes auch eine Nebenfolge nicht

**Rn. 14**

vermögensrechtlicher Art angeordnet worden ist.

**Rn. 15**

2. Die erhobene Sachrüge verhilft der Rechtsbeschwerde nicht zu Erfolg.

**Rn. 16**

a) Soweit der Betroffene im Rahmen der erhobenen Sachrüge unter Hinweis auf die

**Rn. 17**

diverse Gerichtsurteile die Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren sowie die

**Rn. 18**

Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend macht, ihm seien entgegen seines

**Rn. 19**

Antrags weder Token und Passwort zum Öffnen der übersandten Falldatei noch die

**Rn. 20**

Falldaten der gesamten Messreihe zugänglich gemacht worden, kann dahinstehen,

**Rn. 21**

ob die der Auslegung zugängliche Revisionsbegründung der Begründung nach den

**Rn. 22**

für Verfahrensrügen geltenden Anforderungen des §§ 79 Abs. 3 OWiG, 344 Abs. 2

**Rn. 23**

StPO genügt, denn jedenfalls liegt ein Rechtsfehler zum Nachteil des Betroffenen

**Rn. 24**

nicht vor.

**Rn. 25**

(1) Der Betroffene kann als Ausfluss seines Rechts auf ein faires Verfahren Einsicht

**Rn. 26**

in vorhandene Informationen verlangen, die nicht Bestandteil der Verfahrensakten

**Rn. 27**

sind, sofern zum einen die hinreichend konkret benannten Informationen in einem

**Rn. 28**

zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit dem Vorwurf stehen und zum anderen

**Rn. 29**

sie erkennbar eine Relevanz für die Verteidigung aufweisen (vgl. BVerfG, Beschluss

**Rn. 30**

vom 12. November 2020, 2 BvR 1616/18). Die Einsicht in solche, regelmäßig sich

**Rn. 31**

nicht bei der Bußgeldakte befindliche Unterlagen kann für den Betroffenen notwendig

**Rn. 32**

sein, um dem gegen ihn erhobenen, auf ein – wie hier – standardisiertes

**Rn. 33**

Messverfahren gestützten Tatvorwurf in erheblicher Weise entgegen treten zu

**Rn. 34**

können. Nur dann, wenn der Betroffene konkrete Anhaltspunkte für einen Messfehler

**Rn. 37**

auch benennen kann, ist das Tatgericht gehalten, das Messergebnis zu überprüfen

**Rn. 38**

und sich von der Zuverlässigkeit der Messung zu überzeugen (vgl. zu den

**Rn. 39**

Grundsätzen des standardisierten Messverfahrens: BVerfG, a.a.O.; BGH,

**Rn. 40**

Beschlüsse vom 19. August 1993 – 4 StR 627/92, und vom 30. Oktober 1997 – 4

**Rn. 41**

StR 24/97; zit. nach Juris).

**Rn. 42**

Gemessen an diesen Grundsätzen hat der Betroffene keinen Anspruch auf

**Rn. 43**

Übersendung bzw. Beiziehung der digitalen Falldaten der gesamten Messreihe aus

**Rn. 44**

der am 17. Juni 2024 durchgeführten Geschwindigkeitsmessung. Die Darlegung des

**Rn. 45**

Betroffenen reicht nicht aus, um die Relevanz der gesamten Messreihe für die

**Rn. 46**

Verteidigung des Betroffenen nachvollziehbar und plausibel darzulegen. Im Übrigen

**Rn. 47**

wird auf die allgemein zugänglichen, insbesondere frei im Internet abrufbaren und

**Rn. 48**

aus Sicht des Senats überzeugenden Ausführungen der Physikalisch-Technischen

**Rn. 49**

Bundesanstalt in deren Stellungnahmen „Wunsch und Wirklichkeit: Zwei-Punkte-

**Rn. 50**

Schätzwert, Rohmessdaten und gesamte Messreihe“, Fassung vom 4. November

**Rn. 51**

2021, und „Der Erkenntniswert von Statistikdatei, gesamter Messreihe und

**Rn. 52**

Annullationsrate in der amtlichen Geschwindigkeitsüberwachung“, Fassung vom 30.

**Rn. 53**

März 2020, verwiesen. Danach gibt es für den Messwert einer konkreten

**Rn. 54**

Einzelmessung keinen Zusammenhang mit den Messergebnissen für Fahrzeuge, die

**Rn. 55**

in den Stunden davor und danach erfasst wurden, so dass die weiteren

**Rn. 56**

Ausführungen der Verteidigung zu dem – nach den Feststellungen des Urteils gültig

**Rn. 57**

geeichten Gerätes – hinfällig sind.

**Rn. 58**

Auch mit der Rüge, den für die konkrete Einzelmessung erforderlichen Token und

**Rn. 59**

das Passwort nicht erhalten zu haben, kann der Betroffene nicht durchdringen. Aus

**Rn. 60**

dem Recht auf ein faires Verfahren kann – wie bereits dargelegt – zwar grundsätzlich

**Rn. 61**

ein Anspruch auf Zugang des Betroffenen zu nicht bei der Bußgeldakte befindlichen,

**Rn. 62**

aber bei der Bußgeldbehörde vorhandenen Informationen folgen. Diese

**Rn. 63**

Informationen müssen (zum Zweck der Ermittlung) entstanden und weiterhin

**Rn. 64**

vorhanden sein, damit sie dem Betroffenen zur Verfügung gestellt werden können

**Rn. 65**

(vgl. VerfGH Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 22. Juli 2022 - VGH B 30/21; BVerfG,

**Rn. 66**

Beschluss vom 12. Januar 1983 - 2 BvR 864/81; BVerfGE 63, 45). Der Betroffene

**Rn. 67**

begehrte vorliegend aber gerade keine bei der Bußgeldbehörde vorhandenen

**Rn. 68**

Informationen, sondern eine von dem zuständigen Eichamt erst noch zu erzeugende

**Rn. 69**

Daten (Token und Passwort für die einzelne Datei), da die Bußgeldbehörde nur über

**Rn. 70**

einen universellen Token verfügt, mit dem die Falldateien von allen

**Rn. 71**

Überwachungsanlagen zeitlich unbefristet entschlüsselt und geöffnet werden

**Rn. 73**

können. Es bestand somit auch kein Anspruch darauf, dass sich die Bußgeldbehörde

**Rn. 74**

oder das Gericht diese Daten beschafft, um sie an den Betroffenen herauszugeben.

**Rn. 75**

Dem Betroffenen war es unbenommen, selbst Ermittlungen anzustellen und sich die

**Rn. 76**

aus seiner Sicht erforderlichen Informationen zu besorgen. Hierzu hat die

**Rn. 77**

Bußgeldbehörde seinem Verteidiger unter dem 19. September 2024 mitgeteilt, wohin

**Rn. 78**

er sich wenden müsse, um die begehrten Informationen zu erhalten. Es ist dem

**Rn. 79**

Betroffenen zuzumuten, die dabei entstehenden Kosten zu tragen (so auch OLG

**Rn. 80**

Düsseldorf, Beschluss vom 5. März 2025, VI-3 ORbs 1/25). Im Übrigen hätte er die

**Rn. 81**

durch Token und Passwort geschützten Daten auch in zumutbarer Weise auf dem

**Rn. 82**

Polizeipräsidium Düsseldorf einsehen können. Sollte sich bei der Einsichtnahme in

**Rn. 83**

die Falldatei bei der Polizei eine entsprechende Abweichung herausstellen, könnte

**Rn. 84**

dies im Ordnungswidrigkeitsverfahren vorgetragen werden, um etwaige

**Rn. 85**

Ungenauigkeiten oder Abweichung von den Herstellerangaben aufzuzeigen und

**Rn. 86**

damit die Einholung eines Sachverständigengutachtens zu beantragen (vgl. OLG

**Rn. 87**

Düsseldorf, Beschluss vom 29. Juli 2022, VI- 4 RBs 80/22).

**Rn. 88**

(2) Soweit neben einer Verletzung des fairen Verfahrens die Verletzung rechtlichen

**Rn. 89**

Gehörs geltend gemacht wird, liegt auch solcher Verstoß nicht vor. Denn der

**Rn. 90**

Schutzbereich des Art. 103 Abs. 1 GG ist nicht berührt, wenn es um die Frage geht,

**Rn. 91**

ob das Gericht sich und den Prozessbeteiligten Kenntnis von Sachverhalten, die es

**Rn. 92**

selbst nicht kennt, erst zu verschaffen hat, weil es nicht Sinn und Zweck der

**Rn. 93**

Gewährleistung rechtlichen Gehörs sei, dem Beschuldigten Zugang zu dem Gericht

**Rn. 94**

nicht bekannten Tatsachen zu erzwingen (BVerfGE 63, 45/60). Das

**Rn. 95**

Verfahrensgrundrecht auf Gewährung rechtlichen Gehörs verlangt vielmehr, dass

**Rn. 96**

einer gerichtlichen Entscheidung gemäß § 261 StPO auf der Grundlage des in der

**Rn. 97**

Hauptverhandlung ausgebreiteten und abgehandelten Tatsachenstoffs – wie hier

**Rn. 98**

geschehen – ausschließlich solche Tatsachen zugrunde gelegt werden, zu denen

**Rn. 99**

der Betroffene und seine Verteidigung hinreichend Stellung nehmen konnten; einen

**Rn. 100**

Anspruch auf Erweiterung der Gerichtsakten vermittelt Art. 103 Abs. 1 GG hingegen

**Rn. 101**

nicht, zumal auch für eine Willkürentscheidung nichts vorgetragen oder sonst

**Rn. 102**

ersichtlich ist (st. Rspr.; vgl. BVerfG, Beschluss vom 9. März 1965 – 2 BvR

**Rn. 104**

76/63 –, BVerfGE 18, 399, 405, BVerfGE 18, 399/405 f.; BayObLG, Beschluss

**Rn. 105**

vom 4. Januar 2021 – 202 ObOWi 1532/20; KG, Beschluss vom 02. April 2019 - 122

**Rn. 106**

Ss 43/19).

**Rn. 107**

b) Das angefochtene Urteil genügt auch den Anforderungen, die bei einem

**Rn. 108**

standardisierten Messverfahren an die tatrichterlichen Feststellungen und die

**Rn. 111**

Beweiswürdigung zu stellen sind (vgl. BGH, Beschluss vom 19. August 1993 – 4

**Rn. 112**

StR 627/92, zit. nach Juris). Soweit der Betroffene in seiner Beschwerdeschrift

**Rn. 113**

vorträgt, das Tatgericht habe die Höhe des Toleranzabzuges nicht mitgeteilt, ist

**Rn. 114**

dieser Vortrag unzutreffend, denn das Tatgericht hat festgestellt, dass die gefahrene

**Rn. 115**

Geschwindigkeit 129 km/h betrug und 134 km/h gemessen wurden (vgl. Bl. 3 UA).

**Rn. 116**

c) Auch der Rechtsfolgenausspruch ist nicht zu beanstanden. Die

**Rn. 117**

Bußgeldbemessung liegt grundsätzlich im Ermessen des Tatrichters, weshalb sich

**Rn. 118**

die Überprüfung durch das Rechtsbeschwerdegericht darauf beschränkt, ob der

**Rn. 119**

Tatrichter von rechtlich zutreffenden Erwägungen ausgegangen ist und von seinem

**Rn. 120**

Ermessen rechtsfehlerfrei Gebrauch gemacht hat. Dies ist hier der Fall.

**Rn. 121**

Die Regelbuße gemäß § 24 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 5 StVG i.V.m. lfd. Nr. 11.3.5 BKat in

**Rn. 122**

Höhe von 150 Euro wurde in nicht zu beanstandender Weise wegen mehrerer

**Rn. 123**

Voreintragungen im Fahreignungsregister auf 190 Euro erhöht.

**Rn. 124**

d) Schließlich erfolgte auch die Anordnung und Begründung des einmonatigen

**Rn. 125**

Fahrverbots rechtsfehlerfrei.

**Rn. 126**

III.

**Rn. 127**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 46 Abs. 1 OWiG, § 473 Abs. 1 StPO.

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Zitiervorschlag: Oberlandesgericht Düsseldorf, Beschluss vom 01.07.2025 – IV-4 ORBs 50/25, ECLI:DE:OLGD:2025:0701.IV4ORBS50.25.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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