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# Landgericht Münster, Urteil vom 14.07.1989 – 10 S 63/89

ECLI:DE:LGMS:1989:0714.10S63.89.00

## Tenor

Auf die Berufung des Klägers wird das angefochtene

Urteil des Amtsgerichts Borken

vom 23.2 .1989 - 3 C 394/88 - abgeändert:

Die Beklagten werden verurteilt, an den Kläger

als Gesamtschuldner über den diesen durch Urteil

des Amtsgerichts Borken vom 23.2.1989 zuerkannten

Betrag von 3.075,79 DM nebst 4%

Zinsen seit dem 16 .11.1987 weitere 1.766,98 DM

nebst 4 % Zinsen seit dem 16.11.1987 zu zahlen.

Im übrigen wird die Berufung zurückgewiesen.

Von den Kosten der ersten Instanz tragen der

Kläger 11 %, die Beklagten 89 %, von den Kosten

der Berufungsinstanz tragen der Kläger 27 %,

die Beklagten 73 %.

**Rn. 1**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 2**

(gemäß § 543 Abs. 1 ZPO ohne Tatbestand)

**Rn. 3**

Die Berufung des Klägers ist teilweise begründet.

**Rn. 4**

Der Kläger kann die Zahlung weiterer 228,49 DM für die

**Rn. 5**

Anschaffung eines neuen Teppichfußbodens im Schlaf- und Kinderzimmer

**Rn. 6**

begehren. Gemäß den §§ 823 Abs . 1; 823 Abs. 2 BG8 in

**Rn. 7**

Verbindung mit §~303 StGB; 249 Abs . 1 Satz 2 BGB steht dem

**Rn. 8**

Kläger wegen der Verschmutzung des Teppichfußbodens im Kinderzimmer

**Rn. 9**

und der Beschädigung des Teppichfußbodens im Schlafzimmer

**Rn. 10**

ein Anspruch auf Ersatz des Wiederbeschaffungswertes für entsprechende Böden zu.

**Rn. 11**

Verlegt der Geschädigte einen neuen Teppichfußboden, so muß

**Rn. 12**

er sich einen Abzug neu für alt anrechnen lassen, da der Wiederbeschaffungswert

**Rn. 13**

von dem Verkehrswert des beschädigten Teppichfußbodens

**Rn. 14**

abhängt. Bei der Bewertung des Verkehrswertes entspricht

**Rn. 15**

die Wertung des Vorderrichters, daß ein Teppichfußboden regelmäßig

**Rn. 16**

eine Lebensdauer von 15 Jahren hat, der allgemeinen

**Rn. 17**

Rechtsprechung. Da der Teppichfußboden von den Beklagten 10

**Rn. 18**

Jahre benutzt wurde, ist ein Abzug von 2/3 berechtigt. Dieser

**Rn. 19**

Abzug kann jedoch nur von den Kosten für den Teppichfußboden

**Rn. 20**

selber erfolgen, nicht auch von den Verlegekosten. Die Kosten

**Rn. 21**

für den Teppichboden betragen laut Angebot vom 31.8 .1987

**Rn. 22**

(Bl. 27 d . A.) inclusive Mehrwertsteuer 824,62 DM. Es ist

**Rn. 23**

insoweit ein Abzug von 549 ,75 DM vorzunehmen. Zu dem Rest

**Rn. 24**

von 274,87 DM sind Verlegekosten von 342 ,74 DM hinzuzurechnen

**Rn. 25**

(vgl . Angebot vom 31.8.87, Blatt 27 d . A.), nämlich 69,93 DM

**Rn. 26**

+ 38 , 11 DM + 90 ,41 DM + 102 , 20 DM zuzüglich 14 % für alle

**Rn. 27**

4 Positionen. Dem Kläger steht demnach insgesamt ein Anspruch

**Rn. 28**

in Höhe von 617, 61 DM zu. Erstinstanzlich wurden ihm bereits

**Rn. 29**

389,12 DM zuerkannt, so daß die Berufung in Höhe von

**Rn. 30**

228,49 DM begründet ist.

**Rn. 31**

Der Kläger kann auch die Zahlung weiterer 515,75 DM wegen

**Rn. 32**

der Entfernung der Tapeten verlangen. Ihm steht gemäß § 14,

**Rn. 33**

Ziffer 1 in Verbindung mit § 20 Satz 2 des Mietvertrages ein

**Rn. 34**

Anspruch auf Ersatz der Kosten für die Entfernung der Tapeten

**Rn. 35**

in Höhe von 815,75 DM entsprechend dem Angebot des Malermeisters

**Rn. 36**

S vom 31 . 8 . 1987 (81. 27 d. A. ) zu . Der Kläger durfte

**Rn. 37**

die Tapeten entfernen, da er die Beklagten mit Schreiben vom 31 .8 . 87 zur

**Rn. 38**

Entfernung der Tapeten aufgefordert hat (81. 89, 90 d. A. ). Die darin

**Rn. 39**

gesetzte Frist haben die Beklagten nicht eingehalten.

**Rn. 40**

Von dem Anspruch in Höhe von 815 ,75 DM waren 300, -- DM,

**Rn. 41**

die das Amtsgericht dem Kläger bereits wegen Entzug der Nutzungsmöglichkeit

**Rn. 42**

zuerkannt hat, abzuziehen.

**Rn. 43**

Weiterhin kann der Kläger Zahlung von 1.022,74 DM wegen der

**Rn. 44**

Nichtrückgabe zweier Hausschlüssel verlangen. Ihm steht insoweit

**Rn. 45**

ein Anspruch auf Ersatz der Kosten für eine neue Schließanlage

**Rn. 46**

gemäß §§ 823 Abs. 1; 249 Abs. 1 Satz 2 BGB zu.

**Rn. 47**

Durch die Nichtrückgabe der zwei Schlüssel haben die Beklagten

**Rn. 48**

nicht nur das Eigentum des Klägers an diesen beiden Schlüsseln

**Rn. 49**

verletzt, sondern auch die Sachgesamtheit "Sicherheitsschließanlage"

**Rn. 50**

beschädigt. Durch die Nichtrückgabe bzw. den ungeklärten

**Rn. 51**

Verlust der zwei Schlüssel hat die Anlage ihre Funktion verloren.

**Rn. 52**

Bei dem Einbau einer Sicherheitsschließanlage hat der Eigentümer

**Rn. 53**

die Gewißheit, daß Schlüssel auf legale Weise nur mit seinem

**Rn. 54**

Einverständnis nachgemacht werden können. So kann er darauf

**Rn. 55**

vertrauen, daß kein Unbefugter mit Hilfe eines Schlüssels

**Rn. 56**

in sein Haus eindringen kann. Gehen Schlüssel verloren, ent -

**Rn. 57**

fällt dieses Vertrauen; der Eigentümer muß zusätzliche Sicherungsmaßnahmen

**Rn. 58**

treffen. Die Anlage entspricht in ihrem Wert nur

**Rn. 59**

noch der Summe einer Mehrzahl von Schlössern und Schlüsseln.

**Rn. 60**

Diese Summe ist regelmäßig niedriger als der Wert einer funktionsfähigen

**Rn. 61**

Sicherheitsschließanlage, so daß der Kläger durch

**Rn. 62**

die nicht erfolgte Rückgabe der zwei Schlüssel einen Schaden

**Rn. 63**

erlitten hat.

**Rn. 64**

Ein Schaden könnte nur dann verneint werden, wenn die Beklagten

**Rn. 65**

genau angeben könnten, wo sie ihre Schlüssel verloren

**Rn. 66**

haben und wenn sich zu diesem Zeitpunkt an den Schlüsseln

**Rn. 67**

kein Hinweis auf ihre Besitzer befunden hat.

**Rn. 68**

Die Beklagten behaupten zwar, sie hätten alle ihnen ausgehändigten

**Rn. 69**

Schlüssel zurückgegeben , denn sie hätten gemäß §

**Rn. 70**

1 Ziffer 3 des Mietvertrages nur fünf Schlüssel erhalten

**Rn. 71**

(81. 53 d . A. ). Doch haben sie gerade durch ihre Unterschrift

**Rn. 72**

unter dem Mietvertrag bestätigt, daß ihnen neben fünf Hausschlüsseln

**Rn. 73**

auch noch drei Kellerschlüssel zur Verfügung gestellt

**Rn. 74**

wurden. Diese drei Kellerschlüssel gehören laut Schließplan

**Rn. 75**

der Firma X (Bl. 137 d . A. ) auch zu der Sicherheitsschließanlage. Folglich haben die Beklagten acht Schlüssel erhalten, aber entsprechend der Bestätigung vom 28. 8.1987 (Bl . 63 d. A.) nur sechs Schlüssel zurückgegeben .

**Rn. 76**

Bei der Höhe des geltend gemachten Schadens ist wiederum zu

**Rn. 77**

beachten, daß ein Abzug neu für alt vorzunehmen ist. Auch

**Rn. 78**

eine Schließanlage unterliegt der Abnutzung. Die Schlüssel

**Rn. 79**

können verbiegen oder abbrechen, die Schlösser ausleiern.

**Rn. 80**

Insgesamt ist aber von einer hohen Lebendauer einer Schließanlage

**Rn. 81**

auszugehen, so daß ein Abzug von Materialkosten

**Rn. 82**

(lt. Angebot vom 1.9.87, Bl. 22 d. A.), 910,18 DM plus

**Rn. 83**

57,75 DM Teuerungszuschlag nach Ankündigung der Firma W

**Rn. 84**

in Höhe von 15 %, das heißt von 145 ,19 DM, gerechtfertigt

**Rn. 85**

ist. Damit verbleiben 822,73 DM Materialkosten zuzüglich

**Rn. 86**

200 ,-- DM Montagekosten .

**Rn. 87**

Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 91 a, 92 , 97 ZPO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Münster, Urteil vom 14.07.1989 – 10 S 63/89, ECLI:DE:LGMS:1989:0714.10S63.89.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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