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# Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 25.11.2004 – 3 0 578/03

ECLI:DE:LGD:2004:1125.3.0.578.03.00

## Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar

Die Klägerin darf die Vollstreckung

durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des

aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn

nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher

Höhe leistet,

## TATBESTAND

**Rn. 2**

Die Klägerin war in den Jahren 1985 bis 2001 in zahnärztlicher Behandlung

**Rn. 3**

bei dem Beklagten. Am 22.10.2001, dem letzten Behandlungstermin, den die

**Rn. 4**

Klägerin bei dem "Beklagten wahrnahm, führte der Beklagte eine Kürettage

**Rn. 5**

der mit Kronen versorgten Zähne 11 und 21 durch. Am 16.05.2002 stellte

**Rn. 6**

sich die Klägerin erstmals dem Zahnarzt Dr. XXX vor, der sie in der Folgezeit

**Rn. 7**

wegen Parodontose behandelte und ihr dabei u.a. fünf Zähne zog und

**Rn. 8**

eine Teilprothese mit Klammern einsetzte. An den nachbehandelnden Zahnarzt

**Rn. 9**

Dr. XXX hat die Klägerin für die Behandlung einen Eigenanteil in Höhe

**Rn. 10**

von 323,62 € sowie einen weiteren Betrag in Höhe von 500,00 € für Zahnersatz

**Rn. 11**

geleistet.

**Rn. 12**

Die Klägerin behauptet, der Beklagte hätte angesichts jährlicher Kontrolluntersuchungen

**Rn. 13**

spätestens Ende des Jahres 2000 oder Anfang des Jahres

**Rn. 14**

2001 ihre beginnende Parodontose erkennen und behandeln müssen. Bei

**Rn. 15**

rechtzeitiger Behandlung hätte sie ihre Zähne nicht verloren. Sie werde weitere

**Rn. 16**

Eigenanteile für Folgebehandlungen sowie für weiteren Zahnersatz aufwenden

**Rn. 17**

müssen. Sie ist der Ansicht, dass ihr wegen erlittener Schmerzen

**Rn. 18**

und des Verlusts der Zähne ein Schmerzensgeld in Höhe von 4.000,00 €

**Rn. 19**

zustehe.

**Rn. 20**

Die Klägerin beantragt,

**Rn. 21**

1. den Beklagten zu verurteilen, ihr ein Schmerzensgeld zuzüglich

**Rn. 22**

Zinsen in Höhe von 8 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit

**Rn. 23**

dem 06.10.2002 zu zahlen, dessen Höhe in das Ermessen des

**Rn. 24**

Gerichts gestellt wird;

**Rn. 25**

2. den Beklagten zu verurteilen, ihr 823,62 € nebst Zinsen in Höhe

**Rn. 26**

von 8 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz von 323,62 € seit

**Rn. 27**

dem 01.11.2002 und weiteren 500,00 € seit dem 23.01.2003 zu

**Rn. 28**

zahlen;

**Rn. 29**

3. festzustellen, dass der Beklagte verpflichtet ist, ihr die Kosten

**Rn. 30**

für die Parodontosebehandlung zu erstatten.

**Rn. 31**

Der Beklagte beantragt,

**Rn. 32**

die Klage abzuweisen.

**Rn. 33**

Der Beklagte bestreitet, dass die erfolgte Extraktion der Zähne oder die Kosten

**Rn. 34**

in Höhe von 823,62 € auf ein schuldhaftes Fehlverhalten bei seiner Behandlung

**Rn. 35**

zurückzuführen seien.

**Rn. 36**

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Einholung eines zahnärztlichen

**Rn. 37**

Sachverständigengutachtens gemäß • des Beweisbeschlusses vom

**Rn. 38**

05.12.2003. Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird Bezug genommen

**Rn. 39**

auf • das Gutachten des Sachverständigen Dr.XXX vom

**Rn. 40**

02.07.2004.

**Rn. 41**

Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die zwischen den Parteien gewechselten

**Rn. 42**

Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen.

## ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE

**Rn. 44**

Die Klage ist unbegründet. Der Klägerin steht weder ein Anspruch auf

**Rn. 45**

Schmerzensgeld gemäß §§ 823 Abs. 1, 847 Abs. 1 BGB a. F. noch ein Anspruch

**Rn. 46**

auf Zahlung von 823,62 € gemäß § 823 Abs. 1 BGB oder aus positiver

**Rn. 47**

Vertragsverletzung des Behandlungsvertrages gegenüber dem Beklagten

**Rn. 48**

zu. Die Klägerin hat auch keinen Anspruch auf Feststellung der Schadensersatzpflicht

**Rn. 49**

des Beklagten gemäß § 823 Abs. 1 BGB oder aus positiver

**Rn. 50**

Vertragsverletzung des Behandlungsvertrages.

**Rn. 51**

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme steht nicht mit hinreichender Sicherheit

**Rn. 52**

fest, dass der Beklagte Behandlungsmaßnahmen unterlassen hat,

**Rn. 53**

die eine Ausweitung der Parodontose, den Verlust der Zähne oder aufgetretene

**Rn. 54**

.Schmerzen, der Klägerin verhindert hätten.

**Rn. 55**

Die Kammer ist nicht davon überzeugt, dass eine systematische Behandlung

**Rn. 56**

der Parodontose, die der Beklagte nach den Ausführungen des Sachverständigen

**Rn. 57**

entweder erkannt hat oder aber jedenfalls hätte erkennen müssen

**Rn. 58**

(Bl. 111f GA), den Verlust der Zähne oder sonstige Beeinträchtigungen der

**Rn. 59**

Klägerin verhindert hätte. Der Sachverständige hat nachvollziehbar erläutert,

**Rn. 60**

es sei zweifelhaft, ob eine systematische Behandlung der Parodontose ein

**Rn. 61**

besseres Ergebnis gebracht und den Zahnverlust hätte verhindern können

**Rn. 62**

(Bl. 116, 119, 121 GA). In der Gesamtbetrachtung sei dem Beklagten kein

**Rn. 63**

vorwerfbarer ärztlicher Behandlungsfehler unterlaufen, der eine gesundheitliche

**Rn. 64**

Beeinträchtigung der Klägerin verursacht hätte (Bl. 122 GA). Die durch

**Rn. 65**

den Zahnarzt Dr. XXX durchgeführten und notwendigen Behandlungen

**Rn. 66**

könnten nicht eindeutig als Folge der durch den Beklagten unterlassenen

**Rn. 67**

Parodontalbehandlung qualifiziert werden (Bl. 122 GA).

**Rn. 68**

Der Sachverständige hat die fehlende Kausalität zwischen unterlassener

**Rn. 69**

Behandlung und den aufgetretenen Beeinträchtigungen überzeugend mit der

**Rn. 70**

zu erwartenden mangelnden Mitarbeit der Klägerin sowie zum anderen mit

**Rn. 71**

der ungünstige Prognose begründet.

**Rn. 72**

Die Kammer folgt der Einschätzung des Sachverständigen, dass der Beklagte

**Rn. 73**

davon ausgehen durfte bzw. musste, dass die Klägerin die erforderliche

**Rn. 74**

Mitarbeit für die systematische Parodontosebehandlung nicht geleistet

**Rn. 75**

hätte. Der Sachverständige hat erläutert, dass eine Parodontalbehandlung

**Rn. 76**

nur dann indiziert sei, wenn die regelmäßige Mitarbeit des Patienten gesichert

**Rn. 77**

sei (Bl. 109 GA). Es kann dahinstehen, ob der Beklagte die Klägerin

**Rn. 78**

insoweit ausreichend aufgeklärt hat. Denn der Sachverständige hat dargelegt,

**Rn. 79**

dass es für die Frage, ob mit einer ausreichenden Mitarbeit des Patienten

**Rn. 80**

zu rechnen sei und eine Parodontalbehandlung daher indiziert sei, auf

**Rn. 81**

die aus der vorgehenden Behandlung geschöpften Erkenntnisse des Zahnarztes

**Rn. 82**

ankomme (Bl. 109 GA). In den Richtlinien für die Parodontalbehandlung

**Rn. 83**

für gesetzlich Versicherte sei festgelegt, dass 2 - 3 Wochen nach Abschluss

**Rn. 84**

der Vorbehandlung zu entscheiden ist, ob die Mitarbeit des Patienten

**Rn. 85**

ausreichend und ein Erfolg zu erwarten ist (Bl. 109 GA). Fehle die konsequente

**Rn. 86**

Mitarbeit des Patienten, so sei eine Paradontalbehandlung kontraindiziert,

**Rn. 87**

weil sie entweder ergebnislos bleibe oder sogar zu einem

**Rn. 88**

schlechteren Ergebnis führe (Bl. 116, 120 GA). Nach den Feststellungen des

**Rn. 89**

Sachverständigen hat die Klägerin die erforderlichen Behandlungen bei dem

**Rn. 90**

Beklagten immer wieder abgebrochen und ist viel zu lange nicht zu Kontrolluntersuchungen

**Rn. 91**

erschienen (Bl. 116, 121 GA). Sie sei mit den halbjährlich

**Rn. 92**

empfohlenen zahnärztlichen Untersuchungen sehr nachlässig umgegangen

**Rn. 93**

(Bl. 113 GA). Von insgesamt elf Behandlungsabschnitten bei dem Beklagten

**Rn. 94**

hätten sieben bis acht nicht mit der üblichen Kontrolluntersuchung sondern

**Rn. 95**

wegen Schmerzen der Klägerin begonnen. Sechs dieser Behandlungsabschnitte

**Rn. 96**

habe die Klägerin vor Beendigung abgebrochen (Bl. 114 GA). Sie

**Rn. 97**

sei in keinem der Fälle nach sechs Monaten zur Kontrolle erschienen (Bl.

**Rn. 98**

114 GA) und habe sechs Termine gänzlich versäumt (Bl. 114 GA). Die Abstände

**Rn. 99**

zwischen den Kontrolluntersuchungen hätten in sieben Fällen über

**Rn. 100**

ein Jahr, im längsten Fall 23 Monate betragen (Bl. 114 GA).

**Rn. 101**

Die Erkrankung der Klägerin liege zudem In einer prognostisch ungünstigen

**Rn. 102**

Form vor, die therapeutisch schwer zu beeinflussen sei (Bl. 120 GA). Wie

**Rn. 103**

eine früher einsetzende Parodontalbehandlung den Krankheitsverlauf beeinflusst

**Rn. 104**

hätte, lasse sich rückblickend nicht beurteilen (Bl. 117 GA). Bei der

**Rn. 105**

Klägerin hätten sich bei der gutachterlichen Untersuchung aktive Zeichen

**Rn. 106**

der Parodontitis gezeigt (Bl. 114 GA). Das deutliche Bluten des Zahnfleischs

**Rn. 107**

beim Sondieren, die massive Plaque in Bereichen, die der Mundhygiene

**Rn. 108**

schwer zugänglich sind, sowie deutliche Ablagerungen auf den Wurzeloberflächen

**Rn. 109**

im Bereich der Zahnfleischtaschen, in Form von Rauhigkeiten sprächen

**Rn. 110**

für ein Rezidiv oder eine letztlich nicht erfolgreiche Parodontalbehandlung

**Rn. 111**

(Bl. 115 GA). Das Röntgenbild zeige einen stark ausgeprägten horizontalen

**Rn. 112**

Knochenabbau, was vor dem Hintergrund des relativ jungen Alters

**Rn. 113**

der Klägerin für einen aggressiven Verlauf der Erkrankung spreche (Bl. 115

**Rn. 114**

GA). Dass die Klägerin Raucherin sei, verschlechtere die Prognose zusätzlich

**Rn. 115**

(Bl. 115, 116 GA).

**Rn. 116**

Einer weiteren Beweisaufnahme bedurfte es nicht. Die Klägerin hat eine Erläuterung

**Rn. 117**

des Gutachtens durch den Sachverständigen ausdrücklich abgelehnt.

**Rn. 118**

Die Voraussetzungen für die Einholung eines neuen Gutachtens gemäß

**Rn. 119**

§ 412 ZPO liegen ersichtlich nicht vor.

**Rn. 120**

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 S. 1 ZPO, die Entscheidung

**Rn. 121**

zur vorläufigen Vollstreckbarkeit aus § 708 Nr. 11 ZPO.

**Rn. 122**

Der Streitwert wird für den Antrag zu 1) auf 4.000,00 €, für den Antrag zu 2)

**Rn. 123**

auf 823,62 € sowie für den Antrag zu 3) auf 640,00 €, mithin insgesamt auf

**Rn. 124**

5.463,62 € festgesetzt.

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Zitiervorschlag: Landgericht Düsseldorf, Urteil vom 25.11.2004 – 3 0 578/03, ECLI:DE:LGD:2004:1125.3.0.578.03.00

Datenquelle: Open Legal Data, abgerufen 09.07.2026

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