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# Landgericht Münster, Urteil vom 13.09.2004 – 11 O 50/02

ECLI:DE:LGMS:2004:0913.11O50.02.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 9.523,74 Euro (neuntausendfünfhundertdreiundzwanzig

74/100 Euro) nebst Zinsen in Höhe von 5

Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 26.02.2002 zu zahlen.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen der Beklagte zu 14% und der Kläger

zu 86%.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe des jeweils zu vollstreckenden

Betrages zuzüglich 25 % vorläufig vollstreckbar.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger nimmt den Beklagten aus einem Pferdepensionsvertrag auf Schadenersatz

**Rn. 3**

in Anspruch.

**Rn. 4**

Der Kläger erwarb im August 1991 die damals drei Jahre alte Stute G. Er stellte

**Rn. 5**

das Pferd nach dem Erwerb bei dem Beklagten ein gegen Zahlung eines monatlichen

**Rn. 6**

Entgelts. Inhalt des mündlich geschlossenen Vertrages war jedenfalls die

**Rn. 7**

Unterbringung und Versorgung in einem Stall des Beklagten und die Möglichkeit des

**Rn. 8**

Weideganges. Jedenfalls teilweise versorgte die Ehefrau des Klägers T

**Rn. 9**

das Pferd.

**Rn. 10**

Die Tochter des Klägers T1 ritt das Pferd bei Dressur-Wettkämpfen von

**Rn. 11**

August 1991 bis zuletzt am 2.12.2000.

**Rn. 12**

Am 19.9.2001 war dem Pferd durch den Beklagten oder seinem Angestellten

**Rn. 13**

Weidegang gewährt worden. Gegen etwa 18.00 Uhr nahm ein Angestellter des

**Rn. 14**

Beklagten das Pferd von der Weide, führte es auf den Hof des Beklagten und band es

**Rn. 15**

dort an einem Stahlpfahl an. Dieser Anbindepfahl hatte einen Durchmesser von ca. 5

**Rn. 16**

cm, eine Länge von ca. 1 ,30 m, an der bodennahen Seite eine ca. 1 cm starke

**Rn. 17**

Stahlplatte von ca. 30 x 30 cm Kantenlänge und war mit 4 gedübelten Schrauben von

**Rn. 18**

7 bis 8 cm Länge über alles an dem Betonboden angebracht.

**Rn. 19**

Der Angestellte des Beklagten entfernte die Springglocken und beabsichtigte, das

**Rn. 20**

Pferd mit einem Wasserschlauch abzuspritzen. Das Pferd erschrak aus unbekannten

**Rn. 21**

Gründen, stieg auf und sprang davon, nachdem es den Anbindepfahl aus seiner

**Rn. 22**

Verankerung gerissen hatte. Dieser Pfahl hing somit an dem Anbindeseil vor dem Pferd

**Rn. 23**

herunter und schlug dem in Panik davongaloppierenden Pferd gegen die Gliedmaßen

**Rn. 24**

und verletzte es an den Beinen. Nachdem das Pferd mit seinen Verletzungen

**Rn. 25**

eingefangen und mit tierärztlicher Hilfe geborgen worden war, wurde es operiert und im

**Rn. 26**

Anschluß daran auf tierärztlichen Rat hin eingeschläfert, weil nicht mehr zu retten.

**Rn. 27**

Das Gericht hat nach Vernehmung von Zeugen durch das Teilurteil vom 1.8.2002 den

**Rn. 28**

Klageantrag dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Die Berufung des Beklagten

**Rn. 29**

hat das Oberlandesgericht Hamm durch Urteil vom 24.6.2003- 24 U 162/02-

**Rn. 30**

zurückgewiesen. Das Urteil ist rechtskräftig, nachdem der Beklagte die Beschwerde

**Rn. 31**

gegen die Nichtzulassung der Revision zurückgenommen hat.

**Rn. 32**

Der Kläger begehrt weiterhin Schadenersatz für das Pferd und behauptet dazu u.a.

**Rn. 33**

folgendes.

**Rn. 34**

Er habe das Pferd für 20.000,- DM gekauft. Das Pferd habe einen Wert von

**Rn. 35**

mindestens 66.467,94 € gehabt aufgrund seiner Herkunft, seiner Leistungen bei

**Rn. 36**

Dressurwettkämpfen und seiner Zuchteigenschaften. Er habe das Pferd wegen der

**Rn. 37**

damals herrschenden Maul- und Klauenseuche nur für die Saison 2001 aus dem

**Rn. 38**

Dressursporteinsatz herausnehmen wollen. Es sei zum Vorfallzeitpunkt tragend

**Rn. 39**

gewesen und hätte noch mindestens 10 weitere Jahre Fohlen haben können. Es hätte

**Rn. 40**

künftig wieder bei Dressur-Wettkämpfen eingesetzt werden sollen und können. Er

**Rn. 41**

bezieht sich ferner auf das schriftliche Gutachten vom 16.8.2004, erstattet von dem

**Rn. 42**

privaten Sachverständigen E.

**Rn. 43**

Der Kläger begehrt ferner die Kosten der tierärztlichen Behandlung von 1998,74 €

**Rn. 44**

gemäß der Rechnung vom 4.10.2001 und eine Pauschale von 25,56 €.

**Rn. 45**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 46**

den Beklagten zu verurteilen, an ihn 68.492,25 € nebst 5 % Zinsen über dem

**Rn. 47**

Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit (26.2.2002) zu zahlen.

**Rn. 48**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 49**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 50**

Er behauptet, die Stute sei maximal 5.000,- € wert gewesen. Die Maul- und

**Rn. 51**

Klauenseuche sei 2001 erst im März aufgetreten und hätte einen Turnierstart

**Rn. 52**

ermöglicht. Das Decken bedeute ein endgültiges Ende der sportlichen Karriere. Die

**Rn. 53**

Erfolge seien nicht auf die Qualität des Pferdes zurückzuführen, sondern auf die

**Rn. 54**

reiterlichen Fähigkeiten der Tochter T1 des Klägers. Das Pferd sei nur nach

**Rn. 55**

seinem Wert als Zuchtstute zu beurteilen. Die Tochter des Klägers T1 habe

**Rn. 56**

zudem geäußert, der "Mistbock" müsse in die Zucht, das (wohl der Turniereinsatz) habe

**Rn. 57**

keinen Zweck mehr.

**Rn. 58**

Die Rechnung vom 4.10.2001 sei in keinem Fall erstattungsfähig. Dr. M habe

**Rn. 59**

nach dem Unfall sofort die Tötung empfohlen und ebenso wie Dr. C erläutert, daß

**Rn. 60**

die Operation keine Aussicht auf Erfolg habe.

**Rn. 61**

Wegen des weiteren Sach- und Streitstandes wird auf den vorgetragenen Inhalt der

**Rn. 62**

gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 63**

Das Gericht hat weiter Beweis erhoben durch Einholung eines Gutachtens, das der

**Rn. 64**

Sachverständige F unter dem 17.6.2004 in schriftlicher Form erstattet und in der

**Rn. 65**

mündlichen Verhandlung vom 13.9.2004 erläutert und ergänzt hat. Ferner sind am

**Rn. 66**

13.9.2004 die Zeugen Dr. M und Dr. C vernommen und der private

**Rn. 67**

Sachverständige E angehört worden.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 69**

Die Klage ist der Höhe nach teilweise begründet. Dem Kläger steht der

**Rn. 70**

Schadensersatzanspruch nur in der erkannten Höhe zu.

**Rn. 71**

Der Kläger ist nach wie vor aktivlegitimiert. Diese Frage ist nach der früheren

**Rn. 72**

Beweisaufnahme und mit dem Grundurteil entschieden. Der Beklagte hat dazu keine

**Rn. 73**

neuen Umstände dargelegt.

**Rn. 74**

Dem Kläger steht zunächst die Schadenspauschale in der geltend gemachten und für

**Rn. 75**

angemessen erachteten Höhe von 25,- € zu.

**Rn. 76**

Der Kläger hat ferner einen Anspruch auf Erstattung der geltend gemachten

**Rn. 77**

tierärztlichen Behandlungskosten von 1998,74 € gemäß der Rechnung vom 4.10.2001

**Rn. 78**

über 3.909,20 DM.

**Rn. 79**

Die Zeugen Dr. M und Dr. C haben dazu im Kern übereinstimmend

**Rn. 80**

bekundet, daß die Chancen, das Pferd wieder lauffähig zu machen, sehr gering waren.

**Rn. 81**

Es war jedoch nicht ohne jede Aussicht. Die Entscheidung, den Versuch, das Pferd zu

**Rn. 82**

retten, zu unternehme hat der Kläger an der Unfallstelle in Abstimmung mit dem

**Rn. 83**

Zeugen Dr. C getroffen. Dieser hat überzeugend ausgeführt, daß u.a. wegen der

**Rn. 84**

herrschenden Dunkelheit keine vollständig sichere Entscheidung zu treffen war,

**Rn. 85**

sondern dies erst im Rahmen und gegebenenfalls aufgrund und nach einer Operation

**Rn. 86**

geschehen konnte. Deshalb war es sachgerecht, den Versuch, das Pferd zu retten, zu

**Rn. 87**

unternehmen. Die dadurch verursachten Kosten sind unfallbedingt und demgemäß von

**Rn. 88**

dem Beklagten mit 1.998, 7 4 € voll zu erstatten.

**Rn. 89**

Der Kläger hat ferner einen Anspruch auf Zahlung des Wertersatzes für das Pferd in

**Rn. 90**

Höhe von 7.500,- €.

**Rn. 91**

Für die Feststellung der Grundlagen für die Wertermittlung waren weder der private

**Rn. 92**

Sachverständige E noch die sonstigen dazu aufgeführten Zeugen förmlich zu

**Rn. 93**

vernehmen, insbesondere auch nicht der Zeuge M1. Hinsichtlich der für die

**Rn. 94**

Wertermittlung bedeutsamen Tatsachen fehlt es an hinreichenden tatsächlichen

**Rn. 95**

Anknüpfungspunkten, die Gegenstand einer Vernehmung sein können. Eine

**Rn. 96**

Ausforschung dessen, was die beiden vorgenannten Zeugen vielleicht aus ihrer

**Rn. 97**

eigenen Kenntnis des Pferdes zu irgendeinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise

**Rn. 98**

wahrgenommen haben könnten, kommt nicht in Betracht. Das Schreiben des Zeugen

**Rn. 99**

M1 vom 1.8.2004 ist urkundsbeweislich verwertet worden.

**Rn. 100**

Hinsichtlich einer erneuten Vernehmung der Zeugin T1 ist daran zu

**Rn. 101**

erinnern, daß diese am 1.8.2002 bekundet hat, sie könne nicht sagen, ob das Pferd

**Rn. 102**

nach der Geburt wieder in die Dressur genommen werden sollte. Eigentlich sei es so

**Rn. 103**

gewesen, daß es wegen seines Alters und weil es immer schwerer gewesen sei, nicht

**Rn. 104**

mehr leistungsmäßig von ihr in der Dressur geritten werden sollte. Sie kenne kein

**Rn. 105**

Pferd, das nach einer Zucht noch einmal in die Dressur gegangen sei. Die

**Rn. 106**

Bekundungen des Zeugen Dr. M sprechen ebenfalls für die Beendigung der

**Rn. 107**

sportlichen Karriere des Pferdes. Aus dem o.a. Schreiben des Zeugen M1 folgt,

**Rn. 108**

daß das Pferd im Februar 2001, also mehr als ein halbes Jahr vor dem Unfall aus dem

**Rn. 109**

Training genommen worden ist.

**Rn. 110**

Danach ist festzustellen, daß die Dressurkarriere des Pferdes beendet war. Wenn die

**Rn. 111**

Zeugin T1 wegen ihres anderweitigen beruflichen Einsatzes gehindert war, G

**Rn. 112**

wettkampfmäßig zu reiten und ihm einen schönen -also geruhsamen - Lebensabend

**Rn. 113**

gönnen wollte, ergibt sich daraus ein definitives Ende der wettkampfmäßigen

**Rn. 114**

Dressurkarriere.

**Rn. 115**

Die Frage der Wertschätzung als solcher ist entgegen der Vorstellung des Klägers

**Rn. 116**

keineswegs allein mit dem privaten Sachverständigen E zu klären. Das hat mit dem

**Rn. 117**

gerichtlichen Sachverständigen zu geschehen, wobei die Diskussion der Auffassung

**Rn. 118**

des privaten Sachverständigen stattzufinden und im Termin vom 13.9.2004

**Rn. 119**

stattgefunden hat. Der Wert eines Pferdes ist nicht rechnerisch ermittelbar, sondern

**Rn. 120**

beruht auf einer sachverständigen Einschätzung. Dabei ist es eher wahrscheinlich als

**Rn. 121**

unwahrscheinlich, daß verschiedene Sachverständige unabhängig von einer eventuell

**Rn. 122**

bestehenden besonderen Interessenlage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen

**Rn. 123**

können. Selbst die Berücksichtigung als solcher eindeutiger Fakten wie Alter und

**Rn. 124**

Turniererfolge unter einer bestimmten Reiterin müssen nicht zu einem stets

**Rn. 125**

übereinstimmenden Ergebnis führen. Denn das bei einem Dressurpferd ebenfalls zu

**Rn. 126**

berücksichtigende Erscheinungsbild unterliegt wiederum subjektiver Einschätzung. Im

**Rn. 127**

Endergebnis beruht die gerichtliche Feststellung des Wertes stets auf einer Anwendung

**Rn. 128**

von§ 287 ZPO.

**Rn. 129**

Nach den Ausführungen des gerichtlichen Sachverständigen F ist der Verkehrswert

**Rn. 130**

des Pferdes G am Unfalltag mit 7.500,- € festzustellen. Die Einholung eines

**Rn. 131**

Obergutachtens kommt nicht in Betracht.

**Rn. 132**

Aus der Diskussion mit den beiden Sachverständigen im Termin vom 13.9.2004 folgt,

**Rn. 133**

daß diese in teilweise wesentlichen Punkten übereinstimmen. Das gilt z.B. für die

**Rn. 134**

"Begehrlichkeit" der Linien nach fabelhaft und Frühlingstraum. Die Bewertungen der

**Rn. 135**

beiden Sachverständigen unterscheiden sich im Bereich einer Fortsetzung der

**Rn. 136**

wettkampfmäßigen Karriere des Pferdes. Der Sachverständige E sieht die sportliche

**Rn. 137**

Karriere des Pferdes als nicht beendet an. Die Annahme ist, wie festgestellt, nicht

**Rn. 138**

zutreffend. Das spricht dafür, daß die Bewertung des Sachverständigen F zutrifft.

**Rn. 139**

Der Sachverständige F seinerseits hält für- wenn auch sehr schwer- möglich, daß

**Rn. 140**

nach einem Abfohlen von G ein erneutes Antrainieren mit Erfolgsaussicht

**Rn. 141**

stattfinden kann. Insofern unterscheidet er sich jedenfalls nicht wesentlich von dem

**Rn. 142**

Sachverständigen E. Die theoretische Möglichkeit eines späteren Antrainierens kann

**Rn. 143**

jedoch ohne weiteres keine maßgebliche Grundlage für die Bewertung bezogen auf

**Rn. 144**

den Unfalltag sein. Denn es handelt sich dabei um Aufwendungen, die erst noch

**Rn. 145**

langwierig und mit Kostenaufwand hätten getätigt werden müssen und im vorliegenden

**Rn. 146**

Fall nicht stattgefunden hatten. Die Eignung, von Nachwuchsreitern geritten zu werden,

**Rn. 147**

ist bei dem Pferd anzunehmen. Dies rechtfertigt jedoch keine hohe Bewertung. Die

**Rn. 148**

Bereitschaft gut betuchter Kreise, für ein Pferd viel Geld zu zahlen - so der

**Rn. 149**

Sachverständige E - ist bei der Bemessung des Verkehrswertes nicht zu

**Rn. 150**

berücksichtigen. Nach alledem ist der Bewertung des Sachverständigen F als

**Rn. 151**

überzeugend zu folgen.

**Rn. 152**

Abzüge wegen Beträgen, die der Kläger 1995 und 1997 erhalten haben soll

**Rn. 153**

(entsprechend 387,47 € und ca. 2000,- €), kommen nicht in Betracht. Die Daten liegen

**Rn. 154**

vor dem Unfallereignis.

**Rn. 155**

Der ausgeurteilte Betrag ist gemäß ߧ 291 BGB zu verzinsen.

**Rn. 156**

Die Klage war im übrigen abzuweisen mit den Nebenentscheidungen gemäß §§ 92,

**Rn. 157**

108, 709 ZPO.

**Rn. 158**

Die Kostenentscheidung mit der Quote gilt nicht nur für die Kosten des Rechtsstreits

**Rn. 159**

erster Instanz sondern auch für die des Berufungsverfahrens. Die Kosten der zweiten

**Rn. 160**

Instanz waren entsprechend dem Obsiegen der Höhe nach zu verteilen. Über die

**Rn. 161**

Kosten der Nichtzulassungsbeschwerde ist anderweitig entschieden.

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Zitiervorschlag: Landgericht Münster, Urteil vom 13.09.2004 – 11 O 50/02, ECLI:DE:LGMS:2004:0913.11O50.02.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

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