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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.02.2007 – 11 O 297/06

ECLI:DE:LGD:2007:0208.11O297.06.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Kläger auferlegt.

Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des

zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

Die Sicherheitsleistung kann auch durch selbstschuldnerische Bürgschaft

einer großen Bank oder Sparkasse mit Sitz in der Bundesrepublik

Deutschland erbracht werden.

**Rn. 1**

T a t b e s t a n d

**Rn. 2**

Der Kläger ist bei der Beklagten privat krankenversichert. Es lebt, ohne verheiratet zu

**Rn. 3**

sein, in einer Partnerschaft mit Frau X zusammen.

**Rn. 4**

Mit der vorliegenden Klage begehrt der Kläger die Übernahme der Behandlungs-

**Rn. 5**

kosten durch die Beklagte, die für eine "künstliche Befruchtung" nach näherer

**Rn. 6**

Maßgabe der Klageschrift entstanden sind.

**Rn. 7**

Der Kläger trägt im wesentlichen vor:

**Rn. 8**

Er lebe mit Frau X seit Jahren in gefestigter nicht ehelicher

**Rn. 9**

Lebensgemeinschaft. Die Ursache der Kinderlosigkeit in seiner Beziehung zu

**Rn. 10**

Frau X sei ausschließlich in einer Fruchtbarkeitsstörung des Klägers

**Rn. 11**

zu suchen.

**Rn. 12**

Die Beklagte habe die Kosten zur Durchführung einer homologen IVF-Behandlung zu

**Rn. 13**

tragen. Zwar lägen hier die Entscheidungen des BGH bisher nur für derartige Be-

**Rn. 14**

handlungen in der Ehe vor, indessen sei eine nicht eheliche Lebensgemeinschaft in-

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soweit gleich zu behandeln. Insoweit werde insbesondere auf die Entscheidung des

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Landgerichts Berlin vom 24. 02. 2004 (RuS 2004 203 ff) verwiesen.

**Rn. 17**

Der Kläger beantragt,

**Rn. 18**

die Beklagte zu verurteilen, an ihn 8.020,39 EURO nebst Zinsen in Höhe von

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5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 03. 07. 2006 zu zahlen.

**Rn. 20**

Die Beklagte beantragt,

**Rn. 21**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 22**

Sie trägt im wesentlichen vor:

**Rn. 23**

Eine Kostenübernahme für eine IVF-Behandlung außerhalb einer Ehe komme nicht

**Rn. 24**

in Betracht. Insoweit sei insbesondere auf das Urteil des Landgerichts Köln vom 21.

**Rn. 25**

02. 2001 (VersR 2001, 1373 ff.) zu verweisen.

**Rn. 26**

Im übrigen bestreite sie mit Nichtwissen, dass der Kläger und Frau X in

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gefestigter Lebensgemeinschaft und dies seit dem Jahre 2004 lebten.

**Rn. 28**

Hilfsweise bestreite sie die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme. Bestritten

**Rn. 29**

werde das Vorliegen einer organisch bedingten Sterilität beim Kläger. Es werde

**Rn. 30**

bestritten, dass eine deutliche Erfolgsaussicht der durchgeführten Maßnahme ge-

**Rn. 31**

geben gewesen sei.

**Rn. 32**

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Akten-

**Rn. 33**

inhalt verwiesen.

**Rn. 34**

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

**Rn. 35**

Die Klage ist nicht begründet.

**Rn. 36**

Der Kläger hat gegen die Beklagte keinen Anspruch nach §§ 1, 49 VVG, 1 MB/KK 94

**Rn. 37**

auf Erstattung der Kosten der künstlichen Befruchtung, die bei der Lebensgefährtin

**Rn. 38**

des Klägers vorgenommen worden ist. Die Rechtsprechung des BGH (VersR 1987,

**Rn. 39**

278; 1987, 280; 1998, 87) hat die Kostenerstattung auf die Partner einer bestehen-

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den Ehe beschränkt. Hieran ist festzuhalten.

**Rn. 41**

Nach § 1 Abs. 1 MB/KK 94 leistet der Versicherer Versicherungsschutz u.a. für

**Rn. 42**

Krankheiten. Darunter ist ein objektiv nach ärztlicher Einschätzung bestehender

**Rn. 43**

abnormaler Körper- oder Geisteszustand zu werten. Die Kinderlosigkeit selbst

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ist nicht als Krankheit zu werten, weil sie nur die äußeren Lebensumstände der

**Rn. 45**

Eheleute betrifft. Dagegen ist die Sterilität eines Ehegatten, die die Unfruchtbar-

**Rn. 46**

keit bewirkt, als eigenständige Krankheit anzusehen (vgl. BGH VersR 1987, 278,

**Rn. 47**

279). Der BGH führt in der Entscheidung im weiteren aus:

**Rn. 48**

Die Fortpflanzungsfähigkeit ist für Ehepartner, die sich in Ausübung ihres Selbst-

**Rn. 49**

bestimmungsrechtes gemeinsam für ein eigenes Kind entscheiden, eine biologisch

**Rn. 50**

notwendige Körperfunktion. Die nichtbehebbare Unfruchtbarkeit bedeutet oftmals

**Rn. 51**

für den sterilen Partner eine erhebliche Einschränkung seines Selbstwertgefühls

**Rn. 52**

und kann zu schwerwiegenden Konflikten zwischen den Ehepartnern bis hin zu

**Rn. 53**

seelischen Erkrankungen führen. Auch die organisch bedingte Sterilität als solche

**Rn. 54**

- unabhängig von ihren konkreten körperlichen Krankheitsursachen – ist als

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regelwidriger Körperzustand einzuordnen. In diesem Sinne ist der organbedingt

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sterile Ehepartner – im Unterschied zu kinderlosen Eheleuten schlechthin -

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als krank im Sinne der Versicherungsbedingungen anzusehen. ........

**Rn. 58**

Die fehlende Fortpflanzungsfähigkeit betrifft zwar nicht in dem Sinne eine vitale

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körperliche Funktion, dass die Kranke nicht auch ohne diese Fähigkeit weiter-

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leben könnte. Jedoch entzieht sich der in Ausübung des Selbstbestimmungsrechts

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gefasste Entschluss von Ehegatten, ein gemeinsames Kind zu haben, der recht-

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lichen Nachprüfung auf seine Notwendigkeit. Daher ist es schon im Ansatz ver-

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fehlt, die Frage nach der "Notwendigkeit" der Erfüllung des Wunsches nach einem

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von den Eheleuten stammenden Kind zu stellen.

**Rn. 65**

An dieser Auffassung hat der BGH in einer weiteren Entscheidung (VersR 98, 87)

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festgehalten.

**Rn. 67**

Die ungestörte Fortpflanzungsfähigkeit kann danach nur einer bestehenden Ehe

**Rn. 68**

als biologisch notwendige Körperfunktion verstanden werden. Eine organisch be-

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dingte Sterilität ist nur in einer Ehe als Krankheit im Sinne der Versicherungsbe-

**Rn. 70**

dingungen zu werten, nicht hingegen in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft.

**Rn. 71**

Die Erwägungen des BGH, die Kinderlosigkeit in einer Ehe als Krankheit zu werten,

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können nicht auf eine nicht eheliche Lebensgemeinschaft übertragen werden.

**Rn. 73**

Hierzu schließt sich die Kammer den Erwägungen und Ausführungen des Landge-

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richts Köln in seinem Urteil vom 21. 02. 2001, welches oben im Tatbestand erwähnt

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wurde, an, da es diese Ausführungen und Erwägungen für überzeugender hält, als

**Rn. 76**

die Erwägungen des gleichfalls im Tatbestand zitierten Urteils des Landgerichts

**Rn. 77**

Berlin vom 24. 02. 2004, auf welches sich der Kläger bezieht.

**Rn. 78**

Danach hat die Beklagte die Kosten für die IVF-Behandlung nicht zu übernehmen,

**Rn. 79**

so dass der Klage der Erfolg versagt bleibt, ohne dass es noch darauf ankäme, ob

**Rn. 80**

bei dem Kläger überhaupt eine organisch bedingte Sterilität vorliegt.

**Rn. 81**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 ZPO.

**Rn. 82**

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf § 709 Satz 1 und 2 ZPO.

**Rn. 83**

Streitwert: 8.020,39 EURO.

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 08.02.2007 – 11 O 297/06, ECLI:DE:LGD:2007:0208.11O297.06.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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