nu:legal · recht.nulegal.eu

# Landgericht Münster, Urteil vom 25.01.1993 – 16 O 478/92

ECLI:DE:LGMS:1993:0125.16O478.92.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden der

Klägerin auferlegt.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen

Sicherheitsleistung in Höhe von 6.000,-- DM.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Klägerin verlangt Schadensersatz aus dem Gesichtspunkt der Verletzung

**Rn. 3**

von Pflichten aus einem Auskunftsvertrag.

**Rn. 4**

Die Klägerin ist die Hausbank der Eheleute H, C, die zwei Einzelfirmen

**Rn. 5**

betreiben. Daneben gab es noch die Fa. H GmbH, C, die in Vermögensverfall geraten ist; durch Beschluß des AG Hamm vom 19.2.1991 wurde die Konkurseröffnung mangels Masse abgelehnt.

**Rn. 6**

Die vorgenannte GmbH wickelte ihre Geschäfte ebenfalls über die Klägerin

**Rn. 7**

ab. Die Klägerin hatte der GmbH Kontoüberziehungen gegen entsprechende

**Rn. 8**

Absicherung zugebilligt. Im Frühjahr 199o sprach der Zeuge H bei

**Rn. 9**

der Klägerin vor und bat darum, das Konto der GmbH weiter überziehen zu

**Rn. 10**

dürfen. Die Klägerin erklärte sich hiermit einverstanden, nachdem der

**Rn. 11**

Zeuge H ihr eine vom Beklagten ausgestellte Bescheinigung mit Datum

**Rn. 12**

vom 23.4.199o vorgelegt hatte, in der es heißt, daß zugunsten der GmbH

**Rn. 13**

aufgrund der Umsatzsteuer- Jahreserklärung für das Kalenderjahr 1988 ein

**Rn. 14**

Steuerguthaben beim Finanzamt I in Höhe von rd. 112.ooo,-- DM bestehe;

**Rn. 15**

das Guthaben gelange jedoch erst nach einer Umsatzsteuersonderprüfung zur

**Rn. 16**

Auszahlung (Bl. 8 GA).Die Klägerin ließ sich die Steuererstattungsansprüche

**Rn. 17**

abtreten und zeigte die Abtretung dem zuständigen Finanzamt an

**Rn. 18**

(Bl. 13 GA). Das Finanzamt teilte der Klägerin mit Schreiben vom 1o.5.

**Rn. 19**

199o mit, daß die GmbH für das betroffene Kalenderjahr eine Umsatzsteuererklärung

**Rn. 20**

nicht abgegeben habe (Bl. 14 GA). Bis zu diesem Zeitpunkt hatte

**Rn. 21**

die Klägerin der GmbH eine zusätzliche Kontokorrentinanspruchnahme im

**Rn. 22**

Umfang von 85.ooo,-- DM gestattet.

**Rn. 23**

Die Mitteilung des Finanzamtes vom 1o.5.199o beruhte offenbar auf einem

**Rn. 24**

Versehen. Die Steuererklärung muß vorgelegen haben, weil nämlich alsbald

**Rn. 25**

die angekündigte Umsatzsteuersonderprüfung durch das Finanzamt stattfand.

**Rn. 26**

Bei dieser Prüfung stellte sich heraus, daß die Bescheinigung des Beklagten

**Rn. 27**

vom 23.4.199o falsch war und ein Steuerguthaben für die GmbH nicht

**Rn. 28**

bestand.

**Rn. 29**

Die Klägerin ist der Ansicht, der Beklagte hafte für den ihr, der Klägerin,

**Rn. 30**

entstandenen Schaden, und trägt vor: Zwischen der GmbH und dem

**Rn. 31**

Beklagten sei ein Auskunftsvertrag mit Schutzwirkung zu ihren, der Klägerin,

**Rn. 32**

Gunsten zustande gekommen. Der Beklagte habe seine daraus resultierenden

**Rn. 33**

Pflichten verletzt . Er habe nämlich gewußt, daß die von ihm

**Rn. 34**

ausgestellte Bestätigung vom 23.4.199o für sie, die Klägerin, als Absicherung

**Rn. 35**

habe dienen sollen und daß von dieser Bestätigung die weitere

**Rn. 36**

Kreditgewährung an die GmbH abhänge. Jedenfalls habe der Beklagte damit

**Rn. 37**

rechnen müssen, daß die Bestätigung gegenüber Geld- oder Warenkreditgebern der GmbH

**Rn. 38**

habe verwendet werden sollen. Demgemäß müsse der Beklagte für den aufgrund dieser falschen

**Rn. 39**

Bestätigung eingetretenen Schaden haften.

**Rn. 40**

Die GmbH habe den Kreditbetrag von 85.ooo,-- DM nicht zurückzahlen können.

**Rn. 41**

Der endgültige Schaden könne noch nicht beziffert werden, da noch nicht

**Rn. 42**

abzusehen sei, inwieweit die Verwertung anderer Sicherheiten die Verpflichtungen der GmbH

**Rn. 43**

und der Eheleute H abdecken würden. Sie, die Klägerin, könne daher nur auf Feststellung der Haftung

**Rn. 44**

des Beklagten klagen, wofür ein Feststellungsinteresse gegeben sei.

**Rn. 45**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 46**

festzustellen, daß der Beklagte verpflichtet sei,

**Rn. 47**

ihr den Schaden zu ersetzen, der ihr aus der Gewährung

**Rn. 48**

eines Kontokorrentkredites von mindestens 85.ooo,-- DM

**Rn. 49**

an die Fa. H GmbH in C entstanden sei oder künftig entstehen werde.

**Rn. 50**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 51**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 52**

Der Beklagte stellt jegliche Haftung in Abrede und trägt vor:

**Rn. 53**

Von dem Verwendungszweck der Bestätigung vom 23. April 199o habe er keine

**Rn. 54**

Kenntnis gehabt. Der Fehler in der Bestätigung beruhe darauf, daß die

**Rn. 55**

Vorsteuer doppelt erfaßt worden sei, was sich bei der Umsatzsteuer Sonderprüfung ergeben habe.

**Rn. 56**

Die doppelte Berücksichtigung der Vorsteuer sei darauf zurückzuführen, daß der Buchhalter der GmbH,

**Rn. 57**

nämlich der Zeuge E seiner, des Beklagten, Gehilfin, der Zeugin L auf

**Rn. 58**

Nachfrage angegeben habe, daß auf dem Verrechnungskonto für die von den

**Rn. 59**

Einzelfirmen H erbrachten Leistungen die dort ausgewiesene Summe von

**Rn. 60**

929.183,65 DM versehentlich brutto, also einschließlich Umsatzsteuer gebucht

**Rn. 61**

worden sei; die Umsatzsteuer müsse noch herausgebucht werden. Dies

**Rn. 62**

habe die Zeugin L, der keinerlei Belege oder Rechnungen vorgelegen

**Rn. 63**

hätten und die unter Zugrundelegung der von dem Zeugen E

**Rn. 64**

erstellten Buchungen nur die Bilanz habe anfertigen sollen, getan. Nachher

**Rn. 65**

habe sich dann herausgestellt, daß der Zeuge E entgegen

**Rn. 66**

seinen Angaben schon Nettobeträge verbucht, die Umsatzsteuer also schon

**Rn. 67**

einmal herausgebucht gehabt habe.

**Rn. 68**

Die Zeugin L treffe kein Verschulden. Es sei nicht ihre Aufgabe

**Rn. 69**

gewesen, die Rechnungen und Belege nachzuprüfen. Sie habe sich auf die

**Rn. 70**

Angaben des Zeugen E, der ein erfahrener Buchhalter sei, verlassen

**Rn. 71**

dürfen.

**Rn. 72**

Im übrigen sei ein etwaiger Schaden auf das eigene Verschulden der

**Rn. 73**

Klägerin zurückzuführen. Sie habe die desolate Lage der GmbH gekannt.

**Rn. 74**

In der Bestätigung vom 23.4.199o habe er, der Beklagte, auch ausdrücklich

**Rn. 75**

darauf hingewiesen, daß die Auszahlung noch von einer Sonderprüfung

**Rn. 76**

abhängig sei. Dieses Risiko habe die Klägerin völlig außer acht gelassen.

**Rn. 77**

Wegen weiterer Einzelheiten wird auf den vorgetragenen Inhalt der gewechselten

**Rn. 78**

Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

**Rn. 79**

Es ist Beweis erhoben worden. Insoweit wird auf die Sitzungsniederschriften

**Rn. 80**

verwiesen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 82**

Die Klage kann keinen Erfolg haben.

**Rn. 83**

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ist davon auszugehen, daß der Beklagte wußte,

**Rn. 84**

daß die von ihm erbetene Bestätigung vom 23.4.199o zur

**Rn. 85**

Vorlage bei der Klägerin dienen sollte, um eine Vorfinanzierung des angeblichen Steuerguthabens

**Rn. 86**

abzusichern. Dies hat der Zeuge H glaubhaft

**Rn. 87**

bekundet. Bei dieser Sachlage kann kein Zweifel bestehen, daß zwischen

**Rn. 88**

der GmbH und dem Beklagten ein entsprechender Auskunftsvertrag zustande

**Rn. 89**

gekommen ist, und zwar unter Einbeziehung der Klägerin in dessen Schutzbereich

**Rn. 90**

(vgl. daz~ BGH WM 1987, 257; O~G Karlsruhe NJW RR 199o, 861).

**Rn. 91**

Angesichts der unstreitigen Fehlerhaftigkeit des Bestätigungsschreibens

**Rn. 92**

vom 23.4.199o obliegt es auch dem Beklagten, sein fehlendes Verschulden

**Rn. 93**

darzutun, § 232 BGB (vgl. OLG Karlsruhe a.a.O.).

**Rn. 94**

Die Beweisaufnahme hat indessen ergeben, daß dem Beklagten weder ein

**Rn. 95**

eigenes noch ein Verschulden der Zeugin L als Erfüllungsgehilfin

**Rn. 96**

angelastet werden kann. Ein solches Verschulden ist aber Voraussetzung

**Rn. 97**

für eine Schadensersatzverpflichtung des Beklagten entsprechend den Grundsätzen

**Rn. 98**

der positiven Vertragsverletzung. Da es an einem Verschulden fehlt, kommt auch keine

**Rn. 99**

Haftung etwa nach den §§ 823 ff, 826 8GB in Betracht.

**Rn. 100**

Der Zeuge E hat bestätigt, daß er die Buchhaltungsarbeiten gemacht

**Rn. 101**

und danach dem Beklagten lediglich die von ihm angefertigten Zusammenstellungen wie

**Rn. 102**

Kontenausdrucke und Saldenlisten überbracht hat,

**Rn. 103**

damit dieser den Bilanzabschluß für 1988 erstellen konnte; Unterlagen

**Rn. 104**

wie Belege und Rechnungen habe er dem Beklagten nicht übergeben. Die

**Rn. 105**

Zeugin L, die im Büro des Beklagten für diesen die Bilanzarbeiten

**Rn. 106**

vorgenommen hat, hat ebenfalls bekundet, nur die Konten und eine Saldenliste

**Rn. 107**

verfügbar gehabt zu haben, nicht hingegen sonstige Unterlagen wie

**Rn. 108**

Rechnungen und Belege.

**Rn. 109**

Es war nicht Aufgabe der Zeugin L, die Richtigkeit der Buchungsarbeiten

**Rn. 110**

zu überprüfen oder Rechnungen und Belege zu kontrollieren. Sie

**Rn. 111**

hatte lediglich anhand der bereits durchgeführten Buchungsarbeiten die

**Rn. 112**

Bilanz zu erstellen.

**Rn. 113**

Bei diesen Arbeiten ist ihr aufgefallen, daß das betroffene Verrechnungskonto

**Rn. 114**

einen unerwartet hohen Saldo aufwies. Diese Bedenken hat sie abgeklärt

**Rn. 115**

durch telefonische Rückfrage bei dem Zeugen E, der die Buchhaltungsarbeiten gemacht hatte.

**Rn. 116**

Die Zeugin L hat glaubhaft bekundet, bei dieser Gelegenheit den

**Rn. 117**

Zeugen E danach gefragt zu haben, ob er die Rechnungsbeträge

**Rn. 118**

netto oder brutto verbucht habe. Daraufhin hat der Zeuge E,

**Rn. 119**

wie die Zeugin L weiter bekundet hat, erklärt, daß Bruttobeträge

**Rn. 120**

verbucht worden seien, so daß die Vorsteuer noch abgesetzt werden

**Rn. 121**

müsse. Dies hat die Zeugin L dann getan, wodurch es zu einer

**Rn. 122**

doppelten Berücksichtigung der Umsatzsteuer gekommen ist, weil die

**Rn. 123**

Rechnungsbeträge entgegen der Auskunft des Zeugen E bereits

**Rn. 124**

ohne Mehrwertsteuer verbucht worden waren.

**Rn. 125**

Das Gericht folgt den diesbezüglichen Bekundungen der Zeugen L,

**Rn. 126**

die einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen und ihre Angaben eindeutig

**Rn. 127**

und sicher gemacht hat. Hinzu kommt, daß der Zeuge E nichts

**Rn. 128**

Gegenteiliges bekundet hat. Er hat sich dahin geäußert, sich an die

**Rn. 129**

Einzelheiten nicht mehr erinnern zu können.

**Rn. 130**

Die Zeugen L durfte sich auf die Angaben des Zeugen E

**Rn. 131**

verlassen. Anhaltspunkte dafür, daß seine Angaben unzutreffend sein

**Rn. 132**

könnten, ergaben sich für sie nicht. Der Zeuge E galt, wie

**Rn. 133**

der Beklagte unwidersprochen vorgetragen hat, als erfahrener Buchhalter.

**Rn. 134**

Im übrigen war er für die GmbH tätig, die in bezug auf den Auskunftsvertrag

**Rn. 135**

Vertragspartnerin des Beklagten war. Der Irrtum des Zeugen

**Rn. 136**

E, der Erfüllungsgehilfe der GmbH war und nicht etwa des

**Rn. 137**

Beklagten, kann dem Beklagten nicht angelastet werden.

**Rn. 138**

Fraglich kann allenfalls sein, ob der Beklagte Anlaß zu einer Überprüfunq

**Rn. 139**

der Buchungsarbeiten gehabt hätte, als sowohl der Zeuge E als

**Rn. 140**

auch der Zeuge H, wie beide bekundet haben, dem Beklagten gegenüber

**Rn. 141**

geäußert haben, daß der errechnete Steuererstattunqsbetraq von 112.ooo,-- 0~

**Rn. 142**

sehr hoch erscheine. Eine diesbezüqliche Nachprüfungspflicht ist aber zu

**Rn. 143**

verneinen. Der Beklagte hat das von dem Zeugen E zusammengetragene

**Rn. 144**

Zahlenmaterial richtig ausgewertet und in die Bilanz einfließen

**Rn. 145**

lassen. Zu weiteren Nachprüfungen war er nicht verpflichtet. Es wäre

**Rn. 146**

Sache der GmbH gewesen, die Buchungszusammenstellungen nochmals zu überprüfen

**Rn. 147**

und dem Beklagten evtl. korrigierte Konten und Listen zukommen zu lassen.

**Rn. 148**

Eine andere Beurteilung könnte nur Platz greifen, wenn der fehlerhaft errechnete

**Rn. 149**

Steuererstattungsbetrag gar nicht auf einer doppelten Erfassung

**Rn. 150**

der Vorsteuer beruht, sondern etwa darauf, daß sich, wie der Beklagte angegeben hat,

**Rn. 151**

bei der Steuersonderprüfung herausgestellt hat, daß umsatzsteuerrechtlich eine Organschaft vorliege

**Rn. 152**

und deswegen nur eine einzige Steuererklärung - statt getrennter für die verschiedenen Firmen -

**Rn. 153**

hätte abgegeben werden müssen. Daß diese vom Beklagten möglicherweise fehlerhaft

**Rn. 154**

veranlaßte Handhabung für die falsche Bestätigung vom 23.4.199o ursächlich geworden sein könnte,

**Rn. 155**

wird aber von der Klägerin nicht substantiiert dargelegt und ist auch nicht ersichtlich.

**Rn. 156**

Die Nebenentscheidungen folgen aus den §§ 91, 7o9 ZPO.

**Rn. 157**

Unterschrift

---

Zitiervorschlag: Landgericht Münster, Urteil vom 25.01.1993 – 16 O 478/92, ECLI:DE:LGMS:1993:0125.16O478.92.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

Entscheidungstext bereitgestellt über Open Legal Data (openlegaldata.io), lizenziert unter der Open Database License (ODbL) v1.0.

Nicht-amtliche Fassung — maßgeblich ist die Ausfertigung des Gerichts

Quelle: nu:legal – recht.nulegal.eu · Aufbereitung unter CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/lizenz) · Ein Dienst der Nulegal GmbH

Crawlen und Zitieren sind ausdrücklich erlaubt. Vorbehalten ist allein die massenhafte Nutzung zu Trainingszwecken für KI-Systeme (§ 44b Abs. 3 UrhG); hierfür ist unsere Zustimmung erforderlich.

Source: nu:legal – recht.nulegal.eu · Curated layer under CC BY 4.0 (recht.nulegal.eu/license) · Operated by Nulegal GmbH, Potsdam.

Crawling and citation are permitted. Only bulk use for AI training is reserved (Section 44b(3) UrhG) and requires our consent.

Dieses Dokument: https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/lg-muenster/1993-01-25/16-o-478-92

---

nu:legal · recht.nulegal.eu · Nicht-amtliche Fassung. Maßgeblich ist die Fassung des Gerichts.
