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# Landgericht Köln, Urteil vom 10.04.2024 – 28 O 395/23

ECLI:DE:LGK:2024:0410.28O395.23.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt der Kläger.

**Rn. 2**

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Dem Kläger wird nachgelassen, die

Zwangsvollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des

aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrags abzuwenden, wenn nicht die

Beklagte zuvor Sicherheit in Höhe von 110 % des jeweils zu

vollstreckenden Betrags leistet.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Der Kläger erhielt auf Anfrage am 03.11.2022 eine Kopie der zu seiner Person bei

**Rn. 3**

der Y. F. AG (nachfolgend Y.) gespeicherten

**Rn. 4**

personenbezogenen Daten. Aus dieser ergab sich, dass Daten zu einem

**Rn. 5**

Mobilfunkvertrag mit der „H. Q. GmbH (L.)“ vom 23.04.2019 an die

**Rn. 6**

Y. übermittelt worden sind.

**Rn. 7**

So hieß es in dem Schreiben der Y.: „Am 23.04.2019 hat H. Q.

**Rn. 8**

GmbH (L.) den Abschluss eines Telekommunikationsvertrages gemeldet und

**Rn. 9**

hierzu das Servicekonto unter der Nummer N01 übermittelt. Diese Information

**Rn. 10**

wird gespeichert, solange die Geschäftsbeziehung besteht“ (Anlage K1).

**Rn. 11**

Eine Einwilligung in die Übermittlung der Daten durch die Beklagte an die Y.

**Rn. 12**

erteilte der Kläger nicht.

**Rn. 13**

Die Beklagte übermittelte in der Vergangenheit ausschließlich Service-Konto-Daten

**Rn. 14**

(„SK-Daten“) zu sog. Postpaid-Mobilfunkverträgen mit einer gewissen Laufzeit an die

**Rn. 15**

Y.. Die Beklagte beendete 2020 die Praxis der Übermittlung von SK-Daten an

**Rn. 16**

die Y..

**Rn. 17**

Mit anwaltlichem Schreiben vom 22.11.2022 forderte der Kläger die Beklagte zur

**Rn. 18**

Auskunft auf, ob personenbezogene Daten des Klägers gemäß Art. 4 Nr. 2 DS-GVO

**Rn. 19**

gespeichert und/oder verarbeitet werden, bis spätestens zum 22.12.2022. Zusätzlich

**Rn. 20**

wurde die Beklagte zur Auskunft aufgefordert, aufgrund welcher Rechtsgrundlage sie

**Rn. 21**

personenbezogene Daten des Klägers an die Y. weitergegeben habe (Anlage

**Rn. 22**

K2). Mit Schreiben vom 09.12.2022 an die Wohnadresse des Klägers teilte die

**Rn. 23**

Beklagte Informationen über ihre Datenverarbeitung in Bezug auf den Kläger mit

**Rn. 24**

(Anlage K5). Mit anwaltlichem Schreiben vom 02.02.2023 machte der Kläger sein

**Rn. 25**

Schadensersatzbegehren gegenüber der Beklagten in Bezug auf die

**Rn. 26**

Datenverarbeitung geltend (Anlage K6). Mit Email vom 09.02.2023 teilte die Beklagte

**Rn. 28**

mit, dass sie die streitgegenständliche Datenübermittlung an die Y. als

**Rn. 29**

rechtmäßig ansieht (Anlage K7).

**Rn. 30**

Er ist der Ansicht, dass ihm gegen die Beklagte ein Anspruch auf Schadensersatz

**Rn. 31**

gemäß Art. 82 Abs. 1 DSGVO aufgrund eines Verstoßes gegen Art. 6 Abs. 1 DSGVO

**Rn. 32**

sowie gegen den Grundsatz der Rechtmäßigkeit der Verarbeitung personenbezogener Daten gemäß Art. 5 Abs. 1 lit. a) DSGVO zustehe. Die Beklagte

**Rn. 33**

habe vorliegend gegen Art. 6 Abs. 1 sowie Art. 5 Abs. 1 lit. a) DSGVO verstoßen.

**Rn. 34**

Insbesondere habe der Kläger keine Einwilligung erteilt. Zudem könne die

**Rn. 35**

Rechtmäßigkeit der Verarbeitung nicht auf ein vertragliches Erfordernis oder ein

**Rn. 36**

berechtigtes Interesse der Beklagten gestützt werden. Die Datenschutzkonferenz

**Rn. 37**

habe bereits in zwei Beschlüssen (11.06.2018 und 22.09.2021) festgestellt, dass

**Rn. 38**

Kreditauskunfteien in Bezug auf die Erhebung und Weiterverarbeitung von

**Rn. 39**

Positivdaten von Mobilfunkunternehmen kein berechtigtes Interesse hätten.

**Rn. 40**

Er behauptet, dass sich bei ihm, nachdem er das Auskunftsschreiben der Beklagten

**Rn. 41**

durchgelesen habe, unmittelbar ein Gefühl des Kontrollverlustes eingestellt habe.

**Rn. 42**

Seitdem lebe er mit der ständigen Angst vor - mindestens - unangenehmen

**Rn. 43**

Rückfragen in Bezug auf seine Bonität, sein Verhalten im Wirtschaftsverkehr oder

**Rn. 44**

was auch immer. Er frage sich ständig, inwiefern es eine Auswirkung auf ihn oder

**Rn. 45**

seinen Y.-Score haben kann, z. B. dass er eine Handy-SIM-Karte bei einem

**Rn. 46**

sog. Billig-Anbieter habe oder dass überhaupt mehrere Mobilfunknummern auf ihn

**Rn. 47**

angemeldet seien oder inwiefern es von einer wie auch immer gearteten Norm

**Rn. 48**

abweiche, häufigere Providerwechsel durchzuführen. Ihm sei bekannt, dass eine

**Rn. 49**

Y.-Auskunft und der dort errechnete Y.-Score weitreichende Folgen

**Rn. 50**

bezüglich der Kreditwürdigkeit, des gesellschaftlichen Standings, der Wohnungsvergabe, Banken, Versandhäuser, Telekommunikationsunternehmen und

**Rn. 51**

vielen weiteren Auswahlkriterien habe. Er verstehe daher nicht, aus welchem Grund

**Rn. 52**

die Beklagte die gesetzlichen Vorgaben nicht beachtete und diese Daten an die

**Rn. 53**

Y. übermittele. Dass der Y.-Score, dessen konkrete Berechnung

**Rn. 54**

sowieso schon nicht öffentlich bekannt sei und daher für Besorgnis sorge, aus diesen

**Rn. 55**

unrechtmäßig weitergeleiteten Daten berechnet werde, habe für noch stärkere

**Rn. 56**

Sorgen gesorgt. Er habe große Sorge, wenn die Beklagte rechtswidrig Daten

**Rn. 57**

verarbeite. Aus dieser Angst resultiere ein starkes Gefühl der Hilflosigkeit und des

**Rn. 58**

Verlustes der Kontrolle über seine eigenen Daten. Der Gedanke an die

**Rn. 59**

Fremdbestimmtheit in Bezug auf seine Daten lasse den Kläger nicht mehr los. Vor

**Rn. 60**

allem vor dem Hintergrund, dass Daten in der aktuellen Zeit als wertvolles Gut

**Rn. 62**

gehandelt werden, hätten sich nach und nach immer mehr Gefühle der Angst ein

**Rn. 63**

sowie Beklemmungen eingestellt. Die Sorge, dass fremde Personen die Daten für

**Rn. 64**

allerlei Zwecke, gegebenenfalls illegale, nutzen, lasse den Kläger nicht zur Ruhe

**Rn. 65**

kommen. Er mache sich Gedanken über die Ausmaße der unerlaubten

**Rn. 66**

Datenweitergabe, Datenübermittlungen an Drittstaaten und Datennutzung für illegale

**Rn. 67**

Zwecke. Gerade durch diese Vorkenntnis habe sich beim Kläger ein intensives

**Rn. 68**

Gefühl des Unwohlseins und des psychischen und physischen Drucks eingestellt,

**Rn. 69**

das er als körperlichen Schaden wahrnahm. Er ist der Ansicht, dass diesbezüglich

**Rn. 70**

ein Schadensersatz in Höhe von mindestens 2.500 EUR angemessen sei.

**Rn. 71**

Er habe von der Einmeldung der SK-Daten durch die Beklagte erstmals durch die

**Rn. 72**

Auskunft der Y. im Jahr 2022 erfahren.

**Rn. 73**

Ihm stehe zudem nach wie vor ein Auskunftsanspruch nach Art. 15 Abs. 1 DSGVO

**Rn. 74**

zu. Das Auskunftsschreiben der Beklagten vom 09.12.2022 sei unvollständig und

**Rn. 75**

teilweise unrichtig. Die Datenauskunft der Beklagte enthalte keine Information

**Rn. 76**

darüber, welche als Positivdaten zusammengefassten Informationen sie auf welcher

**Rn. 77**

Rechtsgrundlage und zu welchen Zwecken an die Y. übermittelt hat. Sofern

**Rn. 78**

die Beklagte die Datenauskunft so verstanden wissen wollte, dass auch die

**Rn. 79**

Übermittlung der Positivdaten an die Y. zu den zuvor zitierten

**Rn. 80**

Bonitätsprüfungs- und Betrugspräventionszwecken erfolgt sei, sei die Auskunft

**Rn. 81**

jedenfalls intransparent.

**Rn. 82**

Dem Kläger stehe zudem gemäß §§ 1004 analog, 823 Abs. 1 und aus Abs. 2 BGB

**Rn. 83**

i.V.m. Art. 6 Abs. 1 DS-GVO sowie Art. 17 DSGVO gegen die Beklagte ein Anspruch

**Rn. 84**

auf Unterlassung zu, seine personenbezogenen Daten in Zukunft unbefugt, d.h.

**Rn. 85**

konkret ohne Vorliegen einer datenschutzrechtlichen Rechtsgrundlage zu

**Rn. 86**

verarbeiten, insbesondere zu übermitteln.

**Rn. 87**

Aus der Verpflichtung der Beklagten zur Leistung von Schadensersatz aus den

**Rn. 88**

dargestellten Schadensereignissen folge auch die Pflicht, zukünftige Schäden, die

**Rn. 89**

auf Grund der rechtswidrigen Verarbeitung der Daten und deren Beauskunftung

**Rn. 90**

entstünden, zu tragen.

**Rn. 91**

Der Kläger habe schließlich einen Anspruch auf Freistellung in Bezug auf die ihm

**Rn. 92**

vorgerichtlich entstandenen Rechtsanwaltskosten.

**Rn. 93**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 95**

1. die Beklagte zu verurteilen, an den Kläger immateriellen Schadensersatz in

**Rn. 96**

angemessener Höhe zu zahlen, dessen Höhe in das pflichtgemäße Ermessen

**Rn. 97**

des Gerichts gestellt wird, mindestens jedoch EUR 5.000 nebst Zinsen seit

**Rn. 98**

Rechtshängigkeit in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz;

**Rn. 100**

3. die Beklagte zu verurteilen, dem Kläger Auskunft über die den Kläger

**Rn. 101**

betreffenden personenbezogenen Daten, welche die Beklagte verarbeitet, zu

**Rn. 102**

erteilen, namentlich welche Daten auf welcher Rechtsgrundlage verarbeitet

**Rn. 103**

und an welche Empfänger übermittelt werden;. die Beklagte zu verurteilen, es bei Meidung eines für jeden Fall der

**Rn. 104**

Zuwiderhandlung vom Gericht festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu EUR

**Rn. 106**

50.000, ersatzweise an ihrem gesetzlichen Vertreter zu vollstreckender

**Rn. 107**

Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, im Wiederholungsfall bis zu zwei Jahren,

**Rn. 108**

zu unterlassen, Positivdaten des Klägers, also personenbezogene Daten, die

**Rn. 109**

keine Zahlungserfahrungen oder sonstiges nicht vertragsgemäßes Verhalten

**Rn. 110**

zum Inhalt haben, sondern Informationen über die Beauftragung,

**Rn. 111**

Durchführung und Beendigung eines Vertrags, an Kreditauskunfteien,

**Rn. 112**

namentlich Y. F. AG, U.-straße 00000 E., zu

**Rn. 113**

übermitteln;

**Rn. 115**

5. festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger alle künftigen

**Rn. 116**

Schäden zu ersetzen, die dem Kläger durch die unbefugte Verarbeitung

**Rn. 117**

personenbezogener Daten entstanden sind und/oder noch entstehen werden;

**Rn. 118**

. die Beklagte zu verurteilen, den Kläger von den vorgerichtlichen

**Rn. 119**

Rechtsanwaltsgebühren in Höhe von 367,23 € freizustellen.

**Rn. 120**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 122**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 123**

Sie ist der Ansicht, dass der Klageantrag zu 3) unzulässig sei. Der in dem

**Rn. 124**

Klageantrag enthaltene Begriff „Positivdaten“ sei auslegungsbedürftig, der

**Rn. 125**

Klageantrag daher zu unbestimmt gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Auch die

**Rn. 126**

Formulierung „insbesondere“ lasse offen, welche weiteren Fallgestaltungen umfasst

**Rn. 127**

seien sollen.

**Rn. 128**

Die Beklagte behauptet, dass sich die von der Beklagten an die Y. übermittelten

**Rn. 129**

Servicekonto-Daten auf die Identitätsdaten des Kunden sowie auf den Umstand,

**Rn. 130**

dass ein Telekommunikationsvertrag abgeschlossen wurde, ohne darüber hinaus

**Rn. 131**

nähere Informationen zum konkreten Inhalt des Vertrags zu geben, beschränkten.

**Rn. 132**

Sie ist der Ansicht, dass ein Anspruch auf Schadensersatz gemäß Art. 82 DSGVO

**Rn. 133**

nicht bestehe. Es fehle bereits an einem Verstoß der Beklagten gegen die DSGVO.

**Rn. 134**

Die streitgegenständliche Datenübermittlung sei gemäß Art. 6 Abs. 1 UAbs. lit. f)

**Rn. 135**

DSGVO gerechtfertigt gewesen. Die Übermittlung von SK-Daten diene dem

**Rn. 136**

berechtigten Interesse der Y. an der Verbesserung ihrer Datenqualität und

**Rn. 137**

damit einhergehend letztlich der Verbesserung von Bonitätsprüfung und

**Rn. 138**

Betrugsprävention durch die Y.. Letzteres komme mittelbar auch den

**Rn. 139**

Vertragspartnern der Y., wie der Beklagten, zu Gute, die selbst ein

**Rn. 140**

berechtigtes Interesse an möglichst effektiver Betrugsprävention und Bonitätsprüfung

**Rn. 141**

hätten. Die Beklagte verfolge mit der Einmeldung der streitgegenständlichen SK-

**Rn. 142**

Daten ihr eigenes schutzwürdige Interesse, sich durch effektive Betrugsprävention

**Rn. 143**

und die Durchführung von Bonitätsprüfungen vor Forderungsausfällen zu schützen.

**Rn. 144**

Im Gegensatz zu Prepaid-Verträgen würden Mobilfunkdienstleister, wie die Beklagte,

**Rn. 145**

bei Postpaid-Verträgen in nicht unerheblichem Maße in Vorleistung gehen. Hieraus

**Rn. 146**

würden sich erhebliche Ausfallrisiken für die Beklagte ergeben. Sollten die Kunden

**Rn. 147**

der Beklagten ihre Verbindlichkeiten aus einem Postpaid-Mobilfunkvertrag mangels

**Rn. 148**

Zahlungsfähigkeit nicht erfüllen können, entstehe der Beklagten ein erheblicher

**Rn. 149**

wirtschaftlicher Schaden. Dasselbe gelte, wenn der Kunde betrügerische Absichten

**Rn. 150**

verfolge und von vornherein nicht die Absicht habe, den vertraglich vereinbarten

**Rn. 151**

Betrag zu bezahlen. Die dargestellten Risiken ließen sich durch effektive

**Rn. 152**

Bonitätsprüfung und Betrugsprävention erheblich minimieren. Grundvoraussetzung

**Rn. 153**

hierfür sei aber eine solide Datengrundlage bei der jeweiligen Auskunftei, die

**Rn. 154**

Rückschlüsse auf etwaige Betrugsabsichten und die Bonität einer Person zulasse.

**Rn. 156**

Die Anzahl der bei einem Kunden vorhandenen Postpaid-Mobilfunkverträge sei ein

**Rn. 157**

solches Datum. Eine marktübliche Anzahl solcher Verträge spreche für sich

**Rn. 158**

genommen für die finanzielle Zuverlässigkeit und Zahlungsfähigkeit des

**Rn. 159**

Verbrauchers. Einer auffällig hohen Anzahl von parallellaufenden Mobilfunkverträgen

**Rn. 160**

lasse sich wiederum gewisse Betrugsrisiken entnehmen. Eine beliebte Taktik von

**Rn. 161**

Betrügern bestehe beispielsweise darin, in kürzester Zeit mehrere Postpaid-

**Rn. 162**

Mobilfunkverträge abzuschließen und dabei darüber hinwegzutäuschen, dass gar

**Rn. 163**

keine Absicht besteht, die aus den Verträgen entstehenden Verbindlichkeiten zu

**Rn. 164**

bedienen. Dahinterliegendes Ziel sei es regelmäßig, auf diese Weise an teure

**Rn. 165**

Smartphones zu gelangen. Anhand von SK-Daten ließen sich solche Fälle

**Rn. 166**

identifizieren. Ebenfalls mit Blick auf die Grundidee jeder Bonitätsbewertung durch

**Rn. 167**

Auskunfteien, differenzierte Aussagen nach mehr oder weniger vertrauenswürdigen

**Rn. 168**

Vertragspartnern zu treffen, sei es zwingend erforderlich, sowohl Negativ-als auch

**Rn. 169**

Positivdaten zu verarbeiten. Ausgehend von dem Zweck eines umfassenden Bildes

**Rn. 170**

eines möglichen Vertragspartners sei die Übermittlung von Positivdaten selbst bei

**Rn. 171**

negativen Scoringeinflüssen erforderlich, wenn nach den mathematisch-statistischen

**Rn. 172**

belastbaren Erfahrungswerten von Auskunfteien aus dem Umstand, dass eine

**Rn. 173**

Person viele Telekommunikationsverträge mit kreditorischem Risiko unterhält, das

**Rn. 174**

erhöhte Risiko eines Zahlungsausfalls folge. Eine entsprechende Datenübermittlung

**Rn. 175**

wäre auch dann als erforderlich im Sinne des Art. 6 Abs. 1 lit. f DS-GVO

**Rn. 176**

einzuordnen. Dem berechtigten Interesse der Beklagten und der Y. an der

**Rn. 177**

Verbesserung der von der Y. durchgeführten Bonitätsbewertungen sowie

**Rn. 178**

Betrugsrisikoprüfungen durch die Übermittlung der konkreten Daten an die Y.

**Rn. 179**

stünden keine überwiegenden Interessen des Klägers als betroffene Person

**Rn. 180**

entgegen. Derjenige, der Vertrauen in seine Zuverlässigkeit und Kreditwürdigkeit in

**Rn. 181**

Anspruch nehmen wolle, müsse auch dahingehende Auskünfte zu seiner Person,

**Rn. 182**

seien sie positiver oder negativer Art, hinnehmen. Bei SK-Daten zu

**Rn. 183**

Mobilfunkverträgen handele es sich um Daten mit im Verhältnis zu „Negativdaten“

**Rn. 184**

vergleichsweise geringer Eingriffsintensität, was bereits für die Zulässigkeit der

**Rn. 185**

Weitergabe dieser Daten spreche. Im Übrigen sei im Rahmen der Abwägung zu

**Rn. 186**

beachten, dass die Weitergabe an einen langjährig aktiven und zuverlässigen

**Rn. 187**

Partner im Segment Auskunfteien (die Y.) erfolgt sei. Zudem hätte der Kläger

**Rn. 188**

vernünftigerweise mit einer Weitergabe rechnen müssen. Zuletzt sei zu beachten,

**Rn. 189**

dass der Kläger auch einen Prepaid-Mobilfunkvertrag hätte abschließen können oder

**Rn. 190**

der Weitergabe seiner Daten gemäß Art. 21 Abs. 1 DSGVO widersprechen können.

**Rn. 191**

Der Schadensersatzanspruch des Klägers scheitere des Weiteren daran, dass der

**Rn. 193**

Beklagten kein Verschulden zukomme. Die Beklagte habe im Jahr 2019 jedenfalls

**Rn. 194**

einem unvermeidbaren Verbotsirrtum unterlegen. Denn selbst der Beschluss der

**Rn. 195**

DSK von 2018 – der allein für die Einmeldung 2019 maßgeblich sein könne – ginge

**Rn. 196**

davon aus, dass die dort festgehaltene Position der Aufsichtsbehörden sich nicht auf

**Rn. 197**

den Markt der Telekommunikationsanbieter beziehe. Ohnehin sei der

**Rn. 198**

Schadensersatzanspruch des Klägers wegen Mitverschulden ausgeschlossen,

**Rn. 199**

nachdem dieser es unterlassen habe, spätestens mit Erhalt der

**Rn. 200**

Datenschutzinformationen 2019 gegenüber der Beklagten, wie auch gegenüber der

**Rn. 201**

Y. Widerspruch gegen die ihn störende Verarbeitung einzulegen. Weiterhin

**Rn. 202**

habe der Kläger auch einen kausalen Schaden nicht schlüssig dargelegt. Die

**Rn. 203**

Darlegung eines konkreten Schadens erfordert einen substantiierten, auf den

**Rn. 204**

konkreten Sachverhalt bezogenen Tatsachenvortrag. Im Übrigen sei der geltend

**Rn. 205**

gemachte Anspruch aus Art. 82 DSGVO nach §§ 195, 199 Abs. 1, 214 Abs. 1 BGB

**Rn. 206**

verjährt. In den Datenschutzhinweisen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses sei der

**Rn. 207**

Kläger am 23.04.2019 ausdrücklich über die Einmeldung der SK-Daten informiert

**Rn. 208**

worden (Anlage B1). Der Kläger habe seinen Anspruch aber erstmalig am

**Rn. 209**

02.02.2023 geltend gemacht.

**Rn. 210**

Die Beklagte habe dem Kläger eine vollständige Datenauskunft erteilt und seinen

**Rn. 211**

Auskunftsanspruch nach Artikel 15 DSGVO erfüllt. Der Kläger sei umfassend über

**Rn. 212**

sämtliche Datenverarbeitungen bei der Beklagten informiert worden. Dies habe sie

**Rn. 213**

auch mit der als Anlage K5 vorgelegten Auskunft vom 9. Dezember 2022 und dem

**Rn. 214**

als Anlage K7 vorgelegten Schreiben deutlich zum Ausdruck gebracht, sodass das

**Rn. 215**

Auskunftsersuchen erfüllt sei, § 362 BGB.

**Rn. 216**

Sie ist der Ansicht, dass der Kläger auch keinen Anspruch auf das begehrte

**Rn. 217**

Unterlassen habe. Es liege schon kein die Wiederholungsgefahr begründender

**Rn. 218**

Verstoß der Beklagten vor. Die Datenübermittlung sei rechtmäßig gewesen. Darüber

**Rn. 219**

sei der – von der konkreten Verletzungsform losgelöste – Unterlassungsantrag

**Rn. 220**

deswegen unbegründet, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass eine

**Rn. 221**

Datenübermittlung aus Gründen der Betrugsprävention und zur Verbesserung der

**Rn. 222**

Bonitätsprüfung bei datenschutzkonformer Ausgestaltung des Prozesses im

**Rn. 223**

berechtigten Interesse des Verantwortlichen im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UAbs. 1 f)

**Rn. 224**

DSGVO liegen könne.

**Rn. 225**

Der Feststellungsantrag sei unbegründet, da für den Eintritt eines künftigen

**Rn. 226**

Schadens keine Anhaltspunkte bestehen würden, ein Feststellungsinteresse sei nicht

**Rn. 228**

ersichtlich. Von vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten sei der Kläger mangels

**Rn. 229**

Begründetheit der Ansprüche nicht freizustellen.

**Rn. 230**

Bezüglich des weiteren Sach- und Streitstands wird auf die zwischen den Parteien

**Rn. 231**

gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 233**

I.

**Rn. 234**

Die Klage ist hinsichtlich des Feststellungsantrag (Antrag zu 4.) unzulässig und im

**Rn. 235**

Übrigen unbegründet.

**Rn. 236**

Dem Antrag zu 4. fehlt es am erforderlichen Feststellungsinteresse, § 256 Abs. 1

**Rn. 237**

ZPO. Nach dieser Vorschrift kann auf Feststellung des Bestehens oder

**Rn. 238**

Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses geklagt werden, wenn der Kläger ein

**Rn. 239**

rechtliches Interesse daran hat, dass das Rechtsverhältnis durch richterliche

**Rn. 240**

Entscheidung alsbald festgestellt wird. Nachdem die immateriellen Schäden des

**Rn. 241**

Klägers bereits Gegenstand eines gegenüber dem Feststellungs- vorrangigen

**Rn. 242**

Zahlungsantrages sind, kann insofern lediglich auf bislang nicht eingetretene, aber

**Rn. 243**

vom Kläger für die Zukunft befürchtete Vermögensschäden abgestellt werden.

**Rn. 244**

Insofern wäre es ausreichend, dass nach der Lebenserfahrung und dem

**Rn. 245**

gewöhnlichen Verlauf der Dinge mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein erst künftig

**Rn. 246**

aus dem Rechtsverhältnis erwachsender Schaden angenommen werden kann.

**Rn. 247**

Dagegen besteht ein Feststellungsinteresse (§ 256 Abs. 1 ZPO) für einen künftigen

**Rn. 248**

Anspruch auf Ersatz eines allgemeinen Vermögensschadens regelmäßig dann nicht,

**Rn. 249**

wenn der Eintritt irgendeines Schadens noch ungewiss ist (BGH, Urteil vom 15.

**Rn. 250**

Oktober 1992 - IX ZR 43/92, WM 1993, 251, 259 f., Urteil vom 21. Juli 2005 - IX ZR

**Rn. 252**

9/02, WM 2005, 2110, Urteil vom 10. Juli 2014 – IX ZR 197/12 –Rn. 11, juris). So

**Rn. 253**

liegt der Fall hier. Es ist völlig ungewiss und auch sehr unwahrscheinlich, dass es

**Rn. 254**

aufgrund der Übermittlung der Positivdaten durch die Beklagte an die Y. zu

**Rn. 255**

einem materiellen Schaden – und nur auf einen solchen kann es vorliegend

**Rn. 256**

ankommen, nachdem der Kläger seinen immateriellen Schaden bereits mit dem

**Rn. 257**

Antrag zu 1. verfolgt - kommen wird, zumal die Einträge bei der Y.

**Rn. 258**

zwischenzeitlich gelöscht sind.

**Rn. 259**

Im Hinblick auf die weiteren Anträge bestehen keine Zulässigkeitsbedenken.

**Rn. 260**

II.101)

**Rn. 261**

Der Antrag zu 1) ist unbegründet. Dem Kläger steht kein Anspruch auf Ersatz eines

**Rn. 262**

immateriellen Schadens gegen die Beklagte nach Art. 82 Abs.1 DSGVO zu. Nach

**Rn. 263**

dieser Vorschrift hat jede Person, der wegen eines Verstoßes gegen diese

**Rn. 264**

Verordnung ein materieller oder immaterieller Schaden entstanden ist, Anspruch auf

**Rn. 265**

Schadensersatz gegen den Verantwortlichen oder gegen den Auftragsverarbeiter.

**Rn. 266**

Dabei kann an dieser Stelle offenbleiben, ob der Beklagten Verstöße gegen die

**Rn. 267**

DSGVO i.S.d. Art. 82 Abs. 1 DSGVO vorzuwerfen sind, denn der Kläger hat

**Rn. 268**

diesbezüglich nicht hinreichend substantiiert dargelegt, dass ihm ein Schaden

**Rn. 269**

entstanden ist.

**Rn. 270**

Nach der Entscheidung des EuGH (Urteil vom 04.05.2023, Rs. C-300/21, juris) gilt

**Rn. 271**

Folgendes:

**Rn. 272**

Art. 82 Abs. 1 DSGVO ist dahin auszulegen, dass der bloße Verstoß gegen die

**Rn. 273**

Bestimmungen dieser Verordnung nicht ausreicht, um einen Schadenersatzanspruch

**Rn. 274**

zu begründen (EuGH, Urteil vom 04.05.2023, Rs. C-300/21, juris). Vielmehr muss

**Rn. 275**

der Kläger einen konkreten immateriellen oder materiellen Schaden darlegen und

**Rn. 276**

beweisen, ebenso wie das Vorliegen eines Verstoßes gegen die DSGVO und eines

**Rn. 277**

Kausalzusammenhangs zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei

**Rn. 278**

Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH, Urteil vom 04.05.2023, Rs. C-300/21, Rn.

**Rn. 280**

2). Die nationalen Gerichte haben bei der Festsetzung der Höhe des

**Rn. 281**

Schadenersatzes die innerstaatlichen Vorschriften der einzelnen Mitgliedstaaten

**Rn. 282**

über den Umfang der finanziellen Entschädigung anzuwenden, sofern die

**Rn. 283**

unionsrechtlichen Grundsätze der Äquivalenz und der Effektivität beachtet werden

**Rn. 284**

(EuGH, a.a.O.). Erwägungsgrund 146 S. 3 DSGVO spricht für eine weite Auslegung

**Rn. 285**

des Begriffs des Schadens in Art. 82 Abs. 1 DSGVO. Damit ist etwa eine

**Rn. 286**

Erheblichkeitsschwelle in dem Sinne, dass immaterielle Bagatellschäden nicht

**Rn. 287**

ausgeglichen werden müssen, nicht zu vereinbaren (EuGH, a.a.O.).

**Rn. 288**

Mit Urteil vom 14.12.2023 (EuGH, Urteil vom 14.12.2023, Rs. C-340/21) hat der

**Rn. 289**

EuGH die Anforderungen an einen immateriellen Schaden weiter konkretisiert:

**Rn. 290**

Eine Auslegung von Art. 82 Abs. 1 DSGVO dahin, dass der Begriff „immaterieller

**Rn. 291**

Schaden“ im Sinne dieser Bestimmung keine Situationen umfasst, in denen sich eine

**Rn. 292**

betroffene Person nur auf ihre Befürchtung beruft, dass ihre Daten in Zukunft von

**Rn. 293**

Dritten missbräuchlich verwendet werden, wäre nicht mit der Gewährleistung eines

**Rn. 294**

hohen Schutzniveaus für natürliche Personen bei der Verarbeitung

**Rn. 295**

personenbezogener Daten in der Union vereinbar, die mit diesem Rechtsakt

**Rn. 297**

bezweckt wird (EuGH, a.a.O., Rn. 83). Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass eine

**Rn. 298**

Person, die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffen ist, der für sie negative

**Rn. 299**

Folgen gehabt hat, nachweisen muss, dass diese Folgen einen immateriellen

**Rn. 300**

Schaden im Sinne von Art. 82 DSGVO darstellen (EuGH, a.a.O., Rn. 84).

**Rn. 301**

Insbesondere muss das angerufene nationale Gericht, wenn sich eine Person, die

**Rn. 302**

auf dieser Grundlage Schadenersatz fordert, auf die Befürchtung beruft, dass ihre

**Rn. 303**

personenbezogenen Daten in Zukunft aufgrund eines solchen Verstoßes

**Rn. 304**

missbräuchlich verwendet werden, prüfen, ob diese Befürchtung unter den

**Rn. 305**

gegebenen besonderen Umständen und im Hinblick auf die betroffene Person als

**Rn. 306**

begründet angesehen werden kann (EuGH, a.a.O., Rn. 85). Nach alledem kann ein

**Rn. 307**

„Kontrollverlust“ einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 Abs. 1 DSGVO

**Rn. 308**

darstellen (EuGH, a.a.O., Rn. 86).

**Rn. 309**

Einen immateriellen Schaden hat der Kläger vorliegend jedoch nicht dargelegt und

**Rn. 310**

ein solcher ist auch nicht ersichtlich. Der Kläger trägt hierzu vor, dass sich bei ihm,

**Rn. 311**

nachdem er das Auskunftsschreiben der Beklagten durchgelesen habe, unmittelbar

**Rn. 312**

ein Gefühl des Kontrollverlustes eingestellt habe. Seitdem lebe er mit der ständigen

**Rn. 313**

Angst vor - mindestens - unangenehmen Rückfragen in Bezug auf seine Bonität, sein

**Rn. 314**

Verhalten im Wirtschaftsverkehr oder was auch immer. Er frage sich ständig,

**Rn. 315**

inwiefern es eine Auswirkung auf ihn oder seinen Y.-Score haben kann, z. B.

**Rn. 316**

dass er eine Handy-SIM-Karte bei einem sog. Billig-Anbieter habe oder dass

**Rn. 317**

überhaupt mehrere Mobilfunknummern auf ihn angemeldet seien oder inwiefern es

**Rn. 318**

von einer wie auch immer gearteten Norm abweiche, häufigere Providerwechsel

**Rn. 319**

durchzuführen. Ihm sei bekannt, dass eine Y.-Auskunft und der dort

**Rn. 320**

errechnete Y.-Score weitreichende Folgen bezüglich der Kreditwürdigkeit, des

**Rn. 321**

gesellschaftlichen Standings, der Wohnungsvergabe, Banken, Versandhäuser,

**Rn. 322**

Telekommunikationsunternehmen und vielen weiteren Auswahlkriterien habe. Er

**Rn. 323**

verstehe daher nicht, aus welchem Grund die Beklagte die gesetzlichen Vorgaben

**Rn. 324**

nicht beachtete und diese Daten an die Y. übermittele. Dass der Y.-

**Rn. 325**

Score, dessen konkrete Berechnung sowieso schon nicht öffentlich bekannt sei und

**Rn. 326**

daher für Besorgnis sorge, aus diesen unrechtmäßig weitergeleiteten Daten

**Rn. 327**

berechnet werde, habe für noch stärkere Sorgen gesorgt. Er habe große Sorge,

**Rn. 328**

wenn die Beklagte rechtswidrig Daten verarbeite. Aus dieser Angst resultiere ein

**Rn. 329**

starkes Gefühl der Hilflosigkeit und des Verlustes der Kontrolle über seine eigenen

**Rn. 330**

Daten. Der Gedanke an die Fremdbestimmtheit in Bezug auf seine Daten lasse den

**Rn. 331**

Kläger nicht mehr los. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Daten in der aktuellen

**Rn. 332**

Zeit als wertvolles Gut gehandelt werden, hätten sich nach und nach immer mehr

**Rn. 334**

Gefühle der Angst ein sowie Beklemmungen eingestellt. Die Sorge, dass fremde

**Rn. 335**

Personen die Daten für allerlei Zwecke, gegebenenfalls illegale, nutzen, lasse den

**Rn. 336**

Kläger nicht zur Ruhe kommen. Er mache sich Gedanken über die Ausmaße der

**Rn. 337**

unerlaubten Datenweitergabe, Datenübermittlungen an Drittstaaten und

**Rn. 338**

Datennutzung für illegale Zwecke. Gerade durch diese Vorkenntnis habe sich beim

**Rn. 339**

Kläger ein intensives Gefühl des Unwohlseins und des psychischen und physischen

**Rn. 340**

Drucks eingestellt, das er als körperlichen Schaden wahrnahm.

**Rn. 341**

Soweit der Kläger behauptet, dass sich bei ihm, nachdem er das Auskunftsschreiben

**Rn. 342**

der Beklagten durchgelesen habe, unmittelbar ein Gefühl des Kontrollverlustes

**Rn. 343**

eingestellt habe und er seitdem mit der ständigen Angst vor - mindestens -

**Rn. 344**

unangenehmen Rückfragen in Bezug auf seine Bonität, sein Verhalten im

**Rn. 345**

Wirtschaftsverkehr oder was auch immer lebe, ist dies nicht nachvollziehbar. Denn

**Rn. 346**

aus den Eintragen der Beklagten zu den bestehenden Mobilfunkverträgen ergeben

**Rn. 347**

sich keinerlei negative Rückschlüsse hinsichtlich der Liquidität des Klägers. Vielmehr

**Rn. 348**

sprechen diese Dauerschuldverhältnisse aus Sicht potentieller Vertragspartner dafür,

**Rn. 349**

dass der Kläger seinen bisherigen vertraglichen Verpflichtungen stets

**Rn. 350**

nachgekommen ist und machen ihn somit zu einem attraktiven potentiellen

**Rn. 351**

Kunden/Vertragspartner. Soweit der Kläger weiter angibt, dass er sich ständig frage,

**Rn. 352**

inwiefern es eine Auswirkung auf ihn oder seinen Y.-Score haben kann, z. B.

**Rn. 353**

dass er eine Handy-SIM-Karte bei einem sog. Billig-Anbieter habe oder dass

**Rn. 354**

überhaupt mehrere Mobilfunknummern auf ihn angemeldet seien oder inwiefern es

**Rn. 355**

von einer wie auch immer gearteten Norm abweiche, häufigere Providerwechsel

**Rn. 356**

durchzuführen, ergibt sich aus der Auskunft der Y. vom 03.11.2022 (Anlage

**Rn. 357**

K1), dass der Scorewert am 04.10.2022 der Basisscore 99,29 % von theoretisch

**Rn. 358**

möglichen 100 % beträgt. Der Auskunft vom 12.12.2022 (Anlage K4) ist der gleiche

**Rn. 359**

Wert zu entnehmen. Damit ist für den Kläger klar ersichtlich, dass er über einen sehr

**Rn. 360**

hohen Scorewert verfügt, weshalb der Eintrag bezüglich der H. keine negativen

**Rn. 361**

Auswirkungen auf den Scorewert haben konnten.

**Rn. 362**

Soweit der Kläger weiter geltend macht, er leide aufgrund der der Einträge unter

**Rn. 363**

Angst und Stress, ist auch damit kein immaterieller Schaden hinreichend substantiiert

**Rn. 364**

vorgetragen worden. Bei den vom Kläger geschilderten Beeinträchtigungen handelt

**Rn. 365**

es sich um psychische Folgen, die als solche nur von ihm selbst wahrgenommen

**Rn. 366**

werden können. Um daraus einen Schaden ableiten zu können, also einen Nachteil

**Rn. 367**

des Betroffenen, der im Sinne von Erwägungsgrund 146 konkret „erlitten“ wurde (vgl.

**Rn. 368**

EuGH, Urt. v. 4.5.2023 – C-300/21, NJW 2023, 1930 Rn. 58) und damit über die

**Rn. 369**

reine Behauptung des entsprechenden Gefühls hinausgeht, muss der Kläger

**Rn. 371**

konkrete Indizien vortragen und unter Beweis stellen, die eine solche psychische

**Rn. 372**

Beeinträchtigung seiner Person stützen können, wonach für die vom Kläger

**Rn. 373**

behaupteten immateriellen Schäden in Form von Angst und Stress jedenfalls auch

**Rn. 374**

objektive Beweisanzeichen vorhanden sein müssen, da andernfalls die bloße

**Rn. 375**

Bekundung des Betroffenen, einen immateriellen Schaden in Form belastender

**Rn. 376**

Gefühle erlitten zu haben, für einen Ersatzanspruch ausreichen würde (OLG Köln,

**Rn. 377**

Urteil vom 7. Dezember 2023 – 15 U 108/23 –, Rn. 45; OLG Hamm, Urteil vom

**Rn. 379**

25.8.2023 – 7 U 19/23, juris Rn. 163 ff.; OLG Stuttgart, Urt. v. 22.11.2023 – 4 U

**Rn. 380**

0/23, GRUR-RS 2023, 32883, Rn. 124). Derartige Beweiszeichen sind jedoch nicht

**Rn. 381**

erkennbar. Vielmehr spricht das Verhalten des Klägers in den sozialen Netzwerken

**Rn. 382**

deutlich dagegen. So veröffentlichte der Kläger am 27. September 2023 über seinen

**Rn. 383**

Z.-Kanal ein gut 23-minütiges Video mit dem Titel „Titel entf.!“. In dem Video kündigt der

**Rn. 384**

Kläger an, derzeit ein „direktes“ Vorgehen gegen die Y. (und nicht nur gegen

**Rn. 385**

Telekommunikationsunternehmen) zu prüfen. Hierfür würden auch bereits „einige

**Rn. 386**

Testverfahren“ (Minute 16:31) geführt. Diese Angaben zeigen jedoch sehr

**Rn. 387**

anschaulich, dass der Kläger gerade davon ausgeht, dass in jedem Fall, in dem

**Rn. 388**

Daten über Telekommunikationsverträge im Datenbestand der Beklagten geführt

**Rn. 389**

werden, automatisch ein Schadensersatzanspruch besteht, der nicht von weiteren

**Rn. 390**

Voraussetzungen abhängig ist. Weiterhin blendete der Kläger bei Minute 18:06 exakt

**Rn. 391**

die streitgegenständlichen, bei der Y. eingemeldeten Daten wie folgt ein

**Rn. 392**

Bild entf.

**Rn. 394**

und machte diese einem Millionenpublikum zugänglich (der Kanal des Klägers hat

**Rn. 395**

zum Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung über 1 Mio. Abonnenten). Dies spricht

**Rn. 396**

jedoch sehr deutlich dagegen, dass die Anzeige und Übermittlung dieser Information

**Rn. 397**

an die Y. den Kläger tatsächlich derart belastet haben könnte.

**Rn. 398**

Soweit der Kläger weiter in der mündlichen Verhandlung vorgetragen hat, der

**Rn. 399**

Schaden liege bereits in der Verletzung des Rechts auf informationelle

**Rn. 400**

Selbstbestimmung, so vermag der Kläger hiermit ebenfalls nicht durchzudringen.

**Rn. 401**

Eine derartige Auslegung des Schadensbegriffs liefe im Ergebnis darauf hinaus,

**Rn. 402**

dass bereits der Verstoß gegen die Vorschriften der DSGVO einen Schaden i.S.d.

**Rn. 403**

Art. 82 DSGVO darstellen würde. Denn die Vorschriften der DSGVO schützen

**Rn. 404**

gerade das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, sodass mit jedem Verstoß

**Rn. 405**

auch eine Verletzung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung einhergeht.

**Rn. 406**

Dies reicht jedoch gerade nicht aus, um einen Schadensersatzanspruch zu

**Rn. 407**

begründen (EuGH, Urteil vom 04.05.2023, Rs. C-300/21, juris).

**Rn. 408**

Ein Schadensersatz wegen unvollständiger Auskunft scheitert schon daran, dass

**Rn. 409**

eine Verletzung des Auskunftsanspruchs nicht gegeben ist (siehe sogleich).

**Rn. 410**

2)

**Rn. 412**

Dem Kläger steht ein (weiterer) Anspruch auf Auskunft gemäß Art. 15 DSGVO nicht

**Rn. 413**

zu. Die Beklagte hat den Anspruch erfüllt, § 362 BGB. Dem steht auch nicht

**Rn. 414**

entgegen, dass der Kläger sich darauf beruft, die Auskunft sei inhaltlich unrichtig.

**Rn. 415**

Die etwaige inhaltliche Unrichtigkeit einer Auskunft steht der Erfüllung nicht

**Rn. 416**

entgegen. Der Verdacht, dass die erteilte Auskunft unvollständig oder unrichtig ist,

**Rn. 417**

kann einen Anspruch auf Auskunft in weitergehendem Umfang nicht begründen.

**Rn. 418**

Wesentlich für die Erfüllung des Auskunftsanspruchs ist die – gegebenenfalls

**Rn. 419**

konkludente – Erklärung des Auskunftsschuldners, dass die Auskunft vollständig ist

**Rn. 420**

(Lembke/Fischels, NZA 2022, 513, 515).

**Rn. 421**

Eine derartige konkludente Erklärung ist bereits in den Schreiben vom 09.12.2022

**Rn. 422**

(Anlage K5) und vom 09.02.2023 enthalten. Spätestens mit ihrem Vortrag im

**Rn. 423**

Klageverfahren (vgl. GA 144, Rn. 190) hat die Beklagte jedoch klargestellt, dass sie

**Rn. 424**

ihre Auskunft als vollständig erteilt ansieht.

**Rn. 425**

3)

**Rn. 426**

Dem Kläger steht ein Unterlassungsanspruch gegen die Beklagte aus Art. 17 Abs. 1

**Rn. 427**

DSGVO nicht zu.

**Rn. 428**

Dabei bedarf es keiner Entscheidung, ob die Übermittlung der SK-Daten durch die

**Rn. 429**

Beklagte an die Y. einen Datenschutzverstoß darstellt, denn jedenfalls ist der

**Rn. 430**

Unterlassungsantrag zu weitgehend und daher unbegründet. Ein Antrag darf nicht so

**Rn. 431**

formuliert werden darf, dass er zulässige Handlungen erfassen kann (BGH GRUR

**Rn. 432**

1999, 509/511 - Vorratslücken; GRUR 2002, 706 - vossius.de; GRUR 2004, 70 -

**Rn. 433**

Preisbrecher; GRUR 2004, 605 - Dauertiefpreise; GRUR 2007, 987 - Änderung der

**Rn. 434**

Voreinstellung, dort unter Tz 22). Der Kläger hat trotz Hinweises der Kammer in der

**Rn. 435**

mündlichen Verhandlung davon abgesehen, den Antrag auf die konkrete

**Rn. 436**

Verletzungsform zu beschränken.

**Rn. 437**

Ein Unterlassungsantrag, der losgelöst von der konkreten Verletzungsform auf ein

**Rn. 438**

allgemeines Verbot der Übermittlung sogenannter Positivdaten von Mobilfunknutzern

**Rn. 439**

an Wirtschaftsauskunfteien gerichtet ist, erweist sich als zu weitgehend, da jedenfalls

**Rn. 440**

nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Datenübermittlung aus Gründen der

**Rn. 441**

Betrugsprävention bei datenschutzkonformer Ausgestaltung des Prozesses im

**Rn. 442**

berechtigten Interesse des Verantwortlichen im Sinne von Art. 6 Abs. 1 UA 1 lit. f

**Rn. 443**

DSGVO liegen kann (OLG Köln, Urteil vom 3. November 2023 – I-6 U 58/23 –, juris,

**Rn. 444**

Ls. 1).

**Rn. 445**

4)

**Rn. 447**

Ein Anspruch auf vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten besteht in der Folge ebenfalls

**Rn. 448**

nicht.

**Rn. 449**

III.

**Rn. 450**

Die prozessualen Nebenentscheidungen beruhen auf §§ 91, 708 Nr. 11, 711 ZPO.

**Rn. 451**

Streitwert: 7.000 Euro (Antrag zu 1 = 5.000,- €; Antrag zu 2 = 500 €; Antrag zu 3 =

**Rn. 452**

1.000 €; Antrag zu 4 = 500 €).

---

Zitiervorschlag: Landgericht Köln, Urteil vom 10.04.2024 – 28 O 395/23, ECLI:DE:LGK:2024:0410.28O395.23.00

Quelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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