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# Landgericht Münster, Urteil vom 04.05.1995 – 011 O 199/94

ECLI:DE:LGMS:1995:0504.011O199.94.00

## Tenor

1 .

Die Beklagte wird verurteilt, ein Schmerzensgeld in Höhe

von 10.000,00 DM nebst 4 % Zinsen seit dem 21.1.1993 an

den Kläger zu zahlen.

2 .

Es wird festgestellt, daß die Beklagte darüber hinaus verpflichtet

ist, dem Kläger alle weiteren materiellen und

künftigen immateriellen Schäden zu ersetzen, die aus der

fehlerhaften Behandlung in der Zeit vom 1.6. b i s 16.7.1992

resultieren, soweit die Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger

oder sonstige Dritte übergegangen sind.

3 .

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

4 .

Die Kosten des Rechtsstreits tragen die Beklagte zu 91 %

und der Kläger zu 9 %.

5 .

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe des jeweils

zu vollstreckenden Betrages zuzüglich 25 % vorläufig

vollstreckbar .

6 .

Die Sicherheitsleistung kann auch durch Vorlage einer unbedingten

und unbefristeten schriftlichen Bürgschaft einer

im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland als Zoll- oder

Steuerbürgin zugelassenen Bank oder Sparkasse erbracht

werden.

**Rn. 1**

hat die 11. Zivilkammer des Landgerichts Münster/Westf.

**Rn. 2**

auf die mündliche Verhandlung vom 30. März 1995

**Rn. 3**

durch den Vorsitzenden Richter am Landgericht Behrens sowie die

**Rn. 4**

Richter am Landgericht Kreipe und Kallhoff

**Rn. 5**

für R e c h t erkannt:

**Rn. 6**

1 .

**Rn. 7**

Die Beklagte wird verurteilt, ein Schmerzensgeld in Höhe

**Rn. 8**

von 10.000,00 DM nebst 4 % Zinsen seit dem 21.1.1993 an

**Rn. 9**

den Kläger zu zahlen.

**Rn. 10**

2 .

**Rn. 11**

Es wird festgestellt, daß die Beklagte darüber hinaus verpflichtet

**Rn. 12**

ist, dem Kläger alle weiteren materiellen und

**Rn. 13**

künftigen immateriellen Schäden zu ersetzen, die aus der

**Rn. 14**

fehlerhaften Behandlung in der Zeit vom 1.6. b i s 16.7.1992

**Rn. 15**

resultieren, soweit die Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger

**Rn. 16**

oder sonstige Dritte übergegangen sind.

**Rn. 17**

3 .

**Rn. 18**

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

**Rn. 19**

4 .

**Rn. 20**

Die Kosten des Rechtsstreits tragen die Beklagte zu 91 %

**Rn. 21**

und der Kläger zu 9 %.

**Rn. 22**

5 .

**Rn. 23**

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe des jeweils

**Rn. 24**

zu vollstreckenden Betrages zuzüglich 25 % vorläufig

**Rn. 25**

vollstreckbar .

**Rn. 26**

6 .

**Rn. 27**

Die Sicherheitsleistung kann auch durch Vorlage einer unbedingten

**Rn. 28**

und unbefristeten schriftlichen Bürgschaft einer

**Rn. 29**

im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland als Zoll- oder

**Rn. 30**

Steuerbürgin zugelassenen Bank oder Sparkasse erbracht

**Rn. 31**

werden.

**Rn. 32**

T a t b e s t a n d

**Rn. 33**

Die Geburt des Klägers am 25.2.1991 erfolgte nach unauffälliger

**Rn. 34**

Schwangerschaft durch eine Schnittentbindung wegen einer Steißlage.

**Rn. 35**

Sein Geburtsgewicht betrug 3990g, die sogenannten APGAR Werte

**Rn. 36**

waren jeweils nahezu optimal. Am 2. Lebenstag trat jedoch

**Rn. 37**

ein linksseitiger Krampfanfall (tonisch-klonisch) auf, der nach

**Rn. 38**

Gabe eines krampflösenden Medikamentes sistierte. Daneben bestand

**Rn. 39**

eine Erhöhung des Blutabbauprodukts Bilirubin. Nach der

**Rn. 40**

Obernahme auf die Frühgeborenenabteilung trat nochmals ein als

**Rn. 41**

Anfall säquivalent einzustufendes Ereignis auf. Da eine gewisse

**Rn. 42**

Krampfbereitschaft anzunehmen war, erfolgte eine medikamentöse

**Rn. 43**

Behandlung mit krampfverhindernden Medikamenten. Bemerkenswerte

**Rn. 44**

neurologische Besonderheiten wurden im weiteren Verlauf nicht

**Rn. 45**

gesehen. Eine sonegraphische Kontrolle des Schädels zeigte eine

**Rn. 46**

deutliche Assymmetrie der Hirnventrikel mit einer Vergrößerung

**Rn. 47**

links.

**Rn. 48**

Am 12.3.1991 erfolgte die Entlassung nach Hause. Der Kinderarzt

**Rn. 49**

Dr. T. in S. veranlaßte eine CCT-Untersuchung, die

**Rn. 50**

einen ausgedehnten Gewebsdefekt in der linken Großhirnhälfte

**Rn. 51**

aufzeigte, die einer porenzephalen Zyste entsprach. Bei der bei

**Rn. 52**

dem Kläger vorliegenden Porenzephalie handelt es sich um einen

**Rn. 53**

bereits angeborenen zystischen Gewebsdefekt in der linken Großhirnhemisphäre.

**Rn. 54**

Der Kinderarzt veranlaßte eine Untersuchung im

**Rn. 55**

neuropädiatrischen Bereich in der Kinderklinik der Beklagten,

**Rn. 56**

die vom 22. bis 24.4.1991 erfolgte, zur Frage einer operativen

**Rn. 57**

Behandlungsnotwendigkeit. Da bei dem Kläger keinerlei Auffälligkeiten

**Rn. 58**

festzustellen waren, insbesondere seit dem 2. Lebenstag

**Rn. 59**

kein Krampfanfall mehr aufgetreten war und die Ableitung

**Rn. 60**

der Hirnströme keine sicheren Zeichen einer Anfallsbereitschaft

**Rn. 61**

aufzeigte, entschloß man sich zum damaligen Zeitpunkt,

**Rn. 62**

nicht operativ tätig zu werden. Es folgten etwa vierteljährlich

**Rn. 63**

ambulante Kontrollen. Am 18.6.1991 wurde beim Kläger erstmals

**Rn. 64**

ein vermehrter rechtsseitiger Muskeltonus festgestellt, welcher

**Rn. 65**

auch in der Folgezeit noch beobachtet wurde.

**Rn. 66**

Am 29.1. bis 30.1.1992 befand sich der Kläger stationär in der

**Rn. 67**

Kinderklink der Beklagten, wo ein Schädel-CT gefertigt wurde,

**Rn. 68**

das eine nahezu unveränderte Ausdehnung des großen, zystischen

**Rn. 69**

Defekts links gegenüber dem Vorbefund vom 18.4. 1991 ergab. Die

**Rn. 70**

beinbetonte rechtsseitige Hemispastik bestand weiterhin. Mit

**Rn. 71**

der rechten Hand war dem Kläger kein gezieltes Greifen möglich.

**Rn. 72**

Von Seiten der Beklagten wurde eine operative Intervention für

**Rn. 73**

erforderlich gehalten.

**Rn. 74**

Am 28.4.1992 erfolgte eine erneute ambulante Kontrolle. Im EEG

**Rn. 75**

waren jetzt Zeichen einer erhöhten zerebralen Anfallsbereitschaft

**Rn. 76**

feststellbar. Am 1.6.1992 wurde der Kläger stationär in

**Rn. 77**

der Kinderklinik der Beklagten aufgenommen. Der operative Eingriff

**Rn. 78**

sollte in Form der bei der Beklagten in der Neuropädiatrie

**Rn. 79**

und Neurochirurgie entwickelten Methode der "Fensterung"

**Rn. 80**

vorgenommen werden. Porenzephale Zysten liegen in unmittelbarer

**Rn. 81**

Nachbarschaft zur liquorgefüllten seitlichen Hirnkammer

**Rn. 82**

(Seitenventrikel), von der sie nur durch eine dünne Membran getrennt

**Rn. 83**

sind. Bei der genannten Methode der Fensterunq wird die

**Rn. 84**

porenzephale Zyste, die immer bis an die Hirnoberfläche reicht,

**Rn. 85**

eröffnet. Anschließend wird die dünne Grenzmembran zur Hirnkammer

**Rn. 86**

gefenstert. Auf diese Weise wird auch für die Flüssigkeit

**Rn. 87**

in der porenzephalen Zyste die freie Zirkulation durch die

**Rn. 88**

Hirnkammer und deren Liquorabflußwege gewährleistet. Diese Behandlungsmethode

**Rn. 89**

hat noch nicht den Vermerk einer Standardmethode

**Rn. 90**

erhalten, doch sind die Ergebnisse imponierend sowohl

**Rn. 91**

hinsichtlich der Verbesserung der Anfallserkrankung als auch in

**Rn. 92**

der Verbesserung motorischer Defizite.

**Rn. 93**

Am 2.6.1992 unterschrieben die Eltern des Klägers eine Einverständniserklärung

**Rn. 94**

zur Fensterunq der porenzephalen Zyste, einschließlich

**Rn. 95**

der mit dem Eingriff verbundenen Komplikationsmöglichkeiten.

**Rn. 96**

Die "Fensterungsoperation" wurde am 4.6.1992 von dem Oberarzt

**Rn. 97**

Dr. L. vorgenommen. Am Folgetag entwickelte sich ein Liquorkissen im Operationsbereich. Der Kläger wurde am 12.6.1992

**Rn. 98**

aus der stationären Behandlung entlassen. Bis zum 17.6.1992

**Rn. 99**

wurde er jedoch wegen des Liquorkissens in der neurochirurgischen

**Rn. 100**

Ambulanz zweimal lokal punktiert, wobei es jeweils für

**Rn. 101**

zwei Tage zu einer Befundbesserung kam und danach wiederum zur

**Rn. 102**

Verschlechterung mit Erbrechen und Somnolenz . Daraufhin wurde

**Rn. 103**

der Kläger am 17.6.1992 erneut in die Neuropädiatrie aufgenommen. Neben dem Liquorkissen zeigte sich im CCT am 19.6.1992

**Rn. 104**

auch eine ausgedehnte subdurale - subarachnoidale (unter der

**Rn. 105**

Dura/harte Hirnhaut und in den äußeren Hirnwasserräumen) Flüssigkeitsansammlung links über dem Stirn-Scheitelbereich. Der

**Rn. 106**

Oberarzt Dr. L. führte am 24.6.1992 eine Revisionsoperation

**Rn. 107**

durch, wobei die Dura (Hirnhaut) erneut verschlossen wurde.

**Rn. 108**

Postoperativ entwickelte sich jedoch wiederum ein pralles

**Rn. 109**

Liquorkissen im Wundbereich, das mit regelmäßigen Lumbalpunktionen

**Rn. 110**

bei Antibiotikaschutz und mit Druckverbänden des Schädels

**Rn. 111**

behandelt wurde. Am 26.6.1992 wurde der Druckverband nach

**Rn. 112**

der Lumbalpunktion entfernt, wobei ausgeprägte Hautdefekte im

**Rn. 113**

Stirnbereich vorgefunden wurden, die nachfolgend mit lokaler

**Rn. 114**

Salbenauftragung behandelt wurden.

**Rn. 115**

Da trotz regelmäßiger Lumbalpunktionen bei Anstrengungen

**Rn. 116**

(Pressen und Schreien) anhaltend starker Liquorabfluß zwischen

**Rn. 117**

den Hautklammern zu verzeichnen war, wurde ärztlicherseits eine

**Rn. 118**

Ableitung der Zystenflüssigkeit bzw. des Liquors zum Bauchraum

**Rn. 119**

(Shuntoperation) für erforderlich gehalten. Diese wurde am

**Rn. 120**

3.7.1992 durchgeführt. Auch nach dieser Operation kam es erneut

**Rn. 121**

zu einer Ausbildung eines Liquorkissens in dem Wundbereich.

**Rn. 122**

Daraufhin wurde der Druck des bei der Operation verwendeten Medos-

**Rn. 123**

Ventils reduziert, woraufhin der weitere Verlauf unauffällig

**Rn. 124**

war. Am 17.7.1992 wurde der Kläger entlassen. In der Folgezeit erfolgte durch die Kinderärzte in S. sowie durch die Kinderärzte der Kinderklinik der Beklagten eine weitere Betreuung. Bei dem Kläger bildete sich nach Abheilung der anfänglichen Drucknekrose an der Stirn eine wulstige Narbe. Er war in der Folgezeit in Behandlung in der Fachklinik I. Bis Mitte Juni wurde er mit Silastic-Gelfolien behandelt. Gleichwohl ist die Vernarbung noch heute sichtbar zu erkennen, eine

**Rn. 125**

Narbenkorrektur ist für die nächste Zeit beabsichtigt.

**Rn. 126**

Mit anwaltlichem Schreiben vom 17.12.1992 forderte der Kläger

**Rn. 127**

die Beklagte wegen eines vom Kläger behaupteten Behandlungsfehlers

**Rn. 128**

zur Abgabe eines Schuldanerkenntnisses sowie zur Zahlung

**Rn. 129**

eines Schmerzensgeldes in Höhe von 15. 000,00 DM bis zum 20.1.1993 auf.

**Rn. 130**

Der Kläger, der zunächst behauptet hat, durch behandlungsfehlerhaft

**Rn. 131**

durchgeführte Operationen sei es bei ihm zu einer Hirnsubstanzminderung

**Rn. 132**

gekommen, behauptet nunmehr, daß durch die

**Rn. 133**

fehlerhafte Behandlung durch die Ärzte der Beklagten eine zusätzliche

**Rn. 134**

Hirnsubstanzminderung eingetreten sei. Ferner sei

**Rn. 135**

durch die Hirndrucksteigerung eine Schädigung des Gehirns oder

**Rn. 136**

zumindest einzelner Hirnnerven verursacht wurden. Dies ergebe

**Rn. 137**

sich daraus, daß sich die EEG-Ergebnisse ständig verschlechtert

**Rn. 138**

hätten. Ferner behauptet der Kläger, die Hautdefekte an der

**Rn. 139**

Stirn seien schmerzhaft gewesen.

**Rn. 140**

Der Beklagte behauptet weiter, der Druckverband am Kopf sei

**Rn. 141**

fehlerhaft, nämlich zu eng, angelegt worden. Der Oberarzt Dr.

**Rn. 142**

L1 habe gegenüber seiner, des Klägers, Mutter zugegeben,

**Rn. 143**

er sei für das Anlegen des zu engen Kopfverbandes verantwortlich.

**Rn. 144**

Der Kläger, der ein Schmerzensgeld in Höhe von 12. 000,00 DM für

**Rn. 145**

angemessen hält, beantragt, die Beklagte zu verurteilen,

**Rn. 146**

ein angemessenes, der Höhe nach in das Ermessen des Gerichts gestelltes

**Rn. 147**

Schmerzensgeld nebst 4 % Zinsen seit dem

**Rn. 148**

21.1.1993 an ihn zu zahlen;

**Rn. 149**

festzustellen, daß die Beklagte darüber hinaus verpflichtet ist, dem Kläger alle weiteren materiellen und künftigen immateriellen Schäden zu ersetzen, die auf der fehlerhaften Behandlung in der Zeit vom 1.6. bis 16.7.1992 resultieren, soweit die Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige

**Rn. 150**

Dritte übergegangen sind.

**Rn. 151**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 152**

die Klage abzuweisen;

**Rn. 153**

ihr für jeden Fall der Zwangsvollstreckung nachzulassen,

**Rn. 154**

Sicherheit auch durch Beibringung der

**Rn. 155**

selbstschuldnerischen, unbefristeten und unbedingten

**Rn. 156**

Bürgschaft der Westdeutschen Landesbank N. erbringen

**Rn. 157**

zu können.

**Rn. 158**

Die Beklagte behauptet, alle Behandlungsmaßnahmen seien lege

**Rn. 159**

artis durchgeführt worden, die Bildung der Liquorkissen sei

**Rn. 160**

schicksalhaft gewesen. Der Oberarzt Dr. L1 habe auch den

**Rn. 161**

Druckverband nicht zu eng angelegt, sondern sich durch Fingerprobe

**Rn. 162**

vergewissert, daß der Verband richtig angelegt gewesen

**Rn. 163**

sei.

**Rn. 164**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Einholung eines schriftlichen

**Rn. 165**

Sachverständigengutachtens durch den Sachverständigen

**Rn. 166**

Prof. Dr. med. H., hinsichtlich des Inhalts dieses Gutachtens

**Rn. 167**

wird auf Bl. 75 bis 120 d. A. verwiesen.

**Rn. 168**

Der Sachverständige hat ferner die zusätzlichen Fragen der Parteien

**Rn. 169**

in der mündlichen Verhandlung vom 30.3.1995 beantwortet.

**Rn. 170**

Hinsichtlich des Ergebnisses dieser Beweisaufnahme wird auf die

**Rn. 171**

Sitzungsniederschrift vom 30.3.1995 (Bl. 135 bis 138 d . A.)

**Rn. 172**

verwiesen.

**Rn. 173**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 174**

Die Klage ist zum überwiegenden Teil begründet, im übrigen unbegründet.

**Rn. 175**

Der Kläger hat gegen die Beklagte einen Anspruch auf Schmerzensgeld

**Rn. 176**

in Höhe von 10.000,00 DM gemäß §§ 847, 823 BGB. Es

**Rn. 177**

liegt ein Behandlungsfehler vor, der zu einer Beeinträchtigung

**Rn. 178**

der körperlichen Integrität des Klägers geführt hat. Wie der

**Rn. 179**

Sachverständige Prof. Dr. H. in seinem Gutachten überzeugend

**Rn. 180**

ausgeführt hat, hätte der am 26.6.1992 (11.30 Uhr) angelegte

**Rn. 181**

Druckverband mindestens alle drei bis vier Stunden auf seinen

**Rn. 182**

richtigen Sitz hin überprüft werden müssen, und zwar dahingehend,

**Rn. 183**

ob er nicht durch ein wieder entstandenes Liquorkissen zu

**Rn. 184**

fest geworden ist. Daß eine solche regelmäßige Überprüfung

**Rn. 185**

durch die Ärzte der Beklagten oder das Pflegepersonal erfolgt

**Rn. 186**

ist, hat die Beklagte nicht behauptet und ist auch nicht in den

**Rn. 187**

Krankenunterlagen dokumentiert. Die später aufgetretene ausgeprägte

**Rn. 188**

Hautnekrose bei dem Kläger spricht dafür, daß eine regelmäßige

**Rn. 189**

Überprüfung nicht stattgefunden hat, so daß ein Behandlungsfehler

**Rn. 190**

durch die Ärzte der Beklagten festgestellt werden

**Rn. 191**

kann. Aus dem überzeugenden Gutachten des Sachverständigen

**Rn. 192**

Prof. Dr. H. ergibt sich ferner, daß mit an Sicherheit grenzender

**Rn. 193**

Wahrscheinlichkeit die Hautnekrose an der Stirn des Klägers

**Rn. 194**

nicht entstanden wäre, wenn die erforderlichen Kontrollen

**Rn. 195**

regelmäßig durchgeführt worden wären.

**Rn. 196**

Die bei dem Kläger dadurch aufgetretenen Hautveränderungen sowie

**Rn. 197**

weitere nachteilige Folgen, etwa das Tragen eines Verbandes

**Rn. 198**

über neun Monate hinweg und die Erforderlichkeit einer Nachoperation

**Rn. 199**

rechtfertigen ebenso wie die auf den Lichtbildern zu erkennenden

**Rn. 200**

ästhetischen Beeinträchtigungen ein Schmerzensgeld in

**Rn. 201**

Höhe von 10. 000,00 DM.

**Rn. 202**

Ein höheres Schmerzensgeld war dem Kläger nicht zuzusprechen,

**Rn. 203**

da weitere Behandlungsfehler durch die Ärzte der Beklagten

**Rn. 204**

nicht bewiesen sind. Wie sich aus dem überzeugenden Gutachten

**Rn. 205**

des Sachverständigen Prof. Dr. H. ergibt, war die übrige Behandlung

**Rn. 206**

durch die Ärzte der Beklagten fehlerfrei, insbesondere

**Rn. 207**

lag bereits vor der Behandlung eine Minderung der Hirnsubstanz

**Rn. 208**

bei dem Kläger vor, was dieser nach Vorlage des Gutachtens auch

**Rn. 209**

nicht mehr in Abrede gestellt hat. Der Sachverständige hat in

**Rn. 210**

der mündlichen Verhandlung auch überzeugend ausgeschlossen, daß

**Rn. 211**

durch die Behandlung bei der Beklagten eine zusätzliche. Minderung

**Rn. 212**

der Hirnsubstanz bei dem Kläger eingetreten ist, zumindest

**Rn. 213**

ist dies nicht beweisbar. Die Kammer schließt sich auch in dieser Hinsicht dem Gutachten des Sachverständigen aufgrund eigener

**Rn. 214**

Überzeugungsbildung an.

**Rn. 215**

Der Zinsanspruch des Klägers ergibt sich aus §§ 288, 284 BGB.

**Rn. 216**

Die Feststellungsklage ist zulässig und begründet. Es ist absehbar,

**Rn. 217**

daß aufgrund der Narbenbildung im Stirnbereich des Klägers, welcher auf einen

**Rn. 218**

Behandlungsfehler durch Ärzte der Beklagten beruht, weitere Maßnahmen, insbesondere eine operative Korrektur, erforderlich sein werden.

**Rn. 219**

Die dadurch entstehenden materiellen Schäden, die der Kläger derzeit noch nicht beziffern kann, hat die Beklagte gemäß §§ 823 ff BGB dem Kläger zu

**Rn. 220**

ersetzen. Hinsichtlich der immateriellen Schäden bezieht sich

**Rn. 221**

die Feststellung allein auf solche, die weder jetzt vorhanden noch vorhersehbar sind.

**Rn. 222**

Die Nebenentscheidungen beruhen auf den §§ 92 Abs. 1, 108, 709 ZPO.

**Rn. 223**

Unterschriften

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Zitiervorschlag: Landgericht Münster, Urteil vom 04.05.1995 – 011 O 199/94, ECLI:DE:LGMS:1995:0504.011O199.94.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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