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# Landgericht Köln, Teil-Anerkenntnis- und Schlussurteil vom 02.06.2023 – 3 7 O 12/22

ECLI:DE:LGK:2023:0602.3.7O12.22.00

## Tenor

Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger EUR 5.254,26 nebst Zinsen i.H.v. 5

Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der EZB seit dem 30. Dezember 2021

zu zahlen, und

**Rn. 2**

an den Kläger EUR 713,76 außergerichtliche Rechtsverfolgungskosten nebst

Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der EZB seit dem 30.

Dezember 2021 zu zahlen.

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits tragen der Kläger zu 39% und der Beklagte zu

**Rn. 6**

1%.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in Höhe von

10% des jeweils zu vollstreckenden Betrages.

## Tatbestand

**Rn. 2**

Die Parteien sind Brüder und die leiblichen Kinder der Zeugin E. I. und

**Rn. 3**

des zwischenzeitlich verstorbenen W. I.. Sie haben einen weiteren

**Rn. 4**

Bruder, den Zeugen Q. I.. Im Jahre 1992 vereinbarten allen

**Rn. 5**

Familienmitglieder gemeinschaftlich, dass die Parteien sich alle anfallenden Kosten

**Rn. 6**

der im Familienbesitz befindlichen Immobilie J.-straße in M. hälftig teilen. Die

**Rn. 7**

Immobilie wurde auf den Beklagten übertragen und wirtschaftlich belastet, um dem

**Rn. 8**

Zeugen Q. I. einen Betrag auszuzahlen. Im Gegenzug verzichtete

**Rn. 9**

dieser auf eine wirtschaftliche Nutzung der Immobilie. Den Eltern der Parteien wurde

**Rn. 10**

ein Wohnrecht für das Erd- und Teile des Untergeschosses eingeräumt, von

**Rn. 11**

welchem die Zeugin I. derzeit Gebrauch macht. Der Beklagte bewohnt mit

**Rn. 12**

seiner Familie das Ober- und Dachgeschoss mit einer Gesamtfläche von 180 qm.

**Rn. 13**

Hierzu einigten sich die Parteien darauf, dass der Beklagte an den Kläger eine

**Rn. 14**

monatliche Zahlung von EUR 677,96 als hypothetische halbe Miete zahlt. Weiter

**Rn. 15**

vereinbarten die Parteien, dass diese Miete alle fünf Jahre in Höhe des

**Rn. 16**

gegenwärtigen Mietindexes steigen solle, wobei die letzte Anpassung im Januar

**Rn. 18**

011 stattfand. Im Jahr 2016 wandelten die Parteien diese Regelung

**Rn. 19**

übereinstimmend dahingehend ab, dass anstelle der Steigerung gemäß des

**Rn. 20**

Mietindexes eine Erhöhung der monatlichen Zahlung gemäß des Inflationsausgleichs

**Rn. 21**

erfolgen solle.

**Rn. 23**

Ab Januar 2016 zahlte der Beklagte an den Kläger als Nutzungsentschädigung einen

**Rn. 24**

Betrag von EUR 677,96 monatlich. Seit Januar 2019 zahlt der Beklagte eine um 10%

**Rn. 25**

gekürzte Nutzungsentschädigung.

**Rn. 26**

Für den Monat Januar 2020 steht noch eine Grundzahlung von EUR 440,16 offen.

**Rn. 27**

Inzwischen haben die Parteien sich darauf geeinigt, dass der Beklagte an den Kläger

**Rn. 28**

einen Betrag von EUR 287.500,00 zahlt und die BGB-Gesellschaft mit der Zahlung

**Rn. 29**

als aufgelöst gilt, so dass der Beklagte auch keine Nutzungsentschädigung mehr an

**Rn. 30**

den Kläger zu zahlen hat.

**Rn. 31**

Mit Schreiben vom 24.12.2021 forderte der Prozessbevollmächtigte des Klägers den

**Rn. 32**

Beklagten zur Zahlung von offenstehendem Nutzungsentgelt in Höhe von EUR

**Rn. 34**

.595,70 bis zum 29.12.2021 auf.

**Rn. 35**

Der Beklagte machte dem Kläger gegenüber Kosten für Renovierungs- und

**Rn. 36**

Umbauarbeiten der Immobilie geltend.

**Rn. 37**

Der Beklagte legt im Prozess Belege zum Hauskonto und den Nebenkosten ab dem

**Rn. 38**

Jahr 2014 vor, s. Bl. 110 ff d.A.

**Rn. 39**

Der Kläger ist der Ansicht, ihm stehe ab Januar 2016 eine weitere jährliche Zahlung

**Rn. 40**

von EUR 582,72 für die Jahre 2016-2020 sowie von EUR 439,29 für 9 Monate in

**Rn. 41**

27021 zu. Insoweit habe sich die monatliche Miete um dem Inflationsausgleich von

**Rn. 42**

,20% erhöht, was einem Betrag von EUR 48,81 monatlich entspreche. Für Januar

**Rn. 43**

bis September 2021 sei eine weitere Anpassung an die Inflation vorzunehmen

**Rn. 44**

gewesen, so dass dann auf die erhöhte Ausgangsmiete von EUR 726,77 eine

**Rn. 45**

Anpassung von 5,81% habe erfolgen müssen, was einem monatlichen Betrag von

**Rn. 46**

EUR 42,25 entspreche. Es ergebe sich hier ein weiterer Betrag von EUR 380,25.

**Rn. 47**

Auch habe der Beklagte nicht eine um 10% gekürzte, sondern die volle Miete zu

**Rn. 48**

zahlen; dem Kläger stehe insoweit noch ein Betrag von EUR 2.237,40 für 33 Monate

**Rn. 49**

zu.

**Rn. 51**

Schließlich stehe dem Kläger auch die gekürzte Grundmiete für Februar 2020 in

**Rn. 52**

Höhe von EUR 610,16 zu.

**Rn. 53**

Der Zahlungsanspruch ergebe sich aus dem zwischen den Parteien bestehenden

**Rn. 54**

Vertrag über eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

**Rn. 55**

Weiter habe der Beklagte an den Kläger aus dem GbR-Vertrag i.V.m. § 241 Abs. 2

**Rn. 56**

BGB eine geordnete Aufstellung über die abgerechneten Gewerke für Aus- und

**Rn. 57**

Umbaukosten in den Jahren 1995-1999 sowie für das Hauskonto und Nebenkosten

**Rn. 58**

der Jahre 1993-2021 zu übergeben. Soweit der Beklagte behaupte, Unterlagen

**Rn. 59**

teilweise bereits vernichtet zu haben, sei dies rechtlich unerheblich, weil dann ein

**Rn. 60**

Anspruch des Klägers auf Auskunft über sämtliche vermögensrelevanten

**Rn. 61**

Verfügungen der Gesellschaft aus § 716 BGB bestehe.

**Rn. 62**

Der Kläger hat ursprünglich beantragt,

**Rn. 63**

den Beklagten zu verurteilen, an den Kläger EUR 6.595,70 nebst Zinsen i.H.v. 5

**Rn. 64**

Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der EZB seit dem 30. Dezember 2021

**Rn. 65**

zu zahlen,

**Rn. 66**

an den Kläger EUR 713,76 außergerichtliche Rechtsverfolgungskosten nebst

**Rn. 67**

Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der EZB seit dem 30.

**Rn. 68**

Dezember 2021 zu zahlen, und

**Rn. 69**

dem Kläger zum Zwecke der ordnungsgemäßen Erstellung seiner

**Rn. 70**

Steuererklärung eine geordnete Aufstellung nebst Kopien der korrespondierenden Rechnungen und Belege zu überreichen hinsichtlich der

**Rn. 71**

von dem Beklagten gegenüber dem Kläger seit 1993 geltend gemachten

**Rn. 72**

Kosten bezüglich der Liegenschaft J.-straße, 51147 M..

**Rn. 73**

Nachdem der Beklagte für Zahlungsansprüche aus den Jahren 2016 und 2017 die

**Rn. 74**

Einrede der Verjährung erhoben hat, hat der Kläger die Klage insoweit

**Rn. 75**

zurückgenommen. Weiter hat er auch die Klage zurückgenommen, soweit die

**Rn. 76**

Grundzahlung für Februar 2020 betroffen ist, nachdem der Beklagte mitgeteilt hat,

**Rn. 77**

diese bereits am 28.02.2020 gezahlt zu haben. Insoweit macht er nunmehr die

**Rn. 79**

Zahlung für dem Monat Januar 2020 iHv EUR 440,16 geltend, die unstreitig

**Rn. 80**

offensteht.

**Rn. 81**

Hinsichtlich des letztgenannten Betrags hat der Beklagte ein Anerkenntnis erklärt.

**Rn. 82**

Der Kläger beantragt nunmehr,

**Rn. 83**

den Beklagten zu verurteilen, an den Kläger EUR 5.254,26 nebst Zinsen i.H.v. 5

**Rn. 84**

Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der EZB seit dem 30. Dezember 2021

**Rn. 85**

zu zahlen,

**Rn. 86**

an den Kläger EUR 713,76 außergerichtliche Rechtsverfolgungskosten nebst

**Rn. 87**

Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz der EZB seit dem 30.

**Rn. 88**

Dezember 2021 zu zahlen, und

**Rn. 89**

dem Kläger zum Zwecke der ordnungsgemäßen Erstellung seiner

**Rn. 90**

Steuererklärung eine geordnete Aufstellung nebst Kopien der korrespondierenden Rechnungen und Belege zu überreichen hinsichtlich der

**Rn. 91**

von dem Beklagten gegenüber dem Kläger seit 1993 geltend gemachten

**Rn. 92**

Kosten bezüglich der Liegenschaft J.-straße, 00000 M..

**Rn. 93**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 94**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 95**

Er ist der Ansicht, der Inflationsausgleich sei vom Kläger falsch berechnet worden.

**Rn. 96**

Dieser habe im Jahr 2016 1,50% betragen, weshalb sich lediglich eine Anpassung

**Rn. 97**

um EUR 10,17 monatlich ergebe. Für 2018 bis 2020 ergebe sich mithin ein Betrag

**Rn. 98**

von EUR 366,12. Im Jahr 2020 habe die Inflationsrate 5,39% betragen, so dass sich

**Rn. 99**

die Nutzungsentschädigung für die in diesem Jahr geltend gemachten neun Monate

**Rn. 100**

auf insgesamt EUR 328,21 (monatlich EUR 37,09) ergebe. Es bestünde daher

**Rn. 101**

insgesamt maximal ein Anspruch in Höhe von EUR 694,33. Im Übrigen sei eine

**Rn. 102**

Erhöhung erst ab dem Jahr 2021 möglich. Im Schriftsatz vom 06.04.2023 trägt er vor,

**Rn. 103**

der Inflationsausgleich betrage für 2018 1,8%, also EUR 146,43, für 2019 1,4%,

**Rn. 105**

mithin EUR 113,89, für 2020 0,5% und EUR 40,46 und für 2021 3,1%, also EUR

**Rn. 106**

197,37 sowie für 9 Monate im Jahre 2022 5,25% und damit EUR 321,56.

**Rn. 107**

Soweit die Nutzungsentschädigungskürzung betroffen sei, sei ein Abzug von 10%

**Rn. 108**

berechtigt, da eine erhebliche Einschränkung der vom Beklagten benutzten

**Rn. 109**

Wohnung vorliege. Dieser nutze – tastsächlich unstreitig – einen Kellerraum als

**Rn. 110**

Wasch- und Vorratsraum, zu dem der Kläger seit Anfang 2018 den Zugang

**Rn. 111**

versperre, indem er den bis dato gemeinsam genutzten Hausflur versperrt halte.

**Rn. 112**

Dementsprechend könne der Kellerraum nur über einen Zugang von außen erreicht

**Rn. 113**

werden, indem der Beklagte und seine Familie eine außen liegende Wendeltreppe

**Rn. 114**

nutze und dann durch den Garten gehe, um über eine weitere Außentreppe in den

**Rn. 115**

Kellerraum zu gelangen. Da der Kläger hier den Flur durch zwei Türen verschlossen

**Rn. 116**

habe, müsse der Beklagte weiter durch den Heizraum und seinen Vorratsraum

**Rn. 117**

gehen, um zu seiner Waschmaschine zu gelangen.

**Rn. 118**

Belege aus den Jahren bis 1999 könne der Beklagte nicht herausgeben, da er über

**Rn. 119**

diese nicht mehr verfüge. Des Weiteren habe er diese auch dem Kläger im Mai/ Juni

**Rn. 120**

2015 für mehrere Monate zur Einsicht überlassen.

**Rn. 121**

Das Hauskonto habe bis 2013 nicht der Beklagte, sondern der zwischenzeitlich

**Rn. 122**

verstorbene Vater der Parteien geführt, bei Übernahme des Kontos seien dem

**Rn. 123**

Beklagten keine Unterlagen ausgehändigt worden, was der Kläger nicht bestreitet.

**Rn. 124**

Gleiches gelte für die Nebenkostenabrechnungen, auch insoweit liegt kein Bestreiten

**Rn. 125**

des Klägers vor. Die Unterlagen ab 2014 habe der Beklagte dem Kläger jährlich mit

**Rn. 126**

der Abrechnung jeweils zur Verfügung gestellt.

**Rn. 127**

Schließlich erklärt der Beklagte die Aufrechnung in Höhe eines Betrags von EUR

**Rn. 128**

1.171,58 mit einer Gegenforderung in Höhe von EUR 6.533,10, die er daraus

**Rn. 129**

herleitet, dass sich am 14.08.2020 im Keller der Immobilie ein Hochwasserschaden

**Rn. 130**

ereignet habe, aufgrund dessen das Abwasserrohr habe erneuert werden müssen.

**Rn. 131**

Von dem hieraus resultierenden Rechnungsbetrag von EUR 13.066,20, den der

**Rn. 132**

Beklagte ausweislich des Zahlungsbelegs vom 30.01.2021 bezahlt habe, wobei die

**Rn. 133**

Zahlung aufgrund eines Abzugs von 2% Skonto in Höhe von EUR 12.804,87 erfolgt

**Rn. 134**

sei, habe der Kläger die Hälfte zu übernehmen. Die Wohngebäudeversicherung habe

**Rn. 135**

die Übernahme dieses Schadens abgelehnt, da dieser Rohre betreffe, die außerhalb

**Rn. 136**

des Gebäudes verlaufen. Dies sei auch tatsächlich zutreffend. Soweit eine Zahlung

**Rn. 138**

der Versicherung erfolgt sei, habe diese sich auf einen Wasserschaden im Keller

**Rn. 139**

nach einem Unwetter am 14.08.2020 bezogen.

**Rn. 140**

Zur Kürzung der Nutzungsentschädigung behauptet der Kläger, er habe die Türen

**Rn. 141**

deshalb verschlossen, weil der Beklagte und seine Familie das Treppenhaus

**Rn. 142**

mutwillig extensiv genutzt und dabei die Privatsphäre der Mutter der Parteien, die im

**Rn. 143**

Kellergeschoss ihr Badezimmer habe, gestört hätten.

## Entscheidungsgründe

**Rn. 145**

Die Klage ist zulässig und teilweise begründet.

**Rn. 146**

Dem Kläger steht gegen den Beklagten ein Zahlungsanspruch zu in Höhe von EUR

**Rn. 147**

5.245,26 aus § 705 BGB i.V.m. der zwischen den Parteien getroffenen

**Rn. 148**

Nutzungsentgeltabrede.

**Rn. 149**

Soweit die begehrte Grundzahlung für Januar 2020 in Höhe von EUR 440,16

**Rn. 150**

betroffen ist, hat der Beklagte die Forderung anerkannt.

**Rn. 151**

Auch hat der Beklagte einen jährlich berechneten Inflationsausgleich nicht bestritten,

**Rn. 152**

kommt hier allerdings in seinen verschiedenen Schriftsätzen zu verschiedenen

**Rn. 153**

Berechnungen. Im Schriftsatz vom 06.04.2023 berechnet er für jedes Jahr einen

**Rn. 154**

Anpassungsbetrag nach der jeweiligen Inflationsrate, setzt hier aber zum einen

**Rn. 155**

falsche Jahreszahlen an, indem der Beträge bis September 2022 berechnet, obwohl

**Rn. 156**

die GbR im September 2021 aufgelöst worden ist. Zum anderen passt diese

**Rn. 157**

Berechnung auch inhaltlich nicht zu derjenigen in der Klageerwiderung, in der er nur

**Rn. 158**

den Inflationsausgleich für die Jahre 2016 und 2020 berücksichtigt.

**Rn. 159**

Beide Berechnungsmethoden erscheinen indes nicht sachgerecht und nicht

**Rn. 160**

vereinbar mit der zwischen den Parteien getroffenen Vereinbarung, sondern die

**Rn. 161**

Auslegung dieser nach §§ 133, 157 BGB ergibt, dass alle fünf Jahre eine Anpassung

**Rn. 162**

über die kumulierte Inflationsrate der letzten fünf Jahre zu erfolgen hat, mithin die

**Rn. 163**

Berechnung so zu erfolgen hat, wie der Kläger sie vorgenommen hat und diesem

**Rn. 165**

damit ein Anspruch in Höhe von EUR 2.576, 70 entstanden ist. Diese Auslegung

**Rn. 166**

folgt ohne weiteres aus dem Sinn und Zweck der Vereinbarung der Parteien. Diese

**Rn. 167**

wollten erreichen, dass die Nutzungsentschädigung, die der Beklagte dem Kläger

**Rn. 168**

monatlich zahlt, an die entstandene Inflation angeglichen werden soll, damit der

**Rn. 169**

Beklagte einen inflationsbereinigt gleichbleibenden Betrag an den Kläger zahlt. Die

**Rn. 170**

Parteien wollten also verhindern, dass der Betrag zwar nach seinem nominellen Wert

**Rn. 171**

gleich bleibt, aber tatsächlich schrumpft, indem er durch die fortschreitende Inflation

**Rn. 172**

dem Kläger weniger Kaufkraft beschert. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es aber

**Rn. 173**

erforderlich, die kumulierte Inflationsrate der letzten fünf Jahre aufzuschlagen und

**Rn. 174**

nicht nur die Rate des jeweils letzten Jahres des Fünfjahreszeitraums. Dies würde

**Rn. 175**

nämlich dazu führen, dass die Inflation der vier Jahre davor unberücksichtigt bleibt.

**Rn. 176**

Auch ist aus der Auslegung der Vereinbarung zu ermitteln, dass die erste Erhöhung

**Rn. 177**

bereits 2016 stattfinden sollte, was sich daraus ergibt, dass mit der

**Rn. 178**

Inflationsanpassung die Regelung der fünfjährigen Anpassung an den Mietspiegel

**Rn. 179**

ersetzt werden sollte und dort die letzte Anpassung 2011 stattgefunden hatte.

**Rn. 180**

Des Weiteren ist auch der Anspruch des Klägers in Höhe von EUR 2.237,40

**Rn. 181**

entstanden. Auch dieser ergibt sich aus der zwischen den Parteien geschlossenen

**Rn. 182**

Vereinbarung, dass der Beklagte dem Kläger ein monatliches Nutzungsentgelt für

**Rn. 183**

das Bewohnen der streitgegenständlichen Immobilie zahlt und über 33 Monate

**Rn. 184**

(Januar 2019-September 2021) ein um zehn Prozent gemindertes Entgelt gezahlt

**Rn. 185**

hat. Insoweit kann es dahinstehen, ob die mietrechtlichen Minderungsvorschriften

**Rn. 186**

nach §§ 535, 536 Abs. 1 BGB auf das Rechtsverhältnis der Parteien entsprechend

**Rn. 187**

anwendbar sind oder nicht. Denn jedenfalls ist der Beklagte auch nach diesen

**Rn. 188**

Vorschriften nicht zu einer Mietkürzung berechtigt. Diese kommt nach § 536 Abs. 1

**Rn. 189**

S. 3 BGB nur in Betracht, wenn die Minderung der Tauglichkeit der Mietsache zum

**Rn. 190**

vertragsgemäßen Gebrauch nicht unerheblich ist. Bei der Frage, wann ein Mangel

**Rn. 191**

unerheblich erscheint, ist aufgrund der Umstände des konkreten Einzelfalls zu

**Rn. 192**

überprüfen, ob ein Mangel so geringfügig ist, dass eine hierauf gestützte

**Rn. 193**

Mietminderung gegen die Grundsätze von Treu und Glauben verstoßen würde

**Rn. 194**

(Spielbauer in Spielbauer/Schneider, Mietrecht, 2. Auflage 2018, § 536, Rn. 82,

**Rn. 195**

m.w.N.).

**Rn. 196**

Dies ist vorliegend anzunehmen. Der Beklagte macht geltend, er könne seinen

**Rn. 197**

Vorrats- und Waschraum nicht mehr erreichen, indem er durch die innerhalb des

**Rn. 198**

Hauses gelegene Kellertreppe geht, sondern müsse hierfür die Außentreppe nutzen

**Rn. 201**

und durch den Garten gehen. Dies bedeutet aber auch, dass er mit der Nutzung des

**Rn. 202**

im Keller gelegenen Raums nicht ausgeschlossen, sondern diese lediglich leicht

**Rn. 203**

erschwert ist. Eine Erschwernis ist auch nur dann zu besorgen, wenn die Witterung

**Rn. 204**

den Aufenthalt im Freien unangenehm macht, also bei Regen und kalten

**Rn. 205**

Temperaturen. Dann ist es zwar etwas mühsamer, mit Vorräten oder einem

**Rn. 206**

Wäschekorb in den Keller und aus dem Keller wieder in die Wohnung zu gelangen,

**Rn. 207**

aber über eine reine Lästigkeit geht dies nicht hinaus. Der Beklagte kann sowohl

**Rn. 208**

seine Wohnung als auch den Kellerraum weiter ohne Mangel nutzen; lediglich die

**Rn. 209**

Verbindung zwischen diesen beiden Einheiten kann etwas erschwert sein. Auch

**Rn. 210**

wenn der Beklagte und seine Familie den Kellerraum mehrmals täglich aufsuchen,

**Rn. 211**

stellt dies lediglich eine unerhebliche Tauglichkeitsminderung der gesamten

**Rn. 212**

Wohnung dar.

**Rn. 213**

Der Anspruch auf Zahlung vorgerichtlicher Rechtsverfolgungskosten ergibt sich aus

**Rn. 214**

§

**Rn. 215**

§ 280 Abs. 2, 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB.

**Rn. 216**

Der Zinsanspruch auf die Hauptforderung und die vorgerichtlichen

**Rn. 217**

Rechtsverfolgungskosten folgt aus §§ 280 Abs. 2, 286 Abs. 1 S. 1 BGB.

**Rn. 218**

Eine aufrechenbare Gegenforderung steht dem Beklagten nicht zu, so dass keine

**Rn. 219**

Aufrechnungslage nach §§ 387 BGB besteht. Ein solcher Anspruch folgt nicht aus §

**Rn. 220**

705 BGB. Zwar ergibt sich aus dem GbR-Vertrag der Parteien, dass der Kläger

**Rn. 221**

verpflichtet ist, sich hälftig an notwendigen Reparaturarbeiten der

**Rn. 222**

streitgegenständlichen Immobilie zu beteiligen. Der Beklagte hat aber nicht schlüssig

**Rn. 223**

vorgetragen, dass ihm hier entsprechende Kosten angefallen sind, an denen der

**Rn. 224**

Kläger sich beteiligen müsste. Denn der Vortrag des Beklagten dazu, woraus sich

**Rn. 225**

der Schaden, dessen Kosten der Beklagte hier geltend macht, ergeben soll, ist

**Rn. 226**

widersprüchlich. Insoweit hat der Beklagte mit der Klageerwiderung geltend gemacht,

**Rn. 227**

am 14.08.2020 habe sich im Keller des Hauses ein Hochwasserschaden ereignet,

**Rn. 228**

woraufhin eine Kanaldichtigkeitsprüfung erforderlich geworden sei, aus der sich

**Rn. 229**

ergeben habe, dass das Abwasserrohr defekt und zu erneuern sei. Die Kosten dieser

**Rn. 230**

Reparatur mache er als Gegenanspruch geltend.

**Rn. 231**

Im Schriftsatz vom 07.03.2022 trägt er dann vor, die Zahlung der Versicherung

**Rn. 232**

beziehe sich nicht auf den streitbefangenen Schaden, sondern auf einen

**Rn. 233**

Wasserschaden im Keller nach einem Unwetter am 14.08.2020. Diese Zahlung habe

**Rn. 234**

mit dem zur Verrechnung gestellten Betrag nichts zu tun. Dies ist nicht

**Rn. 237**

nachvollziehbar, da der Beklagte mit der Klageerwiderung gerade geltend gemacht

**Rn. 238**

hat, der streitbefangene Schaden sei exakt der Hochwasserschaden am 14.08.2020,

**Rn. 239**

der nach dem Schriftsatz am 07.03.2023 dann nicht mehr der streitbefangene

**Rn. 240**

Schaden sein soll. Es wird vom Beklagten nicht erörtert, woher dieser Widerspruch

**Rn. 241**

kommt und auch nicht, auf welches Schadensereignis der hier geltend gemachte

**Rn. 242**

Betrag denn nun zurückzuführen sein soll. Dementsprechend ist mit dem Kläger

**Rn. 243**

davon auszugehen, dass die Zahlung der Versicherung sich doch – wie vom

**Rn. 244**

Beklagten auch in der Klageerwiderung vorgetragen – auf den Hochwasserschaden

**Rn. 245**

am 14.08.2020 bezogen hat und daher aufgrund der Regulierung der Versicherung

**Rn. 246**

kein Schaden des Beklagten mehr gegeben ist.

**Rn. 247**

Ein Anspruch des Klägers auf Herausgabe von Unterlagen besteht nicht. Ein solcher

**Rn. 248**

ergibt sich weder aus § 241 Abs. 2, 705 BGB noch aus § 716 BGB. Soweit der

**Rn. 249**

Kläger die Herausgabe von Nebenkostenabrechnungen und Abrechnungen des

**Rn. 250**

Hausgeldkontos begehrt, hat der Kläger unbestritten vorgetragen, bis Ende 2013

**Rn. 251**

seien diese Unterlagen vom zwischenzeitlich verstorbenen Vater der Parteien erstellt

**Rn. 252**

worden; der Beklagte verfüge über diese Unterlagen nicht. Dementsprechend ist der

**Rn. 253**

Beklagte auch nicht Schuldner der Herausgabe dieser Unterlagen. Soweit die

**Rn. 254**

Unterlagen zu Nebenkosten und Hausgeldkonto ab 2014 bis zur Auflösung der

**Rn. 255**

Gesellschaft betroffen ist, kann es dahinstehen, ob ein solcher Anspruch gegen den

**Rn. 256**

Beklagten entstanden ist. Denn er ist jedenfalls durch Erfüllung nach § 362 BGB

**Rn. 257**

untergegangen, da der Beklagte diese Unterlagen im vorliegenden Rechtsstreit als

**Rn. 258**

Anlagen zum Schriftsatz vom 09.05.2022 übersandt hat.

**Rn. 259**

Weiter begehrt der Kläger die Übergabe von Unterlagen für Arbeitslohn und Ausbau-

**Rn. 260**

und Umbaukosten für den Zeitraum 1995-1999. Auch insoweit hat er allerdings

**Rn. 261**

keinen durchsetzbaren Anspruch. Auf § 716 BGB kann der Kläger einen solchen

**Rn. 262**

schon deshalb nicht stützen, weil er keine Auskunft zu den hier getätigten

**Rn. 263**

Aufwendungen und damit Angelegenheiten der Gesellschaft verlangt, sondern die

**Rn. 264**

Herausgabe der entsprechenden Rechnungen. Dies ergibt sich schon aus seinem

**Rn. 265**

Vortrag in der Klageschrift, in der er ausführt, auf welche Beträge sich die Baukosten

**Rn. 266**

für die einzelnen Jahre jeweils belaufen. Dem Kläger ist mithin bekannt, welche

**Rn. 267**

Kosten hier angefallen sind und auf welchen Betrag sich die einzelnen Rechnungen

**Rn. 268**

belaufen. Sein Interesse geht dahin, Belege für diese Aufwendungen zu erhalten, wie

**Rn. 269**

er auch in seinem Schriftsatz vom 08.05.2023 ausführt, in dem er deutlich macht,

**Rn. 270**

dass er die Unterlagen zur Vorlage bei der C.-B. F. benötigt, falls

**Rn. 272**

dort noch Nachfragen zu seiner bereits eingereichten Steuererklärung bestehen. Er

**Rn. 273**

begehrt mithin – wie sich auch aus der unmissverständlichen Formulierung des

**Rn. 274**

Klageantrags ergibt – nicht Auskunft, sondern die Herausgabe von Unterlagen.

**Rn. 275**

Der entsprechende Anspruch kann sich mithin nur aus §§ 241 Abs. 2, 705 BGB oder

**Rn. 276**

aus § 242 BGB ergeben. Ein solcher Anspruch – geht man davon aus, dass er

**Rn. 277**

entstanden ist – ist aber jedenfalls durch Unmöglichkeit untergegangen, weil der

**Rn. 278**

Beklagte vorträgt, nicht mehr im Besitz der entsprechenden Unterlagen zu sein. Er ist

**Rn. 279**

also gemäß § 275 Abs. 1 BGB von der Leistungspflicht befreit.

**Rn. 280**

Die prozessualen Nebenentscheidungen folgen aus §§ 269 Abs. 3 S. 2, 92 Abs. 1 S.

**Rn. 281**

1, 709 ZPO.

**Rn. 282**

Streitwert: bis zum 11.06.2022 EUR 8.595,70

**Rn. 283**

Danach EUR 7.254,26

---

Zitiervorschlag: Landgericht Köln, Teil-Anerkenntnis- und Schlussurteil vom 02.06.2023 – 3 7 O 12/22, ECLI:DE:LGK:2023:0602.3.7O12.22.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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